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Veröffentlicht am 21.04.2022

Central Park

Der große Fehler
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Am Freitag, den 13.,1903 wurde der 83jährige Stadtplaner und Anwalt Andrew Haswell Green vor seiner Haustür erschossen. Der Mörder wird sofort gefasst, aber sein Motiv ist unklar. Schließlich war Green ...

Am Freitag, den 13.,1903 wurde der 83jährige Stadtplaner und Anwalt Andrew Haswell Green vor seiner Haustür erschossen. Der Mörder wird sofort gefasst, aber sein Motiv ist unklar. Schließlich war Green einer der bekanntesten Männer von New York City. Ihm hat die Stadt den Central Park zu verdanken, die Bibliothek und einige weitere Bauten und Projekte. Inspector McClusky steht vor einem Rätsel. Nur langsam kann er sich an das Opfer herantasten, dessen Aufzeichnungen und Tagebücher er untersucht. Und welche Rolle spielt die geheimnisvolle Bessie Davis, deren Namen der Täter genannt hat?

Wer denkt schon, zum Ende des Lebens hin an einem anderen Ort zu sterben als im Bett? Umso überraschter ist Green als er dem Mörder gegenübersteht. Während der Untersuchung der Tat, erfährt Inspector McClusky einiges über Greens Leben und Wirken. Die Kindheit war nicht leicht, die Mutter früh verstorben, der Vater streng. Eine erste Anstellung in New York hätte eine Befreiung sein können, auch wenn der Job etwas freudlos ist. Zunächst jedoch kehrt Andrew krank nach hause zurück und wird wieder in die Welt geschickt, nach Trinidad. Dort schafft er es, einen Grundstock zusammenzuraffen, um sich das Jura-Studium zu ermöglichen. So kann er doch noch ein Gentleman werden.

Wenn man nach der Beschreibung einen Kriminalroman erwartet, könnte man eine kleine Enttäuschung erleben. Ein großer Anteil der Erzählung befasst sich mit den Lebensumständen der historischen Persönlichkeit des Andrew Haswell Green. Wobei es durchaus interessant ist, von diesem New Yorker zu erfahren, der so viel für seine Stadt bewirkt hat. Zwar blieb ihm eine Erfüllung im persönlichen Leben versagt, doch war er durch sein berufliches Werk anerkannt und geschätzt. Mit seiner dem Zeitgeschehen angepassten Sprache schildert der Autor anschaulich, was seinen Protagonisten bewegt hat. Dessen Leben schien von Tragik geprägt, aber auch von humorvolle Episoden kann berichtet werden. Natürlich kann nicht genau gesagt werden, inwieweit sich der Autor an die Tatsachen gehalten hat und was der dichterischen Freiheit entspringt. Doch wirkt die Mischung gelungen. Auch wenn man es aus Sicht eines Touristen nicht so genau zu beurteilen vermag, Andrew Haswell Green hat dieses kleine Denkmal wohl verdient.

Veröffentlicht am 20.04.2022

Kooperation

Grenzfall - Ihr Schrei in der Nacht
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Im Grenzgebiet zwischen Österreich und Deutschland verschwinden mehrere junge Menschen. Da die Vorfälle diesseits und jenseits der Grenze passieren, sind auch Polizeidienststellen auf beiden Seiten der ...

Im Grenzgebiet zwischen Österreich und Deutschland verschwinden mehrere junge Menschen. Da die Vorfälle diesseits und jenseits der Grenze passieren, sind auch Polizeidienststellen auf beiden Seiten der Grenze zuständig und beginnen getrennt zu ermitteln. In der Nähe von Innsbruck werden zwei Studentinnen vermisst und in Deutschland ist eine junge Frau, die auf dem Weg zu ihren Eltern war, im Schneetreiben nicht zu hause angekommen. Alexa Jahn hat sich inzwischen an ihrer neuen Wirkungsstätte eingelebt. Die Zusammenarbeit mit den Kollegen klappt immer besser. Doch der Vertrauensbruch ihrer Mutter liegt ihr noch sehr auf der Seele. Bernhard Krammer auf österreichischer Seite fragt sich, ob er sich die Pension herbeiwünscht.

In ihrem zweiten Fall ermitteln Alexa Jahn und Bernhard Krammer eine ganze Weile nebeneinander her. Da die Geschehnisse einen unterschiedlichen Hintergrund zu haben scheinen, werden Informationen nicht groß ausgetauscht. Auf Deutscher Seite gerät bald ein Ortsansässiger in Verdacht, der schon einmal mit dem Gesetz in Konflikt geraten war, während sich in Österreich Hinweise ergeben, dass ein ganz alter Bekannter von Inspektor Krammer wieder aktiv geworden ist. Dieser Fall war wie ein Nadelstich, der nie verheilt. Schließlich hat die Sache zu Krammers Versetzung nach Innsbruck geführt.

