Sehr zäh
HimmelerdenblauAuf den neuen Thriller von Romy Hausmann war ich schon sehr gespannt, denn das Thema der Demenz und ein dazugehöriger Cold Case haben mich neugierig gemacht.
Seit zwanzig Jahren ist die damals 16jährige ...
Auf den neuen Thriller von Romy Hausmann war ich schon sehr gespannt, denn das Thema der Demenz und ein dazugehöriger Cold Case haben mich neugierig gemacht.
Seit zwanzig Jahren ist die damals 16jährige Julie Novak verschwunden und der Fall wurde nie aufgelöst. Ein Grund für Liv und Phil, die einen True Crime Podcast betreiben, das Verschwinden von Julie wieder aufzurollen. In der Zwischenzeit ist Julies Mutter gestorben und ihr Vater Theo, ein ehemalig sehr angesehener Chirurg der Berliner Charité, leidet an fortschreitender Demenz. Er hat jedoch die Suche nach seiner Tochter all die Jahre nie aufgegeben. Als Liv über neue Erkenntnisse zu verfügen scheint, möchte sie Theo für ein Interview gewinnen. Julies Schwester Sophie, die sich liebevoll um ihren Vater kümmert, möchte endlich mit der Vergangenheit abschließen. Sie möchte nicht wieder neue Hoffnungen in Theo wecken...
Romy Hausmann hat Erfahrung mit True Crime, dem sie sich bereits in ihrem Sachbuch "True Crime: Der Abgrund in dir - Was den Menschen zum Mörder macht" gewidmet hat. Ich fand ihre dargestellten Fälle damals sehr interessant zu lesen. Leider habe ich das Buch noch immer nicht rezensiert.
In "Himmelerdenblau" greift sie auf einen Cold Case zurück, dem in einem True Crime Podcast neuerlich Aufmerksamkeit gewidmet wird. Das Verschwinden von Julie ist genau 20 Jahre her und Phil und Liv sehen darin ihre Chance mehr Follower zu gewinnen, in dem sie ihn neu aufrollen.
Als Verdächtiger stand damals Julies Ex-Freund Daniel, der wesentlich älter als sie war, im Fokus. Die Ermittlungen gegen ihn wurden jedoch eingestellt. Er leidet noch heute an den damaligen Beschuldigungen und hat diesen Makel nie ablegen können.
Romy Hausmann erzählt aus verschiedenen Sichten ihrer Protagonisten. Bei Theo hat sie sich etwas Spezielles einfallen lassen, denn seine Kapitel stecken oft voller Rechtschreibfehler, falschen Wörtern und unzusammenhängenden Ereignissen, die sein Chaos im Kopf sehr deutlich darstellen. Ich fand diese Art der Schilderung interessant. Als Leser wusste man immer, was er eigentlich meinte, wenn sich ein falsches Wort eingeschlichen hatte. Selbst habe ich allerdings noch nie jemanden kennengelernt, der an Demenz leidet und statt dem fehlenden Wort in seinem Kopf ein anderes einsetzt.
Das Thema der Demenz hat Romy Hausmann jedoch sehr authentisch und mit viel Sensibilität dargestellt, was mir gefallen hat. Generell sind die Charaktere facettenreich und komplex gezeichnet. Man durchschaut sie schwer und man hat das Gefühl, dass man keinen von ihnen wirklich trauen kann. Nur Liv und Phil blieben mir etwas zu blass und unglaubwürdig. Vor allem Phil wirkt zwielichtig und es fehlen jegliche Hintergrundinformationen zu seiner Figur.
Leider kam es aber auch sehr oft zu Wiederholungen und für mich hatte dieser Thriller erhebliche Längen und leider kaum Spannung. Mir fehlte es an Tempo und an dem Wunsch weiterzulesen. Ich musste mich überwinden zum Buch zu greifen und habe daher das letzte Viertel nur mehr quer gelesen.
Fazit:
Für mich stand leider nur Thriller drauf - der Inhalt konnte mich weder packen, noch überzeugen. Viele Längen und das fehlende Tempo ließen mich das letzte Viertel nur mehr querlesen. Schade!