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Veröffentlicht am 28.05.2021

Gute Freunde sind wie Drachen. Wertvoll, selten und einzigartig.

Highfire - König der Lüfte
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Der 15-jährige Everett Moreau, der von allen nur Squib genannt wird, wegen einer tragischen Spielerei mit einer Stange Dynamit, lebt mit seiner Mutter Elodie im Bayou von Louisiana. Sie leben ein einfaches ...

Der 15-jährige Everett Moreau, der von allen nur Squib genannt wird, wegen einer tragischen Spielerei mit einer Stange Dynamit, lebt mit seiner Mutter Elodie im Bayou von Louisiana. Sie leben ein einfaches Leben, aber trotz allem reicht es nicht, sich über Wasser zu halten, obwohl Squib drei Jobs hat und seine Mutter in der Petit-Bateau-Klinik und dem Slidell-Memorial-Krankenhaus Extraschichten fährt. Ihm gefällt die Sache zwar nicht, aber er sieht sich gezwungen, eine Ausbildung als Sumpfschmuggler zu beginnen, um seine Mutter aus den Fängen des korrupten Polizisten Regence Hooke zu befreien. Denn Hooke hat es sich Hals über Kopf in seine Mutter verliebt und schreckt auch nicht davor zurück Squib mundtot zu machen, um bei Elodie zu landen. Als Hooke gerade mit einer Granate das Problem Squib aus der Welt schaffen will, hätte er wahrscheinlich nie für möglich gehalten, damit die Rache des Honey-Island-Sumpf-Monsters auf sich zu ziehen.

Als ich den Klappentext vor einer Weile gelesen habe, dachte ich mir schon „was für ein verrücktes Buch“. Der letzte Drache, Lord Highfire vom Drachenhorst derer von Highfire, auch Vern genannt, trifft auf den Halbwaisen Squib. Beide sind auf ihre eigene Art Außenseiter: Vern, weil er der letzte seiner Art ist und Squib, weil er trotz aller Umstände nicht vom rechten Weg abkommen will, obwohl der Bayou ansonsten ein Sündenpfuhl von Schmugglern und Mafia-Mitgliedern ist. Natürlich sind beide am Anfang nicht wirklich voneinander angetan, muss Vern doch ständig mit der Angst leben, entdeckt zu werden. Deswegen ist Verns erste Reaktion, den Jungen so schnell wie möglich zu beseitigen. Wäre da nicht sein guter Freund Waxmann, der ihn davon überzeugt, den Jungen erst mal als Hausgeist anzustellen. Die Entwicklung dieser ungleichen Freundschaft mitzuverfolgen, fand ich wirklich schön, weil sie beide irgendwann merken, dass sie sich brauchen und bei einem Zusammenschluss mehr Chancen haben gegen den gemeinsamen Feind: Regence Hook.

Regence Hook ist wirklich ein Charakter, der mich an mancher Stelle etwas aus der Fassung gebracht hat. Ich habe selten einen so unreflektierten und überheblichen Charakter erlebt, der sich am Leid anderer dermaßen aufgegeilt hat, dass ich fast sprachlos war. Umso mehr habe ich Vern und Squib die Daumen gedrückt, diesem Kerl endlich das Handwerk zu legen. Allerdings passt dieser Charakter auch einfach sehr gut zum Rest der Geschichte, denn die Geschichte ist ziemlich überdreht und überzeichnet. An mancher Stelle konnte ich nur noch herzlich lachen, weil die Szene so absurd war. Jedoch muss man auf solch einen Humor stehen. Es geht sehr oft unter die Gürtellinie und die Witze sind eher der flachen Natur. Aus diesem Grund waren mir auch manche Witze zu daneben, aber der große Rest empfand ich als sehr unterhaltsam. Bei diesem Buch konnte ich gut abschalten, wenn ich auch am Anfang etwas gebraucht habe, um mich an den Erzählstil zu gewöhnen. Denn die Kapitel sind sehr lang und jeder Charakter bekommt einen Absatz aus seiner Perspektive geschildert.

