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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 23.03.2026

Pure Langeweile

Der Briefladen, in dem die Zeit stillstand
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Hyoyeong ist auf der Suche nach sich selbst. Das Filmstudium hat sie abgebrochen und ist nach Seoul gezogen. Sie arbeitet nun Teilzeit in einem Letter Shop. Dort werden nicht nur Briefpapier, Stifte und ...

Hyoyeong ist auf der Suche nach sich selbst. Das Filmstudium hat sie abgebrochen und ist nach Seoul gezogen. Sie arbeitet nun Teilzeit in einem Letter Shop. Dort werden nicht nur Briefpapier, Stifte und sonstige Utensilien verkauft, sondern der Laden bietet auch einen Briefservice an. Menschen können im Laden einen Brief verfassen und diesen für einen unbekannten Leser hinterlegen. Im Gegenzug nehmen sie einen der Briefe aus dem Fach, um ihn zu lesen. So teilen die Menschen ihre Gedanken und auch ihre Leben miteinander, ohne sich zu kennen.
Je länger Hyoyeong in dem Letter Shop arbeitet, desto wohler fühlt sie sich in diesem Umfeld. Die entspannte Atmosphäre lässt sie zur Ruhe kommen, eine Ruhe, die ihr hilft wieder zu sich zu finden.


Der Klappentext des Romans „Der Briefladen, in dem die Zeit stillstand“ las sich sehr vielversprechend. Leider kommt die Geschichte überhaupt nicht von der Stelle. Die Erzählung beschränkt sich auf eine Aneinanderreihung von zusammenhanglosen Begegnungen, die nie zu einer einheitlichen Geschichte verschmelzen. Außer, dass eine Vase umfällt oder Kinder versehentlich auf den Tisch malen, passiert nicht viel. Ebenso bleiben die Inhalte der Briefe belanglos und langweilig. Nach ungefähr des Hälfte des Buches habe ich abgebrochen. Dabei gibt es einen schwelenden Konflikt in Hyoyeongs Familie, auf den kaum eingegangen wird, genauso wenig wie auf den Abbruch ihres Studiums kurz vor dem Abschluss. Vielleicht kommt das alles in der zweiten Hälfte des Romans zur Sprache, aber soweit reicht meine Geduld nicht mehr.

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Veröffentlicht am 15.02.2026

Lesenswert, wenn auch nicht so gut wie der erste Teil

Nur nachts ist es hell
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„Nur nachts ist es hell“ ist die Fortsetzung des Romans von Judith W. Taschler „Über Carl reden wir morgen“.
Dieser zweite Teil wird aus der Sicht von Elisabeth, der einzigen Brugger Tochter, erzählt. ...

„Nur nachts ist es hell“ ist die Fortsetzung des Romans von Judith W. Taschler „Über Carl reden wir morgen“.
Dieser zweite Teil wird aus der Sicht von Elisabeth, der einzigen Brugger Tochter, erzählt. Sie schreibt ihre und die Geschichte ihrer Familie für ihre Großnichte auf. Nach Ende des Ersten Weltkrieges heiratet Elisabeth den Freund ihres gefallenen Bruders und beginnt Medizin zu studieren. Später arbeitet sie mit ihrem Mann Georg in der gemeinsamen Arztpraxis. Elisabeth spannt noch einmal den Bogen von der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg bis in die 1950er Jahre. Eine herausfordernde Zeit, welche die Familie Brugger durch Zusammenhalt, Durchhaltevermögen und Hoffnung meistert.


„Über Carl reden wir morgen“ hat mich sehr begeistert, daher stand die Fortsetzung schon lange auf meiner Leseliste. Carl, der die Identität seines Zwillingsbruders Eugen angenommen hat, um so der weiteren Strafverfolgung aufgrund seiner Desertation zu entkommen, übernimmt die Mühle. Der wahre Eugen kehrt zurück in die USA. Elisabeth schreibt über ihr Leben, aber auch über das ihrer Brüder. Es ist ein spannendes Familienportrait in Zeiten, die einem großem Wandel unterliegen. Nicht alle Träume und Hoffnungen erfüllen sich.
Dieser Roman zeigt, dass das Leben gelebt werden will, trotz Weltkrisen und Unsicherheiten. Und das es wichtig ist, die kleinen und schönen Momente zu sehen und sich diese zu bewahren.
Auch wenn die Fortsetzung teils etwas zu langatmig ist, hat sie mich in ihren Bann gezogen. Ich empfehle beide Romane zu lesen, weil ansonsten zu viele Informationen fehlen.

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Veröffentlicht am 20.01.2026

Oberflächlich

Drei Tage im Schnee
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Hannah gönnt sich eine dreitägige Auszeit in einem Ferienhaus an einem See. Die Ruhe tut der gestressten Großstädterin gut. Sie macht die Bekanntschaft von Sophie, einen Mädchen, das anscheinend in der ...

Hannah gönnt sich eine dreitägige Auszeit in einem Ferienhaus an einem See. Die Ruhe tut der gestressten Großstädterin gut. Sie macht die Bekanntschaft von Sophie, einen Mädchen, das anscheinend in der Gegend lebt. Sophie holt Hannah aus ihrem Trott und zeigt ihr, wie man viel Spaß in der verschneiten Landschaft haben kann. Eine Freude, die Hannah verloren gegangen ist.

