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Veröffentlicht am 24.02.2026

Gefährliche Erinnerungen

Die Tote von Nazaré
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Buchmeinung zu Miguel Silva – »Die Tote von Nazare«

»Die Tote von Nazare« ist ein Kriminalroman von Miguel Silva, der 2026 bei Aufbau Taschenbuch erschienen ist.

Zum Autor:
Miguel Silva ist das Pseudonym ...

Buchmeinung zu Miguel Silva – »Die Tote von Nazare«

»Die Tote von Nazare« ist ein Kriminalroman von Miguel Silva, der 2026 bei Aufbau Taschenbuch erschienen ist.

Zum Autor:
Miguel Silva ist das Pseudonym eines deutschen Autors, der bereits zahlreiche Kriminalromane geschrieben hat. Zudem war er viele Jahre als Lektor und Verlagsleiter tätig. Miguel Silva lebt im Rheinland und in einem kleinen Dorf in der Nähe von Nazaré.

Zum Inhalt:
Maren Berger, Hauptkommissarin aus Köln, wurde bei einem Banküberfall schwer verletzt und traumatisiert. Nun sucht sie Erholung in dem portugiesischen Küstenort Nazaré, stolpert aber über die Leiche einer jungen Frau. Da die Leiche kurz darauf verschwunden ist, beginnt sie zusammen mit Inspektor Ferreira zu ermitteln.

Meine Meinung:
Nach anfänglichen Problemen hat mich dieses Buch doch noch gut unterhalten. Ich brauchte ein wenig, um mich an die traumatisierte Hauptfigur zu gewöhnen. Maren Berger hat eine große Gedächtnislücke und ist im Umgang nicht ganz einfach, weil sie mit Ecken und Kanten gezeichnet ist. Die Geschichte wird aus ihrer Sicht erzählt und ihr Bemühen, die Lücken zu schließen, ist spürbar. Doch dies ist ein langwieriger Prozess und Informationen dazu liefert ihre Schwester, die als Staatsanwältin arbeitet. Das Verhältnis zur Kölner Polizei ist belastet, auch wenn die Gründe dafür lange Zeit unklar bleiben. Die Entwicklung der Handlung erfolgt einerseits durch aktuelle Ereignisse in Portugal und andererseits durch wiederkehrende Erinnerungen und weitere Informationen, die sie aus Deutschland erhält. Inspektor Ferreira bleibt lange Zeit als Ermittler blass, wirkt aber auf Maren Berger als Womanizer. Mit der Ankunft eines Kölner Kommissars in Lazare nimmt die Handlung deutlich Fahrt auf und die Spannung steigt rapide. Maren Berger gerät in Lebensgefahr und das Team um Inspektor Ferreira zeigt überraschende Fähigkeiten. Die Handlung erreicht mit einem harten Showdown ihren Höhepunkt und dabei werden nahezu alle Fragen beantwortet. Die Auflösung ist vollständig und nachvollziehbar. Der Schreibstil ist atmosphärisch und die Gedanken und Emotionen der Protagonistin werden deutlich. Die Handlung ist komplex und bietet einige überraschende Wendungen.

Fazit:
Ein atmosphärischer Krimi aus einer beliebten Urlaubsregion in Portugal, der nach ruhigem Start merklich Fahrt aufnimmt. Mir hat der Titel gut gefallen und der Unterhaltungswert war hoch. Deshalb bewerte ich den Titel mit vier von fünf Sternen (80 von 100 Punkten) und gebe eine Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 17.02.2026

Eher ein Filmexpose als eine Romanbiografie

Der Retter der Mütter
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Buchmeinung zu Péter Gárdos – »Der Retter der Mütter«

»Der Retter der Mütter« ist ein Roman von Péter Gárdos, der 2026 bei HOFFMANN UND CAMPE in der Übersetzung von Eszter ToldI erschienen ist. Der Titel ...

Buchmeinung zu Péter Gárdos – »Der Retter der Mütter«

»Der Retter der Mütter« ist ein Roman von Péter Gárdos, der 2026 bei HOFFMANN UND CAMPE in der Übersetzung von Eszter ToldI erschienen ist. Der Titel der ungarischen Originalausgabe lautet »Semmelweis Ignac rövid boldogsäga« und ist 2023 erschienen.

Zum Autor:
Péter Gárdos, 1948 in Budapest geboren, ist ein vielfach ausgezeichneter Film- und Theaterregisseur. Fieber am Morgen war sein erster Roman, den er selbst verfilmt hat. Der Roman war ein weltweiter Erfolg und erschien in neunundzwanzig Ländern. Der Retter der Mütter ist sein zweiter Roman und hat in Ungarn kontroverse Diskussionen über die historische Person Ignaz Semmelweis ausgelöst.

Zum Inhalt:
Geschichten aus dem bewegten Leben von Ignaz Semmelweis, der im 19. Jahrhundert die Grundlagen der Hygiene entdeckte und so unzähligen Frauen in den Geburtskliniken das Leben rettete, doch Zeit seines Lebens wurden seine Entdeckungen geleugnet und ignoriert.

