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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 01.04.2021

Irreführender Titel

Generation Beziehungsunfähig
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Der Titel "Generation Beziehungsunfähig. Die Lösungen" verspricht viel - und kann diese Versprechungen leider nicht halten. Zwar bietet der Autor Michael Nast eine kurzweilige, interessante und zu großen ...

Der Titel "Generation Beziehungsunfähig. Die Lösungen" verspricht viel - und kann diese Versprechungen leider nicht halten. Zwar bietet der Autor Michael Nast eine kurzweilige, interessante und zu großen Teilen auch zutreffende Analyse dessen, was in der sogenannten "Generation Beziehungsunfähig" falsch läuft, doch die konkreten Lösungen bleiben dabei auf der Strecke. Vielmehr findet ein Vergleich von Ist- und Soll-Zustand statt, ohne dass konkrete Hinweise oder Tipps gegeben werden, wie man vom "Ist" zum "Soll" kommt.

Meiner Ansicht nach ist der Titel des Buchs einfach vollkommen falsch gewählt, denn der Inhalt ist durchaus interessant und deckt sich mit vielen Beobachtungen, die man bereits "irgendwie so im Gefühl hat" und die Michael Nast hier sehr schön auf den Punkt bringt. Für mich war es das erste Buch des Autors, insofern kann ich leider nicht beurteilen, inwiefern vorige Bücher des Autors bereits dieselben oder ähnliche Erkenntnisse für den Leser bereithalten.

Was ich allerdings sagen kann, ist, dass Nast einen sehr unterhaltsamen und kurzweiligen Schreibstil hat, der mich das Buch in wenigen Tagen hat auslesen lassen. Trotzdem ließ es mich - durch die fehlenden Lösungen - eher mit einem mutlosen Gefühl zurück, was schade ist, da ich überzeugt davon bin, dass es diese Lösungen gibt.

Wenn man also ohne die Erwartung echter Lösungen an das Buch herangeht, ist es eine gut getroffene und unterhaltsame Gesellschaftskritik, über die es sich nachzudenken lohnt.

Veröffentlicht am 13.02.2021

Einblick in eine gänzlich andere Kultur

Kim Jiyoung, geboren 1982
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Mit das schönste am Lesen ist ja, dass man sich nicht nur in völlig fremde Welten, sondern auch in gänzlich andere Kulturen einlesen kann - und genau dafür war "Kim Jiyoung, geboren 1982" perfekt, denn ...

Mit das schönste am Lesen ist ja, dass man sich nicht nur in völlig fremde Welten, sondern auch in gänzlich andere Kulturen einlesen kann - und genau dafür war "Kim Jiyoung, geboren 1982" perfekt, denn das Buch gibt einen faszinierenden und gleichzeitig schockierenden Einblick in die Kultur Südkoreas, wobei der Fokus stark auf dem dortigen Frauenbild liegt.

Das Buch beginnt mit der Gegenwart, in der wir Jiyoung kennenlernen, eine junge Mutter, die plötzlich schizophrene Züge zeigt. Bevor wir jedoch herausfinden können, wie es weitergeht, springen wir zurück in die Vergangenheit und lernen Jiyoungs Mutter und Jiyoungs ganzes bisheriges Leben kennen. Dieser Sprung in die Vergangenheit ist - obwohl immer noch aus Jiyoungs Perspektive erzählt - für meinen Geschmack relativ nüchtern erzählt. Dieser Eindruck entsteht vor allem durch die Fußnoten, in denen diverse Quellen für verschiedene Statistiken, die hier und da in die Geschichte eingestreut werden, angegebgen sind.

Dies ist auch mein einziger Kritikpunkt an dem Buch, denn für mich haben diese "harten Fakten" etwas den Lesefluss gestört und das Buch bekam etwas "erhobener Zeigefinger"-mäßiges. Doch abgesehen davon war die Geschichte sehr spannend und interessant zu lesen, eben auch, weil sie so anders ist als das, was wir in Deutschland kennen.

