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Veröffentlicht am 25.11.2019

Eine zauberhafte Geschichte

Strange the Dreamer - Der Junge, der träumte
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Auf die Übersetzung von "Strange the Dreamer" habe ich mich schon seit der Erscheinung des englischen Originals gefreut. Ich habe damals sogar versucht, das Buch auf Englisch zu lesen, bin dann aber aufgrund ...

Auf die Übersetzung von "Strange the Dreamer" habe ich mich schon seit der Erscheinung des englischen Originals gefreut. Ich habe damals sogar versucht, das Buch auf Englisch zu lesen, bin dann aber aufgrund des grossartigen, aber anspruchsvollen Schreibstils der Autorin letztendlich am fehlenden Sprachverständnis gescheitert. Seither habe ich sehnsüchtig auf eine deutsche Übersetzung gewartet und wurde nicht enttäuscht. Vorab muss ich allerdings erwähnen, dass die ursprüngliche Dilogie im Deutschen in vier Teile aufgeteilt wird - warum, kann ich nicht ganz nachvollziehen. Aber sei's drum.

Die ganze Geschichte spielt in einem ganz neu kreierten Worldbuilding, das sich durch fantastische Elemente auszeichnet. Zu Beginn lernen wir Lazlo Stranger kennen, ein Bibliothekar, der im Königreich Zosma arbeitet. Schon von klein auf hat er Geschichten über Weep, einer Stadt in der Fremde gehört, und hegt seither eine grosse Faszination für diesen Ort. Als sich eines Tages die Gelegenheit bietet, dass er gemeinsam mit einer Gruppe von Menschen nach Weep reisen kann, zögert er nicht, um sich ihnen anzuschliessen. Dadurch wird sein lang ersehnter Traum endlich war - buchstäblich. Denn immer wieder haben sich Bilder der Stadt in seine Träume verirrt und seine Sehnsucht, dort hinzureisen, gesteigert.
Nachdem sich Lazlo dieser "Reisegruppe" anschliesst, deren Aufgabe erst zu einem späteren Zeitpunkt der Geschichte enthüllt wird, lernen wir nach einer Weile eine weitere Protagonistin kennen: Sarai. Sarai ist neben Ruby, Sparrow, Feral und Minya Teil einer Götterbrut, die in einer Zitadelle in Weep leben. Anfangs weiss man noch relativ wenig über die verschiedenen Charaktere und deren Fähigkeiten, doch nach und nach wird ihre Hintergrundgeschichte und ihr Schicksal enthüllt, die sich als sehr tragisch entpuppen und mein Mitgefühl wecken konnten.
Beide Perspektiven wechseln sich regelmässig ab, so dass man nicht nur erfährt, wie Lazlo seiner Traumstadt näher kommt, sondern lernt auch Sarai näher kennen. Ich muss sagen, dass ich die Erzählung rund um Sarai und die Götter fesselnder fand, als Lazlos Reise und habe mich jedes Mal ein bisschen mehr gefreut, wenn ich wieder etwas über Sarai erfahren durfte.

Laini Taylor hat, wie bereits anfangs erwähnt, einen bildhaften und (wortwörtlich) fantastischen Schreibstil. Mit viel Ruhe und Geduld führt sie dendie Leserin ihre selbst kreierte Welt ein, bei der sie sehr viel Ideenreichtum bewiesen hat. Ich kannte bereits die "Daughter of Smoke & Bone" Reihe der Autorin und wusste, dass ihre Bücher durch ihre jeweiligen komplexen Worldbuildings stellenweise viel Aufmerksamkeit beim Lesen erfordern, aber genau dadurch schafft sie mal wieder eine ganz innovative Welt, die ich in dieser Art noch kein zweites Mal in einem anderen Buch kennengelernt habe.
Trotzdem muss ich an dieser Stelle anfügen, dass sich bei mir durch das eher gemächliche Erzähltempo und die Ausführlichkeit der Erzählung, nicht dieses Gefühl von "Ich muss unbedingt weiterlesen!" eingestellt hat. Ich habe mich zwar jedes Mal gefreut, wieder in die Welt von Weep einzutauchen, aber konnte das Buch gut auch wieder zur Seite legen.

