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Veröffentlicht am 26.12.2022

Nicht die Menschen, die immer gewinnen sind die stärksten, sondern die die niemals aufgeben.

Aurélie und die Nähwerkstatt der Träume
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Ein tragisches Ereignis in der Kindheit zwingt Aurélie noch Jahre später dazu, sich vor anderen Menschen zu verstecken. Obwohl sie wunderschöne Kreationen in ihrem eigenen Nähstudio entwirft, die ihren ...

Ein tragisches Ereignis in der Kindheit zwingt Aurélie noch Jahre später dazu, sich vor anderen Menschen zu verstecken. Obwohl sie wunderschöne Kreationen in ihrem eigenen Nähstudio entwirft, die ihren Trägerinnen neuen Mut geben und auch ihre beste Freundin ihr gut zuredet, traut sich Aurélie nicht nach draußen. Erst mit dem Auftauchen von Luc, dem Erben des Fournier-Imperiums, schafft sie es, Stück für Stück ihre Welt zu erweitern. Doch Neid und Missgunst verfolgen sie bis zum Nachwuchswettbewerb von Fournier. Wie soll Aurélie das nur schaffen?

Da ich selbst gerne nähe, lese ich auch dementsprechend gerne Bücher, in denen es um dieses fabelhafte Hobby geht. Darüber hinaus bietet dieses Buch auch noch die Besonderheit, dass einige Schauplätze im Buch in Paris sind, eine der bedeutendsten Städte für Mode. Dadurch wurde das Buch noch interessanter für mich und ich habe mich gerne mit Aurélie auf die Reise in ihr neues Leben begeben.

Doch zunächst muss Aurélie noch einige persönliche Hürden überwinden. Am Anfang versteht man noch nicht sofort, warum sie sich von der Außenwelt abkapselt und sogar der alltägliche Einkauf für sie eine regelrechte Tortour ist. Erst nach und nach kommt man ihrem Geheimnis auf die Spur, dass sie versucht, so gut es geht vor Fremden zu bewahren. Ich fand es klasse, wie man nach einer Zeit herausfindet, unter welchem „Problem“ Aurélie leidet, ohne, dass man explizit darauf hingewiesen wird.

Nur ihre beste Freundin weiß um ihr Geheimnis und versucht sie so gut es geht in ihrer Nähwerkstatt zu unterstützen. Allerdings merkt man ziemlich schnell, dass es nicht ihr Traum ist, die Nähwerkstatt am Laufen zu halten, sondern ihre Leidenschaften in einem gänzlich anderen Bereich liegen. Doch Aurélie mit der Nähwerkstatt allein zu lassen, bringt sie auch nicht über sich.

Erst mit dem Auftauchen von Luc ändert sich einiges. Nicht nur, dass Aurélie die Möglichkeit erhält, an einem Designwettbewerb des Hauses Fournier teilzunehmen, sondern auch, dass sie endlich jemanden trifft, der die gleichen Interessen wie sie hat. Obwohl sie sich nie treffen, schreibt Luc ihr an die E-Mail-Adresse der Nähwerkstatt Mails und damit beginnt für Aurélie eine aufregende Zeit, denn endlich interessiert sich jemand für sie und ihre Leidenschaften.

Mir war Aurélie von Anfang an sympathisch, denn man merkt zwar, dass sie unter ihrem schweren Schicksal leidet, aber gleichzeitig den Mut in sich hat, etwas an ihrer Situation zu ändern. Sie möchte sich der Welt da draußen zeigen, denn sie ist Stolz auf das, was sie geschaffen hat. Ich fand Aurélies Stärke sehr bewundernswert und habe mit ihr mitgefiebert, als sie ihre Kreationen auf der Mode Show des Hauses Fournier präsentiert.

Luc ist da schon von einem gänzlich anderen Charakter, denn er traut sich jahrelang nicht, seinem Vater davon zu erzählen, wie er das Haus Fournier designtechnisch verbessern will. Er flüchtet sich lieber in belanglose Beziehungen und sucht die Schuld bei seinem älteren Bruder, der eigentlich nichts für das Zerwürfnis zwischen ihm und ihrem Vater kann. Wie gut, dass er auf Aurélie trifft und sich eine Scheibe Mut abschneiden kann.