Mit Jiyoung hat die Autorin einen sehr interessanten und greifbaren Charakter geschaffen, mit dem man als Leser zusammen auf eine kleine Reise der Frauenrechte in Südkorea geht. Die Empörung über die Erniedrigung, die die Frauen dort erleben, ist nach dem Lesen groß, und das Ende nicht unbedingt tröstlich, aber so sind Geschichten, die aus dem wahren Leben gegriffen sind, eben nicht, weshalb ich das Ende für sehr passend halte.

Veröffentlicht am 30.01.2021

Absolute Leseempfehlung!

Die Geschichte von Kat und Easy
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Endlich. "Die Geschichte von Kat und Easy" war endlich mal wieder ein Buch, das mich wirklich in den Bann gezogen hat, wo ich mich drauf gefreut habe, es endlich weiterlesen zu können. Als langjähriger ...

Endlich. "Die Geschichte von Kat und Easy" war endlich mal wieder ein Buch, das mich wirklich in den Bann gezogen hat, wo ich mich drauf gefreut habe, es endlich weiterlesen zu können. Als langjähriger Leser und Vielleser passiert einem das irgendwann leider nicht mehr so häufig und umso mehr weiß man es dann zu schätzen, wenn es endlich wieder passiert.

Was mich an "Die Geschichte von Kat und Easy" zuerst fasziniert hat, war der Schreibstil. Ich mochte den frechen, lockeren, ironischen Stil vom ersten Satz an, dieses leicht "Rotzgöre"-artige, ohne aber zu aufdringlich oder übertrieben zu sein (wie es meiner Meinung nach z.B. in vielen in Berlin spielenden Romanen der Fall ist). Man sofort mitten in der Geschichte und vor allem: sofort mitten im Charakter.

In diesem Falle: Kat. Die Geschichte ist aus Kats Perspektive erzählt, eine Perspektive, die ich sehr mochte und wo der Charakter mit seinen Ecken und Kanten sehr schnell eine Art Eigenleben in meinem Kopf entwickelt hat, einfach weil ich ihn mir so gut vorstellen konnte. Doch nicht nur Kat, auch Easy und die anderen Charaktere des Buchs werden sehr schnell greifbar für den Leser und man entwickelt Sympathien und Antipathien, die sich auch immer wieder ein kleines bisschen ändern während des Lesens (und sowas mag ich ja).

Die Geschichte selbst ist in 2 Strängen erzählt, die eine spielt in der Gegenwart, in der Kat und Easy in ihren 60ern sind, die andere spielt in der Vergangenheit mit Kat und Easy als Teenagern. Ich persönlich mochte die Erzählung der Vergangenheit immer ein bisschen mehr, einfach weil dort mehr zu passieren schien, aber zum Ende hin wurde auch die Gegenwartserzählung immer spannender. Wie im Klappentext schon angedeutet, dreht sich das Buch hauptsächlich um den "tragischen Unfall" - und ich habe mich sehr gefreut als meine Erwartungen hinsichtlich des Verlaufs der Geschichte nicht wirklich dem entsprochen haben, wie es dann letztendlich erzählt wurde, so dass für den Leser die ganze Zeit die Spannung aufrecht erhalten wird.

Fazit: Ich mochte "Die Geschichte von Kat und Easy" hauptsächlich wegen ihres großartigen Schreibstils, den Charakteren mit Ecken und Kanten und dem Brechen der Erwartungen, was den Plot angeht, und kann es daher nur empfehlen!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 30.01.2021

Kleine Weisheiten für den Alltag

Zen-Lehren der Teemeister
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Von diesem kleinen Büchlein hatte ich mir kurze, parabel-ähnliche Geschichten erhofft, deren Weisheit einem manchmal sofort, manchmal erst später ins Auge springt. Was ich mit "Zen-Lehren der Teemeister" ...

Von diesem kleinen Büchlein hatte ich mir kurze, parabel-ähnliche Geschichten erhofft, deren Weisheit einem manchmal sofort, manchmal erst später ins Auge springt. Was ich mit "Zen-Lehren der Teemeister" bekommen habe war nicht ganz das und trotzdem bin ich nicht enttäuscht worden.