Meine Erwartungen an den Roman waren hoch, als ich anfing zu lesen. Zu hoch, wie ich nun weiß. Hannah ist Mitte dreißig, ausgelaugt vom Arbeitsalltag und nimmt sich eine Auszeit von Freitag bis Sonntag. Wenn man An- und Abreise abzieht, sind es knapp anderthalb Tage, die sie in dem Ferienhaus verbringt. Und dennoch erkennt sie in der kurzen Zeit, was sie von nun an in ihrem Leben ändern möchte. 
Absolut oberflächlich behandelt dies dünne Büchlein die Unzufriedenheit der Hauptfigur. Alles, was man schon zig Mal in Lebensratgebern oder als guten Ratschlag in Instagram Posts gelesen hat, wird hier verwendet. Tiefgehende Entwicklungen kommen dabei nicht vor. Deshalb bleibt sowohl Hannah als auch Sophie farblos und unbedeutend. Es hat keine Bedeutung, denn Hannah hat in den drei Tagen keine grundlegende Veränderung durchgemacht, sie hat nur ein bisschen an der Oberfläche gekratzt. Sobald sie wieder im Alltagstrott ist, macht sie weiter wie bisher. Denn um sein Leben wirklich dauerhaft zu ändern, bedarf es weitaus mehr. Sehr enttäuschendes Buch.

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Veröffentlicht am 02.01.2026

Langatmig

Menschen im Hotel
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Die Drehtür des Berliner Grand Hotels ist immer im Schwung, es ist herrscht ein Kommen und Gehen. In der Lobby sitzt der kriegsversehrte Dr. Otternschlag, ein Dauergast im Hotel, und beobachtet die An- ...

Die Drehtür des Berliner Grand Hotels ist immer im Schwung, es ist herrscht ein Kommen und Gehen. In der Lobby sitzt der kriegsversehrte Dr. Otternschlag, ein Dauergast im Hotel, und beobachtet die An- und Abreisen.
Der Fabrikant Preysing ist in schwierige Fusionsverhandlungen verstrickt, die zu scheitern drohen. Baron Gaigern hat Schulden und versucht an Geld zu kommen. Eine gefeierte Balletttänzerin hadert mit dem Verlust ihrer Jugend und ihres Publikums. Ein todgeweihter Buchhalter möchte in seinen letzten Tagen das Leben noch einmal genießen und hat sein gesamtes Erspartes im Gepäck.
Die Wege dieser Gäste kreuzen sich und ihre schicksalshafte Begegnung endet tragisch.


Menschen im Hotel ist ein Roman aus den 1920er Jahren und spielt auch in dieser Zeit. Die Geschichte ist schon damals verfilmt worden. Aus meiner Sicht passt eine filmische Umsetzung zu der Handlung am Besten, denn als Roman ist die Geschichte sehr zäh und kommt nicht richtig in Schwung. Des Öfteren hatte ich den Eindruck eher ein Drehbuch als einen Roman zu lesen. Aus diesem Grund habe ich das Buch meistens nach kurzem Lesen wieder zur Seite gelegt. Der Roman konnte mich mit seiner Geschichte über die Menschen im Hotel nicht begeistern.

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Veröffentlicht am 24.11.2025

Poetisch und leise

Im Schnee
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Der Schnee hat eine weiße Decke über das Dorf gelegt. Vor Kurzem läutete das Totenglöckchen. Schorsch ist gestorben. Max hat sein gesamtes Leben im Dorf verbracht. Jetzt hängt er den Erinnerungen an seinen ...

Der Schnee hat eine weiße Decke über das Dorf gelegt. Vor Kurzem läutete das Totenglöckchen. Schorsch ist gestorben. Max hat sein gesamtes Leben im Dorf verbracht. Jetzt hängt er den Erinnerungen an seinen guten Freund Schorsch nach. Am Abend treffen sich die Alten aus dem Dorf, um die Nacht über Totenwache zu halten. Sie erzählen sich Geschichten von früher, als die Bewohner noch unter sich waren und es kein Neubaugebiet gab. Als es noch eine Schule und einen Kaufmannsladen gab. Es gibt auch einiges, über das niemand spricht. Das Dorf bewahrt seine Geheimnisse. Max sieht am Ende seines Lebens manche Geschehnisse kritisch, dennoch bricht auch er nicht das Schweigen. Die Erinnerungen an das Gute wie an das Schlimme werden bald mit dem letzten, alten Bewohner sterben.

Im Schnee ist ein poetischer Roman, voll Melancholie. Max als Erzähler, der seit seiner Kindheit in dem Dorf lebt und es nie verlassen hat, erinnert sich an ein Dorfleben, das geprägt war von Landwirtschaft und harter Arbeit. Jeder hatte seinen festen Platz in der Gemeinschaft.
Der Tod seines Freundes lässt diese Vergangenheit zurückkehren. Heute sieht Max vieles in einem anderen Licht. Die Beschreibungen des Lebens im Dorf sind authentisch und lassen eine Welt aufleben, die es heute kaum mehr gibt. Ich bin in dieses kleine, aber feine Buch eingetaucht, habe das Dorf mit seinen Bewohnern vor mir gesehen. Es ist eine wundervolle Erzählung, ebenso ruhig und besonnen, so wie man über frisch gefallenen Schnee läuft.

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