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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 13.08.2019

Eine Dystopie abseits des Mainstreams

Die Geschichte der schweigenden Frauen
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Zugegeben: Ginge es nur nach dem Cover, hätte ich wohl nie zu diesem Buch gegriffen. Es strahlt für meinen Geschmack etwas Altbackenes aus, obwohl ich es gleichzeitig auch toll finde, dass hier mal ein ...

Zugegeben: Ginge es nur nach dem Cover, hätte ich wohl nie zu diesem Buch gegriffen. Es strahlt für meinen Geschmack etwas Altbackenes aus, obwohl ich es gleichzeitig auch toll finde, dass hier mal ein anderer Ansatz gewählt wurde. Dennoch bin ich der Meinung, dass es eventuell etwas an der Zielgruppe vorbeigeht.

Warum ich das Buch trotzdem gelesen habe? Nun, zunächst einmal hat mich der Klappentext neugierig gemacht und als ich dann die ersten Seiten las, war ich direkt so in der Geschichte von Sabine drin, dass ich weiterlesen musste. Tatsächlich war "Die Geschichte der schweigenden Frauen" für mich eine überraschende und überraschend andere Dystopie, die sich von den ganzen massentauglichen Geschichten, die seit "Die Tribute von Panem" auf den Markt geschwemmt wurden, abhebt. Es ist wie die erwachsene, realistischere und weniger romantisierte Version von all den anderen Dystopien.

Das Setting und die Rahmenbedinungen, in dem die Geschichte spielt, haben mir sehr gut gefallen und waren - bis auf einen Punkt - für mich nachvollziehbar. Was ich leider nicht ganz verstanden habe, ist, warum eine Gruppe Frauen, die sich in einer Welt, in der Frauen einerseits wie das höchste Gut, andererseits aber auch wie möglichst gebärfreudige Spielzeug der Männer behandelt werden, in ihrer "Rebellion" dazu entschließt, sich trotzdem den Männern ja fast schon unterwürfig zu machen, obwohl es sicher auch andere Wege gegeben hätte, um an Geld und Nahrung heranzukommen. Hier fehlte mir etwas die logische Erklärung dafür.

Vom Schreibstil und Spannungsgrad hingegen war ich sehr begeistert, die Autorin weiß, wie sie ihre Leser in den Bann ziehen kann. Die unterschiedlichen Perspektiven, die eingenommen werden, waren für mich alle sehr schlüssig und jeder Charakter hatte seine eigene Stimme. Bei den Figuren fand ich es sehr schön, dass keiner hier pauschal "gut" oder "böse" war, sondern diese Grauzonen entstanden, die die Figuren noch einmal interessanter machten.

Insgesamt ist "Die Geschichte der schweigenden Frauen" ein sehr empfehlenswertes Buch und eine Erleichterung für jeden, der mal wieder Lust auf eine Dystopie hat, die aber abseits des Mainstreams und der 0-8-15-Plots liegt.

Veröffentlicht am 02.08.2019

Ein wahrliches Wunder

Das Wunder der Wertschätzung
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Wertschätzung - wer hätte gedacht, dass hinter einem so wenig gebräuchlichen Wort ein so weitreichender Einfluss auf unser Leben und unsere Gefühlswelt steckt? Ich zumindest war beim Lesen dieses wundervollen ...

Wertschätzung - wer hätte gedacht, dass hinter einem so wenig gebräuchlichen Wort ein so weitreichender Einfluss auf unser Leben und unsere Gefühlswelt steckt? Ich zumindest war beim Lesen dieses wundervollen Buches wirklich überrascht, wie wichtig und wertvoll Wertschätzung ist und kann dem Titel des Buchs daher nur zustimmen: Wertschätzung ist tatsächlich ein kleines Wunder.

Prof. Dr. Reinhard Haller beginnt seine Erläuterungen zum Thema Wertschätzung zunächst damit, warum dieses wertvolle Gut in unserer Gesellschaft immer mehr verloren geht - das allein ist schon so spannend, dass ich mir noch gut und gerne 100 weitere Seiten dazu durchgelesen hätte. Doch mit seinem sehr sachlichen, aber auch kurzweiligen Schreibstil fährt der Autor direkt fort und zeigt uns, wie weitreichend die Folgen von mangelnder Wertschätzung sind. Das fängt bei Gefühlen von Zurückgewiesenheit und fehlender Anerkennung an und endet bei Kriminalität, Amokläufen - und sogar Krieg.
Besonders schön finde ich jedoch, dass Prof. Dr. Haller sich nicht allein darauf beschränkt, die negativen Auswirkungen von Wertschätzung darzulegen, sondern auch die positiven - und zu zeigen, wie wir Wertschätzung am besten mehr in unseren Alltag integrieren können, um diese nicht nur anderen zu geben, sondern letztendlich auch immer selbst davon zu profitieren. Somit schließt das Buch mit einem Ende, das einen positiv und hoffnungsvoll auf die Zukunft stimmen lässt - was es jedoch umso wichtiger macht, dass möglichst viele vom Wunder der Wertschätzung erfahren.

