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Veröffentlicht am 04.03.2026

Tolles Setting und Olympiafeeling, aber der Rest o8/15

One Date to Gold
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Irgendwie hatte ich Lust auf eine Sports Romance zwischen all den Thrillern und Romanen. Passend zu den Olympischen Winterspielen in Mailand fiel mir "One Date to Gold" ins Auge.
Statt einer Eiskunstläuferin ...

Irgendwie hatte ich Lust auf eine Sports Romance zwischen all den Thrillern und Romanen. Passend zu den Olympischen Winterspielen in Mailand fiel mir "One Date to Gold" ins Auge.
Statt einer Eiskunstläuferin (ich liebe alles mit Eiskunstlauf oder Ballett) hatte ich hier eine Snowboarderin und einen Eishockeyspieler als Protagonisten. Als Schiläuferin fand ich deshalb auch mal Snowboarden als Thema interessant und das Thema Olympische Winterspiele sowieso. Ich verfolge diese seit meiner Kindheit mehr oder weniger regelmäßig.

Amie ist Snowboarderin und geht für das amerikanische Olympiateam an den Start, genauso wie Hunter, der Mannschaftskapitän des US Eishockey Teams. Dass sie beide bald als Paar in den Medien sind, hätte sich Amie nicht gedacht - auch wenn es sich (zuerst) nur um Fake-Dating handelt....

Erzählt wird sowohl aus der Sicht von Hunter, als auch von Amie. Beide haben ihr Päckchen zu tragen. Hunter leidet unter seinem besonderen Status in der Eishockeymannschaft, der daraus resultierenden PR-Maschinerie und dass er als Mannschaftskapitän eingesetzt wird. Mit dieser Rolle kommt er nur schwer zurecht. Zusätzlich kämpft er mit seinen Ruf als Frauenheld und seiner schwierigen Familiensituation.
Amie leidet unter dem hohen Erwartungsdruck, nachdem die Favoritin der amerikanischen Snowboard-Mannschaft verletzungsbedingt ausfällt. Hinzu kommt, dass ihr ihr ehemaliger Trainer noch heute Alpträume beschert, weil seine Methoden missbräuchlich waren und Amie mehr geschadet als geholfen haben. Als dieser mit einem neuen Schützling auch bei den Spielen auftaucht, bekommt Amie wieder verstärkte Selbstzweifel. Um der unerwünschten Pressemeute zu entkommen, bietet ihr Hunter seine Hilfe an. Sie soll seine Fake Freundin spielen. Der Grund ist ein Werbevertrag für einen Schokoriegel, der die Familie in den Vordergrund stellt. Hunters Ruf als Frauenheld passt jedoch nicht wirklich in diese Schiene. Mit einer Freundin an seiner Seite hätte er wesentlich bessere Chancen....

Von der Autorin habe ich bisher noch nichts gelesen und so war ich umso neugieriger, wie mir ihr Buch gefallen wird. Gleich vorab: Mir war die Geschichte teilweise zu spicy. Das ist aber meine ganz individuelle Meinung, denn ich finde diese Entwicklung bei Liebesgeschichten nicht so toll. Vor allem, wenn sich die beiden Protagonisten noch gar nicht wirklich gut kennen.
Hingegen haben sich meine Erwartungen betreffend dem Thema Olympia ziemlich erfüllt. Für mich hätte es sogar noch mehr davon geben können und weniger Bettszenen, die unnötig ausführlich sind. Das Olympische Dorf, die Trainingseinheiten, der Rummel um die Sportler und die Pressekonferenzen haben die erwünschten Vibes erfüllt.

Die beiden Protagonisten entwickeln sich im Laufe der Geschichte weiter und sind lebendig dargestellt. Einige der Nebenfiguren habe ich bald ins Herz geschlossen, wie Hunters Schwester Evie, Amies Trainerin Francis oder einige der Hockeyspieler.
Hunter ist eine absolute "Green Flag", was ich zu übertrieben fand. Er ist einfach zu gut, um wahr zu sein ;) Einige Szenen fand ich auch sehr kitschig und den Schreibstil manchmal etwas holprig.
Einige kleine Logikfehler und kleine Längen in der Mitte des Buches sind weitere Kritikpunkte.

