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Veröffentlicht am 06.12.2020

Leckere und einfache Rezepte

Deliciously Ella. Quick & Easy
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Der Name "Deliciously Ella" ist mir bereits vor vielen Jahren im Internet begegnet, als der Kochblog der Autorin in aller Munde war und ihre Rezepte regelrecht gefeiert wurden. Rückblickend würde ich ...

Der Name "Deliciously Ella" ist mir bereits vor vielen Jahren im Internet begegnet, als der Kochblog der Autorin in aller Munde war und ihre Rezepte regelrecht gefeiert wurden. Rückblickend würde ich behaupten, dass sie bereits vor dieser grossen "veganen Welle" ihre Rezepte auf ihrem Blog veröffentlicht hat, als man (zumindest hier in der Schweiz) noch nicht in jedem handelsüblichen Supermarkt Regale voller vegetarischer und veganer Ersatzprodukte gefunden hat und dafür noch in Reformhäuser einkaufen musste. Damals war ich noch weit entfernt von einem gesunden oder nachhaltigen Ernährungsstil und ich konnte noch gar nichts mit veganen Rezepten anfangen. Das hat sich in all den Jahren inzwischen glücklicherweise geändert, mittlerweile bin ich selbst Vegetarierin und versuche mich auch immer wieder an veganen Rezepten, auch wenn ich nie vollständig auf eine vegane Lebensweise umsteigen könnte (dafür liebe ich Käse einfach zu sehr! ;)). Und genau deshalb kam ihr neues Kochbuch gerade zum richtigen Zeitpunkt.

Ella beginnt ihr Buch mit ein paar hilfreichen Tipps zu veganen Produkten, für die ich sehr dankbar war. Oftmals schrecken mich bei veganen Kochbüchern die "exotischen" Zutaten ab, die man nur in kleinen Mengen benötigt und es (doch noch) nicht in meinem Supermarkt in der veganen Abteilung gibt. Das bedeutet dann meistens, dass ich vor der Entscheidung stehe, besagte Produkte einfach wegzulassen oder ich den Aufwand auf mich nehmen muss, mich in Reformhäusern auf die Suche nach den Zutaten zu machen, obwohl ich vielleicht nur einen halben Teelöffel davon benötige. Ella umgeht dieses Problem einfach, indem sie von Anfang an mitteilt, welche Produkte auch ganz einfach durch andere Produkte ersetzt werden können. Sie schreibt zum Beispiel beim "Kokosblütenzucker", dass dieser etwas teurer als normaler Zucker ist und auch nicht überall erhältlich ist und er deshalb auch ganz einfach durch braunen Zucker oder fein gemahlenen Rohrzucker ersetzt werden kann. Dafür hat die Autorin direkt zu Beginn schon einen grossen Pluspunkt bei mir für ihr Kochbuch eingeheimst, denn so etwas würde ich mir in anderen veganen Kochbüchern auch wünschen.

Nach einer persönlichen Einleitung von Ella zu ihrem Kochbuch und was sie mit dem Stichwort "Gesundheit" verbindet, folgen schliesslich die Kapitel mit den Rezepten, die wie folgt eingeteilt wurden: Zum Frühstück, Zum Anrichten (Dips & Dressings), Zum Lunch (10-15 Minuten und 20-30 Minuten), Auf Vorrat, Zum Dessert und Zum Wochenende. Die Kapitel werden jeweils mit längeren Vorworten der Autorin eingeleitet, die einerseits weitere Tipps zum Thema gesunde Ernährung und Nachhaltigkeit enthalten, andererseits auch psychologisch-philosophische Themen aufgreifen, die leider nicht so meins waren. Für Fans der Autorin sind die Texte vielleicht sehr interessant, für mich gehören diese Selbsthilfe-Ratschläge leider nicht unbedingt in ein Kochbuch - aber das ist sicher Geschmackssache. Die Aufmachung des Kochbuchs hat mir dagegen wieder sehr gut gefallen. Das Design ist sehr schlicht, aber modern und übersichtlich gehalten und wird mit schönen Food-Fotos ergänzt.