Gegen Ende hin werden die beiden Erzählstränge von Lazlo und Sarai dann allmählich zusammengeführt. Doch gerade als das passiert und mein Interesse gepackt wurde, ist das Buch schon zu Ende. Und das ist wiederum der Nachteil daran, dass Band 1 des englischen Originals in zwei Teile aufgeteilt wurde, was ich etwas schade fand.
Nichtsdestotrotz hat mir dieser Reihenauftakt sehr gut gefallen und ich will auf jeden Fall wissen, wie es mit den Charakteren weitergeht.

Fazit:
"Der Junge, der träumte" erzählt die erste Hälfte der "Strange the Dreamer"-Reihenauftakts von Laini Taylor. Die Autorin schafft mal wieder ein fantastisches Worldbuilding mit vielfältigen und interessanten Charakteren, die sie mit viel Ruhe und Ausführlichkeit den Leser*innen näher bringt. Durch das eher gemächliche Erzähltempo, konnte mich das Buch nicht ganz so sehr packen, wie ich es mir gewünscht hätte, doch mein Interesse für die Fortsetzungen wurde geweckt. Leider hat man sich bei der deutschen Übersetzung entschieden, die Dilogie aus dem Englischen in 4 Teile aufzuteilen, was die Geschichte an einem Punkt enden lässt, an dem ich nur ungern mit dem Lesen aufgehört habe. Aufgrund dieser beiden Kritikpunkte muss ich einen Stern abziehen und vergebe 4 Sterne. Ich empfehle euch, Teil 1.2 abzuwarten, damit das Lesevergnügen nicht unterbrochen wird und man den Reihenauftakt so lesen kann, wie es von der Autorin vorgesehen wurde.

Veröffentlicht am 02.09.2019

Leider ganz anders als erwartet

Das Herz aus Eis und Liebe
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Nachdem ich letztes Jahr Band 1 der "Flame in the Mist" Reihe gelesen habe und mich die damalige Story und die Charaktere von sich überzeugen konnte, war ich gespannt auf die Fortsetzung der Geschichte ...

Nachdem ich letztes Jahr Band 1 der "Flame in the Mist" Reihe gelesen habe und mich die damalige Story und die Charaktere von sich überzeugen konnte, war ich gespannt auf die Fortsetzung der Geschichte rund um Mariko, die mit diesem Band ihren Abschluss finden sollte. Obwohl ich mir vor dem Lesen noch einmal eine ausführliche Zusammenfassung des ersten Bandes durchgelesen hatte, hatte ich zu Beginn Mühe, wieder in die Welt hineinzufinden, die Ahdieh geschaffen hat. Anfangs dachte ich, dass es an mir liegt, doch nach und nach musste ich feststellen, dass die Art des Storytellings in diesem zweiten Buch ganz anders war, als im ersten Buch. Während man in Band 1 Mariko und den schwarzen Clan besser kennenlernen durfte und man gleichzeitig einen guten Einblick in das Worldbuilding gewinnen konnte, wurde der Schauplatz in dieser Fortsetzung ganz woanders verlegt und damit auch der Schwerpunkt des Buches verändert: Es ging um Lügen und Intrigen am königlichen Hof, von dem durch die bevorstehende Heirat mit Prinzen Raiden, nun auch Mariko ein Teil werden sollte. Gleichzeitig schlägt ihr Herz noch immer für Okami, der inzwischen gefangen genommen würde.
An dieser Stelle würde ich gerne mehr über den Storyverlauf schreiben, aber leider kann ich das nicht, denn bis zuletzt ist eigentlich gar nichts Nennenswertes passiert. Obwohl im zweiten Band unterschiedliche Perspektiven erzählt werden, blieben die Charaktere allesamt ziemlich blass. Man erfährt kaum mehr Neues über die lieb gewonnen Personen, die man in Band 1 kennenlernen durfte, alles dreht sich nur um die Intrigen und Hinterhalte an diesem Hof und selbst das vermochte mich nicht zu fesseln. Action und Spannung sucht man hier leider vergebens. Ich habe ständig darauf gewartet, dass mich das Buch irgendwann in seinen Bann ziehen würde, doch das geschah bis zuletzt nicht. Das Ende wartet dann zwar noch einmal mit Ereignissen auf, die sich regelrecht überschlagen, aber das kam mir alles zu schnell und zu konstruiert vor. Auch die Liebesgeschichte zwischen Okami und Mariko tritt sehr in den Hintergrund, was an und für sich nichts Schlechtes bedeuten muss, in diesem Fall aber das letzte Element aus dem ersten Band war, das auch in Band 2 kaum mehr eine Rolle gespielt hat. Es war fast so, als hätte ich zwei komplett unterschiedliche Bücher gelesen, die von unterschiedlichen Autoren geschrieben wurde. Mir hat nahezu alles, was mich in Band 1 begeistern konnte, in diesem Buch gefehlt. Ich hatte auch den Eindruck, dass vieles, das im Reihenauftakt enthüllt wurde, für den zweiten Teil gar keine Rolle mehr gespielt hat und nicht mehr aufgegriffen wurde. Damit wurde in meinen Augen leider sehr viel Potential verschenkt.