Dafür hat die Autorin aber neben den typischen Sports Romance Klischees auch wichtige Themen aufgegriffen, wie der Einfluss von Profisport auf die Familien und auf Freundschaften, der Umgang mit der Öffentlichkeit und vor allem auf die teils unfaire und frauenfeindliche Behandlung im Profisport. Da hat ja auch erst vor kurzem selbst der amerikanische Präsident genau in dieselbe Kerbe gehauen...einfach nur zum Kotzen!

Fazit:
Eine Sports Romance, die nur wegen dem Thema Winterolympiade und dem Setting Mailand 2026 heraussticht, sonst aber eher mittelmäßige Kost ist. Es gab Themen, die mir gefallen haben, aber auch andere, die ich unnötig fand. Kann man lesen, muss man aber nicht.

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Veröffentlicht am 27.02.2026

Ein richtiger Pageturner

Das Signal
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Bei Ursula Poznanski greife ich normalerweise lieber zu ihren Jugendbüchern, als zu ihren Thrillern, da letztere für meinen Geschmack sprachlich manchmal einen etwas zu jugendlichen Touch haben. Umso gespannter ...

Bei Ursula Poznanski greife ich normalerweise lieber zu ihren Jugendbüchern, als zu ihren Thrillern, da letztere für meinen Geschmack sprachlich manchmal einen etwas zu jugendlichen Touch haben. Umso gespannter war ich daher auf ihren neuesten Thriller „Das Signal“.
Bereits nach der Leseprobe stand für mich fest, dass ich das Buch unbedingt lesen möchte. Denn schon von den ersten Seiten an, hat mich die Geschichte absolut gefangen genommen.

Innenarchitektin Viola Decker erwacht im Krankenhaus. Sie hat beim Einsturz des noch nicht fertig renovierten Weinkellers ihres Mannes ein Bein verloren. Viola kann sich nicht erinnern, was sie im Weinkeller wollte, der nachweislich nicht sicher ist. Ehemann Adam kümmert sich liebevoll um sie und doch hat Viola das Gefühl, dass er ihrer ziemlich sicher bald überdrüssig werden wird, denn Adam ist ein Perfektionist und Viola ist nicht mehr perfekt. Außerdem scheint er es nicht wirklich eilig zu haben, dass gemeinsame Haus barrierefrei umzubauen. Während Viola im Erdgeschoss gefangen zu sein scheint und von der neu eingestellten Pflegerin überwacht wird, fühlt sie sich immer hilfloser.

Ursula Poznanski widmet sich diesmal dem Genre des Domestic Noir (d.h. das vermeintlich sichere Zuhause der meist weiblichen Protagonistin verwandelt sich in einen Schauplatz der Bedrohung).
Nach ihrem schweren Unfall ist Viola ans Bett gefesselt und vollständig auf Hilfe angewiesen. Ihre Pflegerin Otilia überwacht sie mit einer Strenge, die eher an Gefangenschaft als an Fürsorge erinnert. Zunehmend verschwinden Gegenstände aus Violas unmittelbarer Umgebung - ihre Krücken oder der Rollstuhl. Aus Angst, die Kontrolle vollends zu verlieren, bestellt sie GPS-Tracker, um ihre Sachen schneller wiederzufinden. Doch bald wird ihr Misstrauen größer. Als sich ihr Mann immer merkwürdiger verhält, steckt sie heimlich einen der kleinen Sender in seine Stiefeletten. Was sie daraufhin entdeckt, offenbart immer mehr Widersprüche in seinen Erzählungen und lässt die Grenzen zwischen Fürsorge, Manipulation und Bedrohung endgültig verschwimmen.

Erzählt wird aus der Sicht von Viola in der Ich-Form. Sie war für mich eine nahbare und sympathische Protagonistin. Der Verlust ihres Beines und die plötzliche Abhängigkeit von anderen, wurde sehr gefühlvoll und realitätsnah dargestellt. Auch das Gefühl, im eigenen Zuhause gefangen zu sein, wird so realitätsnah beschrieben, dass ich es gut nachempfinden konnte.
Die Erzählung einzig aus ihrer Sicht lässt allerdings auch die Frage aufkommen, ob Viola eine verlässliche Erzählerin ist? Oder ob sie manches falsch interpretiert?

Die unterschwellige Bedrohung und Spannung ist allgegenwärtig. Es geht aber nicht nur um Spannung, sondern auch um Manipulation, Kontrolle und Vertrauensverlust. Ursula Poznanski verteilt ihre Informationen gut dosiert. Ihr Schreibstil wirkt diesmal erwachsener und nicht wie in "Die Burg" eher jugendlich angehaucht. Deshalb hatte ich hier auch immer das Gefühl einen "richtigen Thriller" zu lesen und nicht einen Jugendthriller, der auf erwachsen programmiert ist.

