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Veröffentlicht am 11.11.2021

Das Buch macht einfach Spaß

Wir sind schließlich wer
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Anna von Betteray ist eine junge Pastorin. Sie wird als Vertretung für den kranken Pastor in die Gemeinde Alpen am Niederrhein geschickt. Die Bewohner begegnen ihr mit Skepsis, denn sie ist in ihren Augen ...

Anna von Betteray ist eine junge Pastorin. Sie wird als Vertretung für den kranken Pastor in die Gemeinde Alpen am Niederrhein geschickt. Die Bewohner begegnen ihr mit Skepsis, denn sie ist in ihren Augen zu jung, geschieden und auch noch adelig. Das ist einfach zu viel für die Leute. Während Anna versucht, die Gemeinde etwas moderner zu gestalten, geht es in ihrer Familie drunter und drüber. Ihre Schwester Maria erlebt gerade die schlimmste Zeit ihres Lebens, denn ihr Ehemann wurde verhaftet, weil er viel Geld unterschlagen haben soll. Als auch noch Marias Sohn verschwindet, will Anna helfen, aber die Schwestern waren sich noch nie besonders nahe. Durch die dramatischen Ereignisse kommen Familiengeheimnisse ans Licht, die über Jahre verschwiegen wurden. Plötzlich bekommt Anna Hilfe von Menschen, mit denen sie nie gerechnet hat.

Anne Gesthuysen hat in ihrem Buch "Wir sind schließlich wer" die Geschichte einer Familie geschrieben, die mit allen Mitteln die heile Welt erhalten will. Sie erzählt voller Humor von den Menschen, die ganz unterschiedlich versuchen, ihre Probleme unter den Tisch zu kehren. Sie merken dabei nicht, daß sie sich immer mehr voneinander entfernen. Anne Gesthuysen beschreibt manche Situationen so lebhaft, daß man sich sofort darin wiederfindet. So Geschichten wie die Geburtstagsfeier kann man sich eigentlich gar nicht ausdenken, die muß man erlebt haben. In jeder Familie gibt es wohl Tanten und andere Verwandte, die man in diesen Beschreibungen erkennt. Dadurch macht das Lesen so richtig Spaß. Auch die ernsten Momente der Handlung werden mit so zu Herzen gehenden Worten beschrieben, daß man die tiefe Traurigkeit und die Verzweiflung deutlich spürt. Egal ob eine launige Feier oder die Angst einer Mutter: Anne Gesthuysen findet für alles die richtigen Worte. Das Buch steht für den Zusammenhalt in der Familie und für Geschwisterliebe. Übrigens ist das Buch ein schönes Geschenk für einen lieben Verwandten!

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Veröffentlicht am 10.11.2021

Langatmig

Echo
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Nick, Reisejournalist und begeisterter Bergsteiger, entdeckt mit seinem Bergfreund Augustin in den Schweizer Alpen den Berg Maudit. Dieser Berg ist geheimnisvoll, kaum jemand weiß etwas über ihn. Magisch ...

Nick, Reisejournalist und begeisterter Bergsteiger, entdeckt mit seinem Bergfreund Augustin in den Schweizer Alpen den Berg Maudit. Dieser Berg ist geheimnisvoll, kaum jemand weiß etwas über ihn. Magisch angezogen machen sich Nick und Augustin an den Aufstieg. Doch sie sind dem alten Berg nicht willkommen, Nick wird schwer verletzt, Augustin stirbt. In den folgenden Wochen verhält sich Nick seltsam, wird schließlich zur Gefahr für jeden, der ihm begegnet.

Leider hält "Echo" von Thomas Olde Heuvelt nicht, was der Inhalt verspricht. Der Prolog ist noch sehr gruselig und spannend, läßt rätseln, was er mit der späteren Handlung zu tun hat. Dies war jedoch die einzige Stelle, die bei mir Gänsehaut erzeugt hat. Denn danach ist leider Schluß mit Grusel. Man erfährt ausführlich Nicks Krankengeschichte, wie er Sam, seinen Lebensgefährten kennengelernt hat und wie Nick und Augustin den Berg besteigen. Hier spart der Autor nicht mit Fachbegriffen, die die Geschichte ebenso zerschossen haben wie die ständigen Wechsel in die englische Sprache, die sich durch das ganze Buch ziehen. Diese Dinge stören den Lesefluss immens. Die Handlung wird aus den Perspektiven von Sam und Nick erzählt, wodurch man einen guten Einblick in die unterschiedlichen Charaktere erhält. Durch die ständigen zusätzlichen Zeitsprünge wird man jedoch auch schnell verwirrt und muß sehr aufpassen. Wirklich warm bin ich mit der Geschichte nicht geworden, die Enttäuschung über den fehlenden Horror war einfach zu groß. Wer ein Buch über psychische Probleme und Bergabenteuer sucht, ist hier bestens aufgehoben. Wer jedoch auf einen schönen Horrorroman aus ist, wie es hier versprochen wird, wird definitiv enttäuscht sein.