Immer ein gutes Zeichen ist es, wenn man nach dem ersten Teil auch zum zweiten greift. In diesem zweiten Band der Reihe kann man sich über lebendige Schilderungen der Ermittlertätigkeit und dem zwischenmenschlichen Miteinander freuen. Alexa Jahn und Bernhard Krammer sind sympathische Persönlichkeiten, die in ihrem Beruf schon einiges gesehen haben und im Privatleben mit einer neuen Situation konfrontiert werden. Der Fall an sich ist in einem Moment etwas vorhersehbar, ansonsten aber interessant aufgebaut und dramatisch gelöst. Was im Ungewissen bleicht, bildet schließlich einen Hinweis auf den nächsten Fall, der Jahn und Krammer im nächsten Jahr wieder zusammenführen wird. Diese Krimireihe ist eine zum gerne Lesen.

Veröffentlicht am 20.04.2022

Wer schreibt da nicht?

Bartleby, der Schreibgehilfe
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Ein Anwalt in New York Mitte des neunzehnten Jahrhunderts. Seine kleine Kanzlei läuft in ruhigen Bahnen. Zwei Schreibgehilfen und ein Lehrling bewältigen ihre Aufgaben mit gewissem Murren, aber doch zuverlässig. ...

Ein Anwalt in New York Mitte des neunzehnten Jahrhunderts. Seine kleine Kanzlei läuft in ruhigen Bahnen. Zwei Schreibgehilfen und ein Lehrling bewältigen ihre Aufgaben mit gewissem Murren, aber doch zuverlässig. Nachdem der Anwalt eine weitere Aufgabe zugewiesen bekommt, stellt er einen weiteren Kopisten ein, Bartleby. Zunächst erweist sich dieser als durchaus fleißig, doch als es daran geht, seine Abschriften nochmal Korrektur zu lesen, weigert er sich freundlich mit den Worten „Ich möchte lieber nicht“, die ihm übertragene Aufgabe zu übernehmen. Der Anwalt ist konsterniert, findet aber keine richtige Antwort auf das Verhalten seines Angestellten.

Bartleby ist schon ein komischer Kauz, er erklärt sein Verhalten nicht und der Anwalt findet keinen richtigen Umgang für ihn. Es wirkt nicht einmal so, als würde Bartleby sein Verhalten genießen. Er scheint nicht in der Lage zu sein, es zu ändern. Mit der Zeit versucht der Anwalt, Bartleby loszuwerden, doch auch das nicht sehr erfolgreich. Tragisch ist schließlich das Ende der Geschichte. Da es keine großen Erklärungen gibt, kommt man bald ins Grübeln, was Bartleby zu seinem Verhalten geführt hat. Auch das Nachwort ist da nicht sehr aufschlussreich. Betont wird die realistische Erzählweise, die man dem Autor sofort abnimmt. Man kann sich gut vorstellen, dass es in den Schreibbüros und Anwaltskanzleien so zugegangen ist. Die ruhige gelassene, aber stetige Art, die noch nichts von der heutigen Hektik hatte. Warum ist selbst diese Geruhsamkeit für Bartleby zu viel? Man weiß es nicht. Hat Bartleby ein traumatisches Erlebnis hinter sich? Doch warum erzählt er nichts von sich? Man kann sich an seiner Persönlichkeit reiben und doch froh sein, dass man nur von ihm liest.

Eine erstaunliche kleine Erzählung, mit der man sich gedanklich länger befasst, als man zunächst vermutet hätte.

Veröffentlicht am 18.04.2022

Der Trauzeuge

Revanche
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Für seine Freunde, die Archäologen Horst und Clothilde, soll Bruno, Chef de Police, als Trauzeuge fungieren. Seine Rede ist im Entwurf schon fertig, da bekommt er die Nachricht, dass am nahen Schloss eine ...

Für seine Freunde, die Archäologen Horst und Clothilde, soll Bruno, Chef de Police, als Trauzeuge fungieren. Seine Rede ist im Entwurf schon fertig, da bekommt er die Nachricht, dass am nahen Schloss eine tote Frau gefunden wurde. Erstmal ist das Brunos Sache, denn noch ist nicht klar, ob es sich um einen Unfall oder ein Verbrechen handelt. Im Falle eines Falles wird er J. J., den Kollegen von der Kriminalpolizei hinzuziehen. Aber natürlich wird auch Bruno sein Möglichstes tun, um die Frau zu identifizieren. Dass er die junge Amélie aus dem Ministerium aufs Auge gedrückt bekommt, schmeckt ihm zunächst nicht.