Veröffentlicht am 02.08.2019

Einfache Heilmittel für Zuhause

Unsere grüne Kraft - das Heilwissen der Familie Storl
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Selbst kochen, selber Kreativ-Projekte umsetzen, selber Kosmetik herstellen - warum nicht auch selbst Heilmittel herstellen? Wer Chemie und giftige Industrie-Produkte immer mehr aus seinem Haushalt entfernen ...

Selbst kochen, selber Kreativ-Projekte umsetzen, selber Kosmetik herstellen - warum nicht auch selbst Heilmittel herstellen? Wer Chemie und giftige Industrie-Produkte immer mehr aus seinem Haushalt entfernen möchte, der sollte auch mal in sein Medikamenten-Schränkchen gucken und statt vieler Pillen und Dosen lieber das "Unsere grüne Kraft"-Buch von Christine Storl hineinstellen.

Das wartet nämlich nicht nur mit allerlei nützlichen Rezepten für Beschwerden von A wie Abszess bis Z wie Zwölffingerdarmgeschwür auf, es ist dabei auch noch erstaunlich einfach in der Praxis. Oftmals werden die Pflanzen nämlich einfach nur als Tee aufgegossen oder zu einer Paste verrührt und aufgetragen.
Die Schwierigkeit besteht wohl eher - und gerade für Menschen in Großstädten - darin, die genannten Pflanzen auch zu finden, denn es wird ganz klar erwähnt, dass man Pflanzen am Straßenrand lieber stehen lassen sollte. Die Alternative wäre wohl die getrocknete Form in Apotheken zu besorgen, doch ob sie so dann noch dieselbe Wirkung entfalten steht auf einem anderen Blatt. Dies ist auch mein einziger Kritikpunkt am Buch, die alternativen Bezugsquellen, die leider keine Erwähnung finden.
Doch wer das große Glück hat, Pflanzen wie Ackerschachtelhalm und Weißdorn in seiner Umgebung zu finden, der muss sich als absoluter Pflanzen-Laie auch um die Erkennung keine Sorgen machen, denn nicht nur sind zu jeder Pflanze Fotos abgebildet, ihre besonderen Erkennungsmerkmale werden auch noch einmal genau beschrieben.

Besonders schön finde ich auch den zweiten Teil des Buchs, die Heilmittel aus der Küche. Dass man mit einfachen Zutaten wie Apfelessig und Zwiebel schon so viel Gutes im Körper bewirken und die Heilung fördern kann, hätte ich nicht gedacht. Und dass die verwendeten Mittel dabei alle so grundbodenständig und günstig in der Anschaffung sind, spricht ebenfalls für sich.

Insgesamt hat Christine Storl hier ein tolles und wahnsinnig hilfreiches Buch erschaffen, in dem so viel gutes und altes Wissen steckt, das man in Zeiten wie diesen beinahe schon als vom Aussterben bedroht ansehen muss. Aus diesem Grund ist es umso wichtiger, dass dieses Wissen neu aktiviert und weitergegeben wird. Ich jedenfalls werde nur allzu gern meinen Medikamentenschrank räumen und dafür mehr Platz für Heilpflanzen und "Unsere grüne Kraft" schaffen.

Veröffentlicht am 14.07.2019

Pure Lebensfreude, die aus den Seiten sprudelt!

Ikigai - Das 12-Wochen-Programm für Glück und Gesundheit
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Zugegeben: Ich bin noch nicht am Ende des 12-Wochen-Programms angekommen, doch das Buch hat mich bis hierher schon so überzeugt, dass ich ohne schlechtes Gewissen bereits eine Meinung dazu abgeben kann.

Ich ...

Zugegeben: Ich bin noch nicht am Ende des 12-Wochen-Programms angekommen, doch das Buch hat mich bis hierher schon so überzeugt, dass ich ohne schlechtes Gewissen bereits eine Meinung dazu abgeben kann.

