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tinten_fischchen

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 04.03.2025

Kinderbuch oder eher Erziehungsratgeber?

Die laute Hedda
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Ich mag Hedda. Sie ist nicht nur laut, sondern auch kreativ und hat ein großes Unrechtsbewusstsein. Das Buch ist herrlich bunt und sehr detailverliebt gezeichnet. Wunderbar erfrischend ist die Darstellung ...

Ich mag Hedda. Sie ist nicht nur laut, sondern auch kreativ und hat ein großes Unrechtsbewusstsein. Das Buch ist herrlich bunt und sehr detailverliebt gezeichnet. Wunderbar erfrischend ist die Darstellung des Vaters mit Tattoos und blauen Fingernägeln.

Aber die Geschichte selbst ist ein wenig seltsam. So ist die Ausgangslage: Home-office mit gleichzeitiger Kinderbetreuung schon per se richtig schwierig.

Der Fokus der Geschichte liegen auf Heddas Gefühle und Wut. Diese werden einfühlsam und nachvollziehbar dargestellt. Der Vater reagiert darauf mit empathischen Worten und Gesten die auch aus einem Erziehungsratgeber stammen können.

Aber für ein Kinderbuch ist es etwas seltsam. Ich hatte das Gefühl, dass das Buch eher Eltern beibringen möchte, mehr Verständnis für die Gefühlswelt ihrer Kinder aufzubringen. Und zu zeigen das Arbeit nicht alles ist.

Aber Hedda lernt im laufe der Geschichte im Gegensatz zu ihrem Vater nichts.

Ja, es ist sicher nicht fair, von Hedda zu verlangen leise zu sein, weil der Vater arbeiten muss. Natürlich wird sie das nicht verstehen. Aber: Eine Lösung oder gar ein Kompromiss werden gar nicht erst gesucht. Und als der Vater nach der Arbeit erschöpft ist, wird darauf auch keine Rücksicht genommen.

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Veröffentlicht am 04.03.2025

Von Katzen und Menschen

Die Magnolienkatzen
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Vor einiger Zeit las ich in der Zeitung, dass in Japan immer mehr Rentner kleinere Straftaten begingen mit dem Ziel ins Gefängnis zu kommen. Neben den steigenden Lebenskosten und dem fehlen von leistbaren ...

Vor einiger Zeit las ich in der Zeitung, dass in Japan immer mehr Rentner kleinere Straftaten begingen mit dem Ziel ins Gefängnis zu kommen. Neben den steigenden Lebenskosten und dem fehlen von leistbaren Pflegeplätzen wurde ein Grund auch immer genannt: Einsamkeit.

Die Magnolienkatzen bietet einen interessanten Einblick in die japanische Gesellschaft. Das Buch erzählt wie kleine Kätzchen Menschen verbinden und glücklich machen können. Da die Autorin den selben Namen wie die Hauptfigur trägt, liegt eine wahre Geschichte nahe.

Nach einem poetischen Einstieg in die Geschichte passiert leider sehr wenig. Man erfährt wie die Kätzchen sich entwickeln, was sie neues lernen, beobachtet wie die Besitzer immer vernarrter in die kleinen Fellknäuel werden. Vor allem gegen Ende hat das Buch mich wieder berührt. Mimi und ihre Kinder sind mir beim Lesen einfach ans Herz gewachsen.

Von der Kunst der Achtsamkeit merkte ich wenig. Da war ich wohl nicht achtsam genug. Aufgrund des starken Anfangs erhoffte ich mir mehr vom Buch. Auch die Sprache war weniger poetisch als erhofft, das kann aber auch an der Übersetzung liegen.

Das Buch erschien bei Klett-Cotta in einer wunderschönen Ausgabe. Vor allem die Zeichnungen gefallen mir sehr gut und das Cover ist eine wahre Augenweide.

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Veröffentlicht am 23.02.2025

Wien - Stadt der Schmuggler

Internationale Zone
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Der Picus Verlag hat sich richtig ins Zeug gelegt und eine wunderschöne Neuausgabe von Milo Dors und Reinhard Federmanns „Internationale Zone“ auf dem Markt gebracht. Das Büchlein kommt im Leineneinband ...

Der Picus Verlag hat sich richtig ins Zeug gelegt und eine wunderschöne Neuausgabe von Milo Dors und Reinhard Federmanns „Internationale Zone“ auf dem Markt gebracht. Das Büchlein kommt im Leineneinband und mit einem Lesebändchen daher. Garniert wird das ganze durch ein Nachwort das den Roman historisch einordnet.

Das Buch entstand in den 50er Jahren, also ca. zur Zeit als die Geschichte spielt. Trotz seines Alters ist der Roman alles andere als angestaubt. Dafür sorgt ein harter, schneller Erzählstil. Der Roman orientiert sich an den amerikanischen Hard Boiled Krimis. Tiefgreifende Figurenzeichnungen darf man natürlich nicht erwarten. Aber allzu einseitig sind die Figuren auch nicht, sie hätten oft auch die Möglichkeit gehabt Entscheidungen anders zu treffen.

