Profilbild von walli007

walli007

Lesejury Star
offline

walli007 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit walli007 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 15.03.2026

Agentenquartett

Das Riga-Komplott
0

Schon seit einiger Zeit leitet der Agent Ari Falk einen CIA-Stützpunkt in Riga. Dort versucht er russische Blogger oder Journalisten zu unterstützen, die Wahrheit herauszufinden. Nicht selten sind diese ...

Schon seit einiger Zeit leitet der Agent Ari Falk einen CIA-Stützpunkt in Riga. Dort versucht er russische Blogger oder Journalisten zu unterstützen, die Wahrheit herauszufinden. Nicht selten sind diese Operationen schwierig. Im Moment versucht er den russlandkritischen Blogger Anton auszufliegen. Dessen Flug von Istanbul landet jedoch nicht wie geplant in Riga, sondern in Minsk. Überraschend wird Anton nur in die Türkei zurückgeschickt. Zur gleichen Zeit muss die junge Maya Chou in Los Angeles die Nachricht vom Tod ihres Vaters verkraften. Der reiche Amerikaner mit russischen Wurzeln hat sich selbst umgebracht und seiner Familie entsprechende Nachrichten hinterlassen.

Als Agent fragt sich Ari Falk manchmal, ob er ein Gewissen haben darf. Am liebsten würde Ari alle Dissidenten nach Amerika bringen, mit denen er zu tun hat. Doch diese Aktionen sind teuer und sein Vorgesetzter winkt eben nicht alles durch. Maya ist verzweifelt über den Tod ihres Vaters. Der war als Jugendlicher mit seinen Eltern eingewandert und hat sich hochgearbeitet. Doch wieso erbt sie jetzt nur ein Haus in Portugal und offensichtlich waren die Investitionen ihres Vaters doch nicht so gut, denn das Geld ist weg. Könnte das der Grund für den Selbstmord sein? Maya beginnt sich auf eine Spurensuche zu begeben, während der sie auf Ari trifft.

Natürlich kann ein Thriller nicht die komplexe politische Lage in einem Land darstellen, aber mittels einer spannenden Geschichte kann doch einiges vermittelt werden. Die Agenten leben mitunter gefährlich. Und doch sind sie Menschen, die ihre persönlichen Gedanken und Gefühle haben. Wenn es einfach nicht möglich ist alle zu retten, belastet das natürlich. Besonders wenn dann noch Hintergründe ans Licht kommen, die alles in einem anderen Licht erscheinen lassen. Nach einem etwas zurückhaltenden Beginn ist das fesselnd zu lesen. Es wird gezeigt, was unter den Geheimdiensten alles möglich ist, wo aber auch die Grenzen liegen. Und sie sind eben Menschen, die irgendwann Entscheidungen treffen, deren Folgen nicht absehbar sind.

Es handelt sich im Übrigen um den ersten Band einer Reihe.

Veröffentlicht am 13.03.2026

Bootsausflug

Wellengrab (Ein Fabian-Risk-Krimi 7)
0

Während eines Segelausflugs erleben Kommissar Fabian Risk und seine Tochter Matilde wie an der Küste Helsingbrogs der Strom ausfällt. Am diesem Spätsommerabend teilen sie das Erlebnis mit vielen Menschen. ...

Während eines Segelausflugs erleben Kommissar Fabian Risk und seine Tochter Matilde wie an der Küste Helsingbrogs der Strom ausfällt. Am diesem Spätsommerabend teilen sie das Erlebnis mit vielen Menschen. Sie haben doch insofern Glück, dass sie auf dem Boot nicht direkt betroffen sind. Wieder an Land eilt Risk natürlich sofort zu den Kollegen. Sie ermitteln in mehreren Ereignissen, die erstmal keinen Zusammenhang erkennen lassen. Eine Frau wird vermisst, ein Kind ist verschwunden und es gab einen Raubüberfall. In seinem Haus findet Fabian seltsame Zettel, deren Bedeutung er sich nicht erklären kann. Und eine neue Kollegen packt die Arbeit aus einem frischen Blickwinkel an.

In seinem siebten Fall bekommt Kommissar Fabian Risk nicht nur eine neue Kollegin, sondern auch einen sehr komplizierten Fall. Es ist nicht einmal klar, ob es ein Fall ist. Es scheint so, als wäre der Stromausfall einfach genutzt worden. Unzusammenhängende Ereignisse und Zeugen, die wie so häufig eher schweigen. Heikel werden die Nachforschungen als eine Bekannte Fabians sich meldet und berichtet aufgelöst, ihre Tochter sei verschwunden. Die Suche nach einem Kind bekommt Priorität. Der Vater des Mädchens benimmt sich merkwürdig. Allerdings führen auch hier die Nachforschungen zunächst ins Leere. Es ist verhext und dann werden dem Team auch noch von anderer Seite Steine in den Weg gelegt.