Während mich bei Poznanski häufig die Charaktere nicht ganz überzeugen konnten, gibt es diesmal nichts zu bemängeln.
Viola ist eine starke und intelligente Protagonistin, die versucht hinter den Aktivitäten ihres Mannes zu kommen. Doch auch sie hat ein düsteres Geheimnis, welches sie lange verbergen konnte. Die wortkarge und strenge Pflegerin Otilia verursacht einem oftmals Gänsehaut, aber Ehemann Adam hat mir fast noch mehr Angst eingejagt. Dabei fragt man sich beim Lesen lange, ob er nur fürsorglich oder berechnend ist. Er bleibt lange nicht greifbar. Mein Lieblingscharakter war eindeutig Benno, der Nachbarsjunge mit Down Syndrom, der ihr unwissentlich eine große Hilfe ist.

Mein einziger kleiner Kritikpunkt ist die etwas dubiose Vergangenheit von Viola, die nicht ganz glaubwürdig wirkt. Das ist aber Jammern auf hohem Niveau.
Das Ende ist gelungen und glaubwürdig.

Gefallen hat mir auch der Stadtplan von Wien auf der Innenseite des Covers. Oftmals gibt es keine genaueren Ortsangaben bei Posznankis Büchern. Umso mehr freue ich mich über diesen Wien-Thriller.

Fazit:
Ursula Poznanski konnte mich mit ihrem neuen Thriller diesmal richtig abholen, den ich innerhalb von zwei Tagen verschlungen habe. Spannung von der ersten bis zur letzten Seite! Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 22.02.2026

Ein Buch der Reihe hätte genügt

Sie wird dich finden
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Im dritten Band der Housemaid Reihe hat sich Millie von ihrem Beruf als Putzfrau der Reichen verabschiedet. Sie ist verheiratet und Mutter. Ihr Wunsch endlich in einem eigenen Haus in einer ruhigen Nachbarschaft ...

Im dritten Band der Housemaid Reihe hat sich Millie von ihrem Beruf als Putzfrau der Reichen verabschiedet. Sie ist verheiratet und Mutter. Ihr Wunsch endlich in einem eigenen Haus in einer ruhigen Nachbarschaft zu wohnen, scheint sich erfüllt zu haben.
Trotzdem fühlt sie sich nicht immer wohl und ein unterschwelliges Gefühl von Unruhe überfällt sie. Bald stellt sich heraus, dass die Nachbarschaft doch sehr gewöhnungsbedürftig ist. Während eine Nachbarin ihren Sohn an die Leine legt, hat es die andere auf Enzo abgesehen, was Millie natürlich gar nicht gefällt. Auch Sohnemann Nico mach plötzlich Probleme und zieht sich mehr und mehr zurück. Ada ist die Einzige, die noch an ihn herankommt. Millie weiß nicht, ob es nur an der Pubertät oder an etwas anderem liegen könnte...

Von Beginn an herrscht eine düstere und angespannte Atmosphäre. Trotzdem beginnt die Handlung zuerst harmlos, während sie sich nach und nach steigert und sich Abgründe auftun.
Sehr verstörend fand ich die Nachbarin, die ihr Kind an der Leine hatte und es selbst zur Bushaltestelle begleitete.
Was ich nicht ganz nachempfinden konnte ist, dass Millie diesmal eher in der Defensive agiert.
Nach zwei starken Auftritten im ersten und zweiten Band erscheint sie mir hier viel zu zahm und auch unsicher. Vor allem auch Nachbarin Suzette gegenüber, die Enzo eindeutig Avancen macht. Man hat das Gefühl eine ganz andere Person vor sich zu haben.

Der Plot war nach dem dritten Band der Reihe um Millie bereits etwas vorhersehbar und das Ende konnte mich auch nicht ganz überzeugen.
Trotzdem lässt sich der einfache und fesselnde Schreibstil der Autorin immer wieder gut lesen. Ihre Plot-Twists sind einfach Hammer, auch wenn für mich der dritte und letzte Band der Housemaid-Reihe der mit Anstand am schwächsten war.
Für Thriller-Einsteiger kann ich die Reihe trotzdem empfehlen und den ersten Band fand ich ja wirklich genial gemacht.


