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Veröffentlicht am 13.11.2020

über die Zerstörung des Planeten, die schockierende Realität ist.

Aus schwarzem Wasser
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Hach, Anne Freytag… Ich liebe ihre Bücher und war besonders nach „Nicht weg und nicht da“ total hingerissen! Ihr fast schon poetischer Schreibstil catcht mich einfach immer wieder. Nachdem sie sonst eher ...

Hach, Anne Freytag… Ich liebe ihre Bücher und war besonders nach „Nicht weg und nicht da“ total hingerissen! Ihr fast schon poetischer Schreibstil catcht mich einfach immer wieder. Nachdem sie sonst eher für ihre Jugendbücher bekannt war, ist „Aus schwarzem Wasser“ ihr erster Thriller – dem ich entgegengefiebert habe wie kaum einem Buch in diesem Jahr.
Das war dann aber doch ganz, ganz anders, als ich erwartet habe.

Erstmal zum Genre: Eingeordnet ist das Werk ja als Thriller – was ich aber echt spannend und überraschend fand, war, dass es doch eine totale Mischung verschiedener Genres ist. Klar, Blut fließt auch, aber so viel dann doch wieder nicht. Beim Lesen hat es sich für mich total nach einem Drama angefühlt. Außerdem gibt es doch echt so einige Fantasy-/Science-Fiction-Elemente, die hier aber echt gut verbaut sind und sich für mich keineswegs unrealistisch angefühlt haben. Und wie Anne Freytag in ihrer Widmung schon schreibt: Nur ein Teil dieser Geschichte ist Fiktion.
Zwischen den Zeilen lesen ist also das Stichwort. Die Kritik, die dort vermittelt wird, teile ich vollkommen. Wegen ihr hat mich "Aus schwarzem Wasser" ein bisschen an „Das Meer“ von Wolfgang Fleischhauer erinnert – eines meiner absoluten Jahreshighlights bisher. Damit hat Freytag bei mir also genau ins Schwarze getroffen.
Die Protagonisten konnte ich mir bildlich vorstellen und vor allem Maja und Efrail habe ich total ins Herz geschlossen. Dr. Patricia Kohlbeck war dagegen für mich mal was ganz anderes – kühl und professionell, durch und durch Wissenschaftlerin. Viele Nebenfiguren handeln skrupellos und ich habe mehr und mehr das Gefühl, dass dadurch das egoistische Handeln der Menschheit widergespiegelt wird.

Aber:
5 Sterne sind es für mich nicht. Obwohl der Großteil mich wirklich sehr gefesselt hat, gab es (vor allem gegen Ende) einige Passagen, die sich für mich ein bisschen gezogen haben. Das offene Ende hat mich perplex zurück gelassen und überlässt der Fantasie, wie es jetzt wohl weiter geht – Geschmackssache, klar…

Meine Bewertung:

Ging es nach mir, wäre die Geschichte also wohl auf 500 statt knapp 600 Seiten erzählt worden.
Trotzdem: ich empfehle es weiter und wünsche mir mehr davon! Vor allem die gesellschaftskritische Komponente liebe ich sehr.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 11.11.2020

Ein Drama voller Emotionen, das mich erschüttert hat

Ein wenig Leben
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Wut, Angst, Schrecken, Fassungslosigkeit, Dankbarkeit, Hoffnungslosigkeit, Erschütterung, Ungläubigkeit. Dieser Roman hat so viele Emotionen in mir geweckt, wovon die meisten allerdings keine guten sind. ...

Wut, Angst, Schrecken, Fassungslosigkeit, Dankbarkeit, Hoffnungslosigkeit, Erschütterung, Ungläubigkeit. Dieser Roman hat so viele Emotionen in mir geweckt, wovon die meisten allerdings keine guten sind. Die Geschichte ist wirklich krass. Krass und schrecklich und sie wird mich mit Sicherheit noch länger beschäftigen.