Wie immer habe ich mir einige Rezepte zum Nachkochen rausgesucht und bin überraschend schnell fündig geworden, denn viele der Mahlzeiten klangen nicht nur sehr vielversprechend und lecker, sondern lassen sich auch mit Zutaten aus meinem Supermarkt nachkochen, da Ella direkt Ersatzprodukte nennt, mit denen man die etwas "ausgefalleneren" veganen Zutaten austauschen kann. Letztendlich habe ich die "Tomaten-Knoblauch-Pasta", die "Schoko-Nussmus-Cookies", die "Schoko-Bananen-Muffins" und den "Coscous-Mandel-Salat" ausprobiert.

Die Zubereitungsschritte waren alle sehr verständlich beschrieben und leicht zu befolgen. Schwierigkeiten hatte ich eigentlich nur bei den Muffins, die man laut Ella nach Belieben mit Walnüssen bestreuen soll und die Muffins dann ca. 25 Minuten backen soll. Das Problem war aber, dass die Nüsse beim Backen schwarz geworden sind und die Muffinböden nach 25 Minuten noch nicht ganz fest waren, so dass sie eigentlich noch länger im Backofen hätten bleiben müssen, ich sie aber trotzdem schon rausnehmen musste, wenn ich die Walnüsse nicht völlig verkohlen lassen wollte. Das ist allerdings Jammern auf hohem Niveau, denn insgesamt haben alle vier Rezepte einfach wahnsinnig gut geschmeckt und mich sprichwörtlich von den Socken gehauen. Ich hätte ehrlich nicht erwartet, dass die Rezepte dem Hype gerecht werden, aber das tun sie absolut!

Die Autorin hat einen sehr sympathischen Eindruck bei mir hinterlassen und es wird ganz bestimmt nicht das letzte Mal gewesen sein, dass ich ein Rezept aus ihrem Kochbuch nachkochen werde. Ich würde sogar so weit gehen zu behaupten, dass es sich sogar lohnen würde, das Kochbuch als Print zu kaufen.

Fazit:
"Deliciously Ella" hat sich schon vor Jahren einen Namen in der veganen Kochblog-Branche gemacht und war mir deshalb schon lange ein Begriff. Jetzt bin ich endlich dazu gekommen eines ihrer berühmten veganen Kochbücher auszuprobieren und muss gestehen, dass die Rezepte in "Quick & Easy" dem Hype absolut gerecht werden. Die Rezepte sind nicht nur einfach nachzukochen, sondern schmecken unglaublich lecker. Von mir gibt es deshalb fünf Sterne und eine absolute Kaufempfehlung für dieses tolle Kochbuch. Es wird sicher nicht das letzte Mal gewesen sein, dass ich Mahlzeiten aus diesem Buch nachgekocht habe.

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Veröffentlicht am 06.12.2020

Wichtige Fragen rund um das Tabuthema "Tod"

99 Fragen an den Tod
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Dieses Buch hatte ich durch Zufall entdeckt und als ich den Klappentext gelesen habe, wusste ich, dass ich es lesen muss. Ausschlaggebend war der Umstand, dass ich selbst seit September mit Krebskranken ...

Dieses Buch hatte ich durch Zufall entdeckt und als ich den Klappentext gelesen habe, wusste ich, dass ich es lesen muss. Ausschlaggebend war der Umstand, dass ich selbst seit September mit Krebskranken zusammenarbeite und auch auf einer Palliativstation tätig bin, auf der das Thema Tod allgegenwärtig ist. Besonders angesprochen hat mich, dass das Buch von zwei Fachpersonen geschrieben wurde, die selbst auf einer Palliativstation resp. in einem Hospiz tätig sind und sie aufgrund ihrer Erfahrungen wissen, wovon sie sprechen.

