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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 26.01.2026

Marie ist tot

Gromzell
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Einen Heimatroman lese ich sehr selten. Dieser hier ist ein sehr düsterer.
Gromzell ist ein Ort, in dem 1086 Menschen leben. Maria, die mit 108 älteste, ist gerade gestorben. Das bringt das Dorf aus der ...

Einen Heimatroman lese ich sehr selten. Dieser hier ist ein sehr düsterer.
Gromzell ist ein Ort, in dem 1086 Menschen leben. Maria, die mit 108 älteste, ist gerade gestorben. Das bringt das Dorf aus der Ruhe und bewirkt eine Reihe von Eskalationen. Der Tod scheint allgegenwärtig.
Es ist ein kurzer, dichter Roman. Dirk Bernemann setzt auf symbolträchtige Elemente, z.B. der große schwarze Vogel. Vielleicht braucht es einen Gewaltausbruch, damit das Dorf wieder zur Ruhe kommt.
Dirk Bernemann enttäuscht seine Leser nicht.

Veröffentlicht am 25.01.2026

Auf dem Schwebebalken

Die Routinen
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Die Routinen ist ein Roman, der in mehreren Ebenen handelt.
Es spielt nicht nur 2023 sondern auch in Passagen in der Vergangenheit, die bis in die sechziger und siebziger Jahre zurückgeht.
Im Mittelpunkt ...

Die Routinen ist ein Roman, der in mehreren Ebenen handelt.
Es spielt nicht nur 2023 sondern auch in Passagen in der Vergangenheit, die bis in die sechziger und siebziger Jahre zurückgeht.
Im Mittelpunkt die erfahrene Turnerin Amik, die sich bis zu ihren Anfängen zurückerinnert und oft aus einem Kollektiv heraus erzählt.
Ihre junge Kollegin ist Izzy. Ihr harter Trainer ist Wolf.
Die Passagen der Vergangenheit mit den Wettkämpfen haben dokumentarischen Charakter.

Man taucht in diesem Buch tief ein in die Welt des Turnens als Leistungsport.
Es zeigt die jungen Turnerinen in verschiedenen Phasen. Es wird gezeigt, wie das spielerische Moment des Turnens durch die routinemäßgen Wiederholungen zu sportlicher Leistung wird.
Thema ist auch der Drill, die harten Methoden, dem Verlust von Kindheit und sogar Missbrauch.

Es ist ein Buch, dass den Leser packt.
Nur dadurch, dass die Autorin ihre spezielle Form des Erzählens gefunden hat, lässt sich der Stoff in seiner ganzen Komplexität darstellen.

Veröffentlicht am 22.01.2026

Gewalttätige Impulse

The Exes
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Leodora Darlington hat in ihrem Erstlingswerk mit Natalie eine zwiespältige Protagonistin geschaffen. Ihr Leben wird von Beziehungen mit Männern bestimmt, die sie schlecht behandeln. Mehrere Exfreunde ...

Leodora Darlington hat in ihrem Erstlingswerk mit Natalie eine zwiespältige Protagonistin geschaffen. Ihr Leben wird von Beziehungen mit Männern bestimmt, die sie schlecht behandeln. Mehrere Exfreunde sind tot.
Jetzt lebt sie mit ihrem Mann James.
Der Romanaufbau ist ein ziemliches hin und her. Jetzt, damals, Briefe, Boyfriend 1, Boyfriend 2, früher usw. Hinzu kommen noch Therapiesitzungen. Das ist schon viel, aber man kann sich da rein finden.
Bei Natalie stört mich, dass sie so stark von ihren Gefühlen beherrscht wird. Es gibt anscheinend eine Vorgeschichte von Gewalt in der Kindheit. Das sie immer wieder auf gewalttätige Männer trifft, kann kein Zufall sein.
Natalie tut mir leid, aber als likeable Charakter nehme ich sie nicht wahr.
Mit zunehmender Handlung kommen einige massive Wendungen.

Das Buch ist nicht ganz einfach einzuordnen. Ein konventioneller Thriller ist es nicht, aber nur als Drama sehe ich es auch nicht. Das Buch ist nicht direkt spannend, aber überwiegend packend. Mit hat es so Mittel gefallen. 3,5 Sterne!

Veröffentlicht am 21.01.2026

Der Berliner Doro

Café Finito
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Cafe Finito ist ein im positiven Sinn gediegenes Buch, dass von einer Reihe von Menschen erzählt, die mit Verlusten konfrontiert sind.
Da ist z.B. Iris, die ihre Mutter bis zu deren Tod gepflegt hat.
Auch ...



Cafe Finito ist ein im positiven Sinn gediegenes Buch, dass von einer Reihe von Menschen erzählt, die mit Verlusten konfrontiert sind.
Da ist z.B. Iris, die ihre Mutter bis zu deren Tod gepflegt hat.
Auch Matthias, Mira, Lizzie und weitere haben wichtige Menschen verloren.
Die Figuren hält zusammen, das sie sich regelmäßig auf dem Cafe Finitio auf dem Friedhof treffen, das von Kristof geführt wird.

Die Charakterisierung der Figuren geht nicht sehr in die Tiee, aber für einen Unterhaltungsroman ganz ordentlich.

Der Schauplatz mit dem Berliner Friedhof Doro bildet einen eigenen Kosmos.

Sybil Volks hat ein zugängliches Buch über die Themen Tod, Trauer und Weiterleben geschrieben.

Veröffentlicht am 21.01.2026

Triest 1920 - 1946

Bambino
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Der Icherzähler Mattia war noch ein Kind in Triest, als seine vermeintliche Mutter ihm sagt, das er nicht ihr Kind ist.
Orientierungslos und ohne klare Identität gerät er mit 20 zu den Schwarzhemden. Dort ...

Der Icherzähler Mattia war noch ein Kind in Triest, als seine vermeintliche Mutter ihm sagt, das er nicht ihr Kind ist.
Orientierungslos und ohne klare Identität gerät er mit 20 zu den Schwarzhemden. Dort wird er Bambino genannt und findet Zugehörigkeit und bleibt doch ein Außenseiter.
Aufgrund seiner Gewalttätigkeit steigt er in der Gruppe auf.
Mattia ist wahrlich kein Sympathieträger, doch der Autor gestaltet die Figur so, das man nah an ihr dran ist. Umso härter wirken seine Taten, z,B. die Denunziationen in der Zeit der deutschen Besatzung.
Dann folgt 1945 der Einmarsch der jugoslawischen Partisanen. Der Roman zeigt den historischen Wandel in dichter Form.

Kennzeichnend für den Roman ist die fast sinnliche  Wahrnehmung der Stadt Triest, aber auch die Schrecken der Zeit. Immer wieder wird Mattias moralischer Kompass geprüft und immer wieder versagt er.

Marco Balzano hat hier sein vielleicht härtestes Buch geschrieben. Man fühlt sich nach dem Lesen wie benommen.