Aber erstmal: Worum gehts?
Es ist echt schwer, das komplett ohne zu spoilern zu sagen... Auf jeden Fall dreht sich die Geschichte um die Freundschaft von Willem, Malcolm, JB und Jude, die sich am College kennenlernen. Allerdings ist das nur die halbe Wahrheit. Es geht um ihr Leben, vor allem um das von Jude. Der Klappentext verrät: "Wie ein schwarzes Loch werden die Freunde in Judes dunkle. schmerzhafte Welt hineingesogen, deren Ungeheuer nach und nach hervortreten". Der Roman erzählt die Geschichte seines Lebens, von Anfang bis zum Ende, aber nicht in chronologischer Reihenfolge. Nach und nach kommen immer mehr Details ans Licht, von denen eines schrecklicher ist als das andere. Und nach und nach versteht man, wie Jude zu dem gebrochenen Menschen geworden ist.

Jetzt mal Klartext - hier wird ein ganz bisschen gespoilert.Das Buch ist auf keinen Fall etwas, für Menschen, die selbst Opfer von (sexueller) Gewalt geworden sind. Denn genau das wird sehr präzise geschildert. Vergewaltigung, Kindesmissbrauch, mentale/sexuelle/körperliche Gewalt, Selbstverstümmelung, Selbstmordgedanken. All das nimmt viel Platz in der Erzählung ein und man will die Augen verschließen und das Buch an die Wand werfen.

Meine Meinung:
Unterm Strich ein wirklich schreckliches Buch, das absolut grandios ist. Ich wollte mir beim Lesen die Augen zu halten und nicht wissen, wie es weiter geht. Gleichzeitig konnte ich es nicht aus der Hand legen. Es hat mich ungläubig zurückgelassen und ich musste mir immer wieder einreden, dass es nur eine Geschichte ist. Was viel mehr wiegt: Sowas passiert wirklich. Es gibt Menschen, die solches Leid erfahren und deren Leben auf diese Weise schon in ihrer Kindheit zerstört wird.
Meiner Meinung nach ein wirklich wichtiges Buch. Nie zuvor wurde mir so stark vor Augen geführt, wie sehr die Kindheit und einzelne Erlebnisse das ganze Leben prägen. Ich habe jetzt eine tiefe Dankbarkeit in mir, dass ich so behütet aufgewachsen bin und mehr als nur "ein wenig Leben" habe.
Über den Inhalt insgesamt hinaus fand ich aber, dass sich das Buch an manchen Stellen doch sehr gezogen hat. Vor allem am Ende habe ich noch mit einem Knall gerechnet, der ausblieb. Deswegen haben mich die letzten 100-200 Seiten etwas enttäuscht. Alles in allem aber ein Buch, das ich gerne gelesen habe (wenn man das so sagen kann...).

Meine Bewertung
"Ein wenig Leben" hätte aufgrund des Gewichts seiner Thematik 5 Sterne verdient. Auch die Erzählweise in einzelnen Rückblenden und Vergleiche wie mit dem Gleichheitsaxiom (für die, die es schon gelesen haben), fand ich wirklich sehr, sehr gelungen.
Wie gesagt war es mir aber an manchen Stellen zu ausgedehnt und stellenweise tatsächlich auch etwas langweilig. Ich glaube, 200/300 Seiten weniger, hätten es auch getan.
Insgesamt gebe ich 4 Sterne und kann das Buch jedem ans Herz legen, der keine leichte Lektüre sucht, sondern sich auf eine Geschichte einlassen möchte, die einem die knallharte Realität von Opfern ausgelebter Pädophilie und von Missbrauch vor Augen hält. Wer beim Lesen mal so richtig sauer und verzweifelt sein möchte, sollte dieses Buch auf jeden Fall mal in die Hand nehmen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 22.10.2020

Wissenschaftliches Sachbuch als schockierende Dystopie. Wie die Welt am Ende unseres Lebens aussieht, wenn wir unser Handeln nicht ändern.

2084
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Dürren, Überschwemmungen, weltweite Umweltkrisen, Sterben unzähliger Arten und unzähliger Menschen, die der Klimakatastrophe zum Opfer fallen. Und das nur 64 Jahre in der Zukunft.
Der Weltuntergang fühlt ...

