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Veröffentlicht am 04.12.2020

Fortsetzung der Familiengeschichte der Autorin

Neuleben
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Bereits in ihrem Roman „Zwei Handvoll Leben“ ist die Autorin der leidvollen Geschichte ihrer Großmütter bis zum Jahr 1953 nachgegangen. Jetzt erzählt sie ihre Familiengeschichte weiter, setzt den Fokus ...

Bereits in ihrem Roman „Zwei Handvoll Leben“ ist die Autorin der leidvollen Geschichte ihrer Großmütter bis zum Jahr 1953 nachgegangen. Jetzt erzählt sie ihre Familiengeschichte weiter, setzt den Fokus aber auf das Leben ihrer Tante und ihrer Mutter. Beide emanzipieren sich, was zu ihrer Zeit ein steiniger Weg war – die eine studiert als eine von wenigen Frauen Jura und strebt eine Karriere in der Justiz an, die andere träumt vom Erfolg als Modemacherein. Daneben wird immer wieder der Faden rund um die Großmütter weitergesponnen.
Das Buchcover gefällt mir, weil es zu der Zeit des Aufbruchs nach dem Zweiten Weltkrieg passt, in der die Geschichte angesiedelt ist. Mit dem Buchtitel hadere ich etwas. Erst im letzten Drittel erfahren wir recht beiläufig, was es mit ihm auf sich hat; einen wirklichen Bezug zu einer der Hauptromanfiguren hat er nicht. Inhaltlich ist wirklich interessant, wie viel die Autorin aus ihrer Familie zusammengetragen hat und wie gut sie etwa zur Juristerei und zur Rolle der Frau in den 1950er Jahren recherchiert hat. Die Geschichte ist in einem ruhigen Ton gehalten und lässt sich angenehm lesen, ist allerdings nach meinem Dafürhalten zu sehr in die Länge gezogen. Sie ist zu empfehlen für jeden, der Familiengeschichten mit realem historischem Bezug mag.

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Veröffentlicht am 29.11.2020

Kindheitserlebnisse eines Kanzlersohnes

Raumpatrouille
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Da ich in Film und Theater nicht so bewandert bin, war mir bis dato gar nicht bekannt, dass Matthias Brandt ein renommierter deutscher Schauspieler ist. Darauf, dass es sich bei ihm sogar um den jüngsten ...

Da ich in Film und Theater nicht so bewandert bin, war mir bis dato gar nicht bekannt, dass Matthias Brandt ein renommierter deutscher Schauspieler ist. Darauf, dass es sich bei ihm sogar um den jüngsten Sohn des ehemaligen Bundeskanzlers Willy Brandt handelt, bin ich erst durch dieses Buch gestoßen.
In ihm erzählt der Autor mehrere zusammenhanglose Episoden aus der Zeit in den 1960er/1970er Jahren, in der er seine Kindheit am Venusberg in Bonn verbrachte. Aus ihnen wird seine Sehnsucht nach einem Leben als ganz normaler Junge deutlich. Stattdessen ist er verdammt zu einem Leben in einer großen Villa, umgeben von Wach- und sonstigem Personal, während seine Eltern, vor allem der Vater, nur wenig Zeit für ihn haben. Interessant sind diese zum Teil recht humorvoll gehaltenen Geschichten – insbesondere was den Einblick vom kleinen Matthias in die große Politik betrifft – vor allem für jene, die wie ich zu gleicher Zeit Kind waren. Denn es findet viel Zeittypisches Erwähnung, an das man sich noch erinnert, seien es Fernsehsendungen wie „Der Große Preis“, Zigarettenmarken wie Lord Extra, das kultige Bonanzafahrrad u.v.a.m.
Ein schönes Buch.

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Veröffentlicht am 26.11.2020

Eine gelungene Hommage an die geliebten Großeltern

Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke
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Inwieweit alles Erzählte biografisch ist, wie es den berechtigten Anschein erweckt, vermag ich nicht zu beurteilen. Auf jeden Fall erzählt uns der Autor in seinem dritten Band nach „Wann wird es endlich ...

Inwieweit alles Erzählte biografisch ist, wie es den berechtigten Anschein erweckt, vermag ich nicht zu beurteilen. Auf jeden Fall erzählt uns der Autor in seinem dritten Band nach „Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war“ und „Alle Toten fliegen hoch“ aus den Jahren, als er Anfang 20 war und das Schauspielhandwerk, für das er sich nur aus einer Laune heraus entscheidet, professionell erlernt. Wider Erwarten wird er an der Münchner Schauspielschule angenommen und kommt während dieser Zeit bei seinen geliebten Großeltern in deren Nymphenburger Villa unter. Es wechseln sich Schilderungen aus seiner Ausbildung mit solchen aus dem Zusammenleben mit den betagten, schillernden, etwas schrulligen Großeltern ab. Während man sich bei ersteren wirklich fragt, wie aus dem offensichtlich durchweg untalentierten Meyerhoff (jedenfalls stellt er sich als solcher dar) ein so erfolgreicher Schauspieler werden konnte, sind letztere angefüllt mit vielen Anekdoten, die einen immer wieder schmunzeln lassen. Besser lässt sich kaum die Liebe eines Enkels zu seinen Großeltern (und umgekehrt) verdeutlichen.
Ein sehr kurzweiliges, empfehlenswertes Buch.

