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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 25.07.2023

Erkenntnisse auf dem Olavsweg

Berge, Trolle, tiefe Sehnsucht
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Martha führt ein erfolgreiches Start-Up-Unternehmen, merkt jedoch, dass ich mit der Zeit alles zu viel geworden ist - sie muss raus. Einmal raus aus allem, in die Natur und einen klaren Kopf bekommen. ...

Martha führt ein erfolgreiches Start-Up-Unternehmen, merkt jedoch, dass ich mit der Zeit alles zu viel geworden ist - sie muss raus. Einmal raus aus allem, in die Natur und einen klaren Kopf bekommen. Daher beschließt sie, den Olavsweg in Norwegen von Oslo bis nach Trondheim zu pilgern.

Susanne Ringen erzählt in lockerem und leichten Tonfall von Marthas Berufsalltag und dann von der Reise, den Menschen, denen Martha begegnet, die Geschichten, die ihr erzählt werden und welche Gedanken ihr auf dem Weg durch die Natur, abseits vom Alltag, kommen. Martha wird mit der Frage nach der Sinnsuche konfrontiert und muss ihr eigenes Leben, ihre Ziele und Wünsche hinterfragen und reflektieren. Dabei gewinnt sie ganz neue Perspektiven und eine neue, innere Stärke.

Parallel dazu ist die norwegische Landschaft malerisch beschrieben, sodass ich ein sehr anschauliches Bild im Kopf entwickeln konnte.

Abgesehen davon, dass "Berge, Trolle, tiefe Sehnsucht" eine schöne und anschauliche Erzählung über den Olavsweg ist, gibt das Buch sicherlich all denjenigen Impulse, die gerade selbst an einer schwierigen Schwelle im Leben stehen, ihren Lebensstil hinterfragen oder nach Veränderung streben.

Veröffentlicht am 25.07.2023

Perfekte Lektüre für den Sommer

Malibu Rising
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Nina Riva ist ein Surfstar und gefragtes Modell in Malibu. Im Sommer 1983 steht wieder einmal die alljährliche berüchtigte Sommerparty an, die Nina mit und für ihre drei Geschwister ausrichtet und zu der ...

Nina Riva ist ein Surfstar und gefragtes Modell in Malibu. Im Sommer 1983 steht wieder einmal die alljährliche berüchtigte Sommerparty an, die Nina mit und für ihre drei Geschwister ausrichtet und zu der jede*r kommen möchte. Schließlich möchte niemand die Gelegenheit verpassen, mit den Rivas zu feiern. Da Nina gerade erst von ihrem Mann betrogen wurde, möchte Nina die Party am liebsten absagen, doch ihre Geschwister stecken schon mitten in den Vorbereitungen der Party und noch ahnt niemand, welche Geheimnisse der Abend offenbaren wird.

"Malibu Rising" erzählt von den vier Riva Geschwistern - neben Nina sind das der Surfweltmeister Jay, der Starfotograf Hud und die jüngste Schwester Kit, die sich gerade mit ihrer Sexualität auseinandersetzt. Taylor Jenkins Reid erzählt die Riva-Familiengeschichte wechselnd aus der Gegenwart und Rückblenden, die von der Kindheit und Jugend der vier, der Selbstbehauptung und der teilweise schwierigen Familiengeschichte erzählen. Die Riva-Geschwister haben über die Jahre ein enges Gefüge entwickelt und sich selbst gefunden. Dieses Gefüge scheint nun mit einem Mal jedoch bedenklich zu bröckeln.
Durch die Rückblenden und die immer tieferen Einblicke in die Figuren, ihre Geschichten und Verhältnisse zueinander baut sich immer mehr Spannung auf und es brodelt förmlich zwischen den Zeilen. Die Figuren sind sehr anschaulich und lebhaft beschrieben und haben unterschiedliche Facetten, sodass ich zu allen einen Draht finden konnte und fast die Jahre mit ihnen gemeinsam erlebe. Dabei fängt die Autorin die sommerliche Stimmung und das Feeling Malibus spürbar ein, sodass ich selbst fast den Ozean riechen konnte.

Ein packender Roman über die High Society Malibus, der mich begeistert hat und die ideale Sommerlektüre war!

Veröffentlicht am 25.07.2023

Geschichten in leisen Tönen

Das Café ohne Namen
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Robert Simon arbeitet in den 60er Jahren in Wien als Gelegenheitsarbeiter auf dem Karmelitermarkt und ist eigentlich zufrieden mit seinem Leben. Nun, zwanzig Jahre nach dem Krieg, hat sich die Stadt wieder ...

Robert Simon arbeitet in den 60er Jahren in Wien als Gelegenheitsarbeiter auf dem Karmelitermarkt und ist eigentlich zufrieden mit seinem Leben. Nun, zwanzig Jahre nach dem Krieg, hat sich die Stadt wieder aufgerappelt, aus den Trümmern erblüht ein neues Wien, von dem auch Robert Simon sich mitreißen lässt und beschließt, sein eigenes Café zu eröffnen und so in die Gastwirtschaft einzusteigen. Sein Angebot ist eher einfach gehalten, doch es zieht die Menschen aus dem Viertel an und sie erzählen ihre Geschichten. Sie handeln von Sehnsüchten, von Verlusterfahrungen und vom kleinen und großen Glück. Viele wünschen sich Liebe und sind auf der Suche nach guter Gesellschaft und über die Jahrzehnte verändert sich auch Robert Simons Leben.