Dürren, Überschwemmungen, weltweite Umweltkrisen, Sterben unzähliger Arten und unzähliger Menschen, die der Klimakatastrophe zum Opfer fallen. Und das nur 64 Jahre in der Zukunft.
Der Weltuntergang fühlt sich immer verdammt weit weg an. Klar, CO2 ist nicht gut, Treibhauseffekt? – schon 100 Mal gehört. Wahrscheinlich passiert deswegen zu wenig: Der Schock über das Drohende nutzt sich langsam ab, fühlt sich unkonkret und weit weg an.
Der renommierte Wissenschaftler James Lawrence Powell führt die alarmierenden Folgen des Klimawandels mit einer solchen Wucht wieder vor Augen, dass sich wirklich am „gesunden Menschenverstand“ der Menschheit zweifeln lässt.

Im Zentrum der Dystopie steht ein Klimaforscher im Jahre 2084. Er blickt schockiert auf die hinter ihm liegenden Jahre zurück, in denen sich die Klimakatastrophe dramatisch verschlimmerte – mit katastrophalen Folgen für die gesamte Menschheit, Tier- und Pflanzenwelt. Er kann nicht begreifen, wie die Menschen zu Beginn des Jahrhunderts das Verderben auf sich zukommen sehen konnten und dennoch weiter egoistisch und kurzsichtig handeln.

Die Gliederung des Buches in neun Teile spiegelt den Inhalt gut wider:

Teil 1: Dürre und Feuer
Teil 2: Überschwemmung
Teil 3: Anstieg des Meeresspiegels
Teil 4: Eis
Teil 5: Krieg
Teil 6: Faschismus und Migration
Teil 7: Gesundheit
Teil 8: Artensterben
Teil 9: Ein Ausweg

Diese Themen werden in fiktiven Interviews in der Zukunft besprochen. Fiktion, die Wahrheit enthält. In ihr fällt der Blick einerseits auf Ereignisse, die tatsächlich vor dem Jahr 2020 stattgefunden haben. Deren Schilderung mischt sich mit Annahmen für die Zeit zwischen 2020 und 2084, basierend auf aktuellen Forschungsergebnissen. Das Ergebnis ist schockierend.

Meine Meinung:
Theoretisch beschreibt das Buch nichts Neues: Aufgrund der modernen Lebensweise und des enormen Ausstoßes von Treibhausgasen wie durch die Verbrennung fossiler Stoffe treibt die Menschheit die Erde in den Untergang. Klimakatastrophen, gewaltige Unwetter, der Zusammenbruch ganzer Ökosysteme.
Schockierend, aber nicht greifbar. In „2084“ werden diese gewaltigen, aber unhandlichen Begriffe auf einmal hautnahe Realität. Powell zeigt die konkreten Folgen des egoistischen Lebensstils der Menschen aus Sicht eines 2012 geborenen Wissenschaftlers im Jahre 2084. Und das ist das erschütternde: Seine Schilderungen betreffen auch schon Menschen, die heute schon leben.
Nach jeder beschriebenen Katastrophe wurde ich fassungsloser: Wie können wir das verantworten und jeden Tag weiter so leben, als würden wir die Welt unserer Kinder nicht in den Untergang stürzen.

Ein absolut packendes Buch, dass mit Deutlichkeit und Dringlichkeit vor Augen führt, dass wir dringend und radikal handeln müssen.

Für mich ein kleines Minus:
Durch die sehr detaillierte Beschreibung der Ereignisse in der Zukunft, hat es sich für mich an manchen Stellen etwas gezogen. Ich hätte mir persönlich eine etwas weniger ausschweifende Darstellung gewünscht – das ist aber absolut Geschmackssache.

Bewertung:
Dieses Buch kann zum Umdenken bewegen. Alles in allem ein grandioses Werk. Ich bin absolut beeindruckt von der Art, wie der Leser in die Zukunft katapultiert wird, die er mit zu verantworten hat. Nach dem Lesen bin ich verzweifelt aber auch entschlossen. Dieses Buch sollte jeder Mensch gelesen haben und sein Handeln danach überdenken.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 21.08.2020

Wut und Verzweiflung

Ein wenig Leben
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Wut, Angst, Schrecken, Fassungslosigkeit, Dankbarkeit, Hoffnungslosigkeit, Erschütterung, Ungläubigkeit. Dieser Roman hat so viele Emotionen in mir geweckt, wovon die meisten allerdings keine guten sind. ...