Meine Meinung:
Ignaz Semmelweis lebte von 1818 bis 1865 und starb unter fragwürdigen Umständen in einer psychiatrischen Anstalt. Er arbeitete nach seinem Medizinstudium als Chirurg und Geburtshelfer in Wien. Die Darstellung seines Lebens in diesem Buch hat viel von einer Räuberpistole und hat mich in mancher Hinsicht schockiert. Deutlich wird die Wandlung von einem umgänglichen jungen Mann zu einem verbitterten Menschen, der sich mehr und mehr isolierte. Verzweifelt versuchte er seinen Ideen die Aufmerksamkeit zu sichern, die sie verdient hatten. Sehr missfallen hat mir die überaus negative Darstellung seiner Gegenspieler und Feinde. Auch seine auf Aktenstudium basierten Untersuchungen wurden kaum erwähnt, obwohl gerade sie für seine Bedeutung als Wissenschaftler wesentlich waren. Zudem störten viele Wiederholungen mein Lesevergnügen deutlich. Für mich hat diese Romanbiografie in weiten Teilen das Thema verfehlt, da ich keinen Zugang zur Hauptfigur gefunden habe.

Fazit:
Die Romanbiografie über Ignaz Semmelweis konnte mich kaum fesseln und hat mir keinen Zugang zur Hauptfigur geboten. Deshalb bewerte ich den Titel mit zwei von fünf Sternen (40 von 100 Punkten).

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Veröffentlicht am 10.02.2026

Tolle Grundidee mit Mängeln in der Umsetzung

Kleopatra
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Buchmeinung zu Saara El-Arifi – »Kleopatra«

»Kleopatra« ist ein Roman von Saara El-Arifi, der 2026 bei HOFFMANN UND CAMPE in der Übersetzung von Volker Oldenburg erschienen ist. Der Titel der englischen ...

Buchmeinung zu Saara El-Arifi – »Kleopatra«

»Kleopatra« ist ein Roman von Saara El-Arifi, der 2026 bei HOFFMANN UND CAMPE in der Übersetzung von Volker Oldenburg erschienen ist. Der Titel der englischen Originalausgabe lautet »Cleopatra« und ist 2026 erschienen.

Zum Autor:
Saara El-Arifi wuchs in Abu Dhabi auf , bevor sie mit ihrer Familie nach Sheffield zog. Sie ist sudanesischer und ghanaischer Abstammung. Ihr Vater war Muslim , ihre Mutter wurde christlich erzogen. Derzeit lebt sie in London.

Zum Inhalt:
Das Leben der Kleopatra aus ihrer eigenen Sicht. Angelehnt an historische Fakten begleitet der Leser die mächtigste Frau der Welt von ihrer Thronbesteigung bis zu ihrem Tod.

Meine Meinung:
Die Grundidee des Buches ist faszinierend. Kleopatra schildert ihr Leben von der Thronbesteigung bis zu ihrem Tod aus ihrer eigenen Sicht. Bekannt sind die Schilderungen ihres Lebens aus männlichen Sichten, die nicht das Wohlwollen der Herrscherin finden. Es gibt neue Seiten an Kleopatra zu entdecken, wie z. B. Ihr Interesse an Büchern und an der Heilkunst. Auch ihre Beziehungen zu Gaius Iulius Caesar und Marcus Antonius werden ausführlich dargestellt. Seit früher Kindheit prägen familiäre Machtkämpfe ihr Leben und Kleopatra wird mächtig und machtbesessen und viele Freundschaften müssen geopfert werden. Der >Ton der Erzählung ist locker und licht verständlich. Lange Zeit habe ich mit Kleopatra mitgefiebert. Die Autorin hält sich an die historischen Fakten, findet aber Freiräume für ihre Darstellung der Pharaonin. Wenn Kleopatra ihr eigenes Handeln reflektiert und dabei viele Grautöne berücksichtigt werden, bekam ich das Gefühl, ihr nahe zu kommen. Ihre Liebesbeziehungen nahmen mir zu viel Raum ein und manche Aspekte tauchten wiederholt auf. Diese Punkte trübten mein Lesevergnügen doch erheblich.

Fazit:
Kleopatra schildert ihr eigenes Leben durchaus vielschichtig, verliert sich jedoch zunehmend in Gedanken, die die Macht ihres Sohnes Caesarion sichern sollen. So nahm mein Interesse und mein Lesevergnügen kontinuierlich ab. Deshalb bewerte ich den Titel mit drei von fünf Sternen (60 von 100 Punkten), auch wenn mich die Grundidee überzeugt hat.

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Veröffentlicht am 17.01.2026

Stellenweise genial, aber oft auch überzogen

Bad Actors
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Buchmeinung zu Mick Herron – »Bad Actors«

»Bad Actors« ist ein Kriminalroman von Mick Herron, der 2025 bei Diogenes in der Übersetzung von Stefanie Schäfer erschienen ist. Der Titel der englischen Originalausgabe ...