Das Buch ist in acht Teile untergliedert, die sich mit den folgenden Themen auseinandersetzen: (1) Aus dem Blickwinkel der Sterbenden: Der Umgang mit der endgültigen Nachricht, (2) Aus dem Blickwinkel der Angehörigen: Der Umgang mit dem Wissen um den nahen Tod, (3) Grundsätzliches zur guten Begleitung am Lebensende, (4) Die Krankheit schreitet voran, und das Sterben wird sichtbarer - was hilfreich ist, (5) Die Sterbephase: Was geschieht und was hilfreich ist (6) Der Tod: Die Abläufe und was mit Verstorbenen passiert, (7) Trauer, (8) Hilfreiche Adressen.
Wie man bereits auf den ersten Blick erkennen kann, hat das Autorenduo damit alle wichtigen Phasen im Zusammenhang mit einer nicht heilbaren Erkrankung und dem Sterbeprozess in ihr Buch integriert. Die jeweiligen Unterkapitel in den entsprechenden Abschnitten sind jeweils als Fragen formuliert (wie es der Buchtitel bereits vermuten lässt) und dieses Stilmittel ist aus meiner Sicht eine sehr gute Wahl, da meine bisherigen Erfahrungen im Bereich der Psychoonkologie zeigen, dass die Diagnose Krebs (und damit vermutlich auch andere Diagnosen von unheilbaren Erkrankungen) viele Unsicherheiten und Fragen auslösen können. Das Beantworten von Fragen ist ein Weg, den Betroffenen ihre Unsicherheiten ein Stück weit nehmen zu können, das das Aneignen von Wissen und Informationen einem das Gefühl von Kontrolle (und damit auch Sicherheit) geben kann, das im Umgang mit dem Ungewissen helfen kann.

Viele der im Buch beantworteten Fragen waren mir bereits bekannt, weil ich in letzter Zeit einige Bücher zum Thema Krebs bzw. Psychoonkologie gelesen habe und darin natürlich auch die Themen Tod und Sterben behandelt wurden. Das ist für mich aber als Pluspunkt zu werten, denn es hat mir gezeigt, dass das Autorenduo - wie erwartet - einen grossen Erfahrungsschatz mit sich bringt und auf sehr verständliche Art und Weise ihr Fachwissen an Betroffene und ihre Angehörigen weitergeben können, um ihnen so ein Gefühl von Sicherheit zu vermitteln. Insgesamt hatte ich den Eindruck, dass keine Frage offen geblieben ist und die Autoren das Thema Tod sehr breit abgedeckt haben.

Weniger gut gefallen hat mir, dass ich mit zunehmender Seitenzahl den Eindruck gewonnen habe, dass nicht ganz klar wird, an wen sich das Buch als Adressat richtet. Während die ersten beiden Kapitel noch jeweils klar nach Betroffenen und Angehörigen gegliedert waren - was aus meiner Sicht absolut Sinn ergibt, da sich die Fragen sehr unterscheiden können - verliert sich dieses Schema im weiteren Verlauf leider etwas. Das fand ich etwas ungünstig, da ich das Gefühl hatte, es wurden plötzlich Fragen vermischt, die eher für Angehörige und andere, die eher für Betroffene gedacht waren. Ich hätte es rückblickend hilfreicher gefunden, wenn alle Fragen nach ihrer jeweiligen Zielgruppe geordnet worden wären.