Alles in allem kann ich jedem dieses Buch empfehlen, der einfach mal eine Geschichte zum Träumen braucht und sich von der Modemetropole Paris verzaubern lassen möchte

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Veröffentlicht am 14.11.2022

Wo viele Schatten sind, da ist auch Licht.

Der Leuchtturm an der Schwelle der Zeit
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Joe Tournier befindet sich am Bahnhof Gare du Roi in Londres und hat keinerlei Erinnerung daran, wie er dort hingekommen ist noch, wer er eigentlich ist. Auch nach einem Aufenthalt in einer Heilanstalt ...

Joe Tournier befindet sich am Bahnhof Gare du Roi in Londres und hat keinerlei Erinnerung daran, wie er dort hingekommen ist noch, wer er eigentlich ist. Auch nach einem Aufenthalt in einer Heilanstalt kommen seine Erinnerungen nicht wieder. Ein Monsieur namens Saint-Marie behauptet zwar, dass er seit seiner Kindheit als Leibeigener in seinen Diensten stand und eine Frau hat, aber auch diese Geschichte kommt ihm nur wenig vertraut vor. Doch er fügt sich in dieses Schicksal mit dem ständigen Gefühl, etwas Wichtiges vergessen zu haben. Als dann ein Brief aus der Vergangenheit auftaucht, ist die Zeit für ihn gekommen endlich etwas zu unternehmen.

Dieses Buch erzählt eine sehr gefühlvolle Geschichte eines Mannes, der vergessen hat, wer er ist. Ich mochte diese Art von Erzählung, da sie zuweilen surreal, ja fast träumerisch wirkt. Man wird über dem Lesen in eine alternative Realität entführt, in der Frankreich in der Schlacht von Trafalgar über die britischen Streitkräfte obsiegt und in der Folge Großbritannien besetzt hat. Aus „London“ wird „Londres“ und aus „King's Cross Railway Station“ wird “Gare du Roi”. Es ist verboten, Englisch zu sprechen und sogar die Tageszeitung erscheint in einfachem Französisch mit Bildern, damit die Bevölkerung sich an diesen Umstand gewöhnen kann. Nur Schottland konnte sich der Okkupation durch Frankreich entziehen und kämpft erbittert gegen ihren Feind im Süden.

Ich fand dieses Gedankenspiel ziemlich interessant, da es mal wieder zeigt, welche Auswirkungen bestimmte Ereignisse auf den Fortlauf der Geschichte haben können. Schnell wird im Laufe der Geschichte klar, dass eine Manipulation der Zeitlinie stattgefunden hat und Joe Tournier nicht ganz so unschuldig an diesem Umstand ist. Eines Tages erreicht ihn eine Postkarte, die den Leuchtturm Eilean Mòr in Schottland zeigt und obwohl er dieses Bild zum ersten Mal sieht, kommt ihm etwas vertraut an diesem Bild vor. Er macht sich natürlich auf die Reise zu diesem Leuchtturm, um dem Geheimnis seiner verlorenen Erinnerungen auf die Spur zu kommen.

Gerade diese Suche nach seinen verlorenen Erinnerungen fand ich spannend und ziemlich gut aufgebaut. Denn am Anfang begleitet man Joe in eine frühere Zeit, in der die Postkarte losgeschickt worden ist. Manchmal war ich etwas verwirrt, wenn es zu einem Wechsel in der Zeitebene gekommen ist, aber die Geschichte erklärt an den genau richtigen Stellen die Gesetze der Zeitreise. So wechselt das Buch immer wieder in die Zeit zu einem früheren Joe und dem jetzigen Joe, der aber in die damalige Zeit gereist ist. Man muss wirklich genau lesen, um alle Aspekte dieses Buchs genau zu verstehen, aber da ich unbedingt wissen wollte, wer Joe früher war, hat es mir keine Probleme bereitet, konzentriert zu bleiben.

Darüber hinaus war ich gerade zum Ende hin regelrecht von diesem Buch berührt. Denn die Auflösung, wer Joe ist, war einfach sehr schön und ich habe Joe fest die Daumen gedrückt, dass er mit seiner großen Liebe noch glücklich werden kann (egal in welcher Zeitlinie). Zwar war Joe als Charakter nicht so mein Fall, da er sich an manchen Stellen etwas hängen gelassen und sein Schicksal nur allzu schnell akzeptiert hat. Dies bessert sich aber im Laufe der Geschichte und er steht für sich ein.

