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Veröffentlicht am 23.02.2024

Ein spannender und fesselnder Thriller

Gestehe
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Inhalt: Beim Wiener Starermittler Johann „Jacket“ Winkler läuft es: Ihm gelang der Coup, einen großen Organhändlerring zu sprengen – ein Fall so spektakulär, dass Jacket einen Krimi darüber schreib, der ...

Inhalt: Beim Wiener Starermittler Johann „Jacket“ Winkler läuft es: Ihm gelang der Coup, einen großen Organhändlerring zu sprengen – ein Fall so spektakulär, dass Jacket einen Krimi darüber schreib, der zu einem Bestseller wurde und nun sogar verfilmt wird. Kurzum: Es könnte nicht besser für Jacket sein. Doch dann wird in der Nachbarschaft Jackets eine grausam drapierte Leiche gefunden, die mit dem Wort „Gestehe“ gezeichnet ist. Ein Umstand, der Jacket nicht kalt lassen kann, imitiert der Tatort doch eine Szene aus seinem bisher unveröffentlichten zweiten Krimi, dessen Handlung noch geheim ist...

Persönliche Meinung: „Gestehe“ ist ein Thriller von Henri Faber. Erzählt wird die Handlung aus drei verschiedenen Ich-Perspektiven. So findet sich neben der Perspektive von Jacket auch diejenige von Mohammad „Mo“ Moghaddam, einem jungen, von seinem Umfeld unterschätzten Ermittler, der ein interessantes Gegenstück zu Jacket bildet: Während Jacket alles nur so zuzufliegen scheint und er – durch den ihm vorausseilenden Starstatus – lax agiert, handelt Mo, dem nichts geschenkt wird, regelkonform, weshalb er versucht, den Mordfall so korrekt wie möglich zu klären. Zusätzlich zu diesen beiden Perspektiven existiert noch eine weitere Perspektive („Er“), zu der ich hier allerdings nichts weiter spoilern möchte. Die Handlung von „Gestehe“ ist durchweg fesselnd und spannend, was besonders an drei Aspekten liegt. So besteht einerseits das spannungsgeladene Mysterium, wie die Täterfigur, die die Tatorte aus Jackets bisher unveröffentlichtem Roman imitiert, überhaupt von diesen wissen kann. Andererseits ist Jacket kein zuverlässiger Erzähler: Mehrfach verschweigt er Informationen; permanent hat man das Gefühl, dass hinter seinem Coup (dem Sprengen des Organhändlerrings) mehr steckt, als er zugibt. Dadurch weiß man nie genau, inwiefern man Jacket überhaupt trauen kann. Zusätzlich ist bis zur Auflösung komplett offen, wer der rätselhafte „Er“ ist. Das Ende von „Gestehe“ hat mir ebenfalls sehr gut gefallen. Ohne zu viel verraten zu wollen: Hier kommt es zu zwei überraschenden Twists, die wirklich kaum zu erahnen sind. Über die Thrillerhandlung hinaus schreckt Faber auch vor der Behandlung gesellschaftspolitischer Themen nicht zurück: Mehrfach wird der latente bis offene Rassismus, dem Mo privat wie beruflich aufgrund seines Migrationshintergrundes begegnet, thematisiert. Dies wird sehr eindrücklich und realistisch beschrieben, wodurch der Thriller – über seine letzte Seite hinaus – zum Nachdenken anregt. Der Schreibstil von Henri Faber ist anschaulich und flüssig zu lesen, sodass man nur so durch den Thriller fliegt. Insgesamt ist „Gestehe“ ein spannender und fesselnder Thriller, der die Grenzen von Realität und Fiktion auslotet.

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Veröffentlicht am 13.02.2024

Ein bittersüßer Coming of Age-Roman

Sylter Welle
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Inhalt: Jahrelang hat Max die Sommerferien mit seinen Großeltern auf der Insel Sylt verbracht - bis die Pubertät eintrat und im Nachgang andere Dinge (vermeintlich) wichtiger wurden. Doch: Die Großeltern ...