Ein weiterer Kritikpunkt betrifft ein kleines Detail beim Beantworten der Fragen. Es kam leider sehr häufig vor, dass in einer Antwort ein wichtiges Thema angesprochen wurde, das für eine vollständige Erklärung notwendig gewesen wäre, es dann aber mit einem "darauf gehen wir genauer auf Frage XY ein" abgetan wurde. Das fand ich sehr ungünstig, denn wenn ich mitten im Absatz einer ausführlichen Antwort bin, blättere ich nicht einfach weiter, weil ich sonst komplett im Lesefluss gestört werde. Wenn so eine strikte Unterteilung nach Fragen gemacht wird, dann hätten die Autoren mindestens direkt in der nachfolgenden Frage darauf eingehen müssen. Das war aber leider nicht der Fall, so dass man vielleicht bei Frage 30 angekündigt bekommen hat, dass man in Frage 38 genauer auf ein Thema eingehen wird, dass auch für Frage 30 relevant gewesen wäre. Bis dahin hatte ich aber meistens schon wieder vergessen, was der Kern der Frage 30 gewesen ist. Die Reihenfolge der Fragen fand ich deshalb manchmal etwas ungünstig gewählt. Mich hätte es nicht gestört, wenn sich die Autoren hin und wieder wiederholt hätten und ihre Antworten teilweise redundant ausgefallen wären, denn es ist schliesslich nachvollziehbar, dass der Tod ein so komplexes Thema sein kann, dass es sich nicht mit einer simplen Antwort erklären lässt und viele Antworten ähnlich ausfallen können.

Fazit:
"99 Fragen an den Tod" beschäftigt sich genau mit dem, was der Titel ankündigt: Fragen, die sich rund um die Themen Tod und Sterben drehen. Das Buch dient als "Leitfaden für ein gutes Lebensende" und richtet sich sowohl an Betroffene, die die Diagnose einer unheilbaren Erkrankung erhalten haben, sowie auch deren Angehörige, die ihre:n Liebste:n vor und während dem Sterbeprozess begleiten. Das Buch wurde von zwei Fachpersonen geschrieben, die selbst in der Palliativmedizin und in einem Hospiz tätig sind und ihr Fachwissen und ihren Erfahrungsschatz auf sehr verständliche Weise weitergeben. Das Buch ist wirklich sehr gut recherchiert und deckt in meinen Augen die wichtigsten Bereiche rund um das Thema Tod ab. Schade fand ich nur, dass die Einteilung der Fragen etwas geschickter gewählt hätte werden können, denn leider wird nicht immer ganz klar, an wen sich die jeweiligen Fragen und Antworten nun richten sollen. Von mir gibt es deshalb 4 Sterne und eine Leseempfehlung für Betroffene und Angehörige, die sich mit dem Tod auseinandersetzen wollen oder müssen.

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Veröffentlicht am 06.12.2020

Das kann Fitzek definitiv besser!

Der Heimweg
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Sebastian Fitzek ist einer, wenn nicht DER erfolgreichste Thriller-Autor aus Deutschland und haut jedes Jahr zur selben Zeit ein neues Buch auf den Markt, das jedes Mal ganz oben auf den Bestseller-Listen ...

Sebastian Fitzek ist einer, wenn nicht DER erfolgreichste Thriller-Autor aus Deutschland und haut jedes Jahr zur selben Zeit ein neues Buch auf den Markt, das jedes Mal ganz oben auf den Bestseller-Listen landet und mit Begeisterungsstürmen überschwemmt wird. Ich selbst bin erst vor wenigen Jahren auf den Autor aufmerksam geworden und verbinde mit ihm eine Art Hass-Liebe. Ich mag seine anfänglichen Ideen und seinen packenden Schreibstil, bin aber fast jedes Mal von den Auflösungen seiner Bücher enttäuscht, so dass ich am Ende mit gemischten Gefühlen zurückbleibe. Und trotz meiner Kritik, bin ich doch jedes Mal auf Neue wieder neugierig, was sich Fitzek wohl für sein nächstes Buch ausgedacht hat, und muss es einfach lesen. Und genau das war auch bei "Der Heimweg" der Fall.

