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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 27.03.2026

Vielschichtiger Familienroman von großer gesellschaftlicher Relevanz

Real Americans
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Rachel Khong spannt in "Real Americans" den Bogen über mehrere Jahrzehnte und Generationen hinweg: von Lily Cheng, Tochter eines chinesischen Auswanderpaares, die Ende der 90er in New York auf Matthew ...

Rachel Khong spannt in "Real Americans" den Bogen über mehrere Jahrzehnte und Generationen hinweg: von Lily Cheng, Tochter eines chinesischen Auswanderpaares, die Ende der 90er in New York auf Matthew trifft, über ihren Sohn Nick, der Jahre später nach Antworten sucht, bis hin zu Lilys Mutter. Dabei entfaltet sich nach und nach ein vielschichtiger Familienroman, in dem sich persönliche Geschichten und gesellschaftliche Fragen miteinander verbinden.

Der Aufbau mit drei Zeitebenen hat mir gut gefallen, da sich die einzelnen Perspektiven Stück für Stück ergänzen und ein umfassendes Gesamtbild ergeben. Themen wie Identität, Herkunft und Familie stehen klar im Mittelpunkt, aber auch größere Zusammenhänge, etwa die Unterschiede zwischen China und den USA sowie Kommunismus und Kapitalismus, werden spannend eingebunden. Besonders die Einblicke in die chinesische Geschichte rund die Regierungszeit von Mao Zedong haben für mich einen echten Mehrwert geboten.

Die Figuren sind dabei vielschichtig gezeichnet, auch wenn mir die Identifikation nicht immer leichtfiel. Trotzdem habe ich viel Empathie für ihre Lebenswege und Entscheidungen entwickelt. Der Schreibstil ist angenehm und flüssig, sodass sich der Roman trotz seiner Länge gut lesen lässt, auch wenn es zwischendurch kleinere Längen gibt. Ein Punkt, der mich etwas zwiegespalten zurücklässt, ist der Umgang mit dem Thema Genexperimente. Ich glaube, alleine damit hätte man ein ganzes Buch füllen können. So geht es neben den Themen rund um Herkunft und Identität etwas unter bzw. wirkt für mich etwas "zu viel".

Meine Erwartungen waren durch die große mediale Aufmerksamkeit (Kampagne "Deutschland liest ein Buch" etc.) sehr hoch. Das Buch ist definitiv gut zu lesen, konnte diese für mich aber nicht ganz erfüllen - dennoch ein vielschichtiger Familienroman mit historischen und gesellschaftlichen Bezügen.

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Veröffentlicht am 25.03.2026

Wohlfühlroman für zwischendurch

Der Sommer, der uns blieb
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In "Der Sommer, der uns blieb" von Greta Herrlicher blicken drei ehemalige Freunde auf eine gemeinsame Vergangenheit zurück, die von einem einschneidenden Ereignis überschattet wird. Zwischen Rückblicken ...

In "Der Sommer, der uns blieb" von Greta Herrlicher blicken drei ehemalige Freunde auf eine gemeinsame Vergangenheit zurück, die von einem einschneidenden Ereignis überschattet wird. Zwischen Rückblicken in ihre Jugend und der Gegenwart stellt sich die Frage, ob ihre Verbindung stark genug ist, um alte Wunden und Geheimnisse zu überwinden.

Vornweg: Schon rein optisch ist das Buch ein echtes Highlight. Der Farbschnitt und die Illustrationen im Innenteil sind wirklich besonders und haben mir sehr gut gefallen. Inhaltlich klang die Geschichte für mich ebenfalls vielversprechend, gerade mit Blick auf die angedeuteten Geheimnisse . Für mich blieb jedoch vieles eher an der Oberfläche . Auch die Figuren konnten mich nicht vollständig überzeugen. Die drei Freunde boten für mich wenig Identifikationspotenzial, einige ihrer Entscheidungen wirkten fragwürdig, und besonders Martin blieb mir bis zum Ende eher suspekt. Zudem wurde die enge Freundschaft in den Rückblicken für mich nicht ganz greifbar, während mir die Entwicklungen in der Gegenwart stellenweise etwas zu glatt und unrealistisch erschienen.

Positiv hervorheben möchte ich jedoch die wechselnden Perspektiven, die verschiedenen Zeitebenen und die kurzen Kapitel. Das sorgt für einen flüssigen Lesefluss und eine gewisse Grundspannung, die einen gut durch das Buch trägt.

Alles in allem ist „Der Sommer, der uns blieb“ ein leicht zu lesender Wohlfühlroman mit sommerlicher Atmosphäre, der sich gut für zwischendurch eignet, für mich inhaltlich jedoch nicht ganz die Tiefe erreicht hat, die ich mir erhofft hatte.

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Veröffentlicht am 23.03.2026

Wunderbares Debüt mit toller Stimmung

Statt aus dem Fenster zu schauen
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In "Statt aus dem Fenster" schreibt Anna Katharina Scheidemantel von Sophie, die zwischen Studium und all den Erwartungen an sie feststeckt. Sie folgt einem spontanen Impuls und kauft ein verfallenes Haus ...

