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Veröffentlicht am 28.09.2020

Ein vielversprechender Reihenauftakt mit gut ausgearbeiteten Charakteren

The Age of Darkness - Feuer über Nasira
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Auf dieses Buch bin ich nur Dank einer tollen Werbeaktion vom cbj Verlag aufmerksam geworden, bei der man anfänglich ein Quiz ausfüllen konnte, um zu sehen, welchem der fünf Hauptcharaktere man am ähnlichsten ...

Auf dieses Buch bin ich nur Dank einer tollen Werbeaktion vom cbj Verlag aufmerksam geworden, bei der man anfänglich ein Quiz ausfüllen konnte, um zu sehen, welchem der fünf Hauptcharaktere man am ähnlichsten ist. Nachdem bei mir das Ergebnis "Der Prinz" herausgekommen ist, musste ich natürlich im Anschluss das Buch lesen, um herausfinden, welche Rolle er in dieser Geschichte spielt.

Die Story wird abwechselnd aus den unterschiedlichen Perspektiven unserer fünf Protagonist:innen erzählt, wodurch man nicht nur ihre Charaktereigenschaften besser kennenlernt, sondern auch die Hintergrundinformationen zu ihren jeweiligen Lebensgeschichten. Einerseits hat mir das ermöglicht, einen guten Zugang zu den einzelnen Charakteren zu bekommen und andererseits hat man durch die unterschiedlichen Sichtweisen ein gutes Verständnis vom Worldbuilding erhalten, da jeder Hauptcharakter eine andere Rolle darin einnimmt.

Die Autorin hat einen sehr angenehmen und flüssigen Schreibstil, der das Lesen trotz unglaublicher 576 Seiten sehr kurzweilig hat erscheinen lassen. Die Seitenanzahl erklärt sich allein nur schon an der hohen Anzahl an Protagonist:innen, die sich am Anfang fast alle noch an unterschiedlichen Schauplätzen befinden. Obwohl die Autorin relativ viel Infodumping in die jeweiligen Kapitel hat einfliessen lassen, habe ich mich zu keinem Zeitpunkt gelangweilt, sondern sehr gespannt verfolgt, wie sich die einzelnen Puzzleteilchen allmählich zu einem ganzen Bild zusammenfügen. Natürlich kreuzen sich die Wege des einen oder anderen Hauptcharakters im Laufe der Geschichte, wobei sich nie alle gleichzeitig am selben Ort befinden, was ich anfangs eigentlich erwartet hätte - mich aber umso positiver überrascht hat. Pool gelingt es, jedem Charakter den für ihn notwendigen Raum zur Verfügung zu stellen, ohne dass einer davon zu kurz kommt. Ausserdem konnte man bereits in diesem ersten Band bei jedem Einzelnen eine Charakterentwicklung beobachten, die mich neugierig auf die Fortsetzungen gemacht haben.
Was mir auch sehr gut gefallen hat, war der Umstand, dass die Autorin es schafft, die unterschiedlichen Sichtweisen auch tatsächlich verschieden erscheinen zu lassen und man in den jeweiligen Kapiteln, die Eigenheiten eines jeden Protagonisten heraus spürt. Der Prinz war mir zum Glück, wie es das Quiz vorausgesagt hat, sehr sympathisch und ich hätte ihn aufgrund seiner Rolle in der Geschichte viel langweiliger erwartet, als er letztendlich war. Dennoch gab es mit Anton einen Charakter, den ich noch ein bisschen mehr in mein Herz geschlossen habe. Alles in allem mochte ich aber tatsächlich mal alle Hauptcharaktere, gerade weil sie auch nicht direkt miteinander vergleichbar sind. Und natürlich muss auch positiv hervorgehoben werden, dass die Autorin bei der Gestaltung ihrer Charaktere Diversität bewiesen hat.
Anders, als man es vielleicht bei einem Buch aus dem Young Adult Genre erwarten würde, gab es in hier kaum Romantik und es hat sich kein Instalove-Liebespaar gebildet, was ich mal herrlich erfrischend gefunden habe. Es gab jedoch die eine oder andere subtile Andeutung, dass sich vielleicht zwischen dem einen oder anderen Charakter in der Zukunft noch etwas entwickeln könnte, was dafür spricht, dass die Autorin sich Zeit lässt, damit sich die potenziellen Gefühle langsam und realistisch entwickeln können.

Der Plot an sich ist sehr typisch für einen Young Adult Fantasy Reihenauftakt und enthält viele Elemente, die man auch in ähnlichen Reihen findet. Das Buch ist insgesamt weniger handlungs- als vielmehr Charaktergetrieben und fokussiert sich vor allem auf die einzelnen Schicksale der Protagonist:innen, was dazu geführt hat, dass ich das Buch zwar gerne gelesen habe, es aber nicht so war, dass der Plot mit derart gefesselt hätte, dass ich es nicht mehr aus der Hand legen konnte.
Nachdem die Autorin sich viel Zeit für die Einführung in ihre Welt und das Kennenlernen der Charaktere lässt, war mir der Schlussteil trotz actiongeladener Szenen, etwas zu hastig erzählt. Ich kann natürlich nachvollziehen, dass dies vermutlich bewusst so gemacht hat, damit das Buch nicht noch länger wird, aber dennoch war mir das Erzähltempo am Ende etwas zu schnell. Es gab aber dafür aber einen Plot Twist, der zwar typisch für Young Adult Fantasy ist, ich aber irgendwie dennoch nicht vorhergesehen habe.

Fazit:
"Feuer über Nasira" ist ein sehr umfangreicher, aber interessanter Reihenauftakt zu einer neuen Young Adult Fantasy Reihe, die uns Leser:innen in eine Welt mit Magie und politischen Machtkämpfen entführt. Das Buch enthält für das Genre sehr typische Fantasyelemente, punktet aber vor allem durch die sehr sympathischen und gut ausgearbeiteten Protagonist:innen, die nicht unterschiedlicher sein könnten. Das Erzähltempo war meiner Meinung nach nicht immer ganz perfekt, aber insgesamt hat mir das Buch gut gefallen und ich bin gespannt, wie die Reise der Hauptcharaktere weitergehen wird. Von mir gibt es 4 Sterne und eine Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 19.09.2020

Kann nicht ganz, aber fast mit dem Vorgänger mithalten

Vortex – Das Mädchen, das die Zeit durchbrach
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Nachdem ich erst vor kurzem den ersten Band der Vortex-Reihe gelesen habe, war ich froh, dass ich die Fortsetzung schon griffbereit auf meinem eReader hatte, damit ich Ellies Abenteuer nahtlos weiterverfolgen ...

Nachdem ich erst vor kurzem den ersten Band der Vortex-Reihe gelesen habe, war ich froh, dass ich die Fortsetzung schon griffbereit auf meinem eReader hatte, damit ich Ellies Abenteuer nahtlos weiterverfolgen konnte. Obwohl es der Autorin gelungen ist, die Handlung auf dem fast gleichen Niveau wie sein Vorgänger weiterzuerzählen, hat mich dieser zweite Band doch etwas weniger begeistert.

Grund dafür war hauptsächlich der (einzige) Kritikpunkt, den ich schon beim ersten Band erwähnt hatte: Und das war der abenteuerliche Schlussteil, als Ellie, Bale und einige Nebencharaktere wie wild durch etliche Vortexe und Rifts gesprungen sind und der für meinen Geschmack etwas zu langgezogen war. Leider hat sich die Autorin zu meinem Pech dazu entschieden, dass Varus nach seinem gescheiterten ersten Versuch nicht von seinem Plan ablässt, so dass sich ein Grossteil des zweiten Bandes noch einmal den Zeitsprüngen in die Vergangenheit widmet, was meine Geduld beim Lesen ein bisschen auf die Probe gestellt hat, da sich vieles wie eine Wiederholung angefühlt hat.

Natürlich gab es aber auch Elemente, die mir gut gefallen haben. Durch die Reise in die Vergangenheit lässt die Autorin einige neue Hintergrundinformationen zu den Vermengten einfliessen, die noch einmal ein besseres Verständnis für das dystopische Worldbuilding aus der Zukunft bietet. Nachdem der Fokus im ersten Band vor allem auf dem Sanktum und den Grundern gelegen hatte, wurden im zweiten Band die Schwimmer und die Wirbler etwas mehr in den Fokus gerückt, was viele neue interessante Aspekte in die Handlung eingebracht hat - neben einigen neuen Nebencharakteren, die dadurch eingeführt wurden.