Mein Lieblingscharakter war aber Waxmann. Denn er hat sein Herz am rechten Fleck, und obwohl er ein Auftragsmörder ist, versucht er Vern davon abzuhalten, Squib zu töten. Zudem ist er auch eine interessante Mischung aus einem Menschen und einem Drachen, deren Zeugung alles andere als einfach vonstattengeht. Allein seine Existenz ist schon besonders. Deswegen hat mich eine Entwicklung besonders traurig gemacht, aber ganz ohne Tragik geht es in diesem Buch eben auch nicht.

Dennoch kann ich jedem dieses Buch empfehlen, der eine witzige und abgedrehte Geschichte über die Freundschaft zwischen einem Drachen und einem 15-jähringen Jungen lesen will. Und das Beste ist, bald wird es auch eine Serie dazu geben!

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Veröffentlicht am 26.05.2021

Man lebt zweimal: das erste Mal in der Wirklichkeit, das zweite Mal in der Erinnerung

Die Rose im Staub
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Nakhara lebt in einem Stamm von Wasserdieben in den Wüstenlanden. Ihr Leben ist von Entbehrungen gezeichnet und jeden Tag kämpft der Stamm gegen die Widrigkeiten der Wüste an. Allerdings haben sie sich ...

Nakhara lebt in einem Stamm von Wasserdieben in den Wüstenlanden. Ihr Leben ist von Entbehrungen gezeichnet und jeden Tag kämpft der Stamm gegen die Widrigkeiten der Wüste an. Allerdings haben sie sich dieses Leben selbst ausgesucht, denn in nicht allzu fern erhebt sich eine Stadt aus den Wüstenlanden, die mehr als genug Wasser zur Verfügung hat. Aus diesem Grund schleichen sich die Wasserdiebe in bestimmten Abständen in die Stadt, um Wasser zu stehlen und es ihren Gottheiten darzubringen, damit diese sie mit Wasser segnen und sie nicht abhängig von dieser Stadt werden, denn sie steht für alles, was ihnen genommen wurde. Doch eines Tages läuft bei einem Wasserdiebstahl in der Stadt etwas schief und Nakhara trifft auf Daegon. Und ihre alte Welt hört auf zu existieren..

Schon im Vorwort droht das Buch „diese Seiten wollen dir nicht immer gefallen. Sie werden sich mit beladenen Worten in deinen Händen bäumen“ und genau diesen Eindruck hat das Buch auch während des Lesens auf mich gemacht. Dieses Buch kann man nicht einfach mal so zwischendurch lesen, sondern das Buch braucht Aufmerksamkeit und man muss sich auch in gewisser Weise darauf einlassen können. Denn der Schreibstil ist sehr ungewöhnlich. Kunstvoll und schmuckhaft wird die Geschichte von Nakhara und Daegon abwechselnd erzählt und mutet so auf mancher Seite wie eine Erzählung von Shakespeare an. Dies muss man mögen. Ich für meinen Teil liebe Shakespeare und ungewöhnliche Erzählformen, denn ich habe schon sehr viele Bücher in meiner Vergangenheit gelesen, sodass ich mich freue, wenn ich Bücher entdecke, die sich fernab der ausgetretenen Pfade aufhalten. Dennoch kann ich es verstehen, wenn jemand nicht direkt warm mit dem Buch wird und erst mal seine Zeit braucht, um reinzukommen.

Hat man sich erst an den Schreibstil gewöhnt, erwartet den Leser eine Geschichte mit einem starken Kontrast, der aber nicht bewertet wird und mich an eine moderne Version von „Romeo und Julia“ in der Wüste erinnert hat. Auf der einen Seite leben die Wasserdiebe in der Wüste unter lebensunwürdigen Umständen und auf der anderen Seite leben die Menschen in einer Stadt mit Wasser im Überfluss. Schon allein dieser Umstand birgt genügend Konfliktpotenzial. Allerdings wird es weitaus komplizierter, als sich der Sohn des Senators in eine Frau aus dem Wüstenvolk verliebt. So wird er von seinem Vater verstoßen und muss fortan an der Seite von Nakhara einen Weg in die Freiheit finden, wobei das schwerer ist als gedacht, kann er doch keinen Menschen töten. Er wirkt in dieser Welt wie ein Sonderling, wo doch alle um ihn herum nicht davor zurückschrecken, anderen Menschen Gewalt anzutun, sei es, um die anderen zu bestrafen oder sich einen Vorteil vor den anderen zu verschaffen. Die Charaktere in diesem Buch haben alle ihre Ecken und Kanten und treffen oftmals aus Sicht des Lesers falsche Entscheidungen, aber das Buch bewertet diese Handlungen nicht.

