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Veröffentlicht am 07.09.2025

Verschiedene Begebenheiten perfekt ineinander verwoben

BLUT
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Verrückte Actionszenen oder spritzendes Blut (auch wenn der Titel so lautet), sucht man bei Yrsa Sigurðardóttir vergeblich. Die Isländische Autorin ist eine Meisterin, wenn es darum geht, tief verwobene, ...

Verrückte Actionszenen oder spritzendes Blut (auch wenn der Titel so lautet), sucht man bei Yrsa Sigurðardóttir vergeblich. Die Isländische Autorin ist eine Meisterin, wenn es darum geht, tief verwobene, psychologisch packende Thriller/Krimis zu schreiben.

Nacht “Nacht” und “Rauch” ist “Blut” der dritte Band rund um die Reihen mit Karólína, Týr und Iðunn. Karó und Týr sind Kollegen bei der Polizei in Reykjavík, Iðunn ist Rechtsmedizinerin und arbeitet immer wieder eng mit der Polizei zusammen.

Natur und Wetter spielen in den Krimis von Sigurðardóttir sehr oft eine große Rolle. So auch diesmal, als wir die Köchin Gunndís begleiten. Sie bekommt die Chance, auf einem Schiff zu arbeiten und Köchin während einer Loddentour zu sein.

Parallel dazu sollen Karó und Týr für Kollegen einspringen. Es geht um einen Einsatz im Ort Grindavík, wo es in einer kleinen Straße zu etwas härteren Nachbarschaftsstreitigkeiten gekommen sein soll. Der fast unspektakuläre Start wandelt sich schon bald in eine fesselnde, undurchsichtige Geschichte, während derer genug Zeit bleibt, um nicht nur die Hauptfiguren, sondern auch die speziellen Nebencharaktere ausführlich zur Geltung kommen zu lassen. Das trägt dazu bei, die Erzählung lebendig und abwechslungsreich zu halten.

Wie oft bei Sigurðardóttir, haben (fast) alle Beteiligten in irgendeiner Weise ihr Päckchen zu tragen und diese Hintergründe nach und nach zu entdecken, macht genauso viel Freude, wie zu überlegen, wer denn nun der Täter ist. Zudem hängt dann doch irgendwie alles mit allem zusammen.

Fans nordischer Krimis sollten sich diese gedankliche Abkühlung in einem möglicherweise heißen Herbst nicht entgehen lassen.

Veröffentlicht am 24.08.2025

Wolle kuscheln an der Nordsee

Mörderisch verstrickt – Ein Strickclub ermittelt
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Dieser “cozy crime” ist ein wunderbares Buch für Zwischendurch und er bringt viel Wohlfühlatmosphäre mit. Ausschlaggebend für mein Interesse (abseits von spannenden Aspekten) war für mich der Untertitel ...

Dieser “cozy crime” ist ein wunderbares Buch für Zwischendurch und er bringt viel Wohlfühlatmosphäre mit. Ausschlaggebend für mein Interesse (abseits von spannenden Aspekten) war für mich der Untertitel “Ein Strickclub ermittelt”. Andere werden sich vielleicht in erster Linie auf das Nordseesetting freuen. Wer mit Nadeln und Wolle aber so gar nichts anfangen kann, wird sich hier aber vielleicht nicht so sehr wiederfinden, da der Fokus (zurecht) sehr deutlich darauf liegt.

Mette, eine lebenslustige Mittdreißigerin, führt einen kleinen Strickladen im Dörfchen Lüttjekoog. Sie und ihre drei engsten Freunde treffen sich (meist im Laden) auch zu regelmäßigen Stricktreffen. Sie besprechen ihren Alltag und fachsimpeln über Socken, Tücher und vieles mehr.

Wenn sie gerade nicht stricken, steckt vor allem Mette ihre Nase auch gerne tief in andere Angelegenheiten und dank ihrer großzügig ausgeprägten Fantasie sieht sie auch gerne Ermittlungsbedarf und nimmt die Dinge selbst in die Hand. Und tatsächlich: Im Dorf wird eine Leiche gefunden, die Polizei scheint ratlos.

