Grado im Regen
Grado im RegenWenn ich heute so aus dem Fenster schaue, passt die Stimmung der letzten Tage perfekt zum Buch: Grau in grau und Dauerregen.
Im Prolog erlebt der Leser einen Banküberfall, der nicht so ganz abläuft, wie ...
Wenn ich heute so aus dem Fenster schaue, passt die Stimmung der letzten Tage perfekt zum Buch: Grau in grau und Dauerregen.
Im Prolog erlebt der Leser einen Banküberfall, der nicht so ganz abläuft, wie sich die beiden Räuber das eigentlich vorgestellt hatten. Das Ganze läuft etwas aus dem Ruder. Mit dieser kleinen Vorgeschichte beginnt dieser Krimi, der wie der Titel schon verrät, in Grado in Italien spielt.
In den ersten Kapiteln lernen wir einige der Protagonisten kennen, wobei uns die Autorin im Unklaren lässt, wie viel Zeit seit dem Banküberfall im Prolog vergangen ist. Die Speziellste der weiblichen Hauptprotagonisten ist Angelina Maria. Sie ist eine alte Dame, die von ihren Dämonen aus der Vergangenheit heimgesucht und allgemein als verrückte Alte abgestempelt wird. So nimmt auch niemand ihren Anruf bei der Polizei ernst, als sie einen Mord an einer Meerjungfrau meldet. Aber auch Francesa, eine junge Frau, die vor kurzem ihren Mann verlassen hat, beobachtet Tag für Tag eine junge Frau, die sie an eine Nixe erinnert und die sie auf Leinwand festgehalten hat. Doch eines Tages ist die "Meerjungfrau" verschwunden....
Neben Angelina und Francesca, die nicht nur an ihrer zerbrochenen Ehe laboriert, sondern ernsthaft erkrankt ist, lernen wir noch die Schülerin Laura kennen, die jeden Morgen vor dem Unterricht frische Backwaren austrägt und dabei die eine oder andere wichtige Beobachtung macht. Die vierte der Hauptprotagonisten ist Maddalena Degrassi, die zuständige Kommissarin und letzte Affäre von Francescas Mann Tomaso. Außerdem lernen wir noch Stefano kennen, einen Barbesitzer, der in Francesca verliebt ist, und eine wichtige Rolle im Buch spielt.
Es dauert relativ lange, bis in diesem Krimi Spannung aufkommt. Die erste Hälfte des Buches benötigt viel Zeit um die vier weiblichen und zwei männlichen Hauptrotagonisten vorzustellen. So wird man langsam mit dem Leben der einzelnenen Figuren konfrontiert. Dabei geht es aber größtenteils um Beziehungsprobleme und um die wirren Gedankengänge von Angelina Maria. Jedoch ist eben die "irre Alte" die einzige Zeugin des Mordes. Bis die Polizei beginnt Spuren nachzugehen, schwebt bereits die Nächste von ihnen in Gefahr.
Leider plätscherte für mich die Geschichte erst einmal dahin, bis sie endlich im letzten Drittel spannend wurde. Auch die Ermittlungen der Polizei bleiben eher im Hintergrund. Ich muss sagen, dass mir das für einen Krimi leider zu wenig ist.
Schreibstil:
Der Schreibstil ist locker und gut zu lesen. Die Handlung ist gut aufgebaut, komplex und das Ende ist logisch. Das Buch lebt größtenteils von den interessanten Charakteren, die die Autorin hier geschaffen hat und die wirklich gelungen sind.
Fazit :
Ein ruhiger und atmosphärischer Krimi, bei dem mir leider die Spannung gefehlt hat. Für mich wirkt die Geschichte eher wie ein Beziehungsroman mit einem temporeichen Finale. Ich hätte mir mehr davon erwartet....