Fitzek fokussiert sich in jedem seiner Thriller auf ein anderes zentrales Thema. Und das ist etwas, dass ich ihm zugutehalten muss. In diesem Buch war es ein Begleittelefon, das vor allem für Frauen zur Verfügung steht, die nachts alleine nach Hause laufen müssen und sich durch den telefonischen Kontakt sicherer fühlen wollen. Im Buch ist das die Protagonistin Klara, die dadurch Jules als telefonischen Begleiter kennenlernt. Doch sehr bald stellt sich heraus, dass es Klara nicht nur um einen sicheren Heimweg geht, sondern sie kurz davor steht, einen Suizid begehen - und das bloss, weil sie unter Todesangst leidet. Jules steht deshalb vor der schwierigen Aufgabe, Klara von ihrem Vorhaben abzubringen, was sich allerdings via Telefon als eine Herausforderung herausstellt...

Obwohl die Idee anfangs noch vielversprechend war, hat mir in diesem Buch das erste Mal die Spannung gefehlt. Normalerweise kann ich Fitzeks Bücher kaum aus der Hand legen, denn die Kapitel sind immer sehr kurz und enden mit einer Art Cliffhanger, dass ich mir immer denke: "Ach, ein Kapitel mehr noch drin" und schwups, ist das Buch ausgelesen. Hier hat sich dieses Gefühl leider ausnahmsweise nicht eingestellt, was wohl daran lag, dass mich die Handlung nicht so richtig fesseln konnte. Normalerweise bin ich es gewohnt, dass es immer spannender wird, je näher ich an die Auflösung komme, da sich die einzelnen Handlungsstränge immer mehr zu einem grossen Ganzen zusammenfügen. Hier war es aber eher so, dass die Story für mich mit jedem Puzzleteilchen zunehmend verwirrender und unglaubwürdiger geworden ist. Ich habe irgendwie keinen Zugang zu den beiden Protagonisten gefunden und hatte auch Mühe, einen Überblick über die vielen Nebencharaktere zu behalten, die im Laufe der Geschichte auftauchen und irgendeine Rolle in diesem grossen Ganzen spielen. Normalerweise habe ich keine Schwierigkeiten Fitzeks Plots zu folgen, aber hier wollte der Funke leider überhaupt nicht überspringen.
Es war auch das erste Mal, dass mir nicht nur die Auflösung nicht gefallen hat, sondern mich die ganze Handlung als Ganzes nicht überzeugen konnte. Der "Aha-"Effekt am Ende ist vollständig ausgeblieben und irgendwie hat die ganze Story für mich keinen Sinn ergeben. Hinzu kommt, dass das Buch mit etlichen Szenen sexueller Gewalt gefüllt wird, die aus meiner Sicht nicht nur eine Triggerwarnung zu Beginn des Buches verlangt hätten, sondern leider auch für die eigentliche Story völlig unnötig gewesen sind.

Insgesamt lässt sich sagen, dass diesem Buch die typischen Zutaten fehlen, die Fitzeks Bücher sonst lesenswert machen. Das hier war für mich leider das enttäuschendste Buch, das ich bisher von dem Autor gelesen habe.

Positiv bleibt aber zum Abschluss zu erwähnen, dass Fitzek im Nachwort Bezug zur Kritik nimmt, dass seine Bücher zu unglaubwürdig und unrealistisch sein sollen. Und da bezieht er klar die Position, dass er auch gar nicht will, dass seine Bücher realistisch sind, weil die Realität an sich bereits grausam genug sein kann. Ich rechne es ihm hoch an, dass er zumindest dazu stehen kann, dass seine Bücher unrealistisch sind.

Fazit:
"Der Heimweg" ist natürlich für jeden Fitzek-Fan ein Muss. Der Autor befasst sich in seinem neusten Thriller mit dem Thema eines telefonischen Begleitdienstes, das Frauen zur Verfügung steht, die nachts alleine nach Hause laufen müssen. Dieses Mal wollte bei mir aber leider keine richtige Spannung aufkommen, was vielleicht daran lag, dass die Story bereits relativ früh mit jedem weiteren Puzzleteil zunehmend verwirrender geworden ist und bei mir viele Fragezeichen verursacht hat. Mich konnte der Bestseller-Autor dieses Mal leider nicht überzeugen, und für mich war es bisher sein enttäuschendstes Werk. Von mir gibt es deshalb dieses Mal nur 2 Sterne. Das kann Fitzek definitiv besser!

