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Veröffentlicht am 06.12.2024

Bietet wenig Neues, in einem Ton, den ich zu belehrend fand

Weibliche AD(H)S
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Ich war gespannt auf dieses Buch, da ich immer wieder gerne Fachliteratur zur psychischen Gesundheit lese – insbesondere in der Hoffnung, Titel zu finden, die ich meinen Patient:innen empfehlen kann. Frauen ...

Ich war gespannt auf dieses Buch, da ich immer wieder gerne Fachliteratur zur psychischen Gesundheit lese – insbesondere in der Hoffnung, Titel zu finden, die ich meinen Patient:innen empfehlen kann. Frauen werden in der Psychologie wie auch in der Medizin häufig vernachlässigt, da viele Diagnosekriterien und Behandlungsmethoden auf männlichen Stichproben basieren. Das gilt auch für AD(H)S. Daher war ich erfreut, dass sich eine Expertin diesem wichtigen Thema widmet und ein Buch speziell für Frauen geschrieben hat.

Die Autorin liefert einen umfassenden Überblick über AD(H)S, seine geschichtliche Entwicklung sowie die verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten. Mit zahlreichen Unterkapiteln deckt sie viele relevante Bereiche ab, was das Buch zu einem informativen Werk macht.

Leider hat mich schon früh der pauschalisierende Stil der Autorin gestört. Psychische Erkrankungen lassen sich schwer verallgemeinern, da Symptome individuell sehr unterschiedlich auftreten können. Dennoch hat die Autorin oft kategorisierende Formulierungen verwenden, wie etwa: „Frauen mit AD(H)S sind so und so und machen dies und jenes.“ Die Aussagen wirken dadurch, als wären sie allgemeingültig und auf jede Frau mit AD(H)S zutreffend. Dies verleiht dem Ton des Buches etwas Belehrendes und vermittelt das Gefühl, man werde in ein Schema gepresst, das nicht auf alle zutrifft. Eine differenziertere Sprache wie zum Beispiel „Frauen mit AD(H)S neigen häufig dazu, sich so zu verhalten“ hätte dem Buch gutgetan und professioneller gewirkt.
Hinzu kommt, dass die zahlreichen Beispiele, die die Autorin beschreibt, was Frauen mit AD(H)S ihrer Erfahrung nach alles tun, fühlen oder denken, sich am Ende fast wie ein Horoskop lesen: Wer lange genug sucht, findet sich zwangsläufig irgendwo wieder.

Weiter ist das Buch aus meiner Sicht inhaltlich nicht auf dem neuesten Stand der Forschung. Die Autorin erwähnt beispielsweise Ernährung als möglichen Einflussfaktor, obwohl neuere Studien keine wissenschaftlichen Belege dafür liefern. Gleichzeitig bleiben wichtige Themen wie Schwangerschafts- und Geburtskomplikationen als Risikofaktoren unerwähnt. Auch die mittlerweile veraltete Unterscheidung zwischen ADS und AD(H)S wird nicht kritisch reflektiert.

Ein weiterer Kritikpunkt ist der, dass die Autorin die Wirkung von Medikamenten bei AD(H)S als die einzig hochwirksame Behandlung hervorhebt. Auch wenn ich zustimme, dass Medikamente die einzige Massnahme sind, die nachweislich hirnorganische Ursachen des AD(H)S beeinflussen können, so sind auch psychotherapeutische Strategien sehr wirksam, um Betroffenen den Umgang mit Herausforderungen im Alltag zu erleichtern. Dies wird jedoch im Buch zu wenig betont. Stattdessen macht die Autorin zwischen den Zeilen den Vorwurf, Psychotherapeut:innen würden versuchen, AD(H)S "wegzutherapieren" und die Wirkung von Medikamenten verschweigen - was sie mit fehlenden Erfahrungen von Therapeut:innen in der Behandlung von AD(H)S begründet. Meine Erfahrung zeigt hingegen, dass viele Betroffene Medikamente ablehnen, sodass es durch Psychotherapie oder Coaching hilfreich sein kann, Strategien für den funktionalen Umgang mit Symptomen zu erlernen.
Den ärztlichen Hintergrund macht sich auch in anderen Kapiteln bemerkbar, als die Autorin zum Beispiel Angststörungen beschreibt. Hier erwähnt sie zwar, dass Verhaltenstherapie das Mittel erster Wahl ist und sehr wirksam ist, sie erwähnt jedoch in einem Nebensatz, dass Panikattacken nur mit Notfallmedikamenten behandelt werden können, was faktisch einfach falsch und häufig sogar kontraproduktiv für den Behandlungserfolg der Ängste ist.