Das liegt vor allem daran, dass ich zwar die erhofften kleinen Geschichten nicht (immer) bekommen habe, dafür aber auch nicht mit den sehr direkten und sehr gut im Alltag umsetzbaren Ratschläge zum Ende jedes Kapitels gerechnet habe. Diese kleinen Zusammenfassungen des Kerns der vorigen Ausführungen oder Geschichten waren für mich wie ein Kleinod und oft so wertvoll, dass ich mir einen Stift und einen Zettel nehmen musste, um mir das noch einmal zu notieren, damit ich es auch ja nicht vergesse oder mich immer wieder daran erinnern kann. Das fand ich besonders deshalb erstaunlich, weil ich mich schon seit längerer Zeit mit dem Thema Spiritualität befasse und gerade einen Punkt erreicht habe, an dem ich mich relativ "gesättigt" fühle - und trotzdem hat dieses kleine Büchlein es geschafft, dass ich nochmal sehr viel daraus mitnehmen konnte.

Mit diesem Hintergrund kann ich das Buch also für all jene empfehlen, die weniger nach Parabeln und Geschichten als vielmehr nach den kleinen Weisheiten für den Alltag suchen.

Veröffentlicht am 17.01.2021

Für Einsteiger ins Thema

Ererbte Wunden erkennen
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Ererbte Wunden – das sind seelische Wunden, die einem nicht selbst zugefügt wurden, sondern den Eltern oder Großeltern, die aber Auswirkungen auf das eigene Leben haben, sei es in Form von Albträumen oder ...

Ererbte Wunden – das sind seelische Wunden, die einem nicht selbst zugefügt wurden, sondern den Eltern oder Großeltern, die aber Auswirkungen auf das eigene Leben haben, sei es in Form von Albträumen oder unüberwindbaren Hürden in Beruf oder Partnerschaft.

Dies ist bereits das zweite Buch von Katharina Drexler zu diesem Thema. Ihr erstes Buch „Ererbte Wunden heilen. Therapie der transgenerationalen Traumatisierung“ habe ich nicht gelesen, scheint mir – nach der Lektüre des zweiten Buchs und den Anmerkungen darin – aber ausführlicher auf das Thema ererbte Wunden im Allgemeinen einzugehen.

Zwar erklärt Katharina Drexler auch in diesem Buch, was Traumata, ererbte Wunden, Traumatherapie und Traumafolgestörungen sind, jedoch sind diese Kapitel recht kurz und knapp, denn mit diesem zweiten Buch wollte sie vor allem denjenigen Menschen Unterstützung bieten, die vermuten, selbst ererbte Wunden in sich zu tragen, und Hilfen an die Hand geben bei der Frage, ob man selbst an einer ererbten Wunde leidet. Genau dieses Thema wird – meines Erachtens – jedoch zu wenig behandelt und bleibt eher unkonkret und konfus.

So erzählt die Autorin viele Fallbeispiele, meiner Meinung nach allerdings zu viele, die keinen echten Mehrwert bieten. Dafür gibt es aber am Schluss des Buchs einige Übungen, die man sich auch als Audio-Datei downloaden kann und die ich nicht selbst ausprobiert habe, jedoch stimmig klingen und scheinbar auch von Erfolg gekrönt sind (laut Fallbeispielen). Nichtsdestotrotz bleibt am Ende im Grunde die Aussage bestehen, dass eine richtige Heilung solcher Wunden vermutlich nur in einer Therapie erfolgen kann.

Somit bietet das Buch zwar erste Informationen zum Thema ererbte Wunden, kann letztendlich aber eine Therapie nicht ersetzen und erfüllt somit „nur“ den Zweck, Betroffene dazu zu ermutigen und anhand des Buchs feststellen zu können, ob es sich wirklich um einen ererbte oder nicht doch vielmehr um eine eigene Wunde handelt, was ebenfalls schon ein erster großer Schritt in die richtige Richtung sein kann.

Ich empfehle dieses Buch daher allen, die sich mit dem Thema ererbte Wunden zum ersten Mal beschäftigen und keine „Heilung“ durch das Buch erwarten.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung