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Veröffentlicht am 18.07.2021

Ein wichtiges Buch

Überhitzt
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Zum Thema Klimawandel scheint gefühlt jeder schon alles zu wissen - aber welche Auswirkungen der Klimawandel nicht nur auf die Natur und unsere Umwelt, sondern ganz konkret auf unsere Gesundheit hat, das ...

Zum Thema Klimawandel scheint gefühlt jeder schon alles zu wissen - aber welche Auswirkungen der Klimawandel nicht nur auf die Natur und unsere Umwelt, sondern ganz konkret auf unsere Gesundheit hat, das wird in den Medien häufig nur stiefmütterlich behandelt. "Überhitzt" von Prof. Dr. med. Claudia Traidl-Hoffmann und Katja Trippel will diese Wissenslücke schließen.

Aufgeteilt in Kapitel über Hitze, Allergien, Viren, Mücken, Wasser/Wind/Feuer, Psyche und das Gesundheitswesen geben die Autorinnen hier einen Rundumblick auf das Thema Folgen des Klimawandels für unsere Gesundheit. Anschaulich und mit Studien belegt wird in den einzelnen Kapiteln beleuchtet, warum all die oben genannten Faktoren ein Problem darstellen, wie andere Länder schon vorbildlich damit umgehen und was getan werden müsste, damit das Problem auch in Deutschland in Angriff genommen wird.

Genau dieser letzte genannte Punkt ist es, der für mich einen großen Kritikpunkt an diesem Buch darstellt. Auf dem Cover wird extra "was wir tun können" als elementarer Inhalt des Buchs beworben - doch letzten Endes ist es in den Lösungsvorschlägen hauptsächlich die Politik, die hier Veränderungen herbeiführen kann. Das Fazit lautet, dass wir uns selber aktiv in die Politik einbringen müssen (worin ich absolut zustimme!) - und dennoch hinterlässt einen das Buch dadurch oft hoffnungslos und hilflos zurück, weil man eben nicht direkt im eigenen Alltag die ersten Schritte gehen kann (außer dem üblichen "CO2-Fußabdruck minimieren"). Insofern ist mein Kritikpunkt hier, dass mir dieser hübsche Button "Was wir tun können" doch eher wie eine Marketinginstrument aussieht, hinter dem leider nicht ganz so viel steckt wie man sich vermutlich erhofft.

Am Ende ist es jedoch die Information, die erstmal in die Welt getragen muss und für die sich eine kritische Masse aktiv einsetzen muss, damit das Thema präsenter wird und dann auch gehandelt werden kann. Insofern setzt dieses Buch ein erstes, wichtiges Zeichen und bekommt deshalb von mir eine klare Leseempfehlung!

Veröffentlicht am 25.06.2021

Ein Abenteuerbuch für Jugendliche

Skeleton Tree
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Zwei Jungen, die auf einer einsamen Insel stranden und dort überleben müssen - das klingt zunächst nach wenig Innovation und tatsächlich war ich deshalb auch mehrfach kurz davor, das Buch abzubrechen. ...

Zwei Jungen, die auf einer einsamen Insel stranden und dort überleben müssen - das klingt zunächst nach wenig Innovation und tatsächlich war ich deshalb auch mehrfach kurz davor, das Buch abzubrechen. Doch letzten Endes hatte die Geschichte dann doch einen besonderen Kniff, der mich am lesen gehalten hat. Dieser besondere Kniff waren einerseits die mysteriösen Umstände, unter denen die Jungs gemeinsam auf dem Boot und letzten Endes auf der Insel gelandet waren, und andererseits die besondere Beziehung des Protagonisten zum Raben Thursday, der zu einem ständigen Begleiter und Freund wird. Die Hintergründe dieser beiden Elemente der Geschichte zu erkunden sorgten für eine subtile Spannung, die sich bis zum Schluss hielt.

