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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 13.07.2019

Was hat eine verschwundene Braut mit dem Mord an Olof Palme zu tun?

Schneewittchensarg
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Es handelt sich beides um Cold Cases. Aber das ist noch nicht alles. „Schneewittchensarg“ ist bereits der 7. Fall für Ingrid Nyström und Stina Forss, die ungleichen schwedischen Kommissarinnen. Ihre Ermittlungen ...


Es handelt sich beides um Cold Cases. Aber das ist noch nicht alles. „Schneewittchensarg“ ist bereits der 7. Fall für Ingrid Nyström und Stina Forss, die ungleichen schwedischen Kommissarinnen. Ihre Ermittlungen führen sie diesmal ins småländische Glasreich.
Bei einer Ausstellungseröffnung wird ein skelettierter Leichnam in einem gläsernen Sarkophag entdeckt. Es soll sich um die vor 50 Jahren verschwundene Berit handeln. Sie wurde anlässlich ihrer Hochzeit mit Gunnar Gustavsson entführt.
Roman Voosen und Kerstin Signe Danielsson haben ihren neuen Krimi vielschichtig und komplex, dennoch hochspannend in Szene gesetzt. Es geht um Lüge und Verblendung, Eifersucht und Verrat - und eine junge Frau auf dem Selbstfindungstrip.
Ab und zu sind Abschnitte in Kursivschrift eingestreut. Sie verleiten zu unterschiedlichen Spekulationen und Deutungen. Immer mal wieder finden sich Bezüge zu den Vorgängern. Das macht Lust auf mehr für die, die die bisherigen Bände (noch) nicht kennen. Irrungen und Wirrungen, nichts ist wie es scheint. Auch für den geübten Krimi-Leser halten die Autoren viele Überraschungen bereit.
Das Privatleben der beiden Ermittlerinnen nimmt wieder viel Raum ein. Mehr und mehr erinnert mich Stina an die rebellische Lisbeth Salander aus den Romanen von Stieg Larsson. Auch der rätselhafte Kent Vargen und Stinas ungeliebter Vater, beide inzwischen tot, spielen wieder eine Rolle. Ingrid hat den Tod ihrer Schwiegertochter Healey noch nicht verkraftet und ist von Hass zerfressen.

Fazit: Ehrliche und solide Ermittlertätigkeit. Ein Muss für Fans des skandinavischen Krimis.

Veröffentlicht am 11.07.2019

Big Data macht es möglich

Der Preis des Lebens
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„Der Preis des Lebens“ ist ein österreichischer Krimi, der Organraub thematisiert.
Dr. André Keller und Dr. Eva Vekete sind spezialisiert auf Organtransplantationen. Mittels Krankenkassendaten finden ...

„Der Preis des Lebens“ ist ein österreichischer Krimi, der Organraub thematisiert.
Dr. André Keller und Dr. Eva Vekete sind spezialisiert auf Organtransplantationen. Mittels Krankenkassendaten finden sie Zielpersonen mit den passenden Organen für solvente Kunden. Wobei die Organspender das nicht überleben. Das System der beiden funktioniert reibungslos, bis ein Missgeschick auf dem Wiener Zentralfriedhof passiert und zwei strafversetzte Polizisten einer Abteilung für Sonderfälle, Michael Lenhart und Sabine Preiss, zu ermitteln beginnen.
Ein erschreckendes Szenario, das Bernhard Kreutner sich ausgedacht hat. Dem starken Anfang folgt ein etwas schwächerer Mittelteil. Der Leser ist der Polizei immer einen Schritt voraus. Denn die Täter sind ja von Anfang an bekannt. Das geht zu Lasten der Spannung. Viele Ebenen des organisierten Verbrechens und des Ermittlungsapparates werden berührt. Geheimdienstliche Aktivitäten sind im Spiel. Was die Reichsbürgerbewegung damit zu haben soll, hat sich mir nicht erschlossen.
Österreich und seine Titel: Frau Ministerin, Brigadier Fritsch, Major Lenhart, Leutnant Preiss etc. Die Figuren sind zu glatt, zu perfekt gezeichnet, ohne Ecken und Kanten. Aber auch der berühmte Wiener Schmäh kommt nicht zu kurz. Als Nicht-Wiener fällt es allerdings schwer zu entscheiden, wie authentisch das ist. Last but not least viel Politik und Philosophie trüben den Lesegenuss. Alles in allem eine Geschichte, die für meinen Geschmack etwas spannender hätte sein können.