Das das Buch so alt ist, ist ein Plus für mich. Historische Romane die erst in den letzten Jahren oder Jahrzehnten spielen betrachten die Dinge oftmals aus heutiger Sicht und/oder verklärt.

Für Fans vom dritten Mann, hard boiled Krimis und Lesern die gerne einen authentischen Krimi der in der Wiener Nachkriegszeit spielt, lesen ein Muss.

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Veröffentlicht am 21.02.2025

SOS-Handbuch in schwierigen Situationen

Unbedingt lesen, wenn ...
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Dr. Julie Smith hat das Buch für Menschen geschrieben, die in einer emotional schwierigen Situation niemanden zum Reden haben. Oder für Menschen, die gerne Dinge mit sich selbst ausmachen. Sinn des Buches ...

Dr. Julie Smith hat das Buch für Menschen geschrieben, die in einer emotional schwierigen Situation niemanden zum Reden haben. Oder für Menschen, die gerne Dinge mit sich selbst ausmachen. Sinn des Buches ist es, als Leser in einer solchen Situation eine vielleicht gesündere Perspektive einzunehmen. Manche Kapitel helfen auch das eigene Leben zu reflektieren. Der Stil des Buches orientiert sich an einem Gespräch mit einer guten Freundin. Jedes Kapitel beginnt mit einem persönlichen Brief an den Leser. Dann erst kommt die Theorie und Übungen.

Dr. Smith hat einen sehr direkten und lockeren Schreibstil. Das ist erstmals ungewohnt für ein Sachbuch. Auch der Hinweis, dass man Übungen auf dem youTube Kanal der Autorin findet ist als modern anzusehen. Schlimmer wird es, wenn die Autorin bei den Übungen darauf hinweist, dass diese in ihrem anderen Buch zu finden sind.

Man muss sich im klaren sein, dass das Buch nur kurzfristigen Perspektivenwechsel in schwierigen Situation und keine Therapie anbieten will. Es ist zum Lesen auch in Normalsituation ganz nett, da man aus dem Buch immer wieder neue Einsichten generieren kann.

Im großen und ganzen bin ich Zwiegespalten. Ich muss zugeben, meine Erwartungshaltung war etwas höher. Aber durch die Vielzahl an Themen konnte ich gleichzeitig sehr viele erhellende Dinge für mein eigenes Leben mitnehmen.

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Veröffentlicht am 13.02.2025

Den Schein bewahren…

Bis die Sonne scheint
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Christian Schünemanns Roman „Bis die Sonne scheint“ eignet sich hervorragend zum dahinlesen. Stil und Aufbau haben mir gut gefallen. Das Buch gliedert sich in zwei Teile, die abwechselnd erzählt werden. ...

Christian Schünemanns Roman „Bis die Sonne scheint“ eignet sich hervorragend zum dahinlesen. Stil und Aufbau haben mir gut gefallen. Das Buch gliedert sich in zwei Teile, die abwechselnd erzählt werden.

Der Hauptteil wird aus Sicht des Ich-Erzählers Daniel Hormann erzählt. Mit Daniels Augen werden wir Zeuge, wie die Geldsorgen überhandnehmen und die Idylle langsam zerfällt. Daniel ist noch sehr jung und er versteht das alles noch nicht. Seine Naivität und seine fehlende Lebenserfahrung werden gut dargestellt. Noch ist Daniel jemand, der vieles nachplappert und die Muster und Eltern unbewusst übernimmt. Das alles wird großteils mit einer Leichtigkeit erzählt, erst im späteren Teil spürt man etwas von der emotionalen Wucht der Situation.

Der andere Teil widmet sich der Familiengeschichte. Sowohl die Geschichte der Großeltern, Eltern und weiteren Verwandten wird erzählt. Hier geschieht sehr viel, wir erleben den zweiten Weltkrieg, diverse Krisen, den Aufschwung. Stilistisch werden die Ereignisse aber oft nur aufgezählt, was zu einer Distanz beim Leser führt. Die Gräuel des Krieges, werden nur kurz erwähnt. Man hört förmlich ein „Das war früher halt so“. Am Schluss erfährt man, dass das Buch autobiographisch ist. Es macht also Sinn, dass der Autor nicht über die Motive seiner Ahnen spekuliert sondern eher ihre Taten beschreibt.

Allerdings bleiben die meisten Figuren daher auch nur schemenhaft. Lediglich Daniel und seine Mutter Marlene bilden eine Ausnahme. Für mich funktioniert das Buch auch nur zum Teil. Ja, es ist gut geschrieben, hat humorvolle Momente, und der Entwicklungsroman-Teil hat mir sehr gut gefallen. Zu den ganzen Ahnen fand ich aber nur schwer einen Zugang.

Das Coverbild gefällt mir sehr gut, die Aufmachung des Buches ist edel.

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