Trotzdem muss ich sagen, dass das Buch an einigen Stellen Längen hatte und mit einigen Klischees gearbeitet hat, die man von so einer Art Geschichte erwarten würde. Hier hätte ich mir etwas mehr Originalität gewünscht, zumal für mich auch der Schreibstil nicht besonders herausstach. Ich würde "Skeleton Tree" am ehesten noch als Abenteuerbuch einordnen, das für jüngere Jugendliche sicher eine gute Unterhaltung bietet, für ältere Jugendliche und Erwachsene aber vermutlich nicht mehr viel Lesespaß bereitet.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 01.04.2021

Irreführender Titel

Generation Beziehungsunfähig
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Der Titel "Generation Beziehungsunfähig. Die Lösungen" verspricht viel - und kann diese Versprechungen leider nicht halten. Zwar bietet der Autor Michael Nast eine kurzweilige, interessante und zu großen ...

Der Titel "Generation Beziehungsunfähig. Die Lösungen" verspricht viel - und kann diese Versprechungen leider nicht halten. Zwar bietet der Autor Michael Nast eine kurzweilige, interessante und zu großen Teilen auch zutreffende Analyse dessen, was in der sogenannten "Generation Beziehungsunfähig" falsch läuft, doch die konkreten Lösungen bleiben dabei auf der Strecke. Vielmehr findet ein Vergleich von Ist- und Soll-Zustand statt, ohne dass konkrete Hinweise oder Tipps gegeben werden, wie man vom "Ist" zum "Soll" kommt.

Meiner Ansicht nach ist der Titel des Buchs einfach vollkommen falsch gewählt, denn der Inhalt ist durchaus interessant und deckt sich mit vielen Beobachtungen, die man bereits "irgendwie so im Gefühl hat" und die Michael Nast hier sehr schön auf den Punkt bringt. Für mich war es das erste Buch des Autors, insofern kann ich leider nicht beurteilen, inwiefern vorige Bücher des Autors bereits dieselben oder ähnliche Erkenntnisse für den Leser bereithalten.

Was ich allerdings sagen kann, ist, dass Nast einen sehr unterhaltsamen und kurzweiligen Schreibstil hat, der mich das Buch in wenigen Tagen hat auslesen lassen. Trotzdem ließ es mich - durch die fehlenden Lösungen - eher mit einem mutlosen Gefühl zurück, was schade ist, da ich überzeugt davon bin, dass es diese Lösungen gibt.

Wenn man also ohne die Erwartung echter Lösungen an das Buch herangeht, ist es eine gut getroffene und unterhaltsame Gesellschaftskritik, über die es sich nachzudenken lohnt.

Veröffentlicht am 13.02.2021

Einblick in eine gänzlich andere Kultur

Kim Jiyoung, geboren 1982
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Mit das schönste am Lesen ist ja, dass man sich nicht nur in völlig fremde Welten, sondern auch in gänzlich andere Kulturen einlesen kann - und genau dafür war "Kim Jiyoung, geboren 1982" perfekt, denn ...

Mit das schönste am Lesen ist ja, dass man sich nicht nur in völlig fremde Welten, sondern auch in gänzlich andere Kulturen einlesen kann - und genau dafür war "Kim Jiyoung, geboren 1982" perfekt, denn das Buch gibt einen faszinierenden und gleichzeitig schockierenden Einblick in die Kultur Südkoreas, wobei der Fokus stark auf dem dortigen Frauenbild liegt.

Das Buch beginnt mit der Gegenwart, in der wir Jiyoung kennenlernen, eine junge Mutter, die plötzlich schizophrene Züge zeigt. Bevor wir jedoch herausfinden können, wie es weitergeht, springen wir zurück in die Vergangenheit und lernen Jiyoungs Mutter und Jiyoungs ganzes bisheriges Leben kennen. Dieser Sprung in die Vergangenheit ist - obwohl immer noch aus Jiyoungs Perspektive erzählt - für meinen Geschmack relativ nüchtern erzählt. Dieser Eindruck entsteht vor allem durch die Fußnoten, in denen diverse Quellen für verschiedene Statistiken, die hier und da in die Geschichte eingestreut werden, angegebgen sind.