Allerdings treibt alle Charaktere den „Durst nach Freiheit“ an. Die Wüstenrose empfand ich fast als Sinnbild für diese Situation. Trotz aller Widerstände wächst die Wüstenrose und lässt sich von nichts und niemandem unterkriegen. Sie ist hartnäckig und erkämpft sich ihren Platz in der Welt. Genauso wie dieses Buch. Ja, es ist ungewöhnlich. Aber sollte man sich nicht über die Bücher freuen, die einfach anders sind? Ich für meinen Teil bin sehr froh, dieses Buch gelesen zu haben, denn es war erfrischend anders. Und ich liebe anders!

Aus diesem Grund kann ich jedem dieses Buch empfehlen, der auf der Suche nach einem ungewöhnlichen Buch ist mit Charakteren, die sich ihren Platz in der Welt hartnäckig erkämpfen müssen!

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Veröffentlicht am 23.05.2021

Es ist nicht immer einfach für seine Träume zu kämpfen, aber es ist es immer wert!

Die Hofgärtnerin − Frühlingsträume
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Schon seit ihren frühen Kindheitstagen ist Marleene von der Pflanzen- und Blumenwelt begeistert. Begierig saugt sie jede Information auf, die ihr ihr Vater liefert, denn ihr Vater ist Gärtner in der Hofgärtnerei ...

Schon seit ihren frühen Kindheitstagen ist Marleene von der Pflanzen- und Blumenwelt begeistert. Begierig saugt sie jede Information auf, die ihr ihr Vater liefert, denn ihr Vater ist Gärtner in der Hofgärtnerei der Familie Goldbach in Oldenburg. Am liebsten würde Marleene auch später eine Gärtnerlehre absolvieren, aber da gibt es ein Problem: Marleene ist eine Frau und im Jahre 1881 war es undenkbar, dass eine Frau eine solche Tätigkeit aufnimmt. Als dann noch ihr Vater plötzlich verstirbt, steht sie mit ihrer Mutter vor dem Nichts und muss eine Stelle als Zimmermädchen in einem Hotel aufnehmen. Doch eines Tages hält Marleene diesen Zustand nicht mehr aus und trifft eine folgenschwere Entscheidung: Aus Marleene wird Marten, der neue Lehrling der Hofgärtnerei der Familie Goldbach.

Der Klappentext hat mich direkt von Anfang an gepackt. Eine Frau, die gegen alle gesellschaftlichen Widerstände ihre Träume verfolgt? Dieses Buch musste ich einfach lesen. Ich fand es auf der einen Seite schön, Marleene auf ihrem Weg zu begleiten, aber habe auch auf der anderen Seite ein wenig mit ihr gelitten, dass sie einfach nicht die sein darf, die sie ist, wenn sie ihre Träume verwirklichen möchte. Marleene ist einfach eine durch und durch sympathische Person, die an erster Stelle ihre Familie setzt, bevor sie an sich denkt. So überlegt sie lange hin und her, ob sie ihren Plan wirklich in die Tat umsetzen soll, weil sie Angst hat, dass sie danach ihre Mutter nicht mehr versorgen kann. Sie verkauft sogar ihre wenigen Habseligkeiten, die ihr geblieben sind, nur um genug finanzielle Mittel zu haben, um den Plan in die Tat umzusetzen.

