Marchfield Square lebt von seine Protagonisten, die man mögen muss
Marchfield SquareMarchfield Square lebt von seinen Protagonisten Lewis und Audrey. Die beiden stehen im Mittelpunkt einer Geschichte, die vor allem durch Dialoge, Befragungen und das Zusammenspiel dieser ungewöhnlichen ...
Marchfield Square lebt von seinen Protagonisten Lewis und Audrey. Die beiden stehen im Mittelpunkt einer Geschichte, die vor allem durch Dialoge, Befragungen und das Zusammenspiel dieser ungewöhnlichen Ermittler getragen wird. Lewis und Audrey, die beiden Amateur-Ermittler, stecken in einem eintönigen Alltag fest und erst durch die Ermittlungen kehren Spannung und Abenteuer in ihr Leben zurück.
Dabei bleiben Audrey und Lewis am Anfang etwas blass: Lewis ist ein sozial inkompetenter Schriftsteller, der einen Tagesjob hat, den er hasst. Den Mord nutzt er, um beflügelt von neuer Inspiration einen Roman zu schreiben. Die Menschen, die dabei zu Schaden kommen, treten zunächst in den Hintergrund, solange sie sich als schriftliches Material verwenden lassen. Audrey ist dagegen sehr einfühlsam, schnell von Lewis genervt und begegnet ihm eher mit Unverständnis. Generell hatte ich den Eindruck, dass die beiden sich nicht ausstehen konnten. Gegenseitige Sympathie kommt erst gegen Ende auf. Dass Audrey eine eigene, tiefere Geschichte mit sich trägt, wird früh angedeutet, aber erst etwa 40 Seiten vor Schluss konkret gemacht. Diese späte Enthüllung wirkte auf mich deplatziert und verlor dadurch emotional an Wirkung.
Die Ermittlungen der beiden sind geprägt von zahlreichen wilden Theorien und abrupten Schlussfolgerungen, die für mich oft unlogisch und nicht immer nachvollziehbar waren.
Gegen Ende hin folgt die Erzählstruktur dem klassischen Muster falscher Fährten und Verdächtiger. Allerdings ist schnell klar, dass bestimmte Personen nicht die Täter sein können, weil schlicht noch zu viele Seiten verbleiben. Nach der eigentlichen Auflösung wartet immerhin noch ein kleiner, gelungener Twist.
Die Handlung spielt in London, doch für mich kam das entsprechende Gefühl nicht auf. Zwar wird häufig beschrieben, wie Audrey und Lewis in Straße X einbiegen und fünf Minuten später in Straße Y ankommen, aber Straßennamen und detaillierte Wegbeschreibungen erzeugen für mich allein noch keinen London-Flair. Was ich hingegen mochte, war der Marchfield Square selbst mit seinen teils schrulligen, teils liebenswürdigen Bewohnern.
Das Buch ist flüssig geschrieben und schnell gelesen. Es liest sich umso schneller, wenn einem die Hauptfiguren sympathisch sind und man dialogreiche Geschichten mag. Für mich war es leider nichts; ich hatte einfach etwas anderes erwartet und konnte mich mit den Protagonisten nicht anfreunden.