Ich bin wieder einmal von einem Buch von Natascha Pulley regelrecht angetan und kann es nur jedem empfehlen, der eine gefühlvolle Reise eines Mannes lesen möchte, der erst nach und nach herausfindet, was wirklich wichtig im Leben ist.

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Veröffentlicht am 07.11.2022

Die Möglichkeit, dass Träume wahr werden können, macht das Leben erst interessant.

Die Wintergarten-Frauen. Der Traum beginnt
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Nina von Veltheim, die von ihrem Vater nur liebevoll „Pippa“ genannt wird, wächst mit ihrem Zwillingsbruder Carlo wohl behütet auf einem Landgut in der Uckermark auf. Sie ist ein regelrechter Wildfang ...

Nina von Veltheim, die von ihrem Vater nur liebevoll „Pippa“ genannt wird, wächst mit ihrem Zwillingsbruder Carlo wohl behütet auf einem Landgut in der Uckermark auf. Sie ist ein regelrechter Wildfang und belebt das Gut schon von ganz allein, sodass ihr Vater bereits in jungen Jahren eine talentierte Schauspielerin in ihr sieht. Allerdings erlaubt sich Nina lange Zeit den Gedanken nicht, dass sie das Talent dazu hätte. Doch als ihr Vater im Krieg fällt, beschließt sie ihren gemeinsamen Traum zu erfüllen und in das brodelnde Berlin zu ziehen, um eine berühmte Schauspielerin zu werden.

Am Anfang brauchte ich meine Zeit, um mich an den Schreibstil von Charlotte Roth zu gewöhnen, da er schon sehr beschreibend ist und manche Gegebenheiten nicht ausgesprochen werden, sondern sich aus der Situation ergeben und man dadurch sehr aufmerksam lesen muss. Allerdings hatte ich mich nach 1-2 Kapiteln daran gewöhnt und ich konnte den Auftakt der Wintergarten-Frauen vollends genießen.

Vor allem der Charakter Nina von Veltheim hat mir besonders gut gefallen, denn ich konnte mich von Anfang an mit ihr identifizieren. Viele Beobachtungen, die sie im Laufe des Buches macht und danach in Worte fasst, sind so zutreffend, dass ich sie mir nur markieren konnte (was ich sonst eigentlich in Büchern tunlichst vermeide). Wenn Nina z.B. solche Sätze sagt wie: „Ich habe hier nichts, und daheim bei euch habe ich so gut wie alles. Dennoch kann ich das Nichts nicht aufgeben, Carlo. Es ist so schwer, sich als Frau ein bisschen Boden zu erkämpfen, irgendwo einen Fuß in einen Türspalt zu schieben. Ich habe nicht gewusst, dass es so schwer sein würde, und es hat mich alles gekostet, was ich aufbringen konnte. Ich kann es nicht loslassen. Auch wenn es nichts ist und das Ganze klingt, als wäre es verrückt.“, dann geht mir das Herz auf, denn es ist einfach so wahr und ich bewundere Nina für ihren Mut weiterzukämpfen. Denn im Laufe des Buches kriegt sie einige Steine in den Weg gelegt, obwohl sie talentierter ist als ihre männlichen Kollegen. Diese nehmen sie nicht ernst und erwähnen sie in Theater-Produktionen nur, wenn etwas schief gelaufen ist.

Nur der Schauspieler Anton hilft ihr beim Theater gehört zu werden. Allerdings macht dies ihre Beziehung von Anfang an kompliziert. Denn Nina möchte aus eigener Kraft ihren Traum wahr werden lassen. Wenn Anton ihr dabei hilft, hat sie das Gefühl, dass sie diesen Erfolg nur erreicht hat, weil ein Mann sie mit Aufmerksamkeit bedacht hat. Anton sieht dies etwas anders, denn er möchte sich für Nina einsetzen, weil Nina ihm ans Herz gewachsen ist. Ich fand es spannend, ihre Beziehung zueinander mitzuverfolgen, wenn ich auch von Anfang an keine Zukunft in ihrer Beziehung gesehen habe. Vielleicht finden sie erst mit der Zeit zueinander, vielleicht auch nicht auf jeden Fall finde ich es gut, dass sich Nina in diesem ersten Band auf ihre „Karriere“ konzentriert.