Ich fand es im Laufe des Buches einfach ungerecht, wie Frauen zur damaligen Zeit behandelt worden sind. Ihnen wurde die Fähigkeit zum logischen Denken aberkannt, sie bekamen keinen Mathematik-Unterricht, sodass sie noch mehr in ihrer Berufswahl eingeschränkt worden sind, und darüber hinaus war sowieso die landläufige Meinung, die natürliche Aufgabe der Frau sei der Haushalt und die Mutterschaft. Niemand hinterfragt dieses Frauenbild. Jeder schnürt die Frauen in dieses gesellschaftliche Zwangskorsett und empfinden es als das Normalste der Welt. Umso mehr hat es mich gefreut, dass Marleene sich dagegen auflehnt und eben dann als Mann verkleidet eine Gärtnerlehre beginnt. Dadurch zeigt sie auch, dass Frauen doch dazu fähig sind, eine solche „Männer-Tätigkeit“ auszuüben, auch wenn es gesellschaftlich nicht ihre Aufgabe zu sein scheint.

Interessant fand ich auch in diesem Zusammenhang die Rolle von Dorothea von Wallenhorst innerhalb der Geschichte. Als Tochter aus gutem Hause hat sie die Möglichkeit, als einer der ersten Frauen auf eine Gartenbauschule zu gehen. Zwar ist sie mit dem Abschluss dieser Schule eine ausgebildete Gärtnerin, wird aber in der Hofgärtnerei alles andere als so behandelt. Obwohl sie einen Abschluss hat, bekommt sie nur genauso viel Geld wie ein Lehrling und muss die schwere Gartenarbeit mit einem Arbeitskorsett und einem Rock bewältigen. Zudem wird sie von ihren „Arbeitskollegen“ nur belächelt und nicht ernst genommen. Allerdings lässt sich Dorothea davon nicht unterkriegen. Sie sagt offen ihre Meinung und ist eine Stimme für die Frauen dieser Zeit. Am Anfang war mir Dorothea noch unsympathisch, aber dies änderte sich schnell. Sie ist einfach eine bewundernswerte und starke Frau, die sich trotz ihres Standes für eine bessere Welt einsetzt.

Darüber hinaus fand ich auch am Ende des Buches, als Julius und Marleene an den Plänen zu dem neuen Garten des Großherzogs gearbeitet haben, die Botschaft berührend, die sich daraus ergeben hat. Es sollte kein angelegter Garten sein, sondern ein offener, natürlicher, in der die Pflanzen so wachsen dürfen, wie sie es auch in der Natur machen würden. Der Großherzog möchte weg von den alten ausgetreten Wegen und eine neue Zeit einläuten. Vielleicht auch eine neue Zeit für die Frauen? Ich bin auf jeden Fall sehr gespannt, wie die Reise von Marleene weitergehen wird, denn es wird einen 2. Band geben. Diese Nachricht am Ende zu lesen, hat mich auf jeden Fall sehr gefreut.

Aus diesem Grund kann ich jedem dieses Buch empfehlen, der das perfekte Buch für einen frühlingshaften Tag sucht und dazu Frauen auf ihrer Reise in ihre Unabhängigkeit begleiten möchte! Ich für meinen Teil drücke ihnen auf jeden Fall ganz fest die Daumen!

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Veröffentlicht am 22.04.2021

Hab ein Lied auf den Lippen und verliere nie den Mut in der Düsternis der Welt!

Das Lied der Nacht
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Während die Bardin Caer, der Wanderer Weyd, die Seebärin Bahr, der Vagabund Jori und der weiße Fuchs Bellitas um ein warmes Feuer sitzend die Nacht in einer ehemaligen Poststation verbringen, ziehen die ...

Während die Bardin Caer, der Wanderer Weyd, die Seebärin Bahr, der Vagabund Jori und der weiße Fuchs Bellitas um ein warmes Feuer sitzend die Nacht in einer ehemaligen Poststation verbringen, ziehen die Schatten durch das Dorf Festra und ermorden jede lebende Seele, die ihnen begegnet. Nur zwei Geschwistern gelingt die Flucht, die sich aufteilen, um den Baron des Landes und die Gefährten in der ehemaligen Poststation vor dieser Gefahr zu warnen. Denn die Schatten ziehen unablässig weiter und schon bald befinden sie sich vor den Toren der Stadt Colmstat. Nur ein Lied scheint sie davon abzubringen, jede lebende Seele hinter den Mauern von Colmstat zu vernichten. Doch der Baron verbietet die Musik und bestraft jeden, der sich den sündigen Melodien hingibt. Welchen Preis sind die Gefährten bereit zu zahlen, um die Menschen von Colmstat zu retten?