Aus ethisch-moralischer Sicht haben mich auch weitere Aussagen gestört. So schreibt die Autorin, dass sie oft Hochbegabungen bei AD(H)S-Betroffenen diagnostiziert, den Betroffenen dies jedoch nicht mitteilt, wenn sie Schulabbrüche oder gescheiterte Ausbildungen hinter sich haben, da sie sich dadurch schlechter fühlen könnten. Das finde ich hochgradig unprofessionell. Wenn man eine Diagnose stellt, ist es aus ethischer Sicht problematisch, das Ergebnis nicht mitzuteilen. Alles andere kommt einem Belügen der Patient:innen gleich und entspricht nicht einer humanistischen Grundhaltung, die Ehrlichkeit und Transparenz hervorhebt.

Auch beim Unterkapitel zu PTSD hatte ich grosse Mühe. Die Autorin verwechselt Korrelation mit Kausalität und behauptet, der Zusammenhang zwischen PTSD und AD(H)S liesse sich damit erklären, dass Frauen mit AD(H)S naiver und risikobereiter seien. Diese Formulierung ist nicht nur falsch, sondern stigmatisierend und grenzt an Victim-Blaming – als ob es die Schuld der Betroffenen sei, häufiger Opfer sexueller Gewalt zu werden.

Neben diesen Kritikpunkten, die sich vor allem auf problematische Formulierungen fokussieren, war ich am Ende aber auch inhaltlich enttäuscht. Das Buch richtet sich speziell an weibliche Personen, am Ende kommen die speziell weiblichen Aspekte für mich im Buch aber viel zu kurz. Irgendwann geht Neuy zwar auf biologisch weibliche Aspekte wie den Zyklus, die Wechseljahre oder die Sexualität ein, diese Beschreibungen lasen sich für mich aber allgemeingültig für das weibliche Geschlecht und haben für mich nicht speziell etwas mit einem AD(H)S zu tun. Ja, es gibt Frauen, die hormonelle Schwankungen erleben, was sich wiederum auf die Stimmung auswirken kann. Ja, es gibt Frauen, deren Sexualität sich nach einer Geburt und mit Kleinkindern aufgrund der fehlenden Zeit verändert, was zwangsläufig Auswirkungen auf die Partnerschaft hat. Aber all dies hat für mich nicht speziell mit einem AD(H)S zu tun, sondern eher mit dem Frausein an sich.
Am Ende werden auch Strategien im Umgang mit gewissen Schwierigkeiten beschrieben, die jedoch altbewährt und bereits aus anderen Fachbüchern bekannt sind, und somit nicht speziell für Frauen formuliert wurden.

Was mir jedoch gut gefallen hat, ist, dass die Autorin sehr oft die positiven Seiten eines AD(H)S aufzeigt, und welche Stärken es mit sich bringt, statt sich nur auf die Defizite zu fokussieren.

Fazit:
Das Buch bietet wenig neue Erkenntnisse, ist inhaltlich teils veraltet und enthält fragwürdige Haltungen sowie Formulierungen. Ich kann es meinen Patient:innen nicht guten Gewissens weiterempfehlen und ziehe andere Fachliteratur zu AD(H)S bei Erwachsenen vor – selbst wenn diese nicht speziell Frauen anspricht. Deshalb vergebe ich enttäuschte 2 Sterne.

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Veröffentlicht am 27.10.2024

Eine Erzählung, die ihrer Zeit voraus war

Ex-Wife
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Die Geschichte beginnt damit, dass die Protagonistin Patricia zu Beginn des Buches von ihrem Ehemann verlassen wird, was ihr Leben von einem Tag auf den anderen auf den Kopf stellt. Als nun alleinstehende ...

Die Geschichte beginnt damit, dass die Protagonistin Patricia zu Beginn des Buches von ihrem Ehemann verlassen wird, was ihr Leben von einem Tag auf den anderen auf den Kopf stellt. Als nun alleinstehende Frau muss sie sich in der Gesellschaft neu zurechtfinden. Erst nach und nach werden die Ereignisse enthüllt, die sich in der Ehe von Patricia und ihrem Mann zugetragen haben und schliesslich vermutlich zum Bruch geführt haben. Von Untreue bis zur Fehlgeburt ist alles dabei.

Das Buch bietet keine reisserische Story, sondern eher ruhige, lebensechte Szenen. Dabei fand ich es erstaunlich, mir immer wieder in Erinnerung zu rufen, dass das Buch vor fast einem Jahrhundert geschrieben wurde – denn lustiger- oder traurigerweise könnte die Erzählung genauso gut aus der heutigen Zeit stammen, was einige der Stigmata und Rollenbilder angeht. Patricia ist für die damalige Zeit eine erstaunlich selbständige, emanzipierte Frau, die aus meiner Sicht auch aus dem 21. Jahrhundert stammen könnte. Sie ist beruflich erfolgreich und geht immer wieder unverbindliche Männergeschichten ein – etwas, von dem ich angenommen hätte, dass es in den 1930er-Jahren verpönter gewesen wäre. Die Autorin wirkte mit ihrer Erzählung ihrer Zeit voraus, was ich äusserst beeindruckend finde.