Buchmeinung zu Mick Herron – »Bad Actors«

»Bad Actors« ist ein Kriminalroman von Mick Herron, der 2025 bei Diogenes in der Übersetzung von Stefanie Schäfer erschienen ist. Der Titel der englischen Originalausgabe lautet »Bad Actors« und ist 2022 erschienen. Dies ist der achte Band mit den Slow Horses.

Zum Autor:
Mick Herron, geboren 1963 in Newcastle-upon-Tyne, studierte Englische Literatur in Oxford, wo er auch lebt. Seit 2024 ist er Mitglied der Royal Society of Literature. Seine Romane wurden vielfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Theakston's Old Peculier Crime Novel und dem Ellery Queen Readers Award; für sein Lebenswerk erhielt er 2025 den CWA Diamond Dagger.

Zum Inhalt:
Das Verschwinden einer wichtigen Mitarbeiterin des Premierministers bringt das fragile Gleichgewicht zwischen Politik und leitenden Spionen ins Wanken. Natürlich sind auch Jackson Lamb und seine Slow Horses involviert und tragen ihren Teil zum ausufernden Chaos bei.

Meine Meinung:
Dieses Buch ist meine erste Begegnung mit den Slow Horses und sie war anders als ich es erwartet hatte. Schwarz humorig bis zum Abwinken, Figuren jenseits jeder Normalität, ans Absurde grenzende Handlung unnd gnadenlos überzeichnete Gewaltszenen. Die Krone gebührt aber der grauen Eminenz Jackson Lamb. Seine Sympathiewerte sind unterirdisch und sein Auftreten ist abstoßend und doch ist er die Figur, die der Handlung Sinn und Leben einhaucht. Ihm scheint Erfolg unwichtig zu sein, aber er sieht und lenkt Entwicklungen und bringt die Leser auf den Stand. Wer sich mit ihm anlegt hat schon verloren. Zeuge ich Jackson Lamb etwa Respekt? Nur durch ihn blieb ich bei der Stange und die total überzogenen Szenen wurden erträglich. Manche Stellen gefielen mir sehr, aber das ausufernde Chaos nervte mich zunehmend. Das Ende war dann überraschend normal. Noch bin ich im Unklaren, ob ich ein weiteres Buch der Serie lesen will, denn diese Mischung war trotz grandioser Szenen nicht meins.

Fazit:
Dieser Titel mag an einigen Stellen genial sein, aber insgesamt konnte er mich nicht begeistern, weil er zu überzogen auf mich wirkte. Deshalb bewerte ich dieses Teil mit drei von fünf Sternen (60 von 100 Punkten).

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Veröffentlicht am 15.01.2026

Fünf Erzählungen, die zum Nachdenken anregen

Der Fluss der Zeit
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Buchmeinung zu Pascal Mercier – »Der Fluss der Zeit«

»Der Fluss der Zeit« ist eine Sammlung von fünf Erzählungen von Pascal Mercier, die 2026 bei Hanser erschienen ist.

Zum Autor:
Peter Bieri (geboren ...

Buchmeinung zu Pascal Mercier – »Der Fluss der Zeit«

»Der Fluss der Zeit« ist eine Sammlung von fünf Erzählungen von Pascal Mercier, die 2026 bei Hanser erschienen ist.

Zum Autor:
Peter Bieri (geboren 23. Juni 1944 in Bern; gestorben 27. Juni 2023 in Berlin) war ein Schweizer Philosoph mit Beiträgen insbesondere zur Analytischen Philosophie, Erkenntnistheorie und Ethik. Ab 1995 wurde er unter dem Pseudonym Pascal Mercier vor allem als Autor von fünf literarischen Werken bekannt. Besonders erfolgreich war der Roman Nachtzug nach Lissabon.

Zum Inhalt:
Das Buch enthält die Erzählungen
- Die Übergabe
- Die Wohnung
- Warten auf den Befund
- Tödlicher Lärm
- Noch einmal die Mansarde

Meine Meinung:
Mich haben jede der fünf Geschichten beeindruckt und zum Nachdenken gebracht. Meist konnte ich mich in die Figuren hineinversetzen und ihre Situation nachvollziehen. Aus eigener Erfahrung hat mich das Warten auf den Befund besonders mitgenommen. Der Ton der fünf Erzählungen ist eher leicht dunkel und doch entsteht ein positiver Eindruck. Der alte Mann, der sich nur schwer von seinem Geburtshaus trennen kann, hatte etwas anrührendes. Der Zusammenhang zwischen Generösität und Dankbarkeit und die Auswirkungen auf die Beteiligten wird am Beispiel einer geschenkten Wohnung diskutiert. Tödlicher Lärm war die Erzählung, mit der ich wenig anfangen konnte. In der fünften Erzählung erlebt ein Professor, das die Erinnerungen manchmal mehr versprechen als die Realität bieten kann.
Jede der Erzählungen bot Ansätze zum eigenen Nachdenken und was kann man mehr von kurzen Erzählungen erwarten.

Fazit:
Fünf Erzählungen, die unspektakulär wirken, und mich doch zum Nachdenken gebracht haben. Deshalb bewerte ich den Titel mit vier von fünf Sternen (80 von 100 Punkten) und spreche eine Leseempfehlung aus.

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