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Veröffentlicht am 23.12.2025

Weihnachtlicher Wohlfühlroman

Schneezauber in Winterbury
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Jedes Jahr in der Vorweihnachtszeit steht der neue Winterroman von Sarah Morgan auf meiner Leseliste. Diesmal bin ich schon etwas spät dran, aber weil "Schneezauber in Winterbury" bereits im August erschienen ...

Jedes Jahr in der Vorweihnachtszeit steht der neue Winterroman von Sarah Morgan auf meiner Leseliste. Diesmal bin ich schon etwas spät dran, aber weil "Schneezauber in Winterbury" bereits im August erschienen ist, habe ich das Buch nicht als Rezensionsexemplar angefragt, sondern es erst viel später gekauft und nun passend zur Jahreszeit gelesen.

Sarah Morgan versteht es perfekt, mich in die ultimative Weihnachtsstimmung zu versetzen. Diesmal war der Beginn jedoch etwas anders und ein bisschen gewöhnungsbedürftig - bis ich das Gefühl hatte einen neuen Roman von Sarah Morgan vor mir zu haben.
Mit Imogen lernen wir eine nach außen hin perfekte und erfolgreiche junge Frau kennen, die scheinbar alles hat: einen tollen Job, eine liebevolle Familie und einen herzigen Hund. Leider ist nichts davon wahr, was ihr Privatleben betrifft. Ihre Mutter lehnt sie seit ihrer Kindheit ab und Weihnachten ist jedes Jahr ein Fest der Einsamkeit. Deshalb hat sie vor, sich wieder zur Weihnachtszeit in ihrer Arbeit zu verkriechen. Doch ein Zusammenbruch beendet ihre Pläne, denn ihre Chefin verordnet ihr einen Zwangsurlaub. Doch wohin soll Imogen in diesen Wochen, die öde und leer vor ihr liegen?
Ihre Lieblingskundin Dorothy bietet ihr daraufhin an, in ihrem Cottage in den Cotswolds etwas auszuspannen und London zu entfliehen. Nach kurzem Zögern, nimmt Imogen das Angebot an und weiß nicht, dass hinter Dorothys Einladung noch etwas ganz anderes steckt...

Nach kleinen Startschwierigkeiten war ich wieder mitten in der winterlichen Atmosphäre von Sarah Morgans Romanen, die ich so gerne in der Vorweihnachtszeit lese.
Erzählt wird wie üblich aus der Sicht von drei Frauen: Imogen, Dorothy und Sara. Diesmal hat aber eindeutig der Strang von Imogen den Hauptanteil an der Geschichte. Sie ist eine sehr einsame und starke junge Frau. Schon sehr früh hat sie für sich selbst sorgen müssen. Ihre Mutter hat sie nicht nur abgelehnt, sondern sich auch nicht um sie gekümmert. Dadurch steht Imogen zwar auf ihren eigenen Füßen und weiß sich zu behaupten, aber Liebe und Zugehörigkeit kennt sie nicht.
In den Cotswolds bei Dorothy findet Imogen alles vor, was Weihnachten für viele so besonders macht: Schnee, ein gemütliches Cottage, Familienanschluss und einen Hund samt netten Tierarzt.
Dorothy ist eine liebenswerte und sehr warmherzige Frau, die für ihre Mitmenschen immer ein offenes Ohr hat. Selbst quält sie sich jedoch mit Schuldgefühlen, die sie besonders zur Weihnachtszeit immer wieder einholen.
Die Charaktere sind, bis hin zu den Nebenfiguren, sehr liebevoll gezeichnet. Alle von ihnen hatte ich beim Lesen vor Augen.

Sarah Morgan verleiht ihrem Wohlfühlroman erneut Tiefe, denn sie greift einige sehr ernste Themen auf. Zusätzlich versprüht die romantische Winterlandschaft, das heimelige Holly Cottage und die wunderbar gezeichneten Figuren eine warme und festliche Atmosphäre. Hauptthema und der rote Faden der Geschichte ist jedoch die dramatische Familiengeschichte.
Manche Handlungen sind etwas vorhersehbar, vor allem, wenn man regelmäßig Sarah Morgan Bücher liest. Trotzdem gab es aber doch noch einige überraschende Wendungen, die ich nicht kommen gesehen habe.