Es gibt, glaube ich, nur ein Wort, das dieses Buch beschreibt: ungewöhnlich. Dieses Buch ist nicht wie andere Bücher. Ab der ersten Seite wird der Leser in eine Welt von Poesie und Musik entführt, auf die man sich ganz bewusst einlassen muss. Während des Lesens hat mich das Buch oftmals von der Art der Erzählung an ein Lied erinnert. Viele Beschreibungen wiederholen sich öfters hintereinander und die Handlung wird mal laut, mal leise, spitzt sich zu einem wirklich gelungenen Finale zu und flacht dann noch einmal ab. Aus diesem Grund erinnerte mich das Buch an ein klassisches Musikstück wie z.B. die 4 Jahreszeiten von Joseph Haydn. Die Stücke beginnen auch immer leise und unschuldig, aber auch mit einer gewissen Bedrohung im Hintergrund, die immer mehr in den Vordergrund tritt. Für mich waren die Schatten diese Bedrohung, die sich langsam in die Erzählung einschleichen und sich durch ihre kräftige Präsenz immer weiter in den Vordergrund drängen. Wenn das Buch ein klassisches Lied wäre, dann wären die Schatten wohl mit dem Instrument Fagott vergleichbar.

Aber auch andere Elemente haben mich immer wieder an ein Lied erinnert. So kann z.B. Jori mit vielen Tieren sprechen, weil er ihre Sprache gelernt hat. Dieses Element passt auch sehr gut zur klassischen Musik, weil es auch da gewisse Stücke gibt, die jedem Tier ein Musikinstrument zuordnen. Allerdings kann man nicht nur mit Tieren sprechen, sondern man kann auch die Sprache des Wassers, der Berge, der Töne etc. lernen, um sie zu einer Handlung aufzufordern. Stellt man sich diese Sprachen als Melodien vor, hat man ein wunderschönes Klangbild, dass dem Buch einen gewissen Zauber gibt.

Zwar hatte ich am Anfang auch meine Probleme, mich auf die Geschichte einzulassen, aber danach wurde ich locker und leicht durch die Handlung getragen. Jedoch ist es keine einfach zu verdauende Geschichte. Während des Buches passieren viele unschöne Dinge wie z.B. ein Pogrom, Fremdenhass, Vergewaltigungen und Verstümmelungen, sodass man sich unweigerlich fragen muss, wer die schlimmeren Wesen sind: die Menschen innerhalb der Mauer oder die Schatten. Das Buch spart nicht an Grausamkeit, aber zeigt auch gut die Hoffnungslosigkeit und Trostlosigkeit, wenn man Licht und Musik wegsperrt und verbietet.

Dabei empfand ich am schlimmsten den Eisernen Baron. Obwohl sein Volk Not leidet und die umliegenden Dörfer dringend eine Zuflucht vor den Schatten brauchen, sieht er sie nur als „Entwurzelte“, die nichts zu dem Erhalt seiner Stadt beigetragen haben und dadurch kein Anrecht auf diese Privilegien haben. Zudem behandelt er Frauen wie Gegenstände und benutzt sie aufs Widerwärtigste. Er hat mich auf so viele Arten wütend gemacht, dass ich mir öfters gewünscht habe, die Schatten hätten sich seiner angenommen.

Positiv empfand ich dagegen den Zusammenhalt der Gruppe rund um den Wanderer Weyd. Obwohl alle Mitglieder dieser Gruppe grundverschieden sind und jeder seine eigenen Probleme hat, sind sie füreinander da und unterstützen sich gegenseitig. Von daher haben sie mich schon ein wenig an die Gruppe rund um den Hexer Geralt aus den Witcher-Büchern erinnert.