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Veröffentlicht am 09.11.2021

Nichts für schwache Nerven

Die Totenärztin: Goldene Rache
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Die junge Gerichtsmedizinerin Fanny Goldmann hat im Jahr 1908 in Wien immer noch Schwierigkeiten, sich in der Männerwelt des gerichtsmedizinischen Institutes durchzusetzen. Doch sie gibt nicht auf. Als ...

Die junge Gerichtsmedizinerin Fanny Goldmann hat im Jahr 1908 in Wien immer noch Schwierigkeiten, sich in der Männerwelt des gerichtsmedizinischen Institutes durchzusetzen. Doch sie gibt nicht auf. Als ein neuer Fall eingeliefert wird, steht sie vor einem Rätsel. Der Tote hat eine Nachricht für sie. Als noch mehr Tote mit unheimlichen Botschaften auftauchen, merkt Fanny, daß sie zwischen die Fronten von zwei machthungrigen und sehr gefährlichen Männern geraten ist. Doch nicht nur Fanny ist in Gefahr. Auch die Menschen, die ihr nahe stehen, werden in die Machenschaften mit hineingezogen. Doch was hat ein Künstler namens Gustav Klimt mit all dem Geschehen zu tun? Für Fanny wird die Lage immer schwieriger, aber sie stellt sich mutig der Gefahr.

Der zweite Fall für "Die Totenärztin" mit dem Titel "Goldene Rache" ist nichts für schwache Mägen. Es krabbelt nur so vor ekligem Getier. Diesmal kommt auch noch eine Portion Grusel dazu. Ich habe diesen Roman an Halloween begonnen zu lesen. Das war Zufall, aber es passte total. Aber auch zu anderen Zeiten kann man noch eine schöne Gänsehaut bekommen. Der schwarze Humor der Gerichtsmediziner ist auch im zweiten Teil wieder da. Es werden makabere Scherze gemacht, die einem (Lach)Tränen in die Augen treiben. Bei allem Spaß, den der Leser mit diesem Buch erlebt, kommt aber auch ein ernstes Thema in den Fokus: Die Schwierigkeiten der Frauen, die am Anfang des 20. Jahrhunders auf eigenen Beinen stehen wollten, waren riesengroß. René Anour schreibt darüber zwar humorvoll, aber trotzdem kommt diese Botschaft beim Leser an und macht wütend. Mit der Serie um "Die Totenärztin" hat René Anour eine tolle Roman-Heldin erschaffen, von der man hoffentlich noch viel hören wird.

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Veröffentlicht am 07.11.2021

Einfühlsame Einblicke in das Leben einer Top-Reiterin

Das Glück der Erde
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Jessica von Bredow-Werndl gehört zu den besten Dressurreitern der Welt. Dies hat sie zusammen mit ihrer Trakehner-Stute Dalera im Jahr 2021 eindrücklich bewiesen. Zusammen wurden sie Deutsche Meister, ...

