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Veröffentlicht am 24.05.2022

Bettina Tietjen mal anders

Früher war ich auch mal jung
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Bettina Tietjen gibt uns in ihrem neuen Buch Einblick in ihre Tagebücher. So können wir ihr Leben vom Teenageralter bis zum Ende ihrer Zwanziger hautnah verfolgen. Vieles in ihrem Leben haben wohl die ...

Bettina Tietjen gibt uns in ihrem neuen Buch Einblick in ihre Tagebücher. So können wir ihr Leben vom Teenageralter bis zum Ende ihrer Zwanziger hautnah verfolgen. Vieles in ihrem Leben haben wohl die LeserInnen selbst auch erlebt, eine Kindheit in den Siebzigern, die ersten selbständigen Reisen und das Erwachsen werden in den Achtzigern. Ich konnte vieles nachvollziehen, auch wenn ich deutlich jünger als sie bin. Die Unsicherheit, wo will ich hin, was soll ich in meinem Leben machen und werde ich die Liebe meines Lebens treffen, alles Gedanken, die ich auch hatte.

Bewundernswert, wie sie sich schon früh getraut hat allein im Ausland für mehrere Monate zu Leben und sich ein Leben in Paris oder New York aufzubauen. Im Gegensatz steht dazu tatsächlich ihre permanente Unsicherheit, die in den Tagebucheinträgen heraussticht. Diese Ambivalenz fällt ihr im Rückblick auch selbst auf und auch, wie wenig das tagesaktuelle Geschehen in ihren Einträgen stattfindet. Wer hier einen Rückblick auf die aktuellen Geschehnisse dieser Zeit erwartet, wird wohl eher enttäuscht werden.

Mir hat das Buch gut gefallen, vor allem die Erläuterungen und Resümees zwischen den Einträgen. Es ist ein sehr persönliches Buch und zeigt, wie aus einem unsicheren Teenager die bekannte Talkmoderatorin von heute wurde. Von daher kann ich das Buch auf jeden Fall empfehlen.

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Veröffentlicht am 21.05.2022

Science Fiction mal anders

Unter uns die Nacht
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Unter uns die Nacht spielt vor allem in der Gemeinschaft der Exodus-Flotte. Hier wohnen die Nachfahren derer, die sich einst von der Erde auf in diesen Schiffen auf den Weg ins All gemacht haben, um dort ...

Unter uns die Nacht spielt vor allem in der Gemeinschaft der Exodus-Flotte. Hier wohnen die Nachfahren derer, die sich einst von der Erde auf in diesen Schiffen auf den Weg ins All gemacht haben, um dort ein neues Zuhause zu finden. Wir begleiten eine Handvoll Menschen, einen Querschnitt durch die Gesellschaft dort. Tessa lebt mit ihrer Familie dort und ist als Lagerarbeiterin tätig. Ihre Tochter Aya ist traumatisiert, da sie den schweren Unfall des Wohnschiffs Oxomoco miterlebt hat. Dieser Unfall bestimmt auch das Leben der anderen Protagonisten. Einmal Isabel, die das Ereignis als Archivarin aufgezeichnet hat, Eyas, die sich als Hüterin um die Verstorbenen kümmert. Kip geht noch zu Schule und plagt sich mit Zukunftsängsten und Saywer lebt zum Zeitpunkt des Unfalls auf Mushtullu und bekommt durch die Nachrichten eine Ahnung davon, was es heißt in der Exodus Flotte zu leben. Er macht sich daraufhin auf den Weg, weil er dieses Leben für sich entdecken möchte. Saywer ist das Bindeglied zwischen den anderen Protagonisten und stößt mit seinem Schicksal Veränderungen im Leben der anderen an.

In diesem Buch geht es weniger um die Einzelschicksale der Personen, es geht mehr um die Art der Gesellschaft, die sich in der Exodus Flotte etabliert hat. Durch die unterschiedlichen Alter und Berufe lernt man die unterschiedlichen Sichtweisen gut kennen. Isabel bekommt auch noch Besuch von einer Hermagianerin, deren Beobachtungen die einzelnen Teile einleiten. Hier bekommt man noch einmal eine völlig andere Sicht auf diese menschliche Gesellschaft.

Mir hat das Buch wieder ausgesprochen gut gefallen. Es lies sich gut lesen und durch die Perspektivwechsel wird einem klar, dass es kein gut und kein schlecht geben kann. Die Lebensweise der Exodiraner hat seine Vor- und seine Nachteile. Ich fand es schön, wie die Autorin es schafft die Dinge so zu beleuchten, dass man selbst feststellt, dass das was man anfangs für nicht so gut hielt, vielleicht doch auch seine positiven Seiten hat.