In "Statt aus dem Fenster" schreibt Anna Katharina Scheidemantel von Sophie, die zwischen Studium und all den Erwartungen an sie feststeckt. Sie folgt einem spontanen Impuls und kauft ein verfallenes Haus in der ostdeutschen Provinz. Ein Schritt, der sie raus aus dem Hamsterrad und hinein in eine unerwartete Auseinandersetzung mit sich selbst führt.

Der Schreibstil hat mich direkt abgeholt: leicht, atmosphärisch und gleichzeitig voller Tiefe. Besonders die Stimmung des Buches, dieses ruhige, flirrende Sommergefühl, war beim Lesen durchgehend spürbar und hat mir unglaublich gut gefallen. Sophie als Protagonistin bietet dabei ein großes Identifikationspotenzial: Viele Gedanken und Unsicherheiten wirkten sehr nahbar und haben für mich ein Lebensgefühl eingefangen, das vermutlich viele aus unserer Generation kennen. Gut gefallen haben mir auch Bezüge zur eigenen Kindheit und Jugend mit Himbi-Eis und den Wilden Hühnern. Zwischen den Zeilen stecken darüber hinaus immer wieder kleine Impulse, die zum Nachdenken anregen. Einziger kleiner Kritikpunkt für mich war, dass manche Handlungen nicht ganz realistisch bzw. etwas zu konstruiert wirkten.

Dennoch ist „Statt aus dem Fenster zu schauen“ ein echt tolles Debüt mit viel Gefühl und Atmosphäre. Für mich eine klare Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 21.03.2026

Ich bin sehr begeistert!

Die Riesinnen
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Hannah Häffner erzählt in "Die Riesinnen" von drei Frauen aus einem kleinen Schwarzwalddorf, die durch ihre Erscheinung aus der Gemeinschaft herausfallen und doch tief mit ihr verwurzelt sind. Über mehrere ...

Hannah Häffner erzählt in "Die Riesinnen" von drei Frauen aus einem kleinen Schwarzwalddorf, die durch ihre Erscheinung aus der Gemeinschaft herausfallen und doch tief mit ihr verwurzelt sind. Über mehrere Jahrzehnte hinweg begleitet der Roman ihr Leben und der Suche nach einem eigenen Platz.

Das Buch hat mich wirklich geflasht und besticht mit einer tollen Atmosphäre. Der Schreibstil ist ruhig, aber gleichzeitig voller Gedanken und Impulse, die lange nachwirken und immer wieder zum Innehalten anregen. Die drei Protagonistinnen sind sehr stark und differenziert gezeichnet, jede für sich besonders und auch wenn das Identifikationspotenzial unterschiedlich ist, wirken sie durchweg stimmig. Trotz der eher leisen Erzählweise und der großen Zeitspanne ist die Spannung für mich durchweg sehr hoch gewesen. Die Geschichte entfaltet sich zwar eher unaufgeregt, bleibt dabei aber durchgehend auf so einem hohen Niveau, sodass ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte.

Alles in allem ist "Die Riesinnen“ ein tiefgründiger Roman über Herkunft und Selbstfindung. Für mich eine große Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 16.03.2026

Sehr berührend!

Der letzte Sommer der Tauben
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Abbas Khider erzählt in "Der letzte Sommer der Tauben" von dem vierzehnjährigen Noah, der Tauben züchtet und einen Sommer erlebt, in dem sich seine Welt grundlegend verändert: Das Kalifat wird ausgerufen ...

Abbas Khider erzählt in "Der letzte Sommer der Tauben" von dem vierzehnjährigen Noah, der Tauben züchtet und einen Sommer erlebt, in dem sich seine Welt grundlegend verändert: Das Kalifat wird ausgerufen und neue Regeln bestimmen das Leben seiner Familie während er versucht an den kleinen Freiheiten seines Alltags festzuhalten.

Der Roman hat mich vor allem durch seine Sprache beeindruckt. Khider schreibt poetisch und bildgewaltig. Viele Sätze tragen so viel Bedeutung in sich, dass man beim Lesen immer wieder innehält. Gleichzeitig sorgen die sehr kurzen Kapitel dafür, dass man als Leser nur so durch das Buch fliegt und sich das Buch trotz der schweren Themen erstaunlich schnell liest.

Besonders eindrücklich ist die Darstellung des Lebens in einer von Willkür geprägten Gesellschaft. Der Roman zeigt sehr authentisch, wie politische Macht den Alltag der Menschen verändert. Gleichzeitig hat mir sehr gut gefallen, wie Noah und seine Familie dennoch im Privaten wie gehabt miteinander umgegangen sind und auch das gemeinsame Lachen nicht zu kurz kam. Die Tauben fungieren durch das ganze Buch hinweg als symbolisches Bild, was sich immer wieder sehr gut einfügt und mir prima gefallen hat.

Einziger Kritikpunkt für mich ist das Ende: Es bleibt recht offen und lässt viele Fragen unbeantwortet. Gerade nach der intensiven Reise durch Noahs Welt hätte ich mir einen kleinen Ausblick oder eine etwas klarere Auflösung gewünscht.

Alles in allem ist „Der letzte Sommer der Tauben“ ein beeindruckender Roman, sehr berührend und lesenswert.

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