Jessica von Bredow-Werndl gehört zu den besten Dressurreitern der Welt. Dies hat sie zusammen mit ihrer Trakehner-Stute Dalera im Jahr 2021 eindrücklich bewiesen. Zusammen wurden sie Deutsche Meister, Europameister und Olympiasieger. In ihrem Buch "Das Glück der Erde" gibt Jessica von Bredow-Werndl Einblicke in ihr Leben. Sie schreibt von ihrer Kindheit, in der sie schon immer ein großer Tierfreund war. Die Neugierde an der Reiterei wurde geweckt, als die Großmutter der Familie plötzlich ein Pferd schenkte, was die Mutter ritt. Endgültig geschehen ist es um Jessica und ihren Bruder Benjamin, als ihre Tante das Gut Aubenhausen erwarb. Später übernahmen Jessicas Eltern das Gut und bauten es langsam, aber stetig, zu einem ansehnlichen Gut um, was noch bis heute die Heimat der sympathischen Reiterin darstellt. Sympathisch ist sie auf ganzer Linie. Sowohl ihre Dankbarkeit für das, was sie hat, als auch ihr Umgang mit ihren Pferden und den sie umgebenden Menschen ist bewundernswert. Man merkt ihr an, daß sie nichts als selbstverständlich ansieht und sie z. B. Aubenhausen zu schätzen weiß - denn das heutige Gut ist ihr nicht einfach in den Schoß gefallen, sondern bedeutete harte Aufbauarbeit. Und genauso zielstrebig und an den Möglichkeiten orientiert baut sie ihre Pferde auf, bis sie Championatsreife haben. Ohne Druck, nichts muß - aber alles kann. Hier zeigt sich wahre Größe. Wie sehr sie ihre Pferde liebt, erlebt man hier in ihren Beschreibungen. Jedes Pferd hat sein eigenes Kapitel, wird liebevoll beschrieben und ist nicht einfach nur ein Pferd, sondern ein eigenständiger Charakter, dem sie mit Respekt, Liebe und Fürsorge begegnet. Um ihren Schützlingen den Weg zu ebnen, nimmt sie sich alle Zeit der Welt - und nutzt auch mal außergewöhnliche Pfade. Jessica von Bredow-Werndl beschreibt hier auch ihren Alltag jenseits der großen Turniere. Ihr Leben mit Ehemann und Sohn, das gemeinsame Führen des Gutes mit ihrem Bruder bis hin zu den täglichen Arbeiten im Stall und dem Zusammenhalt der Mitarbeiter von Aubenhausen - hier bekommt man einen wahrhaft guten Einblick in ihr Leben. Sie beschreibt dies alles auf sehr lockere und interessante Art, reichert das Buch mit wunderschönen Farbfotos an und schreibt so, daß auch Pferde- und Dressurlaien alles verstehen und merken, daß Reiten viel anspruchsvoller ist als "sich drauf setzen und tragen lassen". Denn Reiten ist Sport, Vergnügen und Verantwortung für ein lebendes Wesen. Dies verkörpert Jessica von Bredow-Werndl in Perfektion.

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Veröffentlicht am 05.11.2021

Krimi mit Humor und Dackel

Tote sagen nicht Buongiorno
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Designerin Antonia führt ein Atelier im italienischen Urlaubsort Viareggio. Alles könnte gut sein - wenn ihre Kleptomanie sie nicht immer wieder in Schwierigkeiten bringen würde. Diesmal hilft sie nach, ...

Designerin Antonia führt ein Atelier im italienischen Urlaubsort Viareggio. Alles könnte gut sein - wenn ihre Kleptomanie sie nicht immer wieder in Schwierigkeiten bringen würde. Diesmal hilft sie nach, damit eine unangenehme Kundin ihr zu Anprobezwecken abgelegtes Armband "vergisst". Als Antonia es der Kundin zurückbringen will, findet sie deren Leiche im Hotelzimmer und wird zur Hauptverdächten. Noch dazu hat die Kundin ihr ihren Dackelwelpen Daisy zur Pflege ins Atelier geschickt, denn im Hotel sind Hunde verboten. Gemeinsam mit Privatdetektiv Rick macht sich Antonia daran, ihre Unschuld zu beweisen.

Carla di Luca hat einen Kriminalroman geschaffen, der für mich alles beinhaltet, was mich begeistert. In "Tote sagen nicht Buongiorno" fand ich Spannung, Humor, sympathische Charaktere, eine wunderschöne Region und vor allem einen Dackel vor. Antonia und ihre Familie waren mir durch den quirligen Lebensstil von Anfang an sympathisch. Sie leben ihr Leben, halten unerschütterlich zusammen. Auch Rick hatte bei mir alle Sympathiepunkte. Aber mein größter Star war Daisy. Die Dackeldame ist typisch Dackel. Was sie will ist Gesetz und was in ihrer Spielzeugkiste ist gehört ihr. Damit bringt sie Antonia gehörig ins Schwitzen und sorgt für Humor. Bei all den humorvollen Szenen ist das Buch trotzdem spannend. Hier schwankt man immer wieder zwischen den Verdächtigen, so daß man das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen mag. Die Kapitel sind jeweils aus der Perspektive von Rick und Antonia geschrieben. Da die Kapitel den jeweiligen Namen als Überschrift tragen, behält man immer perfekt den Überblick. Durch diese wechselnde Sichtweise erhält man ganz nebenbei noch Einblick in das Innerste der beiden Charaktere und versteht ihr Handeln viel besser. Carla di Luca schreibt wunderbar locker und leicht, der Stil paßt richtig gut zum Cover. Denn das verspricht ein Buch, das Spaß bereitet. Und genau dies bekommt man mit "Tote sagen nicht Buongiorno".

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