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Veröffentlicht am 14.11.2020

Gefühlvoll, aber auch vorhersehbar

All das Ungesagte zwischen uns
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CoHos Bücher sind für mich immer ein bisschen so wie Überraschungseier: Ich weiss nie so genau, welches Thema in ihrem nächsten Buch enthalten ist und bin dementsprechend immer sehr gespannt, was mich ...

CoHos Bücher sind für mich immer ein bisschen so wie Überraschungseier: Ich weiss nie so genau, welches Thema in ihrem nächsten Buch enthalten ist und bin dementsprechend immer sehr gespannt, was mich erwartet. Obwohl sie hauptsächlich im Young Adult und/oder New Adult Genre schreibt, liest sich keines ihrer Bücher, wie das andere. Und so war es auch hier wieder der Fall.

Fangen wir mit dem Positiven an: Wie immer ist es der Autorin gelungen, mich sehr schnell mit ihrem flüssigen, angenehmen und gefühlvollen Schreibstil einzufangen. Ich lese einfach unglaublich gerne CoHos Bücher, denn die Seiten fliegen nur so dahin und man kann sich von ihren Geschichten einfach berieseln lassen, ohne dass einen das Lesen Anstrengung kostet.

Das Buch wird aus zwei Perspektiven erzählt, einmal aus der Sicht von Morgan - die auf Mitte Dreissig zugeht - und einmal aus Sicht ihrer 16-jährigen Tochter Clara. Wie man unschwer an den Altersangaben erkennen kann, war Morgan selbst gerade mal im Alter von Clara, als sie Mutter geworden ist. Und seither ist sie mit dem Baby Daddy Chris zusammen, den sie später auch geheiratet hat. Als weitere Nebencharaktere bleiben noch Morgans Schwester Jenny und deren Jugendfreund Jonah zu erwähnen, den Jenny vor einigen Monaten wiedergetroffen hat und kurze Zeit später schwanger von ihm geworden ist.

Während die Geschichte so anfängt, als hätten wir es mit einer Bilderbuchfamilie zu tun, wird dieses Bild schon bald erschüttert. Nach einem tragischen Unfall müssen einige der Charaktere nicht nur mit dem Tod ihrer Geliebten umgehen, sondern auch schockierend feststellen, dass sie Jahre lang eine Lüge gelebt haben und nun vor einem Scherbenhaufen stehen, den die Verstorbenen hinterlassen haben.

Leider muss ich so ominös bleiben, um nicht zu viel von der Handlung vorweg zu nehmen, aber man muss trotzdem kein Sherlock Holmes sein, um herauszufinden, was passiert sein könnte - zumindest erging es mir beim Lesen so, dass mir relativ bald klar war, was Sache ist. Aber das ist auch gar nicht so schlimm, denn es geht nicht darum, dem Geheimnis auf die Spur zu kommen, sondern um zu beobachten, welche Folgen und Konsequenzen das alles nach sich zieht. Dabei steht vor allem die Mutter-Tochter-Beziehung im Fokus der Handlung, die auf eine harte Probe gestellt wird. Und der Grund dafür ist im Buchtitel enthalten: Die Entscheidung, vieles Ungesagt bleibenzulassen, führt zu Konflikten zwischen Morgan und Clara, die vermutlich viel eher geklärt hätten können, wenn die beiden ehrlich miteinander gewesen wäre.