Inhalt: Jahrelang hat Max die Sommerferien mit seinen Großeltern auf der Insel Sylt verbracht - bis die Pubertät eintrat und im Nachgang andere Dinge (vermeintlich) wichtiger wurden. Doch: Die Großeltern sind mittlerweile nicht mehr die Jüngsten, fahren nun zum letzten Mal auf die Insel und Max will es sich nicht nehmen lassen, die beiden für ein paar Tage zu besuchen. Der Besuch wird für Max zu einer Reise in die Vergangenheit - zumindest teilweise. Denn seine Oma Lore ist standfest und resolut wie eh und je; mit seinem Großvater hingegen scheint irgendetwas nicht zu stimmen...

Persönliche Meinung: "Sylter Welle" ist ein Coming of Age-Roman mit autobiographischen Zügen von Max Richard Leßmann. Erzählt wird die Handlung aus der Ich-Perspektive der Figur Max. Die Kernhandlung des Romans thematisiert Max' Besuch bei seinen Großeltern auf Sylt: So erzählt Max u. a. von seiner Anreise, dem Schwimmen in der Nordsee und einem Konzertbesuch an der Musikmuschel. Darin geht die Handlung aber nicht vollends auf: Mehrfach wird die Kernhandlung durch assoziative Rückblenden unterbrochen, die mal von Max' Kindheit und Jugend, mal von seiner Familie handeln. Max sinniert hier, wie er wurde, wer er heute ist, und welchen Einfluss seine Familie dabei hatte. Dabei ist Max' Coming of Age voller ulkiger und skurriler Momente, die stellenweise sehr speziell sind. Dennoch ist es relatable: Trotz aller spezifischen Besonderheit wird vermutlich jeder Lesende etwas Bekanntes finden, dass auch für seinihr Heranwachsen oder seine*ihre Familie zutrifft (wie z. B. die Fluchtgeschichten und gewisse Härte der Großeltern). Aktiv treten in dem Roman nur drei Figuren auf: Max, seine Großmutter Lore und sein Großvater Ludwig. Durch die Erinnerungen Max' werden allerdings noch andere Figuren lebendig wie bspw. sein Cousin, sein Onkel oder einzelne seiner Ex-Freundinnen. Jede Figur ist markant, hat einen spezifischen, teilweise hyperbolisch gezeichneten Zug, der sie von den anderen Figuren unterscheidet. Trotz aller Skurrilität und Drolligkeit der Geschichte driftet "Sylter Welle" nicht komplett ins Klamaukhafte ab. Zwischen den Zeilen - aber deutlich spürbar - lastet auf der scheinbar leichten Handlung ein Schatten: Die Tragik, dass mit dem eigenen Erwachsen- und Älterwerden auch die geliebten Menschen um einen herum älter werden - bis sie irgendwann nicht mehr da sind. Max' Gedanken, Sorgen und Ängste in Bezug auf diese Tragik werden authentisch und nachvollziehbar geschildert. Der Schreibstil von Max Richard Leßmann ist flüssig zu lesen; die Handlung wird flott und eingängig erzählt. Ingesamt ist "Sylter Welle" ein Coming of Age-Roman mit skurrilen Figuren und Szenen, der aber dennoch eine gewisse Ernsthaftigkeit nicht vermissen lässt.

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Veröffentlicht am 12.01.2024

Ein fesselnder Thriller mit Regionalbezug

Der Mentor
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Inhalt: Heidelberg: Ein Bergrutsch legt Grausiges frei: Zwei mit Messern traktierte Frauenleichen, denen zudem die Zahlen I und III in den Nacken geritzt worden sind. Trotz umfangreicher Suche bleibt die ...

