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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 31.07.2021

Vermisst

Nordwestzorn
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Nordwestzorn ist die Fortsetzung der Reihe um die Soko St. Peter-Ordin von Svea Jensen.
Der erste Teil Nordwesttod war ein geschickt gemachter Krimi mit interessanten Figuren und die Fortsetzung hält ungefähr ...

Nordwestzorn ist die Fortsetzung der Reihe um die Soko St. Peter-Ordin von Svea Jensen.
Der erste Teil Nordwesttod war ein geschickt gemachter Krimi mit interessanten Figuren und die Fortsetzung hält ungefähr das Niveau.
Wieder hat die Umgebung in Schleswig-Holstein ihren Reiz.
Die aus München stammende Kommissarin Anna Wagner ermittelt mit ihrem Team einen 20 jahre alten Vermisstenfall. Damals war ein Junge verschwunden und der Fall wurde nie aufgeklärt. Es ist also ein sogenannter Cold Case-Fall.
Mit dabei ist Hendrik Norberg, dessen Privatleben als verwitweter, alleineziehndeer Vater wieder eine Rolle spielt.

Als Hörbuch funktioniert das Buch gut, denn die souveräne Sprecherin Julkia Nachtmann schafft es mit ruhiger, manchmal atemlos wirkender Stimme auch dann Spannung zu erzeugen, wenn es der Roman nicht wirklich tut. Es ist eher ein interressanter als ein spannender Krimi.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 30.07.2021

Den Wolf machen

Wild Card
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Wild Card von Tade Thompson ist ein krasses Werk. Härter als ich aufgrund des Klappentextes gedacht hätte, der einen humorvollen Untergrund versprach. Und der Protagonist und Icherzähler Westonn Kogi hat ...

Wild Card von Tade Thompson ist ein krasses Werk. Härter als ich aufgrund des Klappentextes gedacht hätte, der einen humorvollen Untergrund versprach. Und der Protagonist und Icherzähler Westonn Kogi hat auch tatsächlich einen überaus ironischen Ton und illusionslosen Blick auf sein Land. Von Afrika wird aber nur ein Teil gezeigt, der in dem Kriminalität und Gewalt vorherrscht. Das Land lernt man ansonsten wenig im Detail kennen.
Es beginnt mit einer Heimkehr aus London, die eigentlich nur sehr kurzfristig sein soll.
Der Plot bleibt immer nah an Westons taumelnder Weg durch diese Gewalt.
Zudem sind seine Familienprobleme der Vergangenheit ungelöst und eigentlich möchte er schnell wieder das Land verlassen.

Ich schätz den Drive und den Erzählton des Romans, aber die Brutalität, die sich durch das Buch zieht war etwas zu viel des Guten.

Veröffentlicht am 29.07.2021

Kollektiv

Nur hier sind wir einzigartig
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Das prägende für dieses Buch ist die außergewöhnliche Erzählperspektive eines Kollektives. Es sind eine Reihe von Kindern bzw. Jugendlichen, die sich immer wieder für ein paar Monate im Jahr auf einer ...

Das prägende für dieses Buch ist die außergewöhnliche Erzählperspektive eines Kollektives. Es sind eine Reihe von Kindern bzw. Jugendlichen, die sich immer wieder für ein paar Monate im Jahr auf einer griechischen Insel treffen. Sie bilden eine kleine, geschlossene Gemeinschaft. Die Umgebung wird auf faszinierende Weise dargestellt, dabei ist wichtig, wie sie auf die Gruppe wirkt.

Mit den Jahren gehen auch Veränderungen einher und schließlich kommt der letzte gemeinsame Sommer.
Die Autorin setzt gelegentlich auch bildstarke Metaphern ein, wie z.B. der gestrandete, sterbende Pottwal am Strand, der irgendwie auch das Ende der Gruppe darstellt.

Man kann richtig in Christine Avels poetischer Sprache schwelgen. Es ist ein Buch, wie man es nicht häufig liest.
Ich hoffe auf weitere Übersetzungen von Christine Avels Romanen.

Veröffentlicht am 25.07.2021

Atmosphärisch

Unbarmherziges Land
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Chris Offuts Kentucky-Krimi ist mehr als der Untertitel suggeriert, da es viel mehr um die handelnden Figuren geht als um einen Kriminalfall. Andererseits ist der Untertitel doch treffend, da Kentucky ...


Chris Offuts Kentucky-Krimi ist mehr als der Untertitel suggeriert, da es viel mehr um die handelnden Figuren geht als um einen Kriminalfall. Andererseits ist der Untertitel doch treffend, da Kentucky als wichtiges Element eingesetzt wird.
Hier ist es streckenweise karg, und nicht nur die Landschaft. Die Mentalität der Menschen ist eine besondere.

Eine große Stärke des Romans ist der Protagonist, der Ermittler bei der Army ist und seiner Schwester zur Hilfe eilt, die als Polizistin ein einem Mordfall ermittelt.
Mick ist eine ehrliche Haut, aber auch oft abwesend. Daher läuft es in seiner Ehe nicht so gut. Seine Frau ist Schwanger, aber nicht von ihm.

Die familiären Probleme nehmen einen großen Platz in der Handlung ein. Das hat gut funktioniert, da auch die rasanteren Szenen nicht zu kurz kommen.
Der Roman ist also gut ausgewogen und gut durchkomponiert.

Veröffentlicht am 21.07.2021

Sprachbilder

Mein Lieblingstier heißt Winter
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Der österreichische Dramatiker Ferdinand Schmalz gewann 2017 mit einem Prosatext den Ingeborg Bachmann-Preis, der jetzt auch den Titel für den Roman liefert.
Vom Theater kommend hat auch dieses episodenhaft ...

Der österreichische Dramatiker Ferdinand Schmalz gewann 2017 mit einem Prosatext den Ingeborg Bachmann-Preis, der jetzt auch den Titel für den Roman liefert.
Vom Theater kommend hat auch dieses episodenhaft aufgebautes Buch bemerkenswerte Settings und einen Detailreichtum.
Altmodisch wirken die Namen der Figuren an, Franz, Harald, Heinz, Norbert etc.
Sprechende Nachnamen wie Schlicht, Schauer oder Schimmelteufel machen dann endgültig Typen aus ihnen.

Es gibt eine Rahmenhandlung, die die Szenen miteinander verbindet.
Ansonsten dominiert aber die Sprache, die natürlich auch für eben diese starken Sprachbilder verantwortlich ist.
Ferdinand Schmalz fügt eine gehörige Portion Ironie hinzu und prägt damit die Figuren.

Manchmal kann einem die Handlung etwas viel werden. Ob einem dieser Roman gefällt hängt davon ab, ob man sich über diese teilweise absurden Sprachszenarien und dem Sarkasmus amüsieren und erfreuen kann. Ich finde, es ragt dadurch aus der Masse an konventionell erzählten Neuerscheinungen heraus.