Obwohl Bennings Schreibstil weiterhin sehr flüssig zu lesen war, fand ich vor allem die erste Hälfte etwas langwierig, zumal ich einige der Enthüllungen gar nicht so überraschend fand, wie die Autorin vermutlich gehofft hatte. Das hat sich in der zweiten Hälfte etwas verändert, und der Schlussteil war nicht nur spannend, sondern hat mir durch eine Wendung, die ich nicht hätte kommen sehen, sprichwörtlich den Mund offen stehen lassen. Das Buch endet mit einem Cliffhanger, der verspricht, dass Band 3 noch einmal eine ganz neue, interessante Richtung einnehmen könnte. Ausserdem hat die Autorin eine düstere Prophezeiung gewagt und ein Teil von mir hofft so sehr, dass sie auch den Mut hat, diesen Plan tatsächlich durchzuziehen, selbst wenn es bedeuten würde, dass ich ein paar Tränchen verdrücken müsste. Andernfalls wäre ich nach dieser Ankündigung schwer enttäuscht, denn ein kitschiges Happy End würde sich für mich einfach nicht mehr stimmig anfühlen und Benning würde ihrer eigenen Theorie widersprechen, dass Dinge aus der Vergangenheit nicht mehr verändern werden können.

Was die Charaktere angeht, so kennen wir die meisten bereits aus dem ersten Band. Ironischerweise konnte dieses Mal ein Charakter Sympathien bei mir gewinnen, dem ich im Vorgänger kaum Beachtung geschenkt hatte - und er hat es auch geschafft, Bale neben sich ein bisschen blass aussehen zu lassen. Shipper des Bale und Ellie Pairings werden auch in diesem Buch voll auf ihre Kosten kommen, auch wenn die Beziehung mehrere Belastungsproben über sich ergehen lassen muss. Der einzige Kritikpunkt an diesem Pairing bleibt nach wie der Umstand, dass Bale Ellie weiterhin "Barbie" nennt. Nicht nur, dass ich den Spitznamen von Anfang an abwertend und blöd gefunden habe, es hat für mich überhaupt keinen Sinn mehr ergeben, warum Bale seine nun feste Freundin, mit der er eine ernsthafte Beziehung führt, weiterhin so nennt.

Fazit:
Die Fortsetzung der Vortex-Reihe kann zwar nicht ganz, dafür aber beinahe mit seinem Vorgänger mithalten. Die erste Hälfte dieses zweiten Bandes war stellenweise etwas langatmig, weil sich einiges wie eine Wiederholung aus dem ersten Band angefühlt hat. Das macht Benning spätestens im Schlussteil aber wieder gut, indem sie mit einer überraschenden Wendung und einem fiesen Cliffhanger um die Ecke kommt, die sehr neugierig auf einen hoffentlich spannenden Finalband machen. Von mir gibt es aufgrund der kleineren Schwächen einen Sternabzug, aber dennoch noch wohl verdiente 4 Sterne.

  • Cover
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Veröffentlicht am 16.09.2020

Ein absolut fesselnder Reihenauftakt!

Vortex – Der Tag, an dem die Welt zerriss
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Bei diesem Buch handelt es sich nicht nur um den Reihenauftakt zur dystopischen Vortex-Trilogie, sondern auch gleich um das Debüt der Autorin Anna Benning. Und sie hat es geschafft, gleich bei ihrem ersten ...

Bei diesem Buch handelt es sich nicht nur um den Reihenauftakt zur dystopischen Vortex-Trilogie, sondern auch gleich um das Debüt der Autorin Anna Benning. Und sie hat es geschafft, gleich bei ihrem ersten Buch einen Volltreffer zu landen - Hut ab!