Inhalt: Heidelberg: Ein Bergrutsch legt Grausiges frei: Zwei mit Messern traktierte Frauenleichen, denen zudem die Zahlen I und III in den Nacken geritzt worden sind. Trotz umfangreicher Suche bleibt die Nummer II verschwunden. Die Leichen sind nicht alt, alles deutet auf einen Serienmörder hin, sodass aus München die Fallanalytikerin Nova Winter angefordert wird, um dem Heidelberger Kommissar Jakob Krohn zur Seite zu stehen. Schnell wird klar: Die Spur führt in das studentische Milieu der alten Universitätsstadt…

Persönliche Meinung: „Der Mentor“ ist ein Thriller von Svenja Diel. Erzählt wird der Thriller aus mehreren unterschiedlichen personalen Perspektiven. So werden neben den Sichtweisen von Nova und Jakob, die beide die Ankerpunkte bilden, auch die Perspektiven von Täter- und Opferfigur(en) eingenommen. Einerseits erhält man dadurch einen facettenreichen Blick auf den Fall, andererseits gewinnt die Handlung durch die Perspektivwechsel ein rasantes, aber trotzdem stimmiges Tempo (zusätzlich wird das Tempo noch durch die eher kurzen Kapitel erhöht). Ansonsten möchte ich zur Handlung gar nicht zu viel spoilern. Nur: Sie ist fesselnd, gespickt mit falschen Fährten und besitzt ein sehr überraschendes Ende (das gilt besonders für die Täterfrage, mit deren Auflösung ich – trotz aller beim Lesen angestellten Theorien – überhaupt nicht gerechnet hatte). Neben dem eigentlichen Fall und der Täterfrage sorgen auch die beiden ermittelnden Protagonisten für Spannung: Beide besitzen eine Vergangenheit, die nicht gerade unbeschwert war, wobei insbesondere Novas Vergangenheit tragisch und brisant für den aktuellen Fall ist. Der Schreibstil von Svenja Diel ist anschaulich, flüssig zu lesen und ebenso fesselnd wie die Handlung des Thrillers. Insgesamt ist „Der Mentor“ ein spannender Thriller mit Regionalbezug, der mit falschen Fährten, einer klug konstruierten Handlung und einem überraschenden Ende auftrumpft.

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Veröffentlicht am 02.01.2024

Eine atmosphärische, aber auch statische Erzählung

Bergkristall
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„Bergkristall“ ist eine weihnachtliche Erzählung von Adalbert Stifter. Die Handlung der Erzählung ist denkbar simpel: Zwei Geschwister, Konrad und Sanna, besuchen regelmäßig ihre Großeltern in einem benachbarten ...

„Bergkristall“ ist eine weihnachtliche Erzählung von Adalbert Stifter. Die Handlung der Erzählung ist denkbar simpel: Zwei Geschwister, Konrad und Sanna, besuchen regelmäßig ihre Großeltern in einem benachbarten Dorf, wofür sie eine längere Wanderung durch das österreichische Hochgebirge unternehmen müsse. Dies ist unter normalen Umständen kein Problem für die beiden, doch ausgerechnet an Heiligabend kommt es zu einem starken Schneefall, sodass die beiden Geschwister vom Weg abkommen und sich im Hochgebirge verirren. Ohne zu viel spoilern zu wollen: So simpel die Handlungsstruktur ist, so linear und (weitgehend) konfliktfrei wird sie erzählt. Auch die in „Bergkristall“ auftretenden Figuren wirken in ihrem Handeln und in ihren Dialogen eher stereotyp und statisch. Dennoch: Die Lektüre ist definitiv lohnenswert – was besonders an den atmosphärischen Naturschilderungen, dargestellt von einem allwissenden Erzähler, liegt. Bildgewaltig sowie unglaublich detailliert wird hier das österreichische Hochgebirge mit all seinen Schönheiten und Gefahren beschrieben. Interessant ist auch, wie in „Bergkristall“ die Naturdarstellung mit der Weihnachtsgeschichte verknüpft werden. Nicht zuletzt ist auch der Beginn der Erzählung ein kleines Meisterstück: Hier wird das Weihnachtsfest und dessen Brauchtum im dörflichen Mikrokosmos in einer stimmungsvollen Art und Weise dargestellt. Durch die detaillierten Schilderungen lässt sich „Bergkristall“ flüssig lesen, sodass man es sich problemlos an einem (Winter-)Abend zu Gemüte führen kann. Ergänzt wird der Text in der Reclam-Ausgabe durch ein Nachwort von Helmut Bachmeier, das aus einer literaturwissenschaftlichen Perspektive kurz in die Thematik der Naturbeschreibungen einführt. Insgesamt ist „Bergkristall“ eine weihnachtliche Erzählung, die weniger durch ihre Handlung, dafür aber umso mehr durch ihre atmosphärischen Naturschilderungen besticht.