“Mörderisch verstrickt” lässt sich locker, flockig lesen und bietet auf mehr als 300 Seiten viele kleine Abschnitte, durch die man schnell durch ist. Es ist aber auch problemlos möglich, öfter zu unterbrechen, ohne den Überblick zu verlieren. Und falls das doch einmal passiert, gibt es am Buchende ein Personenregister. Ebenso dort finden sich drei Strickanleitungen, falls nach dem Lesegenuss noch die Strickwut zuschlägt.

Die Geschichte ist genau das, was sie sein soll - angenehme Unterhaltung, gemischt mit Hintergrundinfos über Handarbeiten und ein bisschen krimineller Energie. Nach dem Prolog dauert es leider ein wenig, bis das Ganze Fahrt aufnimmt, weil man die Charaktere und das Setting zuerst noch ausführlich kennenlernt. In der ersten Hälfte waren es für meinen Geschmack auch zu viele mit Nordseebegriffen abgewandelte Metaphern und Redewendungen. Das hört später fast ganz auf und dann liest sich auch der Schreibstil flüssiger. Falls es eine Fortsetzung gibt: Gerne mehr im Stil der zweiten Hälfte dieser Geschichte.

Veröffentlicht am 20.06.2025

Was zuvor geschah

HULDA
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Da ich die “Hulda”-Trilogie begeistert verschlungen habe, konnte ich beim Titel dieses Thrillers natürlich nicht widerstehen. Gibt es noch ein viertes Buch? Ja und nein.

“HULDA” ist als Prequel zur Trilogie ...

Da ich die “Hulda”-Trilogie begeistert verschlungen habe, konnte ich beim Titel dieses Thrillers natürlich nicht widerstehen. Gibt es noch ein viertes Buch? Ja und nein.

“HULDA” ist als Prequel zur Trilogie angelegt. Ragnar Jónasson schrieb diesen Fall für die junge Hulda Hermannsdóttir, als die Trilogie in einer Fernsehserie verfilmt wurde (The Darkness). Wir erleben Hulda, als ihre Tochter Dimma gerade in die Schule geht und sie und Jón noch nicht umgezogen waren.

Dass sie noch eine junge Mutter ist, ist für den Fall von Bedeutung, da er ihr dadurch näher geht. Sie ermittelt in einem cold case, den die Polizei wieder aufrollen kann, da ein wichtiges Beweisstück von vor 20 Jahren plötzlich gefunden wird. Es beginnt eine unruhige Zeit für Hulda, die noch nie so viel Verantwortung hatte, von ihrem Chef aber ermutigt wird.

Zu den Ermittlungen kommt noch hinzu, dass sie für eine junge Kollegin verantworlich ist, die sie unterstützen soll. Dass ein Teil der Ermittlungen weit entfernt von Reykjavík stattfindet und Hulda daher mehrere Tage von ihrer Familie getrennt ist, setzt ihr ebenso deutlich zu.

Der Buchtitel ist also Programm - es gibt eine wirklich sehr gute Krimi-/Thrillergeschichte, die einen die 270 Seiten schnell lesen lässt, aber es geht auch sehr viel um unsere Ermittlerin und ihre privaten Gedanken und Gefühle.

Wer so etwas nicht mag, könnte von diesem Thriller schnell genervt sein. Warum Hulda aber so ist und so denkt, erklärt sich durch die Bände der Trilogie. Sie vorher gelesen zu haben, ist meine Empfehlung. Die Trilogie in sich hat auch eine Besonderheit: Sie erzählt Huldas Geschichte rückwärts, startet also, als sie am Ende ihrer Laufbahn angekommen ist. (DUNKEL, INSEL, NEBEL)

Veröffentlicht am 08.06.2025

Spannende kulinarische Sommerlektüre

Schatten über Sømarken
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In den vergangenen Jahren tendierte ich oft dazu, Reihen immer möglichst komplett und durchgehend zu lesen, doch hier machte ich zum Glück eine Ausnahme.

Michael Kobr ist natürlich kein Unbekannter. ...

In den vergangenen Jahren tendierte ich oft dazu, Reihen immer möglichst komplett und durchgehend zu lesen, doch hier machte ich zum Glück eine Ausnahme.