Der Klappentext des Buches hat mich sehr neugierig gemacht, denn die Idee mit dem Vortexrennen oder ganz allgemein mit den Sprüngen durch Vortexe, war etwas, das ich noch in keinem anderen dystopischen Roman in ähnlicher Weise gelesen habe. Bei Vortexen handelt es sich um eine Art Wirbel, durch die ausgewählte Läufer springen können, um durch Raum und (wie sich später zeigt auch) Zeit zu reisen. Viermal jährlich findet dafür auf der ganzen Welt je ein Vortexrennen statt, bei dem auch unsere Protagonistin Elaine - kurz Ellie - in Neu London teilnimmt.

Die Handlung setzt genau zu diesem Zeitpunkt ein und Benning verliert keine Zeit mit unnötigem Vorgeplänkel oder Infodumping. Als Leserin wird man in diese dystopische Zukunft geworfen und es erwartet einen direkt ein actiongeladener, spannender Beginn, bei dem die diesjährigen Anwärterinnen für die Läufer-Positionen teilnehmen. Ich war trotz dieses rasanten Einstiegs positiv überrascht, wie leicht es mir gefallen ist, mich in dieser Welt voller Vortexe zurechtzufinden und konnte das Buch durch den fesselnden Schreibstil der Autorin sehr bald nicht mehr aus der Hand legen.

Was ich auch nicht erwartet hätte, ist, dass die eigentliche Story erst nach dem Vortexrennen losgeht. Wie man nämlich während diesem Rennen erfährt, sind vor mehr als 70 Jahren nicht nur die Vortexe entstanden, sondern auch sogenannte "Splits", die auch Vermengte genannt werden. Die Vermengten sind Menschen, die sich mit den vier Elementen Luft, Erde, Feuer und Wasser vermengt haben und seither über spezielle Kräfte verfügen. Dadurch sind sie aber auch zu einer Bedrohung geworden und wurden von den Menschen unterdrückt. Die Aufgabe der Läufer ist es, diese Vermengten zu suchen und sie in spezielle Zonen zu bringen. Doch Ellie muss sehr bald feststellen, dass hinter dem ganzen eine grössere Verschwörung steckt, als sie geahnt hatte. Und schon bald muss sie sich für eine Seite entscheiden...

Das Buch hat mich von der ersten bis zur letzten Seite begeistert. Benning hat, wie bereits erwähnt, nicht nur einen sehr fesselnden Schreibstil, sie hat es auch geschafft, die Handlung so spannend und abwechslungsreich zu gestalten, dass sie nie langweilig wird. Es fällt einem leicht, sich in diesem dystopischen Worldbuilding zurechtzufinden, da die Autorin die notwendigen Informationen immer dann in die Handlung eingeflochten hat, wenn sie von Relevanz waren.

Hauptcharaktere in diesem Buch sind Ellie und Bale - letzterer lernen wir erst etwas später kennen. Ellie ist zwar eine starke, junge Frau, aber auch sehr dickköpfig und manchmal etwas impulsiv, was nicht nur ihr Umfeld, sondern auch mich manchmal ein paar Nerven gekostet hat. Trotzdem fand ich gerade den Umstand toll, dass sie eben nicht perfekt ist und ihre Ecken und Kanten hat, das gelingt leider nicht allen Young Adult Autor*innen. Bale dagegen, hat sich relativ schnell zu einem meiner liebsten Book-Boyfriends gemausert und ich fand auch ihn - trotz seiner Schwächen und seiner anfänglichen Ablehnung Ellie gegenüber - einfach unglaublich sympathisch. Das einzige, das mich an ihm genervt hat, war die Verwendung eines doch eher abwertenden Spitznamens für Ellie, den er während des gesamten Buches beibehält. Ich weiss nicht, warum YA-Autorinnen ständig zu diesen peinlichen Spitznamen greifen, aber welches Mädchen mag es schon, Barbie genannt zu werden? Das hat spätestens dann für mich keinen Sinn mehr ergeben, als Bale und Ellie sich näher gekommen sind.