Fazit:
Mit Abstand der schlechteste Teil der Housemaid-Reihe, der mir bestätigt hat, dass es nach dem genialen ersten Band keine weiteren Bände gebraucht hätte.

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Veröffentlicht am 20.02.2026

Spannender historischer Roman um Wohnungsnot

Das Haus in Charlottenburg
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Nach längerer Zeit habe ich wieder zu einem historischen Roman gegriffen. Von Beate Sauer habe ich bereits "Die Fernsehschwestern - Wunder gibt es immer wieder" gelesen.
Diesmal sind wir aber etwas früher ...

Nach längerer Zeit habe ich wieder zu einem historischen Roman gegriffen. Von Beate Sauer habe ich bereits "Die Fernsehschwestern - Wunder gibt es immer wieder" gelesen.
Diesmal sind wir aber etwas früher in der Zeit und zwar im Deutschen Kaiserreich um 1890. Die sozialen Gegensätze in Berlin sind eklatant und mit den neuen Mietskasernen, die mehr und mehr gebaut werden, erhalten die Menschen noch unmenschlichere Lebensbedingungen. Spekulanten und Immobilienhaie verdienen sich eine goldene Nase, während die Armen kaum über die Runden kommen.

Elise ist Schneiderin und lebt mit ihrer Mutter, Bruder Willi und der kleinen Schwester Marie in ärmlichen Verhältnissen. Sie ist sehr talentiert und träumt von einem eigenen Modeatelier, doch ihre herrische Chefin hält sie bewusst klein. Als sie den Architekten Johann und dessen Freund Louis kennenlernt, der als Arzt in der Charité arbeitet, scheint sich ihr Leben positiv zu ändern. Johann hat nämlich weitreichende Pläne: Er möchte Genossenschaftswohnungen bauen, um auch den Ärmeren einen Platz zu bieten, der sie nicht krank macht und auch bezahlbar ist. Natürlich treffen seine Pläne auf Gegenwind und man versucht Johann immer wieder Steine in den Weg zu legen. Ganz besonders schlimm ist Leonora von Rienäcker, die Mutter von Louis, die anonym ihre Handlanger benutzt, um so billig wie möglich zu bauen. Sie hat einige Mietskasernen in Bau, die ihr noch mehr Geld einbringen werden, aber in denen die Menschen in unwürdigen Verhältnissen leben müssen.

Obwohl ich viel historische Romane gelesen habe, erfährt man auch hier wieder neue Dinge, die sich hier vor allem um den Wohnungsmangel und die Ausbeutung der Menschen drehen.
Beate Sauer hat sich dem Thema sehr genau angenommen und hat reale Ereignisse mit fiktiven Personen verknüpft. Alle Figuren, bis hin zu den letzten Nebencharakteren, sind sehr lebendig und facettenreich gezeichnet.
Wie schon im ersten Band der Autorin um die Fernsehschwestern, liebt auch Elise die Arbeit mit Nadel und Faden und zaubert kunstvolle Stickereien auf den Kleidern, die sie näht. Sie weiß genau, was sie möchte und versucht ihren Traum zu erfüllen. Johann ist ebenso erfüllt von seiner Liebe zur Architektur, doch beide bekommen immer wieder Gegenwind zu spüren. Vor allem Leonora hat dabei wiederholt ihre Finger im Spiel.
Beate Sauer erzählt eindringlich und bildhaft. Der Schreibstil passt sich der damaligen Zeit an und erschafft Bilder im Kopf. Mit einigen erwarteten und vielen unerwarteten Wendungen wurde die Spannung aufrecht erhalten.
Im Nachwort geht die Autorin noch mehr auf die damalige Wohnungsnot und auf reale Figuren dieser Zeit ein.

Fazit:
Ein spannender historischer Roman, der die Wohnungsnot Ende des 19. Jahrhunderts in Berlin schildert. Eindringlich und bildhaft erzählt. Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 18.02.2026

Intensives Leseerlebnis

Der andere Arthur
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Letztes Jahr ist man um Liz Moores Roman "Der Gott des Waldes" nicht herumgekommen und auch bei mir landete er unter den besten Büchern 2025.
Nun wurde das Debüt der Autorin ebenfalls auf Deutsch übersetzt ...