Michael Kobr ist natürlich kein Unbekannter. Von seinen Büchern gemeinsam mit Volker Klüpfel (vor allem die “Kluftinger-Krimis”) hat wohl fast jeder gehört. Seine Bornholm-Reihe ist dagegen noch eher neu, auch wenn “Schatten über Sømarken” der dritte Band ist.

Ich war gespannt, wie ich in den Krimi rund um den örtlichen Kripoleiter Lennart Ipsen hineinfinden würde. Natürlich gab es manchmal Anspielungen auf die früheren Fälle, aus denen auch Charaktere wieder auftreten durften. Aber es gab für mich nichts Störendes oder komplett Unverständliches in der Geschichte.

Die Krimihandlung und das Allermeiste drumherum versteht man also auch sehr gut, wenn man nur diesen Band gelesen hat. Ipsen (halb Däne, halb Deutscher) und seine Mitarbeiterinnen Britta und Tao wachsen dem Leser schnell ans Herz und die Lust auf einen Dänemark-Urlaub wächst definitiv.

Zudem dreht sich im Krimi auch viel ums Essen, da Lennarts Lebensgefährtin Köchin ist. Da darf auch ein Mord im kulinarischen Setting nicht fehlen.

Mit beschwingt-leichtem Stil führt der Autor den Leser durch die knapp 400 Seiten Spannung und streut sowohl ernste als auch leichtere Kost ein. Im wahrsten Sinn des Wortes, denn am Ende folgen auch noch einige Rezepte zum Nachkochen.

Veröffentlicht am 18.05.2025

Ein arbeitsreiches Wiedersehen mit Anna und Hendrik

Nordweststurm
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Auch während eines heißen Sommers lässt für Ermittlerin Anna Wagner in St. Peter-Ording die Arbeit nicht nach. Statt entspannt am Strand heißt es bald Leiche im Industriegebiet. Im 5. Band der Reihe von ...

Auch während eines heißen Sommers lässt für Ermittlerin Anna Wagner in St. Peter-Ording die Arbeit nicht nach. Statt entspannt am Strand heißt es bald Leiche im Industriegebiet. Im 5. Band der Reihe von Svea Jensen gibt es noch einige wichtige Schauplätze rund um das Nordseedorf.

Annas Ex-Kollege Hendrik Norberg arbeitet nun im K4 in Itzehoe. Das Dezernat für Komplexermittlungen ermittelt zusammen mit der Mordkommission im Fall eines ermordeten Strichers. Mitten in diese Arbeit platzt die Nachricht, dass Hendriks Vater einen befreundeten Journalisten vermisst. Der Schwede hatte sich zuletzt in St. Peter-Ording aufgehalten.

Vermisste Personen zu finden, gehört zu Annas Spezialaufgaben und damit ist unser gewohntes Ermittlerduo - wenn auch nur temporär - wieder vereint. Nach und nach werden die Geheimnisse des Vermissten aufgedeckt und es scheint Verbindungen zu dem Fall aus Itzehoe zu geben.

Damit nicht genug: So beschaulich St. Peter-Ording auch wirkt, der Ort kämpft dennoch oft mit den selben Problemen wie größere Städte. Eine Einbrecherbande, bestehend aus Jugendlichen und jungen Erwachsenen, ist im Ort unterwegs und bereitet Annas Kollegen zusätzlich Arbeit. Und dann finden sich Fingerabdrücke im Haus des Vermissten, die zu dieser Bande führen…

Anna und Hendrick müssen in "Nordweststurm" an vielen Ecken gleichzeitig ermitteln. Dazu kommen wie gewohnt auch private Episoden. Auch das Verhältnis der beiden zueinander ist ein Auf und Ab. Dabei lässt die Autorin die Charaktere vielleicht nicht immer 100% logisch, aber in jedem Fall meist sehr menschlich erscheinen. Niemand ist perfekt, auch (oder vor allem) jene, die beruflich sehr erfolgreich sind, dürfen manchmal Schwächen offenbaren.

"Nordweststurm" ist wie gewohnt spannende, solide Krimiunterhaltung. Dieses Mal mit ein bisschen weniger Lokalkolorit, was aber angesichts der vielen Ereignisse nicht so sehr auffällt.