Die Liebesgeschichte war zwar ganz Young Adult typisch etwas vorhersehbar, positiv war aber, dass sich die Autorin dennoch genügend Zeit für die Entwicklung der Gefühle und die Annäherung des beiden Charaktere genommen hatte. Das war für mich als Leserin nicht zur herzerwärmend zum Beobachten (am liebsten hätte ich an vielen Stellen laut losgequiekt :D), sondern hat die Liebesgeschichte auch glaubwürdig erscheinen lassen. Und nicht nur das, mit einer überraschenden Enthüllung am Ende des Buches, hat Benning es geschafft, noch einmal ein ganz anderes Licht auf die Beziehung zu werfen und ihr so noch mehr Glaubwürdigkeit zu verleihen. Allein diese Szene hat bei mir Gänsehaut verursacht!

Das einzige, was mir am Buch weniger gefallen hat, war der etwas lange Schlussteil, bei dem sich Ellie und Bale auf eine lebensgefährliche Mission begeben. Die Action nimmt zwar noch einmal zu, aber für mich war dieser Schluss etwas zu lang geraten, zumal es nicht immer ganz einfach zu verstehen war, was eigentlich gerade passiert ist, weil alles so hektisch war und das auf Dauer auch etwas anstrengend zu lesen war.

Fazit:
Mit "Der Tag, an dem die Welt zerriss" hat Anna Benning einen packenden Reihenauftakt für eine spannende dystopische Trilogie geschaffen, der mich von der ersten bis zur letzten Seite begeistert hat. Das Buch enthält nicht nur eine innovative Idee mit Vortexen, durch die man durch Raum und Zeit springen kann, sondern auch viel Action, Romantik und übernatürliche Kräfte - also all das, was ich von einer guten Dystopie im Young Adult Bereich erwarte. Mit diesem Debüt ist der Autorin ein Volltreffer gelungen und von mir erhält es 5 Sterne und eine absolute Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 13.09.2020

Ein Debüroman mit kleineren Schwächen

Feuererwachen (Bd. 1)
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Bei "Feuererwachen" handelt es sich mal wieder um ein Young Adult Fantasybuch, auf das ich ursprünglich durch Goodreads aufmerksam geworden bin. Neugierig hat mich vor allem die Tatsache gemacht, dass ...

Bei "Feuererwachen" handelt es sich mal wieder um ein Young Adult Fantasybuch, auf das ich ursprünglich durch Goodreads aufmerksam geworden bin. Neugierig hat mich vor allem die Tatsache gemacht, dass es in diesem Buch um Drachen gehen soll. Bisher habe ich zwar schon Bücher gelesen, in denen Drachen am Rande erwähnt wurden, aber ich bin noch nie dazu gekommen einen Fantasyroman zu lesen, in dem Drachen als alleinige Wesen im Mittelpunkt stehen. Und als ich gesehen habe, dass der Arctis Verlag das Buch ins Deutsche übersetzt, musste ich die Gelegenheit beim Schopf packen und es lesen.

Der Einstieg in die Geschichte ist mir etwas schwergefallen, denn man wird ohne nähere Erläuterungen direkt in das Geschehen in dieser Fantasywelt hineingeworfen. Das ist grundsätzlich nichts Schlechtes, aber hier schien mir das Worldbuilding so komplex zu sein, dass ich Mühe hatte, mich zurechtzufinden. In gefühlt jedem zweiten Satz werden Begriffe oder Orte verwendet, die es in der heutigen Zeit nicht gibt und mich aufgrund der fehlenden Hintergrundinformationen beim Lesen mit einem Fragezeichen zurückgelassen haben, da ich vor allem zu Beginn nicht wusste, was damit gemeint ist. Ich finde Landkarten in Fantasyromanen nicht immer notwendig, aber hier habe ich sie definitiv vermisst. Es wäre mir viel leichter gefallen, die Welt mit den rivalisierenden Städten (oder Ländern?) vorzustellen, wenn die Autorin ihre Vorstellungen mit einer Karte ihrer ausgedachten Welt zu Papier gebracht hätte. Ich habe (zwar erst am Schluss) entdeckt, dass es am Ende des Buches ein Glossar gibt, aber die Begriffserklärungen alleine hätten mir dennoch nicht ausgereicht, um mich in dieser Welt zurechtzufinden. Das Worldbuilding (oder das, was ich davon verstanden habe) hätte mir gut gefallen und hätte viel Potenzial gehabt, aber leider ist es der Autorin nicht ganz gelungen, ihre klaren Vorstellungen, die sie im Kopf gehabt hatte, an mich als Leserin zu übermitteln.