Zur Handlung selbst kann ich gar nicht so viel sagen, denn ehrlicherweise ist nicht allzu viel in meiner Erinnerung haften geblieben. Und dennoch habe ich das Hörbuch als sehr kurzweilig empfunden und Patricias Erlebnissen gerne zugehört. Für die heutige Zeit mag das Buch nichts Besonderes sein, aber wenn man bedenkt, dass Ex-Wife bereits 1929 erschienen ist, dann hat die Autorin mit Patricia eine sehr eindrückliche, starke junge Frau geschaffen, die als Vorbild für andere Frauen in der damaligen Zeit dienen konnte.

Die einzigen Momente, in denen ich wirklich das Alter des Buches bemerkt habe, waren jene, in denen immer wieder betont wurde, wie alt die Protagonistin mit ihren 24 Jahren doch sei – scheinbar galt man damals in diesem Alter schon fast als Frau mittleren Alters, was ich aus heutiger Sicht fast schon amüsant fand.

Die Sprecherin hatte eine angenehme Erzählweise, doch eine jüngere Stimme hätte besser zum Inhalt und zur Protagonistin des Hörbuchs gepasst. Dies hätte besonders hervorgehoben, wie jung Patricia eigentlich ist und welche Auswirkungen die Trennung auf ihre damalige Lebenssituation hatte.

Fazit:
Das Hörbuch bietet eine ruhige, lebensnahe Erzählung einer erstaunlich emanzipierten Frau, die sich nach ihrer Trennung in einer konservativen Gesellschaft zurechtfinden muss. Obwohl die Geschichte 1929 verfasst wurde, wirkt sie überraschend zeitgemäss und zeigt eindrucksvoll, wie stark und unabhängig die Protagonistin Patricia ist. Auch wenn das Buch heute weniger spektakulär erscheint, war es damals seiner Zeit voraus. Die Sprecherin überzeugt, doch eine jüngere Stimme hätte den jugendlichen Charakter der Hauptfigur besser zur Geltung gebracht. Von mir gibt es 4 Sterne, denn für 5 hat mir noch das gewisse Etwas gefehlt.

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Veröffentlicht am 30.09.2024

Konnte mich nicht überzeugen

Between My Worlds
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Der Inhalt des Buches lässt sich mit nur einem Satz zusammenfassen: Die Protagonistin Kalima reist nach Island, lernt dort Nói kennen und die beiden verlieben sich ineinander, was allerdings keiner der ...

Der Inhalt des Buches lässt sich mit nur einem Satz zusammenfassen: Die Protagonistin Kalima reist nach Island, lernt dort Nói kennen und die beiden verlieben sich ineinander, was allerdings keiner der beiden wirklich zugeben will. Und das war's. Mehr passiert nicht.
Und dadurch könnt ihr vielleicht bereits erahnen, dass sich bei mir relativ schnell beim Zuhören ein Desinteresse eingestellt hat, weil es diesem Buch an einem Plot fehlt. Und ein "Will they - won't they" reicht für mich einfach nicht (mehr) aus, um mich bei der Stange zu halten, vor allem, wenn es - wie in diesem Buch hier - keine wirkliche Begründung dafür gibt, weshalb die Charaktere ihre Gefühle voreinander verbergen. Es hat den Anschein erweckt, dass dies allein deshalb der Fall war, damit die Autorin ein ganzes Buch füllen konnte.

Es handelt sich um einen Debütroman, und leider merkt man das dem Schreibstil an. Ich habe normalerweise nichts gegen die Ich-Perspektive im Präsens, aber hier hat diese Erzählperspektive einfach nicht funktioniert. Besonders Limas Kapitel haben mich nicht überzeugt. Der Erzählstil wirkte unglaublich aufgesetzt und die Sätze wirkten stellenweise so, als wären einfache Formulierungen mehrfach durch den Thesaurus gejagt worden, was sich beim Lesen befremdlich angefühlt hat. Limas innerer Monolog erinnerte eher an ein modernes Shakespeare-Stück, als einen Contemporary Romance Roman. Das wäre weniger störend gewesen, wenn sich Hallak für eine auktoriale Erzählperspektive entschieden hätte, aber für die Ich-Perspektive einer jungen Frau in den 20ern wirkten die Gedankengänge einfach nicht authentisch.

