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Veröffentlicht am 15.04.2026

Im Exil in Istanbul

Ein Ort, der bleibt
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Ein wunderbarer historischer Roman, der größtenteils in Istanbul spielt und in dem drei Frauen aus drei Generationen im Mittelpunkt stehen.
Magda Heilbronn hat selbst einen Doktortitel, endet dann aber ...

Ein wunderbarer historischer Roman, der größtenteils in Istanbul spielt und in dem drei Frauen aus drei Generationen im Mittelpunkt stehen.
Magda Heilbronn hat selbst einen Doktortitel, endet dann aber doch in der Rolle der Ehefrau und Mutter. Ihr Mann ist Professor der Botanik in Münster, und als er als Jude Berufsverbot erhält, hilft ein rettendes Angebot aus Istanbul, an der dortigen Universität zu lehren und einen Botanischen Garten anzulegen. Von nun an wird Magdas Leben um einiges spannender.
Dort treffen sie auf die junge Studentin Mehpare, die zur ersten Generation von Türkinnen gehört, die von Atatürks Reformen profitieren und studieren können. Sie ist sehr engagiert und ehrgeizig, hat überhaupt keine Lust auf die klassische Frauenrolle und wird Professor Heilbronns unverzichtbare Assistentin. Die dritte Frau ist Imke aus Münster, eine junge Stadtplanerin, die in der heutigen Zeit den Auftrag hat, ein Gutachten darüber zu erstellen, was aus dem mehr oder weniger brachliegenden und verwilderten Gartengelände und den dazugehörigen Gebäuden werden soll - abreißen und neu bebauen oder erhalten und restaurieren?
Auf unterschiedlichen Zeitebenen und aus verschiedenen Perspektiven geschildert, nehmen wir Anteil an den Geschicken dieser Personen. Es geht um die Nazizeit, die Schicksale der Emigranten aus Nazideutschland, das Fremdheitsgefühl aber auch die Bereicherung eines Lebens in einer fremden Kultur, die Aufbruchstimmung in der Türkei zu Zeiten von Atatürk, um Verrat, Tod, Trauer, Liebe und Freundschaft. Und um Bildung und Selbstfindung.
Sehr gut lesbar und anrührend geschrieben, ohne aber in Kitsch abzugleiten. Alle handelnden Personen, auch die Nebenfiguren, sind sehr gut charakterisiert und erwachen zum Leben. Wir erfahren viel über die deutsche Kolonie in Istanbul, zu der hauptsächlich Wissenschaftler gehörten, und über die Reformpolitik Atatürks. Der Autorin ist es hervorragend gelungen, Historie und Fiktion zu verbinden. Viele der Akteure hat es wirklich gegeben, genau wie auch Alfred Heilbronns Botanischen Garten. Die Liste im Anhang fand ich sehr hilfreich; dort sind alle real existierenden Personen mit ein paar Eckdaten ihres Lebens aufgelistet.
Der Roman hat mich von Anfang bis Ende gefesselt und ich habe die Lektüre sehr genossen: emotional ansprechend und mitreißend - und dann lernt man auch noch eine Menge!

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Veröffentlicht am 15.04.2026

Junger erfolgreicher Dichter folgt dem Duft von Freiheit und Abenteuer

Die Reise ans Ende der Geschichte
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Lange habe ich mich nicht mehr so gut mit einem Buch amüsiert wie mit dieser Satire über die Welt der Spione!

Auf einer Party der russischen Botschaft in den frühen 90ern in Rom lernt der junge deutsche ...

Lange habe ich mich nicht mehr so gut mit einem Buch amüsiert wie mit dieser Satire über die Welt der Spione!

Auf einer Party der russischen Botschaft in den frühen 90ern in Rom lernt der junge deutsche Dichter Jakob Dreiser den Spion Dieter Germershausen kennen, der dem Ende des Kalten Krieges nachtrauert und sich durch seinem jetzigen Posten aufs Abstellgleis geschoben fühlt. Die Verbitterung über die mangelnde Anerkennung seiner Arbeit macht ihn offen für Angebote der Gegenseite. Der für sein Werk gefeierte junge Dichter ist genau der Mann, den er beim Gartenfest mit Krimsekt und Piroggen kennenlernen will. Zwei Charaktere könnten kaum unterschiedlicher sein als diese beiden: der Spion, ein Doppelagent gar, ist unzufrieden, mürrisch und unfähig zu Smalltalk. Dreiser hingegen ein umgänglicher junger Mann mit geschmeidigen Umgangsformen, der mit jedem reden kann. Germershausen will Dreiser anwerben, weil dieser die Eigenschaften besitzt, die ihm selbst fehlen. Dreiser sagt begeistert zu: das ist genau der Kick, den er braucht. Den Kontakt vermittelt hat Francesca, eine reiche italienische Kommunistin, die auch, wen wundert's, als Spionin tätig ist Die Botschaftsparty bietet ein gelungenes Setting zum Kennenlernen der Protagonisten.