Letztes Jahr ist man um Liz Moores Roman "Der Gott des Waldes" nicht herumgekommen und auch bei mir landete er unter den besten Büchern 2025.
Nun wurde das Debüt der Autorin ebenfalls auf Deutsch übersetzt und ich durfte den Roman als Rezensionsexemplar vom C.H. Beck Verlag lesen.

Ich habe sowohl "Long Bright River" als auch "Der Gott des Waldes" gelesen und beide Geschichten sind völlig verschieden. Mit "Der andere Arthur" haben wir erneut eine ganz andere Geschichte vor uns, die aber ebenso fesselt.
Der titelgebende Arthur ist ein ehemaliger Literaturprofessor, der sein Haus seit einem Jahrzehnt nicht mehr verlassen hat. Der Grund ist seine Fettleibigkeit. Selbst im Haus bewegt er sich nur mehr im Erdgeschoß und lässt sich von Lieferdiensten alles was er benötigt, zustellen.
Eines Tages erhält er einen Brief von Charlene Turner, mit der er eine rege Brieffreundschaft unterhält. Sie war einst Studentin an der Universität, wo er unterrichtet hat. In ihr erkannte er die eigene Einsamkeit wieder. Zwischen den beiden entwickelt sich eine Freundschaft und kleine Verliebtheit. Als Charlene die Uni nach einem Semester verlässt, geht auch Arthur nicht mehr zurück und verschanzt sich in seinem Elternhaus in Brooklyn. Er flüchtet sich in die Fresssucht und auch Charlene bekommt ihr Leben nicht auf die Reihe. Als er nun nach einiger Zeit wieder Post von Charlene bekommt, ist er überrascht. Sie bittet Arthur ihrem Sohn Kel zu helfen und ihn zu unterrichten. Charlene und Kel möchten Arthur besuchen, was ihn leicht in Panik versetzt, denn er hat in seinem Briefen nicht immer die Wahrheit erzählt. Aber auch Charlene hat sich so einige Unwahhrheiten erlaubt....
Als er die blutjunge Yolanda engagiert, die sein Haus für den Besuch auf Vordermann bringen soll, erkennt sie schnell, wie einsam Arthur ist. Ihr fröhliches und optimistisches Naturell holt Arthur nach und nach aus seinem Schneckenhaus. Aber auch Yolandas Leben ist nicht einfach und so helfen sie sich gegenseitig.

Hier wechselt die Perspektive zu Kel als zweiten Ich-Erzähler. Für den nur mittelmäßigen Schüler steht Baseball an erster Stelle. Er möchte unbedingt Profispieler werden und schämt sich seiner alkoholkranken Mutter, die das Leben nicht meistert. Es gelingt ihr nicht, sich so um ihren Sohn zu kümmern, wie sie es gerne möchte. Das Leben hat sie desillusioniert.
Als ein Schicksalsschlag Kel völlig aus der Bahn wirft, erkennt er sehr schnell, wer wirklich seine wahren Freunde sind. Die Unsicherheiten und Ängste, die den jungen Mann begleiten, spürt man durch jede Zeile.

Liz Moore beschreibt die Charaktere sehr einfühlsam und ohne zu urteilen. Obwohl es sich um gesellschaftliche Randfiguren handelt, kann man sich in alle von ihnen einfühlen. Man leidet mit ihnen mit und möchte sie oftmals nur schütteln. Vor allem Arthur möchte man aus seiner Lethargie herausreißen.
Alle Figuren in diesem Roman sind in ihrer tiefen Einsamkeit gefangen. Am ehesten öffnet sich Kel gegenüber anderen Menschen und mit Dee und Lindsey hat er auch zwei Freunde gefunden, die ihm beistehen.
Beide Erzählstränge bleiben bis zum Ende hin isoliert. Deshalb fand ich es etwas schade, dass Arthur und Kel bis zum Ende der Geschichte nicht aufeinander treffen. Eigentlich hätte ich mir durch den Klappentext dies erwartet. Trotzdem kann man sich ein sehr schlüssiges Bild von beiden Figuren machen und das leicht offene Ende lässt Spielraum für den Leser und seiner Fantasie.


Fazit:
Liz Moore hat einen Roman über Vereinsamung, verpasste Chancen, Isolation, Trauer und unerfüllte Hoffnungen geschrieben, der unter die Haut geht. Dabei urteilt sie nicht, sondern bringt uns die Figuren sehr nahe. Ein ruhiger, aber intensiver Roman, der trotz des melancholischen Inhaltes Hoffnung versprüht.

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