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Veröffentlicht am 18.11.2020

Spannende Familiengeschichte

Die Schweigende
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Im hinteren Klappentext wird exakt das über die Autorin gesagt, was auch für den vorliegenden Roman zutrifft: Sie verfasst groß angelegte Spannungs- und Familienromane. Groß ist dieses Buch mit 518 Seiten ...

Im hinteren Klappentext wird exakt das über die Autorin gesagt, was auch für den vorliegenden Roman zutrifft: Sie verfasst groß angelegte Spannungs- und Familienromane. Groß ist dieses Buch mit 518 Seiten allemal; spannend ist es, weil es in der Vergangenheit der Protagonistin – der „Schweigenden“ aus dem Buchtitel – einen Lebensabschnitt gibt, über den sie jahrzehntelang nicht geredet hat und der sie zu einem so völlig anderen Menschen gemacht hat, als der sie noch in ihrer Jugend war; Familienroman ist es schließlich auch, da im Mittelpunkt die kürzlich verwitwete Karin mit ihren drei erwachsenen Töchtern steht, zu denen sie nie ein nahes Verhältnis hatte, anders als der Vater, der eine der Töchter auf dem Sterbebett versprechen lässt, den jüngeren Bruder von Karin zu finden, damit die Kinder ihrer Mutter verstehen lernen.
Die akribischen, detektivischen Nachforschungen der mittleren Tochter führen zurück in die deutsche Kinderheimerziehung in den 1950er/1960er Jahren in Deutschland. Was wir über sie erfahren, geht einem wirklich nahe. Das Ziel, das die Autorin laut Nachwort mit diesem Buch verfolgt hat, nämlich das Schicksal eines Heimkindes lebendig werden zu lassen und zu zeigen, welche Auswirkungen die Heimpädagogik auf die folgende Generation eines Heimkindes haben kann, ist ihr jedenfalls bestens gelungen. Die Geschichte liest sich besonders gut, weil sie auf wechselnden Zeitebenen spielt und aus der Perspektive verschiedener Personen erzählt wird. So fügt sich alles bis zu einem versöhnlichen Ende nach und nach zusammen.

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Veröffentlicht am 15.11.2020

Die Härte der Kriegs- und Nachkriegsjahre in Köln

Trümmermädchen
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Familiengeschichten aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs und die Jahre danach zu schreiben, scheint aktuell „angesagt“ zu sein. Jedenfalls habe ich in jüngerer Zeit einige Bücher hierzu gelesen. Dennoch ...

Familiengeschichten aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs und die Jahre danach zu schreiben, scheint aktuell „angesagt“ zu sein. Jedenfalls habe ich in jüngerer Zeit einige Bücher hierzu gelesen. Dennoch ist jedes wie auch das vorliegende individuell und ein Mahnmal gegen das Vergessen für uns Wohlstandsbürger mehr als 70 Jahre später. Es ist schlichtweg unvorstellbar, in welcher Not die Protagonisten dieses Romans im ausgebombten und von Jahrhundertwintern heimgesuchten Köln der Jahre 1941 ff. gelebt haben. Hunger, Kälte, Obdachlosigkeit, Krankheit sind die Widrigkeiten, gegen die die junge Anna und ihre Tante Marie ankämpfen müssen, nachdem der Onkel als im Krieg vermisst gilt und die einst gut gehende Bäckerei bei Luftangriffen zerstört wird. Kein Wunder, dass Anna da kriminelle Schwarzmarktgeschäfte macht, während Marie eher in Resignation verfällt. Die Autorin versteht es, die Personen und deren furchtbare Lebenssituation anschaulich zu schildern, wobei ihr ausweislich ihres Nachwortes eigene familiäre Erfahrungen sehr geholfen haben. Manchmal allerdings war für mich der Bogen überspannt, denn eine solche Anhäufung von Elend und die letztendlich positiven Fügungen der Geschichte nehmen der Geschichte etwas ihrer Glaubwürdigkeit. Auch hätte auf manche Klischees verzichtet werden können (z.B. Marie als „Tommy-Liebchen“, der lüsterne Bäckerinnungsmeister und seine intrigante Ehefrau).
Auf jeden Fall ein interessanter Roman für alle, die mehr über die entbehrungsreiche Zeit des Zweiten Weltkriegs und danach erfahren wollen.


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