Jakob Dreiser sagt ohne groß nachzudenken zu, so als hätte er nur auf so ein Angebot gewartet. Er ahnt allerdings zuerst nicht, dass er nicht in offizieller Mission sondern von Germershausen privat engagiert wurde, um dessen ganz persönliche Interessen durchzusetzen. Gleich ein paar Tage später bricht man nach Almaty in Kasachstan auf. Und erlebt dort absurde und tollkühne Abenteuer, bei denen Jakob Dieter das Leben rettet und seinen Auftrag bravourös übererfüllt.

Der Autor erzählt mit großer Fantasie eine irre Räuberpistole, die sehr komisch ist und bestens unterhält, in der aber auch die Atmosphäre, der Zeitgeist jener Ära brillant wiedergegeben wird. Diese literarische Welt wird von einem Panoptikum skurriler Personen bevölkert, die alle trefflich charakterisiert werden. Orts- und Situationsbeschreibungen sind so bildlich und atmosphärisch, dass man immer das Gefühl hat, man wäre direkt dabei, und sich die Schauplätze genau vorstellen kann. Die Sprache ist leichtfüßig und pointiert, allerdings endet diese Leichtigkeit abrupt beim Showdown in Sankt Petersburg, bei dem Jakob festgenommen und in einen Verhörraum gebracht wird. Vielleicht erschien es dem Autor zu seicht, mit einem Happy End und Friede, Freude, Eierkuchen zu enden. Mit einem Knall landet man quasi wieder in der Realität, die nicht so heiter ist. Andererseits setzt dann sofort das eigene Kopfkino ein, mit dem man als Leser Jakob aus dieser Bredouille herauszuholen versucht - man könnte sich da einige Varianten vorstellen ...

Bis auf das Ende, das mich kurzfristig etwas vor den Kopf gestoßen hat, habe ich mich begeistert dem Sog der Erzählung hingegeben und viel geschmunzelt. Ich hatte schon eine Satire über Künstler und Bildungsbürgertum von Magnusson gelesen, "Ein Mann der Kunst", und bin daher mit hohen Erwartungen an diesen Roman herangegangen: und ich wurde nicht enttäuscht. Wenn man nicht erwartet, dass es sich hier um einen 0815 Spionage - Roman handelt, sondern um eine Satire, eine Persiflage, dann wird man ein paar vergnügliche Lesestunden mit diesem Buch verbringen. Unbedingte Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 17.03.2026

Unterhaltsamer Gesellschaftsroman, der ein klein wenig mehr Tiefgang vertragen hätte

Einatmen. Ausatmen.
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Marlene Buchholz hatte die sprichwörtliche „schwere Kindheit“ mit einer gefühlskalten, dominanten Mutter. Das hat sie einerseits zu einem Gefühlskrüppel, andererseits zu einem effizienten Arbeitstier gemacht. ...

Marlene Buchholz hatte die sprichwörtliche „schwere Kindheit“ mit einer gefühlskalten, dominanten Mutter. Das hat sie einerseits zu einem Gefühlskrüppel, andererseits zu einem effizienten Arbeitstier gemacht. So ist sie zur designierten Nachfolgerin ihres Chefs aufgestiegen, sie hält die Firma erfolgreich am Laufen. Allerdings eckt sie häufig bei ihren Kollegen und Untergebenen an, denn es mangelt ihr erheblich an den Social Skills, die für eine erfolgreiche Personalführung vonnöten sind. Deshalb lässt ihr der Chef keine Wahl: ohne Teilnahme an einem Achtsamkeitsseminar - in dem ihre Ecken und Kanten abgeschliffen werden sollen – keine Karriere.
In einem Brandenburger Schloss trifft sie dann auf den Supercoach Alex Grow, der allerdings selbst an der Grenze zum Burnout und zur Sinnkrise steht. Der daraus resultierenden finanzielle Engpass könnte durch den Deal mit Marlenes Chef aufgehalten werden.
Die Kapitel handeln im Wechsel aus der Sicht der beiden Protagonisten. Auf humorvolle und unterhaltsame Weise werden jede Menge Klischees abgearbeitet und die Geschichte nimmt ihren erwartbaren Lauf: Marlenes Schutzpanzer bricht durch einige skurrile Zusammentreffen allmählich auf und auch Alex findet zu neuem Lebensmut. Wie es dazu kommt, schildert uns der Autor äußerst amüsant und gelungen. Er hält uns mit liebevollem Spott einen Spiegel vor und bereitet uns großes Lesevergnügen, regt aber auch zum Nachdenken an. Aber nicht zu viel, so dass es eine unterhaltsame Lektüre bleibt! Etwas mehr Tiefgang hätte vielleicht nicht geschadet, aber auch so gibt es von mir eine Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 27.01.2026

Wieder ein spannender Krimi im Krimi

Tod zur Teestunde
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Susan Ryeland ist wieder da! Und wieder geht es um einen Kriminalroman um den Stardetektiv Atticus Pünd, dessen Autor im ersten Teil der Reihe getötet wurde und seine Lektorin Susan Ryeland mit einem unvollendeten ...