Die Kriminalromane von Stefan Anhem stehen für spannende Unterhaltung. Und so ist es auch in diesem Fall. Es dauert eine Weile bis sich ein Bild zusammenfügt. Wenn man jedoch ungefähr zu erkennen beginnt, was sich da zusammenbraut, ist man richtig gefesselt. Zwar gibt es auch Momente, in denen man schneller erahnt, was passieren wird, aber grundsätzlich ist die Handlung sehr packend. Man wird mit der Boshaftigkeit und Perfidität gewisser Menschen oder Organisationen konfrontiert. Dass so etwas passieren kann, möchte man sich nicht vorstellen. Dass so etwas möglich sein könnte, lässt einen erschauern und man fragt sich, wie einer solchen Entwicklung entgegen gewirkt werden könnte.

Gekonnt und lebhaft liest David Nathan diesen fesselnden Krimi, von dem man in manchen Momenten denkt, da müsste noch was kommen.

Veröffentlicht am 11.03.2026

Die lieben Kollegen

Mit freundlichen Grüßen
0

Ihre Mutter träumt von einer großen Hochzeit, denn Jolene ist schon dreiunddreißig Jahre alt und es wird Zeit. Jolene hängt in ihrem Bürojob fest und würde ihren Kollegen am liebsten sagen, was sie wirklich ...

Ihre Mutter träumt von einer großen Hochzeit, denn Jolene ist schon dreiunddreißig Jahre alt und es wird Zeit. Jolene hängt in ihrem Bürojob fest und würde ihren Kollegen am liebsten sagen, was sie wirklich von ihnen hält. Manchmal versteckt sie geheime fiese Botschaften in ihren Mails. Dummerweise wird sie erwischt und sie muss ein Einfühlsamkeitstraining absolvieren. Welch eine Blamage. Das Training leitet der Personaler Cliff, der sich freundlicher verhält als Jolene erwartet hätte. Gleichzeitig werden die Einstellungen an ihrem email-Postfach verändert. Dabei muß ein Fehler geschehen sein, denn plötzlich kann Jolene alle Nachrichten in ihrer Abteilung lesen.

Jolene hat nicht viel Kontakt zu ihren Kollegen. Es scheint so als würden sie sich alle durch den Tag robben. Wahrscheinlich ist es das Beste, nicht aufzufallen und möglichst wenig zu tun, um nicht aufzufallen. Doch nun ist da Cliff, der auch wegen Jolene mit allen Mitarbeitern der Abteilung sprechen will. Und dann sind da noch die Gerüchte von einer Umstrukturierung. Jolene muss dieses Training bestehen. Dazu fasst sie einen Plan, in dem auch die Mails eine Rolle spielen, die sie eigentlich nicht sehen soll. Und irgendwie muss sie Cliff überzeugen, dass sie ehrlich bestrebt ist, ein besseres Verhalten an den Tag zu legen.

Nach dem Lesen der Beschreibung hofft man auf ein Feuerwerk von witzigen Büroanekdoten. Ganz so kommt es allerdings nicht. Jolene neigt manchmal dazu, eher das Negative bei anderen zu sehen. Damit liegt sie manchmal richtig, aber eben nicht immer. Und eine nervige Mutter kennen vermutlich viele. Doch Jolene stellt sich ihren Problemen und man lernt ihre herzliche Seite kennen. Cliff schätzt sie wahrscheinlich richtig ein, aber zwischen einem aus der Personalabteilung und einer Mitarbeiterin darf es natürlich keine Freundschaft geben. Mit einem Lächeln liest man, wie die beiden sich etwas vormachen. Und je mehr sich Jolene ihren Kollegen und Kolleginnen öffnet, desto sympathischer werden sie ihr. Jedenfalls die Meisten. Und so wird aus dem erwarteten Bürogeplänkel ein Roman mit einigen ernsten Themen und Problemen, die angegangen werden. Obwohl sie es selbst nicht glaubt, ist Jolene doch eine starke Frau.

Veröffentlicht am 08.03.2026

Kommt anders

Hier draußen
0

Vor einiger Zeit haben sich Lara und Ingo ins schleswig-holsteinische Fehrdorf gezogen. Besonders Lara hatte das Gefühl, sie brauchen mehr Platz. Das kleine Reihenhaus in Hamburg reicht einfach nicht für ...

Vor einiger Zeit haben sich Lara und Ingo ins schleswig-holsteinische Fehrdorf gezogen. Besonders Lara hatte das Gefühl, sie brauchen mehr Platz. Das kleine Reihenhaus in Hamburg reicht einfach nicht für sie und die beiden Kinder. Zuerst läuft auch alles ganz gut. Doch irgendwann wird es etwas mühsam, Ingo nerven die langen Fahrten und Lara fühlt sich manchmal etwas weit ab. So richtig zum Nachdenken kommen sie allerdings als Ingo auf dem Heimweg einen Wildunfall hat. Er fährt eine weiße Hirschkuh an, die der Förster oder Jagdpächter erschießen muss. Und nun unken alle rum, dass bringt Unglück und innerhalb eines Jahres wird jemand sterben.