Fazit:
Wieder der gewohnt atmosphärische Winterroman mit ernsten Themen neben der Wohlfühlatmosphäre, den ich mir genauso von der Autorin erwarte. Bezaubernd und stimmungsvoll vor der zauberhaften Kulisse der englischen Cotswolds.

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Veröffentlicht am 21.12.2025

Cosy Vorweihnachts-Lektüre

Advent im Grandhotel
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Letztes Jahr hat Beate Maly mit "Mord im Stadtpalais" einen alleinstehenden Adventkrimi geschrieben, der mir außerordentlich gut gefallen hat. Dieses Jahr wurde sie wieder vom Emons Verlag gebeten eine ...

Letztes Jahr hat Beate Maly mit "Mord im Stadtpalais" einen alleinstehenden Adventkrimi geschrieben, der mir außerordentlich gut gefallen hat. Dieses Jahr wurde sie wieder vom Emons Verlag gebeten eine Vorweihnachtsgeschichte zu schreiben. "Advent im Grandhotel" ist diesmal jedoch kein Krimi, sondern einfach eine Adventgeschichte.
In diesem kleinen Büchlein mit 192 Seiten begegnen wir wieder Ernestine und Anton aus der gleichnamigen Reihe von Beate Maly. Für mich fügt sich diese Geschichte chronologisch zwischen "Mord im Böhmischen Prater" und "Mord im Planetarium" (schon gelesen, Rezi folgt!) ein.

Diese Adventgeschichte kann man aber auch gerne alleinstehend lesen, ohne die historischen Krimis zu kennen. Sie passt perfekt in die Vorweihnachtszeit, denn sie vermittelt ein wohliges Gefühl und lässt sich schnell lesen.

Advent 1926. Ernestine hat für ihre uneigennützige Arbeit in der Bibliothek eine Einladung zu Kunstauktion am Semmering geschenkt bekommen. Gemeinsam mit Anton, seiner Enkelin Rosa und ihren Freund Fritzi reisen die Vier wieder südlich von Wien ins winterliche Semmeringgebiet, wo sich vor allem die Kinder Spaß im Schnee erhoffen. Neben dem stimmungsvollen Adventmarkt gibt es im Südbahnhotel eine Kunstauktion, die Ernestine und Anton besuchen werden.
Man lernt einige Gäste des Hotels kennen, sowie Mitarbeiter und Künstler, dessen Werke vorgestellt und anschließend in einer Auktion verkauft werden sollen. Während Anton die süßen Leckereien aus der Hotelküche genießt und die Kinder sich beim Schlitten fahren austoben, freut sich Ernestine auf die Kunstauktion. Doch kurze Zeit später sind zwei der Kunstwerke, auf die geboten werden soll, verschwunden. Natürlich weckt dies sofort Ernestines Neugier....
Obwohl der Roman nur knapp 192 Seiten hat, findet man genug Inhalt und unterhaltsame Nebenstränge, die ebenfalls Spannung aufkommen lassen.

Auch wenn hier ein Kunstraub in die Geschichte eingeflochten wurde, handelt es sich nicht um einen Krimi, sondern um eine sehr atmosphärische Weihnachtsgeschichte während der Adventzeit (wir Österreicher sagen Adventzeit OHNE "s"!)
Beate Maly kann es trotzdem kaum lassen ihre Ernestine "schnüffeln" zu lassen. Für mich ist sie die Wiener "Miss Marple".
Die Auflösung kommt auf diesen wenigen Seiten relativ spät und fast ein bisschen "überhastet". Trotzdem habe ich mich wieder sehr gut unterhalten, denn Beate Maly erzählt gewohnt kurzweilig und historisch korrekt.

Fazit:
Wieder eine echte Wohlfühllektüre für die Vorweihnachtszeit, bei der ich ein paar Seiten mehr noch lieber gehabt hätte. "Advent im Grandhotel" kommt nicht ganz an ihren Vorjahres-Adventkrimi heran, aber vermittelt dieses ganz bestimmte wohlige Gefühl der Vorweihnachtszeit wieder perfekt. Ein perfektes Geschenk für den Nikolaus oder auch noch zu Weihnachten! (auch wenn als Hardcover mit nur 192 Seiten etwas teuer ist)

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Veröffentlicht am 20.12.2025

Toller Abschluss der Trilogie um die Geschichte des Eiskunstlaufs

Der Eispalast - Entscheidung aus Liebe
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Nachdem mir die ersten beiden Teile dieser Trilogie sehr gefallen haben, war natürlich auch der Abschlussband ein MUST READ für mich.