Robert Seethaler legt in "Café ohne Namen" den Fokus eindeutig auf die Menschen, die ins Café kommen, und auf ihre Lebensgeschichten. Die Einblicke, die wir Leser*innen bekommen, sind teilweise tiefer, teilweise sehr oberflächlich. Einige Figuren tauchen nur kurz auf, wir erfahren sehr wenig, andere verweilen länger, bleiben etwas hängen und bieten einen tieferen Einblick in ihr Leben und ihre Träume. Generell ist der Erzählstil recht langsam, atmosphärisch und einfach gehalten. Seethaler erzählt in leisen Tönen und es stellt sich der Eindruck ein, als säßen wir selbst mit im Café und beobachteten das stetige Treiben, das Kommen und Gehen.
Ein Buch voller Geschichten, das mich gut im Café mit den Figuren hat verweilen lassen.

Veröffentlicht am 25.07.2023

Weniger Gerichtsszenen als gedacht

Mutterliebe
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Vor Gericht startet ein Prozess, der großes Aufsehen erregt: Sylvia Benz fuhr mit ihren beiden Kindern in den Wald und erstickt dort ihren dreijährigen Sohn. Ihre fünfjährige Tochter überlebt den Mordversuch ...

Vor Gericht startet ein Prozess, der großes Aufsehen erregt: Sylvia Benz fuhr mit ihren beiden Kindern in den Wald und erstickt dort ihren dreijährigen Sohn. Ihre fünfjährige Tochter überlebt den Mordversuch schwerverletzt. Aus der Akte der Staatsanwaltschaft geht klar hervor, dass Sylvia den Mord bzw. versuchten Mord begangen hat. Doch für die Gerichtsreporterin Kiki Holland gibt es einige Ungereimtheiten und sie zweifelt an der Schuld der Mutter, weshalb sie sich selbst auf Spurensuche begibt und auf eigene Faust ermittelt. Sie ahnt nicht, in welche Gefahr sie sich selbst dabei bringt.

Basierend auf dem Klappentext und der Bezeichnung "Justiz-Krimi" bin ich davon ausgegangen, dass das Geschehen hauptsächlich im Gerichtssaal stattfindet. Jedoch spielt der Gerichtssaal nur am Anfang und am Ende eine größere Rolle. Der Hauptteil handelt von Kiki Hollands Recherchen und von Rückblicken in das Leben von Sylvia Benz mit ihrem wohlhabenden Ehemann Stefan.
Kiki Holland ist eine starke Protagonistin, die ehrgeizig ist und sich als Journalistin durchbeißt. Sie schreckt nicht vor Herausforderungen oder schwierigen Situationen zurück, was das Lesen und Mitverfolgen ihrer Ermittlungen spannend gemacht hat. Ab einem gewissen Stand ihrer Recherchen war mir klar, worauf sie hinauslaufen, weshalb ich quasi nur noch auf die Auflösung gewartet habe.
Die Rückblenden in Sylvias Vergangenheit waren nicht chronologisch, wirkten manchmal wirr oder unangebracht, weil sie für den Lesemoment keinen Mehrwert boten, und kamen für mein Empfinden teilweise als Längen daher.

Ein guter Plot mit solider Umsetzung, ich hätte mir mehr Einblicke in die Verhandlung gewünscht, war jedoch alles in allem zufrieden mit dem Justiz-Krimi.

Veröffentlicht am 18.07.2023

Überraschendes Ende

One of the Girls
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Eine Gruppe aus sechs Frauen reist für einen Kurzurlaub auf eine griechische Insel, um Lexis Junggesellinnenabschied zu feiern. Sie kommt in einer abgelegenen Villa mit Meerblick unter und verbringen dort ...

Eine Gruppe aus sechs Frauen reist für einen Kurzurlaub auf eine griechische Insel, um Lexis Junggesellinnenabschied zu feiern. Sie kommt in einer abgelegenen Villa mit Meerblick unter und verbringen dort eine alkoholgeschwängerte Zeit. Recht schnell wird deutlich, dass sich die Frauen gar nicht so gut kennen, die Freundinnenschaften doch nicht so tief sind, wie zunächst gedacht und vor allem, dass jede von ihnen etwas zu verbergen hat.
Lucy Clarke nimmt sich die Zeit, die jeweiligen Geheimnisse der Frauen zu offenbaren und in Verbindung zueinander zu stellen. Dass es am Ende eine Leiche geben wird, verrät bereits der Klappentext, weshalb der Weg dorthin interessant ist. Während der ersten Hälfte des Buches plätschert die Handlung vor sich hin, durch wechselnde Perspektiven erfahren die Leser
innen mehr über die einzelnen Figuren, aber sie bleiben eher oberflächlich gezeichnet. Schnell spürbar sind die Reibungen und Konflikte der Frauen unter- und miteinander. Worin jedoch die große Eskalation besteht und weshalb es zu dem Tod kommt, wird erst zum Schluss offengelegt. Die Autorin legt bis dahin einige Fährten und mich hat die stetige Frage nach dem späteren Opfer und dem Tatmotiv die gesamte Lektüre über beschäftigt, weshalb ich das Buch innerhalb kürzester Zeit gelesen habe. Abgesehen davon entsteht wenig Spannung, vielmehr werden die Konflikte und Probleme der einzelnen Beziehungen beleuchtet, bei denen ich zwischenzeitlich auch den Überblick verloren habe.
Ein gutes Buch, was mich zum Ende auf jeden Fall überrascht hat.