Claras Perspektive liest sich wie ein klassischer und stellenweise schon sehr kitschiger Jugend-Liebesroman, was mir manchmal etwas too much war und ich irgendwie auch irritierend gefunden habe, wenn man bedenkt, dass zwei ihrer wichtigsten Bezugspersonen vor kurzem verstorben waren. Ich kann verstehen, dass sie Vieles überspielt, vor allem ihrer Mutter gegenüber, aber gerade in den Kapiteln, die aus Claras Sicht erzählt wurden, haben mir die Beschreibungen der stillen Momente gefehlt, in dem sie alleine gewesen ist und schlicht und ergreifend getrauert hat. Es kam mir fast vor, als hätten sie die Todesfälle absolut kaltgelassen und als hätte sie ihr Leben so weitergelebt wie vor dem Schicksalsschlag. Und das fand ich einfach unglaubwürdig. Das hätte man sicher ein bisschen realistischer beschreiben können, und stattdessen ein bisschen auf die kitschige Schiene verzichten können, die CoHo für Clara gewählt hat.

Morgans Perspektive hat mir schon besser gefallen und ehrlich gesagt hätte ich die ganze Geschichte am liebsten nur aus ihrer Perspektive gelesen, weil mir der zugrunde liegende moralische Konflikt, die vielen jahrelang unterdrückten Gefühle und insgesamt das Drama, das ihr Handlungsbogen geboten hat, viel besser gefallen hat. Claras Kapitel haben mich eher im Lesefluss gestört und ich war froh, wenn ich wieder zu Morgan zurückkehren und Einblick in ihre Gefühlswelt bekommen konnte.

Insgesamt enthält die ganze Geschichte zwar einiges an Drama und vor allem Morgans Szenen haben mir viele Gänsehautmomente beschert, aber gleichzeitig war das meiste auch sehr vorhersehbar und hat stellenweise ein bisschen konstruiert gewirkt. Die Grundidee hätte mir sehr gut gefallen, aber ich hatte den Eindruck, dass in diesem Buch nicht das ganze Herzblut von CoHo steckt und die Geschichte dadurch an vielen Stellen eher oberflächlich geblieben ist, obwohl nur alleine das moralische Dilemma viel Potenzial für mehr Tiefe geboten hätte. Das Buch hat auf mich ein bisschen lieblos gewirkt, so als hätte die Autorin unter Zeitdruck gestanden, als sie es geschrieben hat.

Fazit:
Für Fans von Colleen Hoover ist ihr neustes Buch natürlich ein Muss! Einmal mehr überrascht uns die Autorin mit einer dramatischen und stellenweise auch emotionalen Geschichte, die durch einen tragischen Unfall ausgelöst wird, durch den langjährig gehütete Geheimnisse ans Licht kommen. Das Buch wird abwechselnd aus Sicht einer Mutter und ihrer Tochter erzählt, wobei mir der Handlungsstrang der Tochter etwas zu kitschig war und ich lieber etwas mehr vom moralischen Dilemma ihrer erwachsenen Mutter gelesen hätte. Insgesamt kann die Autorin jedoch einmal mehr mit ihrem fesselnden und gefühlvollen Schreibstil überzeugen, wobei ich dieses Mal das Gefühl hatte, dass nicht ihr ganzes Herzblut in der Geschichte gesteckt hat und vieles etwas schnell abgehandelt wurde, das meiner Meinung nach Potenzial für mehr Tiefgang geboten hätte. Nichtsdestotrotz hat CoHo mir wieder ein paar kurzweilige Lesestunden beschert. Und da sie zu meinen Lieblingsautorinnen gehört, drücke ich ein Auge zu und runde meine Bewertung auf 4 Sterne auf.

  • Cover
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  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 24.10.2020

Ein interessanter Reihenauftakt

Die Göttinnen von Otera - Golden wie Blut
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Im Fokus der Geschichte steht die 16-jährige Deka, die aufgrund ihrer dunklen Haut inmitten der weissen nördlichen Bewohnern ihres Dorfes schon immer wusste, dass sie anders ist. Sehr bald stellt sich ...