Fazit:
"Das Herz aus Eis und Liebe" ist der zweite Teil der "Flame in the Mist"-Reihe, der mich leider enttäuscht zurückgelassen hatte. Während mich der erste Teil mit seinen Charakteren und dem Worldbuilding im asiatischen Raum für sich gewinnen konnte, hat der zweite Band leider kaum mehr etwas mit dem ersten Band gemeinsam. Viele liebgewonnene Charaktere werden nur stiefmütterlich behandelt und knapp erwähnt und bleiben dadurch blass. Während der erste Teil noch actionreiche Szenen und spannende Enthüllungen beinhaltet hatte, geht es im zweiten Teil sehr ruhig (und eher langatmig) zu und der Fokus liegt auf dem königlichen Hofleben, das durch Intrigen und Lügen geprägt ist. Leider konnte mich dieser zweite Band zu keinem Zeitpunkt richtig fesseln, weshalb ich leider nur enttäuschte 2 Sterne vergeben kann. Nach dem vielversprechenden Reihenauftakt, hätte man viel mehr aus der Fortsetzung machen können.

Veröffentlicht am 30.06.2019

Realitätsferner Psychothrillern mit Logikfehlern

Die stumme Patientin
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"Die stumme Patientin" ist ein weiteres Buch, auf das ich durch zahlreiche positive Bewertungen auf Goodreads aufmerksam geworden bin. Ich hatte dadurch hohe Erwartungen an den Psychothriller, der von ...

"Die stumme Patientin" ist ein weiteres Buch, auf das ich durch zahlreiche positive Bewertungen auf Goodreads aufmerksam geworden bin. Ich hatte dadurch hohe Erwartungen an den Psychothriller, der von vielen Leser*innen so gelobt wurde. Mir erging es da leider ganz anders. Doch fangen wir ganz von vorne an:

Im Fokus der Geschichte stehen zwei Personen. Auf der einen Seite haben wir Alicia Berenson, die ihren Ehemann kaltblütig ermordet hat, seither kein Wort mehr von sich gibt und nun in einer geschlossen forensischen Psychiatrie behandelt wird. Auf der anderen Seite haben wir den forensischen Psychiater Theo Faber, der durch den Medienhype über den Mordfall erfahren hat und seither ein ganz besonderes Interesse am Fall von Alicia Berenson hat. Zunächst konnte er den Fall nur aus der Weite beobachten, doch wie durch Zufall (oder durch total konstruierte, nicht näher erläuterte Umstände des Autors) wird ausgerechnet in der Psychatrie eine Stelle als forensischer Psychiater frei, so dass Theo die Gelegenheit beim Schopf packt, um Alicia näher zu kommen. Sein Ziel ist es sie zum Sprechen zu bringen – und dazu ist im nahezu jedes Mittel recht. In zahlreichen Einzelsitzungen und eigener Detektivarbeit versucht er mehr über Alicia herauszufinden.