Julianna kehrt nach ihrer Zeit in London zurück nach Wien. Sie ist ...

Nachdem mir die ersten beiden Teile dieser Trilogie sehr gefallen haben, war natürlich auch der Abschlussband ein MUST READ für mich.

Julianna kehrt nach ihrer Zeit in London zurück nach Wien. Sie ist voller Vorfreude auf ihre Zukunft mit Leopold und der geplanten Eiskunsthalle. Doch bei ihrer Ankunft wird sie weder erwartet, noch ist der Eispalast so weit fertig gestellt, wie sie erwartet hat. Leopold hat in der Zwischenzeit die Tuchfabrik verkauft und sich immens verschuldet. Um ihren großen gemeinsamen Traum verwirklichen zu können, beginnt Julianna in der nahen Ziegelfabrik zu arbeiten. Dort wird sie mit schlimmen Arbeitsbedingungen konfrontiert und schließt sich der Arbeiterbewegung an. Leo ist damit nicht wirklich einverstanden, obwohl die geplante Eröffnung immer näher rückt. Eine zusätzliche Intrige stellt ihr Glück noch mehr auf die Probe....
Auch Nikolett kämpft um ihre zukünftige Hochzeit mit Janos, die ihrer Mutter ein Dorn im Auge ist. Nikolett soll mit ihrer Mutter und dem Dienstmädchen bei einer Jagdgesellschaft teilnehmen, die jedoch mit einem Eklat endet und den Bruch mit Nikoletts Eltern herbeiführt.

Die Handlung wird aus der Sicht von Julianna, Nikolett, Katalina und Leopold erzählt. Dadurch erhalten wir viele verschiedene Eindrücke und Gedanken. Über jedem Kapitel steht der Name des jeweiligen Erzählers.
Die Leidenschaft für das Eislaufen ist wieder der rote Faden der Geschichte und hat mich aus jeder Sicht hervorragend unterhalten. Der Versuch erstmals eine Eishalle zu bauen und Kunsteis zu produzieren, fand ich sehr interessant.
Neben dem Eiskunstlauf spielen die Arbeitsbedingungen im Ziegelwerk ebenfalls eine wichtige Rolle. Die ersten Streiks gegen die Ziegelbarone, die ihre Arbeiter ausbeuten, finden hier ebenfalls Platz und beruhen stellenweise auf wahre Begebenheiten. Der Kampf um bessere Arbeitsbedingungen und der Wunsch von Frauen nach mehr Selbstbestimmung, das Misstrauen gegenüber neuer technischer Errungenschaften bestimmen den Alltag.

Die gesellschaftlichen Konventionen und der Unterschied zwischen Adel, Neureichen und der normalen Arbeiterschicht wird ebenfalls zum Thema, wie bereits in den Vorgängerbänden. Julianna und Nikolett sind dabei zwei Figuren, die sich über die gesellschaftlichen Normen hinwegsetzen. Nikolett liebt einen Mann aus der unteren Schicht und Julianna ist als ehemaliges Dienstmädchen für Leo eigentlich tabu.

Aber auch Katalina hat mit den gesellschaftlichen Gepflogenheiten zu kämpfen. Sie verliebt sich in ihren Klavierlehrer und trifft eine für sie folgenschwere Entscheidung.

Der Schreibstil der Autorin ist wieder wunderbar bildhaft und lebendig. Manche Ereignisse sind etwas vorhersehbar, doch kurz danach gelingt es Rena Rosenthal uns mit einer völlig überraschenden Wendung zu verblüffen. Manche Ereignisse fand ich für die Zeit Anfang des 20. Jahrhunderts in Wien zur Kaiserzeit etwas unrealistisch. Hier musste ich ein Auge zudrücken...

Man kann diesen Abschlussband auch ohne Vorkenntnisse lesen, aber ich empfehle die Vorgängerbände zu lesen, um die Figuren besser kennenzulernen.

Am Ende gibt es ein Nachwort der Autorin mit Erklärungen, was auf historischen Begebenheiten beruht und welche Personen sie für ihren Roman inspiriert haben. Dazu gibt es Bilder der damaligen Mode, den ersten Eisbahnen und der damaligen Plakatkunst, die in die Zeit des Wiener Jugendstils fiel (von dem ich ein großer Fan bin).