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Veröffentlicht am 02.01.2024

Ein schöner Weihnachtsroman

Ich und der Weihnachtsmann
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Inhalt: Nachdem der Weihnachtsmann mithilfe von Amelia das Weihnachtsfest im letzten Jahr retten konnte, kehrt nun Ruhe in Wichtelgrund ein: Die Spielzeugproduktion läuft langsam an, Mary lernt das Zaubern ...

Inhalt: Nachdem der Weihnachtsmann mithilfe von Amelia das Weihnachtsfest im letzten Jahr retten konnte, kehrt nun Ruhe in Wichtelgrund ein: Die Spielzeugproduktion läuft langsam an, Mary lernt das Zaubern und Amelia soll die Wichtelschule besuchen. Gerade Amelias Schulbesuch gestaltet sich aber als schwierig. Die Schule ist auf Wichtelgröße angepasst; Amelia ist für alles zu groß. Auch sind ihre Mitschüler*innen viel geschickter als sie, sodass Amelia sich mehr und mehr unwohl fühlt. Nur in einem Fach kann sie glänzen: dem Schlittenunterricht. Doch gerade hier verursacht Amelia einen folgenschweren Unfall - und plötzlich tauchen in Wichtelgrund wieder alte, eigentlich längst überwundene Vorbehalte gegen Menschen auf...

Persönliche Meinung: "Ich und der Weihnachtsmann" ist ein phantastisches Kinderbuch von Matt Haig. Es handelt sich um den dritten Band der "Weihnachtsmann"-Reihe. Zwar ist die Handlung dieses Bandes in sich abgeschlossen, allerdings schließt die Handlung unmittelbar an den zweiten Band ("Das Mädchen, das Weihnachten rettete") an, sodass es sinnvoll ist, diese beiden Bände chronologisch zu lesen. Erzählt wird die Handlung - anders als die vorherigen Bände - aus einer Ich-Perspektive: Amelia berichtet über ihr Leben in Wichtelgrund, das nicht immer sorgenfrei verläuft. Der Fokus auf den Handlungsort "Wichtelgrund" hat mir sehr gut gefallen, da er in den Vorgängerbüchern immer etwas zu kurz kam. Nun, im dritten Band, hat man Zeit, die einzelnen Geschäfte und die Spielzeugfabrik Wichtelgrunds zu besuchen und einige der Wichtel näher kennenzulernen (bestimmte Figuren, die bereits in den Vorgängerbänden aufgetreten sind, besitzen nun eine größere Rolle für die Handlung, wodurch sie insgesamt dreidimensionaler wirken). Daneben hat mir gefallen, dass die Welt um die Wichtel größer wird. Um nur ein Beispiel zu nennen: Wie das Cover schon andeutet, spielt diesmal nicht nur der Weihnachtsmann eine große Rolle für die Handlung, sondern auch der Osterhase. Die Handlung von "Ich und der Weihnachtsmann" ähnelt einem Abenteuerroman: Amelia begeht - versehentlich - einen "Fehler", den sie wieder auszubügeln sucht - was natürlich nicht konfliktfrei vonstattengeht. Der Schreibstil von Matt Haig ist zielgruppengerecht, bildreich und anschaulich, sodass während der Lektüre ein lebendiges Kopfkino entsteht. Wie schon die Vorgängerbände ist auch der dritte Band mit schönen Illustrationen von Chris Mould versehen, die den Text stimmig ergänzen. Insgesamt ist "Ich und der Weihnachtsmann" eine stimmungsvolle Lektüre - gerade, aber nicht nur zu Weihnachten.

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