Das Buch ist sicher anders als die anderen beiden der Reihe, hat mir aber genauso gut gefallen. Die Autorin schafft ein ungewöhnliches Setting und schafft es dennoch, Themen, die auch uns beschäftigen, wie Digitalisierung und Ressourceneinsatz, so unterzubringen, dass man sich ganz nebenbei auch darüber Gedanken macht und einen anderen Blickwinkel bekommt.

Ich kann das Buch nur empfehlen. Es ist vielleicht ein etwas ruhigeres Buch, nichts desto weniger aber toll zu lesen und nachklingend.

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Veröffentlicht am 17.05.2022

Das Leben überdenken

In den Wäldern der Biber
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Alinas Leben zerfällt von einem Tag zum anderen. Erst trennt sich ihr Freund von ihr, damit verliert sie ihre Wohnung und auch der Job ist nach der spontanen Kündigung weg. Da beschließt sie zu ihrem Großvater ...

Alinas Leben zerfällt von einem Tag zum anderen. Erst trennt sich ihr Freund von ihr, damit verliert sie ihre Wohnung und auch der Job ist nach der spontanen Kündigung weg. Da beschließt sie zu ihrem Großvater zu fahren, den sie lange Zeit nicht mehr gesehen hat. Siegfried lebt in Spechthausen, sein altes Haus hat er an Isabel und ihren Bruder Elias verkauft. Er nimmt Alina spontan auf und bald spielt sich ein gemeinsamer Alltag ein. Als Siegfried dann einen Unfall hat, muss Alina sich klar werden, wie ihr Leben weitergehen soll.

Ich muss sagen, dieses Buch hat mich sehr berührt. Alina wird von einem Tag auf den anderen aus ihrem gewohnten Leben gerissen und nutzt die Zeit bei ihrem Großvater, um zu verstehen, wie es weitergehen soll. Siegfried nimmt sie ohne große Worte bei sich auf, auch wenn sie sich Jahre lang nicht gesehen haben. Bei den gemeinsamen Gesprächen wird bald klar, dass die Familie einiges zu erleiden hatte und dass die Verbindung nicht grundlos abbrach. Und trotzdem ist da nichts bitteres, sondern eher Bedauern, die Zeit nicht besser genutzt zu haben.

Franziska Fischer lässt Alina in Ich-Form von ihrem Leben und ihren Eindrücken erzählen. Normalerweise tu ich mir mit solchen Geschichten schwer, hier hat es aber perfekt gepasst. Ich war Alina sehr nahe und konnte ihre Gefühle und Zweifel gut nachvollziehen. Neben der Beziehung zu Siegfried baut sich auch noch eine tolle Freundschaft zu Isabel, ihrer Tochter Mia und ihrem Bruder Elias auf, die das alte Haus des Großvaters gekauft haben. Hier findet Alina den Rückhalt und die Bestätigung, dass sie genau richtig ist, wie sie ist.

Ich kann dieses Buch nur empfehlen! Es war eine Auszeit, wirkte entschleunigend und ich mochte die Protagonisten so sehr. Jeder ein liebenswerter Mensch mit Ecken und Kanten. Ich hoffe dieses Buch wird viele Leser finden und Franziska Fischer wird noch mehr so schöne Bücher schreiben. Für mich war es definitiv eines meiner Jahreshighlights!

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Veröffentlicht am 15.05.2022

toller Reihenauftakt1

Sternstunde
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Hanna hat im ersten Weltkrieg ihren Verlobten verloren. Seitdem er vor ihren Augen gestorben ist, bekommt sie Panikanfälle, wenn sie schwer verwundete Soldaten pflegen soll. Als sie daher das Angebot bekommt ...

Hanna hat im ersten Weltkrieg ihren Verlobten verloren. Seitdem er vor ihren Augen gestorben ist, bekommt sie Panikanfälle, wenn sie schwer verwundete Soldaten pflegen soll. Als sie daher das Angebot bekommt an der neuen Klinik Waldfriede in Zehlendorf zu arbeiten und dort die Gelegenheit bekommt das Krankenhaus als Röntgenschwester zu unterstützen, nutzt sie die Chance, um nicht mehr in solche Situationen zu kommen.

Wir erleben mit Hanna die ersten Jahre in Waldfriede. Die Geschichte wird aus ihrer Perspektive und der von Louis Conradi erzählt. Conradi ist der Gründer des Krankenhauses und Hannas Förderer. Zwischen den beiden entsteht ein starkes Band, doch Conradi ist verheiratet und Hanna vom Herzen her nicht frei. Da beide auch der Gemeinschaft der Adventisten des siebenten Tages angehören, gibt es auch keine Möglichkeit mehr als nur ein berufliches Miteinander zu haben.