An dieser Stelle muss ich als erstes betonen, dass mich das Buch aufgrund meines Berufes als Psychologin auf ganz persönliche Weise getriggert hat und meine Bewertungen durch das absurde, realitätsfremde Bild eines Psychiaters und dessen Arbeit resp. einer psychiatrischen Institution sehr negativ beeinflusst wurde. Allein dieses kurze Umreissen des Inhalts reicht eigentlich schon, um meine durchwachsene Bewertung zu begründen, denn einfach alles was in diesem Buch passiert, ist aus psychotherapeutischer Sicht sehr bedenklich und unprofessionell. Bereits auf Seite 24 hätte ich das Buch am liebsten schon abgebrochen, als Theo Faber auf die Frage, weshalb er denn Psychotherapeut werden wollte antwortet - Zitat: "[...]Ich war darauf aus, mir selbst zu helfen. Ich glaube, das gilt für die meisten Menschen, die sich mit der geistigen Gesundheit anderer befassen. Wir fühlen uns zu diesem speziellen Beruf hingezogen, weil wir beschädigt sind - wir studieren Psychologie, um uns selbst zu heilen. Ob wir bereit sind, das zuzugeben, ist eine andere Frage." Wie bitte was?! Zum einen studieren Psychiater nicht Psychologie, sondern Medizin und zum anderen habe ich mit dieser Aussage so Mühe, weil sie natürlich schlichtweg falsch und unethisch ist, und ich mich die ganze Zeit über gefragt habe, ob der Autor, der selbst Psychologie studiert hat, wirklich so denkt. Wäre es bei diesem einen Satz geblieben, dann hätte ich Fiktion noch gut von Realität unterscheiden können, aber leider zieht sich diese selten dämliche Einstellung von Theo Faber durch das ganze Buch hindurch. Seine Anstellung in der Psychiatrie fand ich schon fragwürdig, aber alles was er danach im Rahmen seiner Arbeit als Psychiater tut, fand ich noch viel bedenklicher und ich habe mich mehrfach an den Kopf gefasst und mich darüber gewundert, weshalb zur Hölle kein einziger Mensch in dieser Psychiatrie merkt, wie fahrlässig Faber eigentlich arbeitet. Es handelt sich nicht um ein offenes, ambulantes Setting, sondern um eine geschlossene forensische Psychiatrie, in der straffällige und psychisch Kranke Menschen behandelt werden, und dennoch kann da scheinbar jeder Therapeut tun und lassen, was er will. Dass Theo Faber unübersehbar mehrfach seine professionelle Grenze als Psychiater überschreitet, scheint kein Schwein zu interessieren. Und das ist einfach nur lächerlich. Der Autor behauptet selbst Psychologie studiert zu haben und zwei Jahre im Beruf als Psychotherapeut tätig gewesen zu sein und dennoch zeichnet er ein Bild eines psychiatrischen Alltags, das immer gerade so angepasst wird, dass es zum Fortlauf seiner Geschichte passt. Dass nichts davon der Realität entspricht, scheint ihn nicht zu interessieren. Es war aber nicht nur Faber selbst, den ich unprofessionell gefunden habe, sondern auch das gesamte restliche Team. An einer Stelle möchte Faber Alicia zu einer privaten Kunsttherapie-Stunde überreden und holt sich die Erlaubnis bei der Kunsttherapeutin dafür ein. Die ist aber so gar nicht gut auf Alicia zu sprechen und äussert sich sehr abwertend und respektlos über die Patientin - etwas, für das sie in der Realität schnell einmal ihren Job losgeworden wäre. Doch in der forensischen Psychiatrie, die der Autor sich hier zusammengeschustert hat, darf man scheinbar alles. Das Ganze geht soweit, dass die Kunsttherapeutin Alicia (in deren Abwesenheit) sogar "Miststück" nennt. Das schlimmste daran ist, dass gar nichts zwischen den beiden vorgefallen ist. Der einzige Beweggrund der Kunsttherapeutin so über ihre Patientin zu sprechen war scheinbar einfach die Annahme, dass Alicia (die selbst Künstlerin wäre) arrogant ist. Wer sich so (ab-)wertend über Patienten äussert, der hat meiner Meinung nach in einem therapeutischen Beruf nichts zu suchen. Aber hier wird das Verhalten scheinbar einfach so toleriert.
Ich könnte an dieser Stelle noch etliche weitere Beispiele nennen, aber ich denke, mein Hauptkritikpunkt ist klar geworden. Leider zieht das unprofessionelle Verhalten auch ausserhalb der Psychiatrie seine Kreise, und neben Faber gibt es einen weiteren Psychiater, der in der Vergangenheit mit Alicia in Kontakt gekommen ist und sie illegaler Weise privat behandelt hat, weil ihr mittlerweile verstorbener Ex-Mann das als Gefallen von seinem befreundeten Psychiater gefordert hatte. Zumindest wurde hierbei im Buch adressiert, dass dieses Vorgehen nicht legal ist, aber von ethisch korrekter Behandlung konnte hier sowieso keine Rede sein, denn der besagte Psychiater hat Alicia bloss vorgeschrieben, was sie zu tun und zu lassen hat und dabei seinen Beruf um Längen verfehlt.
Und wenn wir gerade bei Grenzüberschreitungen sind: Fabers Fehlverhalten bezieht sich nicht nur auf das Psychiatriesetting, denn neben der angeblichen Psychotherapie, die er mit Alicia macht, fängt er relativ rasch damit an, in ihrem Privatleben als Hobbydetektiv herumzuschnüffeln. Er kontaktiert nahezu jede Person in Alicias Umfeld, um mehr über sie zu erfahren. Und obwohl er damit mehreren Charakteren zu nahe tritt, scheint sich auch hier kein Mensch darüber zu wundern, weshalb ein Psychiater ohne Erlaubnis seiner Patientin Kontakt mit deren Umfeld aufnimmt und ungefragt in ihrem Privatleben herumstochert und dabei Fragen stellt, die weit über die eines Psychiaters hinausgehen.