Aus diesem Grund kann ich jedem Fantasy-Liebhaber dieses Buch empfehlen, der einfach auf der Suche nach einer etwas anderen Geschichte mit einem ungewöhnlichen Schreibstil ist.

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Veröffentlicht am 18.04.2021

Vertraue deinem Instinkt bis zuletzt, auch wenn du dafür keinen Grund nennen kannst

Saphirseele
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Siri Tervo hat wirklich keinen Grund, sich über ihr Leben zu beklagen: Sie hat einen Freund, der sie über alles liebt, wohnt mit ihm zusammen in einem schönen Haus und hat Freunde, die sich um sie sorgen. ...

Siri Tervo hat wirklich keinen Grund, sich über ihr Leben zu beklagen: Sie hat einen Freund, der sie über alles liebt, wohnt mit ihm zusammen in einem schönen Haus und hat Freunde, die sich um sie sorgen. Zudem hat sie auch die Möglichkeit, aufgrund ihrer hervorragenden Leistungen an der Saphirseelen-Akademie ein Amt bei der Polizei zu begleiten und kann ihre Fähigkeiten tagtäglich für das Gute einsetzen. Allerdings bekommt sie seit geraumer Zeit immer wieder des Nachts Albträume, die ihre perfekte Welt infrage stellen. Am Anfang tut sie diese Träume noch als Unsinn ab und straft sie Lügen, doch schon bald fallen ihr immer wieder Dinge auf, die nicht so ganz ins Bild passen wollen. Wer ist sie wirklich?

Ich habe mich sehr darauf gefreut, dieses Buch zu lesen, da ich den Klappentext unfassbar spannend fand. Eine Frau, die sich in einen Tiger verwandeln kann und gegen das Böse kämpft? Das Buch musste ich einfach lesen. Nun, nach dem Beenden des Buches muss ich sogar sagen, dass das Buch meine Erwartungen übertroffen hat, da noch viel mehr in dem Buch steckt, als ich zunächst vermutet habe.

Denn Siri ist nicht die einzige Saphirseele. Schon ziemlich früh in diesem Buch wird klar, dass etwas mit der perfekten Welt von Siri Tervo nicht stimmt. Neben den Abschnitten von Siri und ihrem Freund Samuel bekommt man immer wieder kurze Abschnitte aus einem Labor zu lesen, das scheinbar neben Saphirseelen auch Klone und Hybride von Saphirseelen und Menschen heranzüchtet. Diese Kapitel fand ich am Anfang auf der einen Seite nicht leicht zu verstehen, da ich absolut nicht damit gerechnet habe, dass die Geschichte so komplex wird, allerdings fand ich sie auf der anderen Seite auch unfassbar spannend. Ich wollte unbedingt wissen, wie dieses Labor zum Rest der Geschichte passt.

Darüber hinaus hat mir auch sehr der Charakter von Siri gefallen. Auch als ihr gesamtes Leben auf einem Scherbenhaufen liegt, gibt sie nicht auf, sondern versucht Mittel und Wege zu finden, die Situation zu retten. Generell ist sie auch alles andere als konfliktscheu und kämpft für ihre Überzeugungen. Zudem fand ich ihren Umgang mit Anna Riley etwas später im Buch sehr schön zu lesen. An manchen Stellen wirkt sie wie eine Mutter für Anna und bringt ihr z.B. das Lesen bei.

Allerdings ist das Buch auch wahrlich nichts für zartbesaitete Naturen. Siris Weg ist gepflastert von Schmerz, Trauer und Brutalität, die immer wieder auf ihre eigene Vergangenheit zurückzuführen sind. Ebenso trifft Siri später einen Mann namens Ryan, der quasi als Sinnbild für das steht, was Brutalität hervorrufen kann: Gewalt führt immer zu noch mehr Gewalt.

Aus diesem Grund bleibt mir nur noch zu sagen, dass ich jedem dieses Buch empfehlen kann, der eine spannende, wendungsreiche Geschichte lesen möchte über eine Frau, die sich in einen Tiger verwandeln kann.

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