Darüber hinaus fand ich es auch schön, wie Nina im Laufe der Zeit die unterschiedlichsten Personen zu einem Ensemble vereint und ihre jeweiligen Stärken erkennt und in einem Theaterstück verwebt. So wird die Schlangenfrau Jenny eine ihrer engsten Verbündeten und Jenny hilft ihr auch sich in Berlin zu orientieren.

Ich bin auf jeden Fall gespannt, wie sich die Geschichte von Nina von Veltheim weiterentwickeln wird und freue mich auf die weiteren Bände. Alles in allem kann ich jedem dieses Buch empfehlen, der ein Buch über eine starke Frau lesen möchte, die sich von Niemanden aufhalten lässt, um ihren Traum zu verwirklichen.

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Veröffentlicht am 27.10.2022

Jede Reise hat ein Ende, aber die Erinnerung daran ist unvergänglich.

Paper Girls SC
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Die 12-jährigen Mädels KJ, Erin, Tiffany und Mac stehen jeden Morgen auf, um als „Zeitungsjungen“ ihr Taschengeld aufzubessern. Doch am Halloween-Morgen des Jahres 1988 wird ihr Weltbild in den Grundfesten ...

Die 12-jährigen Mädels KJ, Erin, Tiffany und Mac stehen jeden Morgen auf, um als „Zeitungsjungen“ ihr Taschengeld aufzubessern. Doch am Halloween-Morgen des Jahres 1988 wird ihr Weltbild in den Grundfesten erschüttert, denn sie entdecken eine Zeitreisekapsel, die sie unbeabsichtigt durch die Zeit schleudert. Als sei das Erwachsen werden nicht schon kompliziert genug, treffen sie nun auf Außerirdische, Zeitreisende und andere Wesen, die ihnen nach dem Leben trachten und müssen einen Weg finden, wie sie wieder in das Jahr 1988 zurückkehren können.

Nachdem ich erfahren habe, dass Amazon Prime eine Serie zu den „Paper Girls“ plant, musste ich unbedingt vorher noch die Comics lesen. Dabei hätte ich nie für möglich gehalten, wie unterhaltsam dieses „Zeitreiseabenteuer“ wird. Zwar musste ich mich zunächst an den etwas ungewöhnlichen Zeichenstil gewöhnen, doch mit der Zeit hat mir dieser Stil immer besser gefallen.

Die Gesamtausgabe enthält alle erschienenen Comic-Ausgaben von Paper Girls, die mit ganzfarbigen Seiten voneinander getrennt worden sind. Dadurch konnte ich ohne Unterbrechung mit KJ, Erin, Tiffany und Mac auf eine Zeitreise gehen und im Hinblick auf die Komplexität dieser Geschichte ist dies auch sehr empfehlenswert. Denn die Mädels reisen nicht nur in die Zukunft der 2000er, sondern auch in die Steinzeit oder in eine Zwischenwelt und treffen dabei auf ihre anderen Ichs. Dies ist am Anfang sehr verwirrend und man bekommt nur wenige Informationen darüber, wie die Freundinnen wieder in ihre Zeit 1988 zurückkehren können, doch mit der Zeit gewöhnt man sich auch daran und es macht einfach Spaß herauszufinden, in welche Zeitebene es die Paper Girls nun wieder verschlägt.

Dabei wirken die Mädels eigentlich nie ihrem Alter entsprechend, sondern agieren besonnen und verstehen die Tragweite ihres Handelns. Sie werden zu Heldinnen, die ihre Welt vor ihrem Ende retten müssen. Vor allem mochte ich Erin sehr gerne. Sie trifft schon relativ früh ihr älteres Ich und merkt, dass sie viele Dinge, die sie sich jetzt vorgenommen hat, nie umsetzen wird. Doch anstatt traurig darüber zu sein, sagt sie ihrem älteren Ich, dass sie stolz auf sich ist und sie sich keine Gedanken machen muss, dass sie enttäuscht wäre.

Ebenso hat mir gefallen, dass viele „moderne Themen“ in diesem Comic Platz gefunden haben. Sei es die Frage nach der sexuellen Orientierung oder Identität oder auch der „Body Positivity“. Die Mädels sprechen ganz normal über die eigene Periode oder Homosexualität, obwohl sie aus einer Zeit stammen, die zwar schon offener war, aber noch lange nicht so wie heute. Ich fand das schön, denn so hat man auch gesehen, dass diese Mädels die Zukunft sind und für diese Zukunft kämpfen.