Was zu allem Übel dazu kommt, ist ausserdem noch der Umstand, dass der Autor für das Buch schlecht recherchiert hat. Es wird ständig wie wild mit irgendwelchen Diagnosen umhergeworfen, da wird gefühlt jeder als "narzisstisch" oder "Narzisst" bezeichnet (ohne entsprechende Symptome dieser Persönlichkeitsstörung zu zeigen) und im weiteren Verlauf dann gleich noch verschiedene Diagnosen miteinander vermischt. An einer Stelle wird über Alicia gesagt, dass sie eine Boderline Persönlichkeitsstörung hat, deshalb psychotisch war und obendrauf wird ihr dann auch noch die besagte narzisstische Persönlichkeitsstörung aufgedrückt. Würde irgendein Hobby-Küchenpsychologe über Alicia so sprechen, dann könnte ich das ja noch nachvollziehen, dass man keine Ahnung von Diagnostik hat, aber hier wurde mir als Leserin weiss gemacht, dass die Diagnosen von waschechten Psychiatern stammen, die eigentlich wissen sollten, wovon sie reden.

Ja, wie man merkt, nagle ich das Buch sehr an psychologischen und psychiatrischen Umgereimtheiten fest, aber genau so erging es mir beim Lesen auch. Ich konnte mich gar nicht auf die eigentliche Geschichte einlassen, weil das Buch so viele (Logik-)Fehler enthielt. Das Ende konnte mich ein klein wenig versöhnlicher stimmen, weil der Autor die Auflösung immerhin so gestaltet hat, dass ein Charakter nicht ganz der ist, der er vorzugeben scheint, aber es war nicht so, als wäre ein grosses Aha-Erlebnis passiert, dass alles plötzlich Sinn ergeben hätte. Im Buch wirkt einfach zu vieles zu konstruiert und unglaubhaft, was für mich für ein Buch, das als "Psychothriller" verkauft wird, einfach ein No-Go ist.

Fazit:
"Die stumme Patientin" ist ein angeblicher Psychothriller, der leider eine ganze Masse an Ungereimtheiten aufweist und schlecht recherchiert wurde. Wer wissen will, wie es in einer (forensischen) Psychiatrie NICHT läuft und wie Psychiater und Psychotherapeuten NICHT arbeiten (sollten), der ist hier richtig. Alle die auf einen logischen oder spannenden Thriller hoffen, muss ich enttäuschen. Die Ereignisse wirken allesamt sehr konstruiert und unglaubhaft und dadurch einfach nur realitätsfremd - also alles Dinge, die ich in einem guten Thriller NICHT suche. Von mir gibt es für diesen Thriller, der mich aufgrund meines Berufes persönliches getriggert hat, 2 Sterne.

Veröffentlicht am 21.06.2019

Eine schöne Coming-of-Age-Geschichte

Ramona Blue
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"Ramona Blue" war mein erstes Buch der Autorin, deren bekanntestes Werk "Dumplin'" den meisten wohl ein Begriff sein sollte. Ich bin erst durch eine Empfehlung auf Goodreads auf den Titel aufmerksam geworden. ...