Dies ist auch mein einziger Kritikpunkt an dem Buch, denn für mich haben diese "harten Fakten" etwas den Lesefluss gestört und das Buch bekam etwas "erhobener Zeigefinger"-mäßiges. Doch abgesehen davon war die Geschichte sehr spannend und interessant zu lesen, eben auch, weil sie so anders ist als das, was wir in Deutschland kennen.

Mit Jiyoung hat die Autorin einen sehr interessanten und greifbaren Charakter geschaffen, mit dem man als Leser zusammen auf eine kleine Reise der Frauenrechte in Südkorea geht. Die Empörung über die Erniedrigung, die die Frauen dort erleben, ist nach dem Lesen groß, und das Ende nicht unbedingt tröstlich, aber so sind Geschichten, die aus dem wahren Leben gegriffen sind, eben nicht, weshalb ich das Ende für sehr passend halte.

Veröffentlicht am 30.01.2021

Absolute Leseempfehlung!

Die Geschichte von Kat und Easy
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Endlich. "Die Geschichte von Kat und Easy" war endlich mal wieder ein Buch, das mich wirklich in den Bann gezogen hat, wo ich mich drauf gefreut habe, es endlich weiterlesen zu können. Als langjähriger ...

Endlich. "Die Geschichte von Kat und Easy" war endlich mal wieder ein Buch, das mich wirklich in den Bann gezogen hat, wo ich mich drauf gefreut habe, es endlich weiterlesen zu können. Als langjähriger Leser und Vielleser passiert einem das irgendwann leider nicht mehr so häufig und umso mehr weiß man es dann zu schätzen, wenn es endlich wieder passiert.

Was mich an "Die Geschichte von Kat und Easy" zuerst fasziniert hat, war der Schreibstil. Ich mochte den frechen, lockeren, ironischen Stil vom ersten Satz an, dieses leicht "Rotzgöre"-artige, ohne aber zu aufdringlich oder übertrieben zu sein (wie es meiner Meinung nach z.B. in vielen in Berlin spielenden Romanen der Fall ist). Man sofort mitten in der Geschichte und vor allem: sofort mitten im Charakter.

In diesem Falle: Kat. Die Geschichte ist aus Kats Perspektive erzählt, eine Perspektive, die ich sehr mochte und wo der Charakter mit seinen Ecken und Kanten sehr schnell eine Art Eigenleben in meinem Kopf entwickelt hat, einfach weil ich ihn mir so gut vorstellen konnte. Doch nicht nur Kat, auch Easy und die anderen Charaktere des Buchs werden sehr schnell greifbar für den Leser und man entwickelt Sympathien und Antipathien, die sich auch immer wieder ein kleines bisschen ändern während des Lesens (und sowas mag ich ja).

Die Geschichte selbst ist in 2 Strängen erzählt, die eine spielt in der Gegenwart, in der Kat und Easy in ihren 60ern sind, die andere spielt in der Vergangenheit mit Kat und Easy als Teenagern. Ich persönlich mochte die Erzählung der Vergangenheit immer ein bisschen mehr, einfach weil dort mehr zu passieren schien, aber zum Ende hin wurde auch die Gegenwartserzählung immer spannender. Wie im Klappentext schon angedeutet, dreht sich das Buch hauptsächlich um den "tragischen Unfall" - und ich habe mich sehr gefreut als meine Erwartungen hinsichtlich des Verlaufs der Geschichte nicht wirklich dem entsprochen haben, wie es dann letztendlich erzählt wurde, so dass für den Leser die ganze Zeit die Spannung aufrecht erhalten wird.

Fazit: Ich mochte "Die Geschichte von Kat und Easy" hauptsächlich wegen ihres großartigen Schreibstils, den Charakteren mit Ecken und Kanten und dem Brechen der Erwartungen, was den Plot angeht, und kann es daher nur empfehlen!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere