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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 16.03.2026

Sehr berührend!

Der letzte Sommer der Tauben
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Abbas Khider erzählt in "Der letzte Sommer der Tauben" von dem vierzehnjährigen Noah, der Tauben züchtet und einen Sommer erlebt, in dem sich seine Welt grundlegend verändert: Das Kalifat wird ausgerufen ...

Abbas Khider erzählt in "Der letzte Sommer der Tauben" von dem vierzehnjährigen Noah, der Tauben züchtet und einen Sommer erlebt, in dem sich seine Welt grundlegend verändert: Das Kalifat wird ausgerufen und neue Regeln bestimmen das Leben seiner Familie während er versucht an den kleinen Freiheiten seines Alltags festzuhalten.

Der Roman hat mich vor allem durch seine Sprache beeindruckt. Khider schreibt poetisch und bildgewaltig. Viele Sätze tragen so viel Bedeutung in sich, dass man beim Lesen immer wieder innehält. Gleichzeitig sorgen die sehr kurzen Kapitel dafür, dass man als Leser nur so durch das Buch fliegt und sich das Buch trotz der schweren Themen erstaunlich schnell liest.

Besonders eindrücklich ist die Darstellung des Lebens in einer von Willkür geprägten Gesellschaft. Der Roman zeigt sehr authentisch, wie politische Macht den Alltag der Menschen verändert. Gleichzeitig hat mir sehr gut gefallen, wie Noah und seine Familie dennoch im Privaten wie gehabt miteinander umgegangen sind und auch das gemeinsame Lachen nicht zu kurz kam. Die Tauben fungieren durch das ganze Buch hinweg als symbolisches Bild, was sich immer wieder sehr gut einfügt und mir prima gefallen hat.

Einziger Kritikpunkt für mich ist das Ende: Es bleibt recht offen und lässt viele Fragen unbeantwortet. Gerade nach der intensiven Reise durch Noahs Welt hätte ich mir einen kleinen Ausblick oder eine etwas klarere Auflösung gewünscht.

Alles in allem ist „Der letzte Sommer der Tauben“ ein beeindruckender Roman, sehr berührend und lesenswert.

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Veröffentlicht am 11.03.2026

Spannung trifft Herz

This Story Might Save Your Life
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Tiffany Crum erzählt in "This Story Might Save Your Life" von Joy und Benny, die als beste Freunde gemeinsam einen Podcast über Überlebensgeschichten betreiben. Als Joy plötzlich verschwindet und Benny ...

Tiffany Crum erzählt in "This Story Might Save Your Life" von Joy und Benny, die als beste Freunde gemeinsam einen Podcast über Überlebensgeschichten betreiben. Als Joy plötzlich verschwindet und Benny unter Mordverdacht gerät, stößt er auf ein Manuskript von ihr, das Geheimnisse über ihre Vergangenheit und ihre Beziehung offenbart.

Der Roman baut von Anfang an eine starke Spannung auf und hält sie bis zum Ende aufrecht. Die Geschichte wird abwechselnd aus den Perspektiven von Joy und Benny erzählt. Als Leser gerät man zwischenzeitlich immer was wieder ins Zweifeln: Wem kann man eigentlich glauben? Der Schreibstil ist insgesamt sehr flüssig und sorgt dafür, dass man schnell durch die Seiten kommt.

Überraschend fand ich, dass das Buch weniger auf große, spektakuläre Plottwists setzt, als ich zunächst erwartet hatte. Stattdessen steht neben dem Thriller-Aspekt auch eine Liebesgeschichte im Mittelpunkt, was für viel Emotionen sorgt. An einigen Stellen wirkten bestimmte Entwicklungen für mich etwas konstruiert, ohne zu viel vorwegnehmen zu wollen. Trotzdem bleibt der Gesamteindruck positiv.

Alles in allem ist „This Story Might Save Your Life“ ein spannender Roman, der - neben dem Nervenkitzel - vor allem ans Herz geht.

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Veröffentlicht am 09.03.2026

Ungewöhnlicher Ansatz, starke Sprache

Grüne Welle
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Esther Schüttpelz erzählt in "Grüne Welle" von einer Frau, die nach einem Kinobesuch mit ihrer besten Freundin eigentlich nach Hause fahren will. Eine Umleitung bringt sie jedoch von ihrem Weg ab und aus ...

Esther Schüttpelz erzählt in "Grüne Welle" von einer Frau, die nach einem Kinobesuch mit ihrer besten Freundin eigentlich nach Hause fahren will. Eine Umleitung bringt sie jedoch von ihrem Weg ab und aus dieser kleinen Abweichung wird eine immer längere Fahrt durch die Nacht, während sich gleichzeitig die Frage für die Frau aufdrängt, ob die Rückkehr zu ihrem Mann überhaupt noch der richtige Weg wäre.

Der Roman hat für mich einen sehr spannenden Ansatz, der meiner Meinung nach sehr gelungen umgesetzt wird. Der Schreibstil ist poetisch und eindringlich mit vielen Impulsen, die zum Nachdenken anregen. Gleichzeitig liest sich das Buch sehr schnell, weil der Spannungsbogen durchweg hoch ist und man wissen möchte, wohin diese scheinbar endlose Fahrt führen wird.