"Ramona Blue" war mein erstes Buch der Autorin, deren bekanntestes Werk "Dumplin'" den meisten wohl ein Begriff sein sollte. Ich bin erst durch eine Empfehlung auf Goodreads auf den Titel aufmerksam geworden. Das Buch wurde mir vorgeschlagen, weil ich unter anderem "Am Ende sterben wir sowieso" und "Was mir von dir bleibt" von Adam Silvera und "Nur drei Worte" von Becky Albertalli gelesen hatte. Gemeinsam haben nicht nur alle drei Bücher, dass sie im Young Adult Contemporary Genre angesiedelt sind, sondern auch der Einbezug von Diversity.

Bei "Ramona Blue" handelt es sich um eine Coming-of-Age-Geschichte, die der Leserschaft einen Ausschnitt aus dem Leben der gleichnamigen Protagonistin aufzeigt. Inhaltlich kann ich gar nicht so viel mehr verraten, als es in der offiziellen, sehr ausführlichen Inhaltsangabe beschrieben wird, denn die deckt eigentlich schon den gesamten Plot ab. Es war aber nicht mal so sehr das was passiert, was mir so gut am Buch gefallen hat, sondern wie es passiert. Obwohl das Buch jede Menge Drama beinhaltet, empfand ich es dennoch als eine locker-leichte Sommerlektüre, die bei mir gute Laune verursacht hat. Ramona ist ein Charakter mit Ecken und Kanten, die kurz vor dem Erwachsenwerden steht und einige wichtige Entscheidungen über ihre Zukunft treffen muss, nachdem sie einen wunderschönen Sommer mit einem Mädchen verbracht hat. Nachdem die Schule wieder losgeht, muss Ramona allerdings wieder in die Realität zurückkehren, fernab von der Wolke 7, auf der sie sich zuvor befunden hat. Und als wäre ihr Leben nicht schon aufgrund ihrer schwierigen familiären Situation eine Herausforderung, wird es noch komplizierter, als Freddie - ein ehemaliger Freund - zurück nach Eulogy kehrt und Ramonas Leben auf den Kopf stellt. Was als Freundschaft anfängt, verändert sich zunehmend zu einer engeren, romantischen Bindung, die Ramonas bisherige sexuelle Orientierung in Frage stellt und bei ihr verständlicherweise zu einer Identitätskrise führt. Mit dem nahenden Schulabschluss muss sich Ramona aber nicht nur über ihre Sexualität klar werden, sondern auch darüber, was ihre Zukunftspläne angeht. Das Schwimmen war schon immer eine grosse Leidenschaft von ihr und als es so aussieht, als könnte sie damit ihre berufliche Zukunft einschlagen, muss sie sich entscheiden, ob sie ihre schwangere Schwester nahezu alleine auf sich selbst gestellt zurücklassen kann, oder ob sie dazu verdammt ist, ihre restlichen Leben in Eulogy zu verbringen. Keine einfache Entscheidung, vor der Ramona steht - doch zum Glück hat sie jede Menge Freund*innen, die ihr in dieser Zeit der Unsicherheit zur Seite stehen.

Ich kann gar nicht so genau benennen warum, aber mir hat das Buch unglaublich gut gefallen. Ich fand Ramona sehr sympathisch und war natürlich begeistert davon, dass die Autorin auf verschiedene Art und Weise Diversity in die Geschichte einfliessen lässt und dies auch mit der nötigen Sensibilität thematisiert. Anfangs war ich etwas skeptisch über den Umstand, ob man einen eigentlich lesbischen Charakter nun auch auf hetero "trimmen" muss, aber je länger in der Geschichte verweilt habe, desto klarer wurde mir die Botschaft, die die Autorin mitgeben will. Es ist halt nicht immer alles so Schwarz-und-Weiss wie man vielleicht denkt und genau diese Erkenntnis muss auch Ramona im Laufe der Geschichte machen. Der Schreibstil der Autorin ist locker und flüssig zu lesen und die teilweise umgangssprachlichen Begriffe, passt er sehr gut zu einem Jugendbuch.