Fazit: Morbider Krimi mit brisantem Thema, der mich kurzweilig unterhalten hat.

Veröffentlicht am 07.07.2019

Sonne, Sand und Meer?

Tod in Porto
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„Tod in Porto“ ist mein erstes Buch von Mario Lima. Der Autor geht gleich in medias res: Das Video ist nur dreiunddreißig Sekunden lang. Eine Zunge und ein Paar Ohren, genagelt an eine Holztür. Die „brasilianische ...


„Tod in Porto“ ist mein erstes Buch von Mario Lima. Der Autor geht gleich in medias res: Das Video ist nur dreiunddreißig Sekunden lang. Eine Zunge und ein Paar Ohren, genagelt an eine Holztür. Die „brasilianische Methode“ mit Spitzeln umzugehen. Kurz zuvor war ein Mann brasilianischer Herkunft erschossen neben seinem Sportwagen aufgefunden worden. Wo ist die Verbindung?
Porto im Hochsommer. Aber statt Urlaub müssen Fonseca, Ana und Pinto von der Polícia Judiciária ermitteln. Es geht um die brasilianische Mafia, Gewalt, Geldwäsche und Korruption. Viele Ebenen des organisierten Verbrechens und des Ermittlungsapparates werden berührt. Was haben ein Immobilienhai und die Tochter eines Anwalts aus São Paulo mit alldem zu tun?
Mario Lima ist das Pseudonym eines deutschen Autors, der seit vielen Jahren in Portugal lebt. „Tod in Porto“ ist nach „Barco Negro“ der zweite Fall für Inspektor Fonseca. Der Autor hat seinen neuen Krimi atmosphärisch in Szene gesetzt. Spannend, keine Frage. Aber ich hätte mir ein bisschen mehr Lokalkolorit gewünscht.
Alles in allem hat mir das Buch gut gefallen. Schöne ruhige Ermittlertätigkeit. Nicht zu blutig und brutal. Chefinspektor Fonseca ist ein massiger, untersetzter Mann um die fünfzig, der an Asthma leidet. Fonseca, Ana und Pinto, eine sympathische Truppe, der ich gerne wieder über die Schulter schauen möchte.

Fazit: Solide Krimikost, die in Porto verortet ist. Lesenswert!

Veröffentlicht am 04.07.2019

Die Vergangenheit holt einen immer ein

Küstenstill
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Sommer, Sonne, Meer. Passend zur Urlaubszeit entführt uns Elias Haller mit seinem neuen Thriller an die Küste. Doch Hardy Finkel, der nach zwanzig Jahren beim BKA in die Ostseeregion zurückgekehrt ist, ...