Das Buch teilt sich in drei Teile, Aufbau und Renovierung des Krankenhauses, dann die erste Zeit, als alles noch ums Überleben des Hauses geht und anschließend die ersten Jahre, als sich langsam aber sicher der Normalbetrieb einspielt und das Krankenhaus auch mit der Ausbildung von Pflegepersonal beginnt. Corina Bomann konnte für diese Romanreihe auf die Niederschriften des belegten Vorbilds Hanna Rinder zurückgreifen, auf deren Geschichte die der fiktiven Hanna Richter beruht. Auch Louis Conradi hat es gegeben, er war tatsächlich der Gründer der Klinik Waldfriede.

Mir hat das Buch ausgesprochen gut gefallen. Es wird nicht nur der Klinikalltag geschildert, man erfährt auch einiges über die Glaubensgemeinschaft der Adventisten. Hannas Gefühlsleben und die Sorgen und Hoffnungen Conradis spielen ebenfalls eine große Rolle. Mir hat diese Mischung extrem gut gefallen. Es war immer wieder spannend und es gab auch sehr schöne Stellen, an denen zwischenzeitlich auch einmal Ruhe und Alltag einkehrt. Für mich ist hier eine gute Balance getroffen worden.

Ich kann das Buch nur empfehlen, ich bin schon sehr gespannt, wie es weitergehen wird. Es werden wohl schwere Zeiten auf die Belegschaft zukommen und ich bin sicher, es wird einige, für mich neue Gesichtspunkte geben. Die Vorurteile gegen die Gemeinschaft sind ja schon von Anfang an recht ausgeprägt, daher interessiert es mich, wie das wohl in der Zeit des Nationalsozialismus weitergeht.

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Veröffentlicht am 12.05.2022

Ein Buch, das glücklich macht!

Die Hoffnung der Marienkäfer
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Leonie ist ausgebrannt und auf Kur, als sie einen Handwebladen entdeckt und dort einen Kurs macht. Hier wird ihr klar, dass sie ihr Leben ändern will. Als sie ein Haus in Glienecke findet scheint ihr Glück ...

Leonie ist ausgebrannt und auf Kur, als sie einen Handwebladen entdeckt und dort einen Kurs macht. Hier wird ihr klar, dass sie ihr Leben ändern will. Als sie ein Haus in Glienecke findet scheint ihr Glück perfekt, endlich den ersehnten Garten und ganz viel Zeit für sich und ihre Webkunst, das ist das was sie sich wünscht.

Kaia ist dagegen mit ihrem Leben nicht ganz zufrieden, die Doktorarbeit kommt nicht wirklich voran und dann soll sie noch für ihre Freundin Remy ein Haus auf der Insel Poel besichtigen und bewerten. Nach anfänglichen Schwierigkeiten kommt sie dort aber zur Ruhe und die Geheimnisse und die Geschichte des Hauses zeigen ihr, wo es mit ihrer Zukunft hingehen kann.

Patricia Koelle nimmt uns mit ihrem 5. Band der Inselgärtenreihe wieder mit in wunderbare Gärten und Landschaften, die dem Leser bewusst machen, wie wichtig und schön doch unsere Natur ist und dass es sich lohnt sie zu schützen. Dabei schafft sie es, alles so zu beschreiben, dass man wieder voll mit dabei ist und das Gefühl hat dort Urlaub zu machen.

Mich hat vor allem der Garten auf Poel erstaunt. Dort wartet hinter jeder Ecke eine neue Überraschung und man möchte gar nicht aufhören, die Wunder der Natur dort zu entdecken. Schön fand ich, dass Remy, die im ersten Band der Reihe den Geschichtengarten auf Rügen gegründet hat, diesmal alle Gärten der Reihe zusammenbringt. Das macht dieses Buch zu einem fulminanten Schlusspunkt rund um alle Inselgärten und man kann noch einmal kurz in alle Gärten hineinspitzen.

Mich hat dieses Buch beim Lesen glücklich gemacht. Es war so toll, dass ich eigentlich nicht aufhören mochte zu lesen und andererseits wehmütig, weil es so schnell zu Ende war. Trotzdem habe ich das Buch am Ende sehr zufrieden zugeschlagen und mir vorgenommen diese Reihe noch einmal zu lesen. Ich mochte ja sowohl die Ostsee-, als auch die Nordsee-Reihe, aber die Inselgärten haben mich doch noch mehr berührt und gehören zu meinen Lieblingsbüchern.

Die Hoffnung der Marienkäfer ist auf jeden Fall ein Jahreshighlight für mich, von daher: Lest es!

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