Die Handlung wird aus den beiden Perspektiven der Protagonisten Lee und Annie erzählt, die sich bereits seit ihrer Kindheit im Waisenhaus kennen. Beide bereiten sich auf das Auswahlverwahren für den ersten Drachenreiter vor, für das immer zwei Anwärter*innen gegeneinander mit ihren Drachen antreten müssen. Neben den beiden Protagonisten gibt es noch eine ganze Schar Nebencharaktere, die eher untergeordnete Rollen spielen. Mir waren es insgesamt zu viele Charaktere, vor allem, da sie alle - leider inklusive der Protagonisten - bis zuletzt eher blass geblieben sind. Ich weiss zwar, dass Annie rote Haare hat, aber das war es dann auch. Die meisten Nebencharaktere werden nur namentlich erwähnt, was es für mich schwierig gemacht hat, eine Bindung zu ihnen aufzubauen. Bei Lee und Annie ist es mir ein bisschen leichter gefallen, einen Zugang zu finden, da man vor allem über Lees Vergangenheit sehr viel erfährt, aber abgesehen davon, haben mir individuelle Charaktereigenschaften gefehlt, die die beiden ausgemacht und ihnen mehr Tiefe verliehen hätten.

Der Plot an sich war solide und fokussiert sich vor allem auf ein Dilemma, in das Lee aufgrund seiner eigentlichen Herkunft gerät. Es ist der Autorin gut gelungen, diesen inneren Konflikt von Lee zu beschreiben und ihn in die Handlung mit einfliessen zu lassen. Was mir auch gut gefallen hat, war der Umstand, dass es nicht nur Gut und Böse gibt und Lee in ein moralisches Dilemma gerät, als er feststellen muss, dass sein neuer Anführer selbst zu Mitteln greift, für die seine eigene Familie damals gestürzt worden war.
Was ich sehr schade fand, war die Erkenntnis, dass die Drachen in diesem Buch eher eine untergeordnete Rolle spielen. Man erfährt zwar ihre Namen und sie werden für das Auswahlverfahren als "Flugobjekte" genutzt, aber das war es dann auch schon. Von einem Buch, mit einem Drachen auf dem Cover, hätte ich eine bedeutendere Rolle dieser Wesen erwartet. Die Geschichte hätte genauso gut ohne Drachen funktioniert, da sie sich vor allem um Kritik an der brutalen Herrschaft von Lees Familie fokussiert.
Was mir auch ein bisschen gefehlt hat, war die Spannung. Obwohl im Buch zwei grössere Schlachten oder Kriege angekündigt waren, wurden diese letztendlich doch nicht ausgetragen und vor allem der grosse "Showdown" am Ende des Buches, der vor allem für Lees Charakterentwicklung eine grosse Rolle spielt, wird letztendlich in einem Zweierduell auf wenigen Seiten, ohne grosse Überraschungen abgehandelt. Dadurch hatte ich bis zuletzt den Eindruck, dass die Handlung nie richtig in Fahrt gekommen ist, denn immer, wenn es spannender geworden ist, hat die Autorin dem Plot die Luft aus den Segeln genommen.

Insgesamt merkt man dem Buch an, dass es sich um einen Debütroman der Autorin handelt. Die Idee mit den Drachen fand ich sehr innovativ und ansprechend, aber leider wird dieses Potenzial kaum genutzt. Der Plot war insgesamt okay, hielt aber wenige Überraschungen bereit.

Fazit:
"Feuererwachen" ist der Reihenauftakt einer Young Adult Fantasy Trilogie, das in einer Welt voller Drachen spielt. Anders als erwartet, spielen die Drachen aber letztendlich nur eine untergeordnete Rolle und der Plot fokussiert sich vor allem auf ein moralisches Dilemma des Protagonisten. Diesen inneren Konflikt hat die Autorin zwar gut beschrieben, aber das Potenzial, dass die Drachen als interessante Fantasywesen mit sich gebracht hätten, wurde leider nicht wirklich genutzt. Für einen Debütroman ist das Buch okay, mich konnte er aber leider nicht vollumfänglich überzeugen, so dass ich die Reihe wahrscheinlich nicht mehr weiterverfolgen werden. Von mir gibt es deshalb durchschnittliche 3 Sterne.