Fazit:
Ein emotionaler Abschluss der Trilogie, die mich sehr gut unterhalten hat. Insgesamt sind die Romane aus der Reihe "Der Eispalast" eine wunderbare Zusammenfassung über die Geschichte des Eiskunstlaufs und dessen Entwicklung. Ich empfehle sie gerne weiter!

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Veröffentlicht am 18.12.2025

Sehr bewegend erzählt

Du musst meine Hand fester halten, Nr. 104
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Mitten in den Wirren des Zweiten Weltkrieges wird ein kleiner Junge während eines Kindertransportes von seiner Schwester getrennt. Zuvor ist die Mutter vor ihren Augen verstorben. Der erst dreijährige ...

Mitten in den Wirren des Zweiten Weltkrieges wird ein kleiner Junge während eines Kindertransportes von seiner Schwester getrennt. Zuvor ist die Mutter vor ihren Augen verstorben. Der erst dreijährige Junge wird in ein Kinderheim gebracht. Da er seinen Namen nicht kennt und nicht spricht, wird er einfach Hartmut genannt und gilt als schwachsinnig.
Im Kinderheim herrscht Zucht und Ordnung. Die Kinder werden "entmenschlicht" und erhalten Nummern. Hartmut wird zur Nummer 104 und erlebt viel Grausames. Nur die fünf Jahre ältere Margret kümmert sich um den kleinen Jungen, den sie Hardy nennt. Sie erkennt, dass er nicht schwachsinnig, sondern völlig verstört ist. Doch die beiden werden später getrennt und erleben noch weitere Grausamkeiten, bis ihr Weg sie wieder zusammenführt.

In der Gegenwart sind Margret und Hardy seit langem verheiratet. (Das ist kein Spoiler, denn es ist direkt auf den ersten Seiten zu lesen). Niemand aus der Familie kennt ihre gemeinsame Vergangenheit. Hardy leidet besonders darunter, dass er nicht weiß, wer er wirklich ist. Seine Selbstzweifel und Ängste lassen ihn auch Jahrzehnte danach nicht los.
Tochter Sabine und Enkelin Julia sind beide alleinerziehend und keine guten Mütter. Julia ist mit der Erziehung ihrer Tochter überfordert und fliegt lieber als Stewardess in der Weltgeschichte herum. Emily lebt deshalb bei den Urgroßeltern. Trotzdem bleibt das Familienleben und das schwierige Aufwachsen von Emily zwischen der unzuverlässigen Mutter, der selbstsüchtigen Großmutter und der extrem besorgten und kontrollierenden Urgroßmutter schwierig.
Als Emily in ein Heim eingewiesen werden soll, weil Julia sich nicht richtig um sie kümmern kann und die Urgroßeltern zu alt sind, weckt das traumatischer Erinnerungen in Margret und Hardy. Vor allem Hardy setzt sich sehr dafür ein, dass Emily bei ihnen bleiben kann. Ihre Beziehung zueinander ist sehr liebevoll. Und nur Emily erkennt, dass es etwas gibt, was ihre Urgroßeltern verheimlichen und geht der Sache auf den Grund...

Susanne Abel hat mit ihren neuen Roman eine bewegende Geschichte geschrieben, die sich dem Thema der Heimkinder und den damaligen Missständen widmen. Es ist nicht mein erster Roman zu diesem Thema und trotzdem bleibt mir immer wieder die Luft weg, wenn ich über derartige Grausamkeiten an Kinder lesen muss. Es kommt sogar zu Medikamententests, die Ärzte an den Heimkindern immer wieder durchführen - denn es gibt ja niemand, der sie dafür anklagen könnte.
Man spürt die Hilflosigkeit der Kinder, die den Erwachsenen ausgeliefert sind und kann einfach nicht verstehen, wie Menschen sich an ihnen abreagieren oder sie als "Versuchskaninchen" benutzen.

Die Handlung ist fesselnd und bewegend und doch beschreibt die Autorin diese eindringlichen Szenen mit sehr viel Fingerspitzengefühl. Sie erzählt detailliert und doch schnörkellos. Die Handlungen wechseln zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart. Dabei wird aus mehreren Sichtweisen erzählt.

Die Traumata, die Hardy und Margret erleben, werden unbewusst an die nachfolgenden Generationen weitergegeben und beeinflussen die Familiengeschichte negativ. Verhaltensmuster prägen und bestimmen nachhaltig das Leben aller Familienangehörigen.
Deshalb möchte auch ich mich, als Tochter von Eltern, die den Zweiten Weltkrieg als junge Menschen miterlebt haben, endlich mit diesem Thema weiter beschäftigen und erkennen, wie es mich und meine Tochter in unserem Leben beeinflusst hat.