Im Fokus der Geschichte steht die 16-jährige Deka, die aufgrund ihrer dunklen Haut inmitten der weissen nördlichen Bewohnern ihres Dorfes schon immer wusste, dass sie anders ist. Sehr bald stellt sich heraus, dass sie goldenes Blut in sich trägt und damit zu den Alaki gehört, die von den Menschen für Dämonen gehalten werden. Gemeinsam mit anderen Alaki wird sie zum Schutz des Kaisers als Kämpferin ausgebildet, um gegen die sogenannten Todesrufer zu kämpfen, unheimliche Wesen, die immer wieder Dörfer aufsuchen und Menschen töten oder verschleppen. Je länger sie dieser Aufgabe jedoch nachgeht, desto mehr muss Deka feststellen, dass hinter diesen Wesen eine andere Geschichte steckt, als sie erwartet hätte.

Das Buch enthält zwar einige typische Elemente des Young Adult Genres, kann aber trotzdem durch ein interessantes Worldbuilding überzeugen. Besonders die Hintergrundgeschichte der Alaki und ihrer besonderen Kräfte, sowie auch die unheimlichen Todesrufern waren etwas, das mich neugierig machen konnte und die Handlung des Buches trägt.
Der Schreibstil ist sehr einfach gehalten und die Autorin verliert sich in keinen unnötigen Details, dadurch ist auch das Worldbuilding sehr leicht verständlich und es gelingt einem leicht eine Übersicht zu behalten, wie die Welt funktioniert.

Der Schreibstil ist insgesamt eher Handlungsgetrieben und weniger auf die Charaktere fokussiert. Einerseits führt das zwar dazu, dass sich das Buch flüssig und leicht lesen lässt und es keine langatmigen Stellen gibt, andererseits fehlt es dadurch vor allem den Charakteren auch etwas an Tiefe. Ich hatte jedoch den Eindruck, dass das Buch eher eine jüngere Zielgruppe ansprechen soll (also Leser:innen zwischen 12 udn 14 Jahren), und dafür ist der Erzählstil durch seine Einfachheit sehr passend gewählt.

Deka als Protagonistin fand ich überzeugend und für ihre 16 Jahre altersentsprechend umgesetzt. Die restlichen Nebencharaktere bestehen hauptsächlich aus ihren neu gewonnen Freunden bei den Alaki, die ihr loyal zur Seite stehen, über die man aber bis auf ihre Namen kaum etwas erfährt. Die Liebesgeschichte verläuft eher subtil im Hintergrund, war aber dennoch vorauszusehen.

Die Handlung dieses ersten Bandes folgt einem klaren roten Faden, deren Spannung sich durch kleinere Enthüllungen (die für mich aber eher wenig überraschend kamen) immer mehr aufbaut und dann in einem sehr schnellen Endkampf abgerundet werden. Es bleiben eigentlich kaum offene Fragen, deshalb würde das Buch in meinen Augen auch als Einzelband funktionieren. Trotzdem bin ich neugierig, was sich die Autorin für die beiden Fortsetzungen dieser Trilogie ausdenken wird.

Fazit:
"Golden wie Blut" ist der Reihenauftakt und gleichzeitig auch das Debüt der Autorin Namina Forna zu ihrer "Die Göttinnen von Otera" Reihe. Das Buch ist eher für jüngere Leser:innen geschrieben und lässt sich durch seinen einfachen Schreibstil zügig lesen. Das Worldbuilding ist ebenfalls eher simpel und übersichtlich gehalten, konnte mich aber durch die zugrundeliegende Idee mit den Alaki und den Todesrufern als Wesensarten neugierig machen. Insgesamt ein solides Debüt, dessen Geschichte in sich abgeschlossen ist. Von mir gibt es für dieses Buch 4 Sterne und eine Leseempfehlung für jüngere Leser:innen.

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