Highlight
Zu Beginn haben mich zwei Dinge etwas abgeschreckt. Zum einen die 640 Seiten für ein Jugendbuch ab 14. Zum anderen, dass die 12jährige Protagonistin über Orga$m3n spricht.
Während Letzteres zum Glück nicht ...
Zu Beginn haben mich zwei Dinge etwas abgeschreckt. Zum einen die 640 Seiten für ein Jugendbuch ab 14. Zum anderen, dass die 12jährige Protagonistin über Orga$m3n spricht.
Während Letzteres zum Glück nicht mehr aufgegriffen wurde, habe ich schnell gemerkt, dass der stolze Umfang vollkommen in Ordnung war. Und das Buch zum Ende hin zu einem Liebling wurde.
Erzählt wird aus 4 Perspektiven: die 12jährige Außenseiterin Dizzy, ihr 17jähriger "perfekter" Bruder Miles, der 19jährige Problembruder & Geigenvirtuose Wynton und die geheimnisvolle Cassidy, die bei allen Geschwistern eine Rolle spielt, obwohl niemand weiß, wer sie ist.
Die Perspektiven der Geschwister waren unglaublich spannend. Man erfährt, welcher struggle hinter scheinbarer Perfektion steht und welche Wunden einen Menschen zum gesellschaftlichen "Problem" machen. Mit allen drei habe ich gelitten, gehofft und gefiebert.
Am spannendsten war Cassidys Sicht, die wir von klein auf bis zum Teeniealter begleiten, während sie mit ihrer psychisch kranken Hippie-Mutter in deren Camper durch das Land reist, auf der Suche nach einer Heimat, die sie nie finden. Wie C. unter der Verantwortungslosigkeit der Mutter litt und irgendwann selbst in deren Rolle schlüpfte, hat mir wieder und wieder das Herz gebrochen.
Gepaart ist das Ganze mit Familiengeheimnisse über Generationen, die teilweise etwas Magisch-Märchenhaftes mit einem Touch Fantasy haben. Ich habe den Fehler gemacht, mir zuerst den Stammbaum hinten im Buch anzuschauen, wodurch ich mir leider den kompletten Plot gespoilert habe. Sonst hätte ich mit diesen familiären Verstrickungen wirklich nicht gerechnet.
Die Sprache war flüssig, poetisch, emotional, manchmal verworren, aber im positiven Sinn.
Die Handlungsstränge sind ein Kaleidoskop aus Schicksalsschlägen, Intrigen, Roadtrips und Wünschen, die erst am Ende allesamt zusammenlaufen. Es ist feinfühlig, manchmal humurvoll, oft düster-tragisch, aber immer rund. Queerness und Migration spielen eine wesentliche Rolle.
Reread wird kommen ♡