Wer glaubt denn sowas? An solchen Erzählungen ist mit Sicherheit nichts dran, oder etwa doch? Lara und Ingo versuchen ganz normal weiterzuleben. So auch die anderen Dorfbewohner, die die Hamburger eher als Fremde empfinden. Nur Jutta und Armin, die Überreste einer Wohngemeinschaft, sind vielleicht anders. Sie sind auch einmal aus Hamburg rausgezogen. Tove leidet unter ihrer Ehe und Maggie sorgt sich um ihren Mann. Dann gibt es Ferienwohnungen, die bewirtschaftet werden müssen. Und die Bauernhöfe natürlich, die bewirtschaftet werden müssen. Für die Menschen, die sich um die Tiere kümmern gibt es keine Pause. Und das Jahr nimmt seinen Lauf.

Wildunfälle gehören natürlich nicht zu den schönsten Ereignissen, die einen ereilen können. Und zum Glück trifft man auch eher selten auf eine weiße Hirschkuh. Würde man sich dann von einem Aberglauben leiten lassen? Und was, wenn dann tatsächlich etwas passiert oder wenn nichts passiert? Die Autorin lenkt die Gedanken sehr geschickt mal in die eine, mal in die andere Richtung. Dabei beschreibt sie das Dorfleben sehr treffend. Gerade wenn man selbst vom Land kommt, kann man sich gut wiederfinden. Die ländliche Idylle gibt es in dem Sinne nicht. Dort ist alles so wie woanders auch. Es gibt Probleme, die Landleute empfinden Sympathie für einander oder nicht. Es glückliche Familien und weniger glückliche. Also alles wie woanders auch. Dabei bleibt eine gewisse Distanziertheit, wegen der interessanten Wendungen aber auch immer der Wunsch weiterzulesen.

Veröffentlicht am 06.03.2026

Portrait der Familie (Musikzimmer)

Zwei in einem Bild
0

Endlich hat sie eine Arbeit, auch wenn es nur die Nachtschicht in einer Putzkolonne ist. Aber sie darf in einer Galerie die Böden wischen und Claire liebt die Bilder. Sie könnte sie immer betrachten. Was ...

Endlich hat sie eine Arbeit, auch wenn es nur die Nachtschicht in einer Putzkolonne ist. Aber sie darf in einer Galerie die Böden wischen und Claire liebt die Bilder. Sie könnte sie immer betrachten. Was sie nicht ahnt, bei der Galerie handelt es sich um ein ganz besonderes Museum. Seit ungefähr hundert Jahren hängen die Bilder in der selben Formation und der inzwischen verstorbene Stifter hat verfügt, dass daran nichts geändert werden darf. Irgendwann sind die Bilder lebendig geworden und die dargestellten Personen können die Besucher des Museums beobachten. Claire weiß das nicht, aber sie fühlt es.

Gemälde, aus denen heraus die Museumsbesucher betrachtet werden können als wären die selbst die dargestellte Welt. Welch ungewöhnliche Vorstellung und bei Claire handelt es sich nicht einfach nur um eine Putzfrau. Sie betrachtet die Bilder mit besonderem Interesse. Vielleicht kann sie die Szenen mit ihrem ganzen Sein erfassen. Manchmal hat Claire das Gefühl, dass sich die Personen auf den Bildern bewegen. Ein Gemälde entwickelt eine herausragende Anziehungskraft auf sie. Liest der junge Mann im Vordergrund wirklich nur in seinem Buch oder blinzelt er in ihre Richtung? Am liebsten möchte Claire sich in das Bild hineinfallen lassen.

Auch wenn auf dem Cover nicht das Portrait der Familie (Musikzimmer) von 1917 abgebildet ist, kann die Gestaltung des Buchumschlags begeistern. Die kleinen Entdeckungen sollten jedem Betrachter und jeder Betrachterin selbst vorbehalten sein. Ob man dann schaut, ob es das genannte Bild wirklich gibt und ob die Stimmung des Bildes im Roman gut eingefangen ist, kann natürlich auch jeder selbst herausfinden.

Die Geschichte von Claire und Jean wirkt wie ein hingehauchter Traum. So wie Claire durch die Ausstellungsräume wandelt, da möchte man selbst gerne putzen gehen und sich den phantasievollen Gedankenspielen hingeben. Doch was, wenn das wahr wäre? Und Jean, der als das Bild gemalt wurde auf dem Weg in den Krieg war? Im Bild konnte er diesem Schicksal entgehen. Vielleicht wird es in einigen wenigen Passagen etwas zu simpel oder zu gefühlig. Doch gerade wenn das einen von der wunderbaren Reise durch das Museum ablenken will, nimmt einen die Handlung wieder gefangen. Ein wenig würde man selbst gerne in eines der Gemälde schlüpfen, in eine friedlichere oder bessere Zeit. Es bleibt das Gefühl, dass diese Idee darauf gewartet hat, geschrieben zu werden.