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Veröffentlicht am 11.09.2020

Eine Romantasy, die sich kaum aus der Masse heraus hebt

Das Flüstern der Magie
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"Das Flüstern der Magie" wurde von Laura Kneidl bereits 2016 geschrieben, wie sie in der Danksagung erwähnt. Damit handelt es sich um eines ihrer älteren Werke, das vermutlich aufgrund der Popularität ...

"Das Flüstern der Magie" wurde von Laura Kneidl bereits 2016 geschrieben, wie sie in der Danksagung erwähnt. Damit handelt es sich um eines ihrer älteren Werke, das vermutlich aufgrund der Popularität der Autorin veröffentlicht wurde. Das Buch ist ein Standalone, was für mich ein Grund war, es überhaupt zu lesen, weil ich mir nicht schon wieder eine neue Reihe aufhalsen wollte.

Wie der Klappentext bereits vermuten lässt, enthält das Buch (fast) alle typischen Elemente, die man von einem New Adult Urban Fantasy Roman erwarten kann. Der kurze Besuch in Fallons Leben voller magischer Artefakte hat sich dadurch zwar sehr kurzweilig angefühlt, gleichzeitig war der Plot aber auch sehr vorhersehbar und die Geschichte hebt sich damit kaum aus der Masse an anderen Büchern des Genres heraus. Vom Stil her hat es mich sehr an die Bücher von Jennifer L. Armentrout erinnert, wodurch vor allem Fans von JLA auch bei diesem Buch auf ihre Kosten kommen. Für mich hatte die Story aber leider kaum Wiedererkennungswert, was sich auch darin zeigt, dass ich knapp eine Woche nach dem Lesen schon fast wieder alles vergessen habe, was im Buch geschehen ist.

Die Handlung fokussiert sich vor allem auf Fallon und Reed, deren Kennenlernen und Verlieben so rasant vonstattenging, dass in meinen Augen nichts anderes als Instalove war. Während Fallon mir kaum in Erinnerung geblieben ist, war ich aber positiv überrascht, dass Reed mal nicht als das "sexy Arschloch" verkauft wurde, sondern durchaus seine guten Qualitäten hat. Er ist hilfsbereit, entgegenkommend und freundlich, auch wenn er aufgrund seiner Lebenssituation einen Fehler begeht, der dazu führt, dass der Plot des Buches erst ins Rollen kommt. Romantikfans werden hier voll auf ihre Kosten kommen, wobei ich froh war, dass Kneidl trotz New Adult auf unnötige Sexszenen verzichtet hat - auch dafür gibt es einen fetten Pluspunkt von mir.

Die Geschichte an sich hat sich durch Kneidls flüssigen, angenehmen Schreibstil zwar kurzweilig gelesen, war aber insgesamt doch etwas dünn. Die Suche nach diesem einen Artefakt macht den Grossteil der Handlung aus, doch so richtig Spannung kam bei mir nicht auf. Das hat mich etwas überrascht, da man bei einem Einzelband sicher mehr Handlungselemente hätte reinpacken können, die das Urban Fantasy Genre bietet. Den Schluss habe ich ehrlicherweise schon wieder vergessen, aber ich habe im Kopf, dass er die Geschichte gut abgerundet hat.

Fazit:
"Das Flüstern der Magie" ist ein New Adult Urban Fantasy Einzelband, der bereits 2016 von Erfolgsautorin Laura Kneidl geschrieben wurde. Das Buch ist vor allem durch den angenehmen, flüssigen Schreibstil der Autorin sehr kurzweilig, bedient sich aber an den gängigen Elementen des Genres, wodurch es für mich kaum Wiedererkennungswert hatte. Das Buch empfiehlt sich vor allem Fans des Genres, die etwas für zwischendurch suchen, ansonsten würde ich es aber nicht als Must Read bezeichnen. Deshalb erhält es von mir durchschnittliche 3 Sterne.

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