Fazit:
"Du musst meine Hand fester halten Nr. 104" ist kein Buch, welches man schnell weglesen kann. Es ist emotional, bewegend und man muss ab und zu kleine Pausen einlegen. Aber es ist eine Geschichte, die nachhallt und die man nicht so schnell vergisst! Von mir gibt es eine Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 16.12.2025

Mörderisches Wien

Wienerberg
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"Wienerberg" ist der vierte Fall von Felix Grohsmann und Joe Kettler, sowie der forensischen Psychologin Nicky Witt.
Mina Albich entführt uns in ihrem vierten Wien-Krimi zur ehemaligen Richtstätte am Wienerberg. ...

"Wienerberg" ist der vierte Fall von Felix Grohsmann und Joe Kettler, sowie der forensischen Psychologin Nicky Witt.
Mina Albich entführt uns in ihrem vierten Wien-Krimi zur ehemaligen Richtstätte am Wienerberg. Dort wurde im frühen 19. Jahrhundert Therese Kandl als erste Frau gehängt. Heute ist an der alten Richtstätte ein Wasserturm mit einem Wasserspielplatz und die "Spinnerin am Kreuz", die gotische Bildsäule auf dem Cover.

Als die achtjährige Mara ihren Käfer beim Spielplatz begraben will, findet sie einen Knochen, der sich kurze Zeit später als Oberschenkelknochen eines Menschen entpuppt. Dieser verstarb vor ungefähr dreißig Jahren. Deshalb suchen Grohsmann und Kettler nach Vermisstenfällen aus dieser Zeit. Bald entwickelt sich dieser Cold Case aber als sehr komplexer Fall. Zusätzlich deutet viel darauf hin, dass damals schlampig gearbeitet wurde, um einigen höheren "Persönlichkeiten" nicht auf die Zehen zu steigen. Als es jedoch zu einem Mordanschlag kommt, der anscheinend mit dem Cold Case von damals zusammenhängt, wird die Ermittlergruppe nervös.
Psychologin Nicky Witt nimmt sich Mara an, die seit dem Knochenfund belästigt wird. Nächtens kommt es immer wieder zu "Geistererscheinungen" vor ihrem Fenster, was Mara sehr verängstigt. Das Mädchen, welches als leicht autistisch gilt, ist blitzgescheit. Ihre alleinerziehende Mutter kommt allerdings nicht wirklich mit ihr zurecht und tut diese Erscheinungen als Hirngespinste ab.

Die Figuren sind wieder lebendig und facettenreich und bis hin zu den Nebenfiguren sehr authentisch dargestellt. Mir waren es diesmal aber fast zu viele Charaktere. Behilflich war dabei das Personenregister am Anfang des Buches.
Der Schreibstil von Mina Albich lässt sich sehr gut lesen und vor allem das Lokalkolorit ist wieder absolut gelungen. Immer wieder "spukt" auch Theresa Kandl im Krimi herum und erinnert an ihr Schicksal. Man erlebt Wien aus verschiedenen Blickwinkeln und fiebert mit dem verzwickten Fall und allen darauffolgenden Entwicklungen mit. Bis hier sämtliche Fäden zusammengeführt werden, dauert es und führt Felix Grohsmann und Joe Kettler auf viele verschiedene (Um-)wege.
Mina Albich gelingt es überraschende Wendungen einzubauen, die den Leser immer von neuem rätseln lassen. Die Spannung bleibt bis zum Schluss erhalten. Manches war mir allerdings zu detailverliebt erzählt. Ich muss z. Bsp. nicht wissen, welche Teesorte laufend getrunken werden...

Mir war es diesmal oftmals leider etwas zu verwirrend. Ich denke aber, dass liegt daran, dass ich den Krimi nicht in einem Zug durchlesen konnte, sondern immer wieder (ungewollte) Pausen einlegen musste, weil ich kaum Zeit fand (was nicht geplant war).
Ich bin die Einzige in der Leserunde, die bisher keine fünf Sterne gegeben hat, also bitte macht euch selbst ein Bild!

Fazit:
Ein weiterer spannender Wien-Krimi aus der Reihe um Felix Grohsmann und Joe Kettler, den ich gerne weiter empfehle.

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