In seinem zehnten Fall hätte Bruno Courreges eigentlich nicht viel mit Verbrechen am Hut, wenn ihm nicht die Realität dazwischen käme. Die Tote, die in der Nähe des Schlosses gefunden wurde, hatte offensichtlich eine Botschaft. Leider hat sie es nicht mehr geschafft, ihre Nachricht zu schreiben. So gibt es also das Rätsel um ihre Identität als auch das Rätsel um das Wort. Brunos neue Beobachterin Amélie erweist sich überraschend als echter Gewinn. Wie versiert ihre Finger über den Bildschirm ihres Handys fliegen und welch erstaunliche Informationen sie dem kleinen Gerät entlockt. Bruno und sie finden heraus, dass es sich bei der Toten um eine Archäologin mit einer Mission handelte.

Egal. ob man die Reihe vollständig kennt oder nicht, man findet sich schnell in Brunos Welt zurecht. Als eine Art Dorfpolizist ist Bruno ein Mittelpunkt des Ortes St. Denis, er kennt jeden und jede und hat freundliche Beziehungen über die Grenzen des Ortes hinaus. Eigentlich im Waisenhaus aufgewachsen, hat er in dem Ort eine Heimat und in seinen Bewohnern eine Familie gefunden. Doch die Wirklichkeit macht auch vor dem beschaulichen Ort nicht Halt und der Tod der Unbekannten erweist sich als Teil eines perfiden Plans. Auch wenn es manchmal so erscheint, als sei Bruno einfach zu gut, so hat man hier eine liebevolle Beschreibung des Lebens in einer geschichtsträchtigen Region in Frankreich und gleichzeitig einen spannenden Kriminalroman, der durchaus einen Bezug zur heutigen Realität hat.

Veröffentlicht am 16.04.2022

Die Lösung

Violas Versteck (Tom-Babylon-Serie 4)
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Kommissar Tom Babylon sucht seit Jahren nach seiner Schwester Viola. So manches Mal hat er dabei seine Kompetenzen überschritten und die Folgen in Kauf genommen. Endlich gibt es eine echte Spur. In seinem ...

Kommissar Tom Babylon sucht seit Jahren nach seiner Schwester Viola. So manches Mal hat er dabei seine Kompetenzen überschritten und die Folgen in Kauf genommen. Endlich gibt es eine echte Spur. In seinem Elternhaus hat er ein Foto gefunden, auf dem seine Schwester als Erwachsene zu sehen ist. Sein Vater ist alles andere als mitteilsam und kurze Zeit später stirbt er bei einem vermeintlichen Unfall in der U-Bahn. Tom Babylon muss dem Hinweis unbedingt nachgehen, auch gegen den Willen seines Chefs. Nur die Polizeipsychologin Sita Johanns ist bereit, ihm zu helfen.

In seinem vierten Fall gibt es nur einen Fall, den Fall Tom Babylon. Endlich sieht er die Möglichkeit, das Verschwinden seiner kleinen Schwester aufzuklären, nach 23 Jahren. Er hatte die Hoffnung fast schon aufgegeben, aber eben nur fast. Sein Vater hat ihn nie unterstützt, die Unterstützung seiner Kollegen hat er verloren. Nur Sita ist noch an seiner Seite. Tom Babylon setzt wirklich alles aufs Spiel und es gibt einige zwielichtige Gestalten, die ihn daran hindern wollen, zu erfahren, was damals geschah. Wohin kann die Neugier ein kleines Mädchen geführt haben, das doch nur seinem großen Bruder nacheifern wollte.

In diesem Band wird die Rahmenhandlung zur Haupthandlung. Endlich hat Tom Babylon eine heiße Spur. im Fall des Verschwindens seiner kleinen Schwester. Möglicherweise hat man als Leser oder Leserin immer gedacht, da kann doch nichts mehr kommen nach über zwanzig Jahren. Doch man wird eines Besseren belehrt. Die aufeinander zu laufenden Handlungsstränge bieten jede Menge spannende Momente. Manchmal stockt einem wirklich der Atem, weil man befürchtet, dass das doch nicht gutgehen kann. Nach und nach verdichten sich die Hinweise, dass Babylon einer großen Sache auf der Spur ist. Das ist packend zu lesen und von den über 600 Seiten scheint keine einzige zu viel. Ein besseres Finale kann man sich kaum vorstellen. Und völlig ausgeschlossen ist ein Wiederlesen mit Tom Babylon nicht.