Besonders interessant fand ich, dass die Figuren anonym bleiben und vieles nur angedeutet wird. Situationen und Hintergründe werden nie vollständig erklärt, wodurch viel Raum für Interpretation bleibt. Für mich sehr stimmig zum gesamten Buch.

Etwas enttäuscht hat mich allerdings das Ende. Zwar bleibt es offen, was grundsätzlich gut zum gesamten Buch passt. Für mich fühlte es sich jedoch eher wie ein Rückschritt an, und ich hätte mir für die Frau einen anderen Ausgang gewünscht.

Alles in allem ist „Grüne Welle“ aber ein toller Roman mit einem ungewöhnlichen erzählerischen Ansatz.

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Veröffentlicht am 23.02.2026

Starker Beginn, Fragezeichen am Ende

Open Hearts
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Roxy Dunn erzählt in "Open Hearts" von Misty, die nach einer Trennung zurück in ihr Kinderzimmer zieht und über eine Dating-App Christopher kennenlernt. Obwohl er in einer offenen Beziehung lebt, lassen ...

Roxy Dunn erzählt in "Open Hearts" von Misty, die nach einer Trennung zurück in ihr Kinderzimmer zieht und über eine Dating-App Christopher kennenlernt. Obwohl er in einer offenen Beziehung lebt, lassen sich die beiden auf einen zeitlich begrenzten Deal ein. Doch je näher sie sich kommen, desto mehr verschwimmen die vereinbarten Grenzen.

Der Roman hat für mich einen sehr starken Einstieg: Der Schreibstil ist flüssig und angenehm zu lesen, sodass ich schnell durch die Seiten gekommen bin. Besonders spannend fand ich, dass das Thema offene Beziehung literarisch aufgegriffen wird und Fragen nach Selbstbestimmung, Nähe und emotionaler Abhängigkeit in den Mittelpunkt rücken. Im Verlauf hatte ich jedoch zunehmend Schwierigkeiten mit den Figuren. Mistys Entscheidungen wirkten für mich teilweise schwer nachvollziehbar, während Christopher eher blass blieb und man wenig Einblick in seine Perspektive bekommt. Dadurch fühlte sich die Dynamik zwischen den beiden an manchen Stellen etwas merkwürdig/bizarr und der zweite Teil konnte für mich nicht mehr ganz an die Stärke des Beginns anknüpfen. Das Ende passt zwar gut zur Botschaft des Buches, dürfte aber alle enttäuschen, die ein klassisches Happy End erwarten.

Alles in allem ist „Open Hearts“ ein Roman mit einem interessanten Beziehungsansatz und starkem Auftakt, der mich am Ende allerdings mit ein paar Fragezeichen zurücklässt.

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Veröffentlicht am 20.02.2026

Ein mehr als würdiger Nachfolger von "Klapper"!

Salto
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Kurt Prödel erzählt in "Salto" von Marko, der nach dem Abitur zwischen Zukunftsangst, Liebeskummer und Stillstand feststeckt, während seine große Liebe Claire entschlossen in ein neues Leben aufbricht. ...

Kurt Prödel erzählt in "Salto" von Marko, der nach dem Abitur zwischen Zukunftsangst, Liebeskummer und Stillstand feststeckt, während seine große Liebe Claire entschlossen in ein neues Leben aufbricht. Die beiden treiben immer weiter auseinander bis ihre Leben aus dem Gleichgewicht geraten.

Wie schon in seinem Debütroman "Klapper" überzeugt Kurt Prödel mit einem sehr flüssigen und eindringlichen Schreibstil. Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen. Die Geschichte greift schwerwiegende Themen wie Trauer, Krankheit, Identitätsfindung, Abschied und erste Liebe auf, wodurch eine eher melancholische Grundstimmung entsteht, die jedoch sehr gut zur Handlung passt. Besonders gefallen hat mir der Aufbau mit den oft sehr kurzen Kapiteln, die aber umso mehr Inhalt bereithielten. Ich habe mir beim Lesen einige Zitate markiert, z. B. "Vielleicht sieht Glück so aus wie gebrochenes Licht in einem fleckigen Spiegel." (S. 258)

Die Figuren des Romans sind vielschichtig, auch wenn ich mich nicht immer hundertprozentig mit ihnen identifizieren konnte: Claire blieb für mich etwas distanziert und unnahbar, Marko in manchen Entscheidungen schwer nachvollziehbar. Markos Vater hingegen ist mir sehr ans Herz gewachsen. Weitere Nebenfiguren bleiben eher skizzenhaft, was den Fokus stark auf die innere Entwicklung der Hauptfiguren lenkt.

Alles in allem ist „Salto“ für mich ein mehr als würdiger Nachfolger von „Klapper“: ein intensiver Coming-of-Age-Roman, den ich direkt verschlungen habe. Ich freue mich auf die nächsten Werke von Kurt Prödel.

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