Ich bin auf jeden Fall gespannt, wie diese Geschichte nun in der Serie umgesetzt worden ist und kann nur jedem empfehlen, auch mal auf eine verrückte Zeitreise mit den Paper Girls zu gehen.

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Veröffentlicht am 19.10.2022

Alles hat ein Ende, aber alles kann auch wieder neu beginnen.

Liber Bellorum. Band III
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In einem Moment der Unaufmerksamkeit nutzt der Blutmeister Sangius die Gelegenheit, Raven hinterrücks zu ermorden. Denn er möchte endlich aller Welt zeigen, dass die Blutmeister die stärksten Magier sind ...

In einem Moment der Unaufmerksamkeit nutzt der Blutmeister Sangius die Gelegenheit, Raven hinterrücks zu ermorden. Denn er möchte endlich aller Welt zeigen, dass die Blutmeister die stärksten Magier sind und demnach ein Anrecht darauf haben, über allen anderen Magiern zu stehen. Als Kyle vom Tod seines Bruders hört, bricht für ihn eine Welt zusammen. Doch er gibt seinen kleinen Bruder nicht auf, sondern überdehnt die Grenzen zwischen Leben und Tod, um seinen Bruder endlich wieder in die Arme schließen zu können. Allerdings hat sich Raven verändert, denn er hat von seinem wahren Schicksal erfahren.

Nachdem ich am Ende des zweiten Bands etwas fassungslos war, dass Raven ermordet worden ist, konnte ich kaum den dritten Band abwarten, um zu erfahren, was nun geschehen wird. Glücklicherweise hat sich schon nach ein paar Seiten herausgestellt, dass Raven doch noch unter den Lebenden wandeln darf, wenn er auch nicht mehr lebt. Allerdings scheint Raven selbst nicht wirklich glücklich über diese Entwicklung zu sein, denn er ist zwar wieder bei Bewusstsein, aber alle Dinge, die ihn als Mensch ausgemacht haben, sind unwiederbringlich mit Raven gestorben.

Er empfindet keinen Schmerz mehr, aber auch keine Freude mehr. Er ist nur noch eine leere Hülle, die aus einem sentimentalen Gedanken heraus von seinem Bruder wieder in diese Welt geschleust wurde. Anfangs versucht Kyle diese Veränderung zu ignorieren, wie so oft schon im Laufe der Buchreihe geschehen, aber es treten immer wieder Situationen auf, in denen er seinen kleinen Bruder nicht wiedererkennt. Während Raven bisher meist die moralische Gegenseite von Kyle war, beginnt er nun auch damit, Menschen zu töten, ohne mit der Wimper zu zucken. Dies beunruhigt Kyle, aber ich fand es spannend, diese Veränderung zu verfolgen, denn nun merkt auch Kyle, dass er nicht alles im Leben geradebiegen kann.

Generell konnte ich mich bis zum Schluss nicht für Kyle erwärmen, da er einfach ein furchtbarer Mensch ist. Bis auf seinen Bruder scheint er keinen Menschen wahrhaft lieben zu können und wirkt dadurch fast von Raven besessen. Ansonsten ist es ihm eine Freude, andere Menschen zu foltern und hinzurichten und überlegt sich ständig neue Foltermethoden, wie seine Opfer noch schlimmer leiden. Ich verachte ihn regelrecht für das, was er tut. Zwar kann ich tief in mir sein Verhalten verstehen, denn er ist am Ende des Tages nur ein tief traumatisierter Junge, der außer seinen Bruder nie eine Familie hatte, aber dennoch wird es nie die Taten rechtfertigen, die er begangen hat. Auch in diesem dritten Band kommt es zu einigen Folterszenen, die für mich nicht leicht zu verdauen waren. Aus diesem Grund wird Kyle für mich wohl immer einer meiner Hasscharaktere bleiben, aber es ist auch schon bemerkenswert, dass ein Buch es überhaupt schafft, diese Gefühle in mir hervorzurufen.

Damit kommt die „Liber-Bellorum“ zu einem Ende und ich kann jedem diese Reihe empfehlen, der schon mal von „der Legende der 10 Schöpfer“ gehört hat und ein Buch sucht, dass sich an Elementen daraus bedient und weiterspinnt.

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