Ich sauge momentan alles, was mit Lebensfreude, Minimalismus, Glück, Achtsamkeit, Langsamkeit, Lebenszielen usw. zu tun hat, wie ein Schwamm auf und da kam "Ikigai" gerade richtig. Anders als die anderen Bücher, die ich sonst bereits zu diesen Themen gelesen habe, umfasst es wirklich ein komplettes Spektrum all jener Themen, die ich gerade aufgelistet habe. Nun könnte man behaupten, dass es dann sicherlich recht oberflächlich bleibt und wenn man sich die einleitenden Texte in den jeweiligen Kapiteln so anschaut, dann mag das auch stimmen, aber dennoch ist das kein Manko dieses Buchs. Denn was die theoretische Tiefe vermisst, machen die praktischen Übungen wieder wett - und letztendlich ist es doch die Praxis, nicht die Theorie, die zählt!

Caroline de Surany schafft es mit ihren Übungen für das jeweilige Kapitel, dass man sich nicht direkt überfordert fühlt angesichts des "Berges" an Aufgaben bzw. des damit verbundenen Aufwandes. Denn sie hat ihr Buch bewusst für Berufstätige geschrieben, setzt den Fokus also auf kleinen, gut in den Alltag zu integrierenden Aufgaben, die mal eher was mit Denkarbeit, mal doch sehr praktisch sind. Das Gute daran ist auch, dass man sich die Aufgaben je nach anstehenden Terminen und dementsprechend mehr oder weniger Zeit aussuchen kann.

Das wirklich beste an "Ikigai" (und vielen anderen Büchern zu dieser Thematik) ist aber, dass es schon beim Lesen einfach immer Freude macht, immer ein positives Gefühl auslöst und so motivierend geschrieben ist, dass man direkt loslegen möchte. Und trotzdem ist es irgendwie simpel, authentisch, zurückgenommen - eben total japanisch! Ich glaube, dass wenn man sich wirklich auf "Ikigai" einlässt und die Aufgaben meistert, man viel für den eigenen Alltag mitnehmen kann, gerade auch im Hinblick auf Routinen und neue Perspektiven auf die Dinge. Ich für mich merke jedenfalls bereits eine Veränderung und möchte an diesen positiven Gefühlen auch nach der Lektüre noch weiter festhalten, einfach weil es sich so gut anfühlt - zur Not hänge ich an das 12-Wochen-Programm eben nochmal ein neues 12-Wochen-Programm dran!

Veröffentlicht am 11.07.2019

Eine mitreißende Nacherzählung

Das Labyrinth des Fauns
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"Eine neue Geschichte von Cornelia Funke!", dachte ich und freute mich aufs Lesen. Spätestens nach der Hälfte des Buches und unzähligen Déjà-vus las ich mir dann den Klappentext erneut durch und stellte ...

"Eine neue Geschichte von Cornelia Funke!", dachte ich und freute mich aufs Lesen. Spätestens nach der Hälfte des Buches und unzähligen Déjà-vus las ich mir dann den Klappentext erneut durch und stellte fest: Was hier als "inspiriert von Guillermo del Toros grandiosem oscarprämierten Meisterwerk »Pans Labyrinth«" bezeichnet wird, ist im Grunde nichts anderes als eine reine Nacherzählung dieser Geschichte. Nach dieser Erkenntnis war ich zugegebenermaßen etwas enttäuscht - und trotzdem schmälerte es das Lesevergnügen nicht.

Denn wenn Cornelia Funke eins kann, dann Geschichten erzählen Schon die "Tintenwelt"-Trilogie fand ich toll und bereits nach den ersten Seiten von "Das Labyrinth des Fauns" zeigt sich wieder einmal Cornelia Funkes unglaublich toller und bildhafter Schreibstil. Jede ihrer Metaphern sitzt und das Buch ist atmosphärisch so dicht, dass ich manchmal geglaubt habe, mit Protagonistin Ofelia im Wald zu sein, die Blätter im Wind rauschen zu hören und die Gräser an meinen Beinen spüren zu können. Der Stil bewegt sich dabei irgendwo zwischen märchenhaft und grausam detailliert - und letzteres ist positiv gemeint!

Nun kann man - finde ich - Cornelia Funke kein Kompliment für die Charaktere oder die Handlung machen, da sie nicht aus ihrer Feder stammen, aber die Nacherzählung der Geschichte ist ihr wirklich meisterhaft gelungen. Wer bei Cornelia Funke jedoch direkt an Jugendbücher denkt, der sei gewarnt, dass "Das Labyrinth des Fauns" in meinen Augen nicht für unter 16-Jährige geeignet ist - hierfür sind brutale und ekelerregende Szenen zu detailliert beschrieben.

Wenn man sich im Vorhinein darüber bewusst ist, dass es sich hier um eine Nacherzählung von "Pans Labyrinth" handelt, ist das Buch eine tolle und mitreißend erzählte Geschichte, nicht nur für Fans.