Susan Ryeland ist wieder da! Und wieder geht es um einen Kriminalroman um den Stardetektiv Atticus Pünd, dessen Autor im ersten Teil der Reihe getötet wurde und seine Lektorin Susan Ryeland mit einem unvollendeten Krimi zurückließ. Da ihr alter Verlag auch nicht mehr existierte, war sie mit ihrem griechischen Freund nach Kreta gezogen, um dort mit ihm ein Hotel zu führen. Aber das neue Leben war doch nicht wirklich nach ihrem Geschmack gewesen und so ist sie nun wieder in London und versucht in ihrem alten Metier Fuß zu fassen. Ihr neuer Verleger hat die Idee, Atticus Pünd wieder aufleben zu lassen und hat dafür einen eher erfolglosen Krimiautor engagiert, der aber einen großen Namen trägt - er ist der Enkel einer sehr populären Kinderbuchautorin! Die ersten Kapitel gefallen Susan recht gut, sie kann sich aber des Eindrucks nicht erwehren, dass der junge Mann beim Schreiben seine persönlichen Familienprobleme verarbeitet, besonders Probleme mit seiner berühmten Großmutter! Und dann wird er ermordet... Der Roman hat anfangs zwar einige kleine Längen, denn die zahlreichen Personen und die Situation müssen eingeführt werden. Aber die Geschichte entwickelt sich mit unerwarteten Wendungen und wird immer spannender. Und wie alles, was Anthony Horowitz schreibt, ist das ganze Setting very british und sehr humorvoll und mit Niveau geschrieben.
Es gibt ein sehr befriedigendes Ende, und vermutlich wird Susan ein ausgefülltes und glückliches Leben führen, aber wohl eher nicht nochmal als Romanfigur erscheinen. Aber wer weiß! Jedenfalls ein Krimi ganz nach meinem Geschmack, den ich Cosy-Lesern uneingeschränkt empfehlen kann.

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Veröffentlicht am 22.01.2026

Vom argentinischen Schuhpalast ins kanadische Seemannsheim

Mr. Saitos reisendes Kino
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Eigentlich hatte mich die Autorin schon mit dem ersten Satz: Ich wurde 1927 auf einer Tanzfläche in Buenos Aires gezeugt – wenn das kein toller Anfang ist!
Zuerst war ich ganz begeistert von der üppigen ...

Eigentlich hatte mich die Autorin schon mit dem ersten Satz: Ich wurde 1927 auf einer Tanzfläche in Buenos Aires gezeugt – wenn das kein toller Anfang ist!
Zuerst war ich ganz begeistert von der üppigen Erzählweise, und nahm Anteil am Schicksal der beiden Protagonistinnen. Lita wächst in den ersten Jahren ihres Lebens in dem Nonnenkloster in Buenos Aires auf, in dem schon ihre schuh- und tangoverrückte, blutjunge Mutter Fabiola groß geworden war. Später leben die beiden dann im Lagerraum des El Palacio del Zapatos, dem exquisiten Schuhgeschäft, dessen beste Verkäuferin Fabiola ist. Berichtet wird uns das aus der Perspektive der kleinen Lita. Doch dann ließ mein Interesse allmählich nach. Der Spannungsbogen fehlte mir und die endlos aneinandergereihten Episoden und Anekdoten plätscherten an mir vorbei. Vieles liest sich wirklich sehr nett, es ist alles ganz hinreißend und skurril, vielleicht manchmal etwas zu gewollt skurril. Ich wollte das Buch wirklich mögen, ich wollte auch durchhalten, aber dann trat regelrecht eine Art Leseblockade bei mir ein, ich hatte keine Lust, zu lesen, habe immer wieder versucht, mich dazu zu zwingen, weiterzulesen, aber es hat nicht geklappt, das Buch hat bei mir keinen Sog entwickelt.
Fabiola und Lita mussten Argentinien verlassen und gelangten auf abenteuerliche Weise per Schiff auf eine dünn besiedelten Insel gegenüber von Neufundland. Lita findet in der kleinen Oona eine gleichaltrige Freundin und Fabiola verkauft nun eher Holzschuhe statt High Heels. Weiter bin ich dann nicht gekommen, den titelgebenden Mr. Saito habe ich noch nicht kennen gelernt, aber nachdem ich für etwas mehr als hundert Seiten fast fünf Wochen gebraucht habe, habe ich die Lektüre abgebrochen, etwas , was ich wirklich nur ganz selten tue! Ich fand das Buch gar nicht schlecht, aber es hat mich irgendwie nicht gepackt und ich konnte es einfach nicht lesen. Dabei bin ich eigentlich neugierig, wie die Geschichte sich weiter entwickelt, vielleicht schaffe ich es irgendwann nochmal in einem zweiten Anlauf. Und wie ich bemerkt habe, sind die meisten anderen Rezensionen positiv bis begeistert. Das ist also mein ganz persönliches Problem. Und obwohl ich diese Schwierigkeiten hatte, soll das kein Verriss sein und ich gebe für die fantasievolle Geschichte 3 Sterne.

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