Mehr Spannungsroman
MittsommerWir sind an der Küste von Dorset, wo am Sonnwendwochenende "The Manor", ein neues Luxushotel eröffnet werden soll. Es wird eine Wellness-Oase für die Reichen und Schönen. Die Bewohner der anliegenden Dörfer ...
Wir sind an der Küste von Dorset, wo am Sonnwendwochenende "The Manor", ein neues Luxushotel eröffnet werden soll. Es wird eine Wellness-Oase für die Reichen und Schönen. Die Bewohner der anliegenden Dörfer sind alles andere als erfreut darüber. Der nahe Wald soll für luxuriöse "Holzhütten" noch weiter abgeholzt werden, auf dem eine sehr mystische Stimmung liegt. Den Kindern wird von klein auf von den schwarzen Rabenvögeln erzählt, die darin hausen. Die Geschichte soll sie vom betreten des Waldes abhalten. Doch auch die Erwachsenen meiden den Wald. Bei der Eröffnungsfeier wird ausgelassen gefeiert, während einige Dorfbewohner die Party immer wieder gezielt stören. Die Katastrophe tritt ein und das neue Hotel brennt bis auf die Grundmauern ab. Am nächsten Morgen wird unterhalb der Klippen eine Tote mit einer schwarzen Feder in der Hand gefunden....
Wir erleben den Thriller aus der Sicht von fünf Protagonisten: Francesca, die sehr exzentrische Londoner Unternehmerin und nunmehrige Hotelbesitzerin und ihr Mann Owen, ein Stararchitekt; Partygast Bella, die ein Geheimnis verbirgt; der neunzehnjährige Kellner Eddie, der im Dorf wohnt und Detective Walker. Sie alle lassen uns teilhaben an ihren Erlebnissen während der Mittsommernacht. Zusätzlich gibt es noch Rückblenden in die Vergangenheit und Einblicke in ein Tagebuch aus dem Jahre 2010. Es erzählt über den Sommer von damals aus der Sicht eines Teenagers. Dabei spielen auch Francesca und ihre Brüder, sowie weitere Jugendliche aus dem Ort eine Rolle.
Der Plot ist komplex und Lucy Foley hat die Handlung sehr geschickt aufgebaut. Erst nach und nach fügen sich die einzelnen Puzzleteile zusammen. Dabei kommt einiges ans Tageslicht, was wiederum ganz neuen Enthüllungen Raum gibt. Alle Figuren und Handlungsstränge hängen zusammen, aber man weiß lange Zeit nicht in welcher Form. Ein bisschen hat es mir trotzdem an Spannung gefehlt und es hat etwas gedauert, bis mich die Geschichte richtig gepackt hat.
Die einzelnen Charaktere sind vielschichtig. Niemand ist derjenige, der er zu sein scheint. Die oberflächlichen Reichen und Schönen, die sich als naturverbunden darstellen, habe ich genauso empfunden, wie sie beschrieben wurden. Die Atmosphäre war greifbar und das Setting perfekt gewählt.
Für mich kam der Teil um die Mystik der Raben und die heidnischen Bräuche und Traditionen etwas zu kurz, auch wenn ich normaler Weise in Thrillern nichts "Übernatürliches" mag. Trotzdem wird das Thema immer wieder aufgegriffen und war mir am Ende dann fast zu wenig bearbeitet. Die Auflösung war jedoch gelungen.
Als Thriller würde ich "Mittsommer" allerdings nicht wirklich einordnen. Spannungsroman passt da etwas besser.
Fazit:
Ein sehr interessantes Thema, welches Lucy Foley hier gewählt hat. Atmosphärisch top, aber sehr komplex und dennoch mit einigen Längen. Manche Dinge wirken etwas konstruiert. Trotz allem hat mich "Mittsommer" gut unterhalten.