Wut, Angst, Schrecken, Fassungslosigkeit, Dankbarkeit, Hoffnungslosigkeit, Erschütterung, Ungläubigkeit. Dieser Roman hat so viele Emotionen in mir geweckt, wovon die meisten allerdings keine guten sind. Die Geschichte ist wirklich krass. Krass und schrecklich und sie wird mich mit Sicherheit noch länger beschäftigen. Das Buch ist aber auch absolut grandios. Ich wollte mir beim Lesen die Augen zu halten und nicht wissen, wie es weiter geht. Gleichzeitig konnte ich es nicht aus der Hand legen. Es hat mich ungläubig zurückgelassen und ich musste mir immer wieder einreden, dass es nur eine Geschichte ist.

Meiner Meinung nach ein wirklich wichtiges Buch. Nie zuvor wurde mir so stark vor Augen geführt, wie sehr die Kindheit und einzelne Erlebnisse das ganze Leben prägen. Ich habe jetzt eine tiefe Dankbarkeit in mir, dass ich so behütet aufgewachsen bin und mehr als nur "ein wenig Leben" habe.

Über den Inhalt insgesamt hinaus fand ich aber, dass sich das Buch an manchen Stellen doch sehr gezogen hat. Vor allem am Ende habe ich noch mit einem Knall gerechnet, der ausblieb. Deswegen haben mich die letzten 100-200 Seiten etwas enttäuscht. Alles in allem aber ein Buch, das ich gerne gelesen habe (wenn man das so sagen kann...).

Insgesamt gebe ich 4/5 ⭐️ und kann das Buch jedem ans Herz legen, der keine leichte Lektüre sucht, sondern sich auf eine Geschichte einlassen möchte, die einem die knallharte Realität von Opfern ausgelebter Pädophilie und von Missbrauch vor Augen hält. Wer beim Lesen mal so richtig sauer und verzweifelt sein möchte, sollte dieses Buch auf jeden Fall mal in die Hand nehmen.

x Hannah (IG: sunnyhannii)

  • Cover
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Veröffentlicht am 15.08.2020

Ein Meisterwerk der Jugendbuchliteratur

Das Gegenteil von Hasen
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Wie auch bei Freytags anderen, steckt in diesem Roman so unglaublich viel Köpfchen und Gefühl. Ich habe so mit den Jugendlichen mitgefühlt! Der Roman öffnet die Augen für die Probleme und Sorgen, mit denen ...

Wie auch bei Freytags anderen, steckt in diesem Roman so unglaublich viel Köpfchen und Gefühl. Ich habe so mit den Jugendlichen mitgefühlt! Der Roman öffnet die Augen für die Probleme und Sorgen, mit denen sie in ihrem Schulalltag konfrontiert sind. Mobbing, Verliebtsein, Homosexualität, Rassismus. Harte Themen werden ungeschönt angesprochen und geben viel Stoff zum Nachdenken.

Besonders gefallen haben mir die vielen Perspektiven, aus denen die Geschichte erzählt wird. Außerdem ist sie wendungsreich und spannend bis zum Schluss - wer hat die Einträge veröffentlicht und warum?? Aber vor allem, dass neben den Handlungssträngen im Jetzt und in der Vergangenheit (sowie Teilen in Protokollform zum "Mobbingvorfall Julia Nolde") so viele wichtige Themen angesprochen werden.

Und mal wieder: der Schreibstil! Halleluja! Ich bin absolut begeistert von der wie immer unglaublich bildlichen Sprache, die vielen Vergleiche und Metaphern. Und auch der Titel und das Bild vom Hasen im Wolfspelz oder vom Wolf im Hasenfell ist häufig wieder aufgegriffen worden. Das setzt der ganzen Geschichte noch einmal ein i-Tüpfelchen auf!

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  • Handlung
  • Charaktere