Fazit:
Eine lockere, unterhaltsame Coming-of-Age-Geschichte über eine junge Protagonistin, die am Schwellenübergang zum Erwachsenenleben steht und einige schwierige Entscheidungen für ihre Zukunft treffen muss. Die liebenswerte Protagonistin, der Einbezug von Diversity und der flüssige, jugendhafte Schreibstil haben das Buch zu einem sommerlichen Lesevergnügen für mich gemacht. Für Freunde der LGBT-Literatur kann ich dieses Buch nur wärmstens empfehlen. Von mir gibt's 4.5 Sterne.

Veröffentlicht am 09.06.2019

Ein zu komplexes Worldbuilding

Witchmark
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Witchmark ist ein Buch, auf das ich ohne die Netgalley Lesechallenge wohl nicht aufmerksam geworden wäre. Im Fokus des Buches steht einerseits eine Art magische Kriminalgeschichte, bei der der Protagonist ...

Witchmark ist ein Buch, auf das ich ohne die Netgalley Lesechallenge wohl nicht aufmerksam geworden wäre. Im Fokus des Buches steht einerseits eine Art magische Kriminalgeschichte, bei der der Protagonist Miles Singer - der selbst magische Fähigkeiten besitzt - einen ungewöhnlichen Mordfall aufklären will. Die Art und Weise dieses Mordfalls hat mich sehr an Bücher wie "Die Flüsse von London" oder "Das Labyrinth von London" (resp. die Alex Verus Reihe) erinnert. Beide Bücher konnten mich nicht so richtig vom Hocker hauen und so erging es mir auch bei Witchmark, weshalb ich nun zur Überzeugung gelangt bin, dass magische Kriminalgeschichten wohl einfach nicht meins sind. Für Fans der beiden anderen Reihen - die es ja zum Glück zu genüge gibt! - kann ich aber Witchmark aber wärmstens empfehlen.

Neben dieser Kriminalgeschichte verbirgt sich andererseits noch mehr in Witchmark und zwar ein ziemlich komplexes Fantasy-Worldbuilding, bei dem ich bis zuletzt Mühe hatte, richtig zu verstehen, wie es funktioniert. Man wird von Anfang an mit Begriffen wie "Sekundäre" und "Sturmsänger" oder "Unsichtbare" konfrontiert, ohne so richtig zu wissen, was dahinter steckt. Und obwohl man insbesondere durch die Familienmitglieder von Miles und die Geschichte ihrer übernatürlichen Fähigkeiten nach und nach mehr über die Magie und ihre Hintergründe erfährt, hatte ich bis zum Schluss Mühe, das Gesamtbild zu sehen und alle Stränge zu einem logischen Ganzen zu verbinden. Ich weiss nicht, ob die Welt tatsächlich zu komplex ist oder ob es mir neben der Kriminalgeschichte einfach zu viel war, die ganzen magischen Hintergründe zu verstehen, aber irgendwie stand ich am Ende immer noch vor einer ganzen Reihe Fragezeichen.

Was mich im Buch sehr positiv überrascht hat, ist die (für mich) unerwartete LGBT+ Liebesbeziehung. Ich fand zwar die Entstehung der Beziehung etwas hastig, aber die Umsetzung der Gefühle und der Liebe der beiden gleichgeschlechtlichen Charaktere war äusserst authentisch umgesetzt und hat mich zu einem grossen Fan des Pairings werden lassen. Für diesen Aspekt gibt es von mir einen grossen Pluspunkt für das Buch.

Ansonsten verläuft der Plot eher ruhig und ist dadurch stellenweise etwas langatmig, endet dann aber in einem actiongeladenen Showdown, bei dem der Protagonist Miles eine ganz besondere Rolle übernimmt.

Fazit:
Witchmark ist eine Mischung aus einer magischen Kriminalgeschichte und einer komplexen Fantasywelt, die für mich leider nur schwer verständlich war. Ich bin vermutlich einfach nicht der Typ für diese Art von Büchern, kann es aber Fans von "Die Flüsse von London" oder "Das Labyrinth von London" weiterempfehlen. Das Buch war ganz okay, wird mir aber (bis auf die positiv hervorzuhebende LGBT+ Beziehung) vermutlich nicht so lange in Erinnerung bleiben, deshalb gibt es von mir 3,5 Sterne.