Sommer, Sonne, Meer. Passend zur Urlaubszeit entführt uns Elias Haller mit seinem neuen Thriller an die Küste. Doch Hardy Finkel, der nach zwanzig Jahren beim BKA in die Ostseeregion zurückgekehrt ist, kriegt von diesem Idyll nicht viel mit. Zusammen mit seiner Kollegin Greta Silber von der Kripo in Anklam wird er mit einem grausamen Mordfall betraut: Das Foto einer schrecklich zugerichteten Frauenleiche wurde zusammen mit einer kryptischen Botschaft auf Instagram gepostet.
Hardy lebt mit seiner Freundin Lara und deren achtjährigen Sohn Benjamin in Greifswald. Eines Tages bekommt er ein Paket mit einem Hautstück zugeschickt. Gibt es ein weiteres Opfer? Und dann verschwindet auch noch Benni. Irgendjemand scheint neidisch auf Hardy zu sein und geht dabei äußerst hinterhältig vor.
Elias Haller hat „Küstenstill“ atmosphärisch und mit viel Lokalkolorit in Szene gesetzt. Es wird sofort Spannung aufgebaut - und durchgehend gehalten. Es fällt schwer, das Buch aus der Hand zu legen. Der flüssige Schreibstil tut sein Übriges dazu, so dass man hier wirklich von Verschlingen statt Lesen sprechen kann. Der Fall bietet bis zum Ende Komplexität und viele Verdächtige. Die Auflösung ist überraschend, aber absolut stimmig.
Die Figurenzeichnung ist glaubhaft und durchdacht. Hardy ist mir sofort ans Herz gewachsen. Auch, wenn er mit den Dämonen der Vergangenheit zu kämpfen und zudem eine seltene Krankheit hat. Greta kommt ebenfalls sympathisch rüber. Sie hat es nicht leicht. Ihre Kinder leben beim Ex und sie muss auch noch Unterhalt zahlen. In ihrer Freizeit schreibt sie Krimis. Man darf gespannt sein, wie es mit den beiden weiter geht - wenn es denn eine Fortsetzung gibt.

Fazit: Spannende Strandlektüre, nicht nur für Ostsee-Urlauber.

Veröffentlicht am 01.07.2019

Düsteres Nordschweden

Dunkelsommer
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Um es gleich zu sagen, „Dunkelsommer“ von Stina Jackson hat mich begeistert. Zwei spannende Handlungsstränge gilt es zu verfolgen:
Zum einen Lennart Gustafsson, genannt Lelle, der seit drei Jahren auf ...

Um es gleich zu sagen, „Dunkelsommer“ von Stina Jackson hat mich begeistert. Zwei spannende Handlungsstränge gilt es zu verfolgen:
Zum einen Lennart Gustafsson, genannt Lelle, der seit drei Jahren auf dem Silvervägen, einer kaum befahrenen Straße, nach seiner verschwundenen Tochter Lina sucht. Sie war damals 17 Jahre alt. Er sucht sie im Sommer jede Nacht, in den Ruinen verlassener Dörfer, in baufälligen Bauernhäusern und auf einsamen Straßen, die ins Nirgendwo führen.
Auf der anderen Seite die 17-jährige Meja, die mit ihrer Mutter Silje und deren Internetbekanntschaft Torbjörn in einer Bruchbude am Ende der Welt ein gutes Leben führen soll. In den Wäldern trifft sie eines Tages auf Carl-Johan und seine Brüder Göran und Pär Sie verliebt sich in Carl-Johan. Doch die Familie hütet ein dunkles Geheimnis.
Als eine weitere junge Frau am Silvervägen verschwindet, laufen beide Erzählstränge zusammen…
Stina Jackson hat ihren Debütroman „Dunkelsommer“ atmosphärisch und mit viel Lokalkolorit in Szene gesetzt. Es geht um Trauer und Schuld. Mehr Drama, als Thriller Spannend, keine Frage. Der Erzählstil der Autorin ist überaus angenehm und vermag mit leisen Tönen zu fesseln.
„Es war erst Mai, aber er [Lelle] lag bereits wach, als die Morgendämmerung sich durch die Gardinen und Fensterläden zwängte. Er hörte, wie der Bodenfrost seinen Griff löste und der Winter langsam ausblutete. Er hörte die Bäche und Flüsse rauschen, als die Berge ihre Mäntel abstreiften.“
Aber auch die dunkelste Reise muss irgendwann zu Ende gehen…

Fazit: Fesselnde und eindringliche Lektüre. Ein Buch, das lange nachhallt.