Da das Buch keinen wirklichen Plot hat, besteht die Handlung hauptsächlich aus Aufeinandertreffen der beiden Protagonist:innen und sehr dialoglastigen Szenen, die oftmals jedoch so belanglos waren, dass ich mich zum Weiterhören zwingen musste. Ich bin allerdings grundsätzlich kein Fan von Büchern oder Filmen, die rein charakterbasiert sind, wie es hier der Fall ist.
Die Dialoge habe ich oft als unfreiwillig komisch empfunden, besonders wenn Ausdrücke wie "cringe" oder "Chill mal" eingebaut wurden. Das passte nicht zu Limas gekünstelten inneren Monologen und hat eher so gewirkt, als hätte man im Nachhinein versucht, noch einige altersentsprechende Äusserungen einzufügen.

Leider haben mich auch die Figuren nicht überzeugt. Einerseits fand ich es schön, dass die Autorin ihre Erfahrungen mit (Alltags-)Rassismus eingeflochten hat, diese Passagen waren berührend. Andererseits ging mir Lima zunehmend auf die Nerven. Ich bin kein Fan von schwachen Charakteren, die ständig jammern und sich in der Opferposition sehen. Und genauso hat die Protagonistin zunehmend auf mich gewirkt. Sie musste immer wieder vom männlichen Protagonisten gerettet werden, was sie eher bemitleidenswert als bewundernswert erscheinen lässt. Nói hingegen verdient Respekt für seine Engelsgeduld mit Lima, die ihn oft an seine Grenzen bringt.
Die Liebesgeschichte war niedlich, aber vorhersehbar und wirkte konstruiert. Man wusste von Anfang an, wie es ausgeht, und es bot kaum genug Stoff, um ein Buch zu füllen – umso erstaunlicher, dass die Autorin daraus gleich eine ganze Reihe macht.

Island als Kulisse hat mir gefallen, wohl auch, weil das Land ganz oben auf meiner Reise-Wunschliste steht. Allerdings merkt man, dass die Autorin nicht selbst von Island stammt, sondern Deutsche ist. Manche Beschreibungen wirkten wie "Fun Facts", die aus Wikipedia-Artikeln übernommen wurden, zum Beispiel wenn sich die beiden Protagonst:innen in einer Szene darüber unterhalten, dass es in Island keine Mücken gibt.

Die beiden Sprecher:innen haben ihre Arbeit gut gemacht, und durch die unterschiedliche Besetzung für Nói und Lima konnte man den Perspektivenwechsel gut folgen.

Fazit:
Das Buch konnte mich leider nicht überzeugen. Die Handlung war vorhersehbar und bot kaum genug Stoff, um ein ganzes Buch zu füllen. Limas ständige Opferrolle und die aufgesetzte Sprache haben es mir schwierig gemacht, eine Verbindung zu den Charakteren aufzubauen. Trotz der berührenden Passagen zu (Alltags-)Rassismus und der schönen Kulisse Islands wirkte vieles unauthentisch und konstruiert. Von mir gibt es 2 Sterne und die Fortsetzung werde ich nicht mehr lesen.

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Veröffentlicht am 26.07.2023

Für mich eine unnötige Fortsetzung

Ari und Dante 2: Aristoteles und Dante springen in den Strudel des Lebens
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In diesem zweiten Band geht die Erzählung rund um Aristoteles und Dante weiter. Nachdem Aristoteles am Ende des ersten Bandes (gefühlt als letzter in seiner Familie) entdeckt hat, dass er homosexuell ist ...

In diesem zweiten Band geht die Erzählung rund um Aristoteles und Dante weiter. Nachdem Aristoteles am Ende des ersten Bandes (gefühlt als letzter in seiner Familie) entdeckt hat, dass er homosexuell ist und Gefühle für seinen besten Freund Dante hat, sind beide in diesem zweiten Band ein Paar. Doch obschon der Titel vermuten lässt, dass es um die Beziehung der beiden gehen wird (immerhin heisst die Reihe Aristoteles UND Dante), nimmt hauptsächlich Aristoteles und sein Leben den Hauptfokus dieser Fortsetzung ein, was ich sehr schade fand.
Zwar teilen Aristoteles und Dante zu Beginn einen romantischen Moment, aber dann hatte ich das Gefühl, dass Dante fast gänzlich im Hintergrund verschwindet und die Handlung sich viel mehr mit Aristoteles und seiner Familie beschäftigt. Zum einen gibt es eine Begegnung mit Aris Bruder, der aufgrund eines Hassverbrechens im Gefängnis sitzt und zum anderen erlebt Aristoteles einen überraschenden und schweren Verlust in seiner Familie, mit dem er schwer zu kämpfen hat.

Neben diesen beiden Ereignissen konnte mich die Erzählung aber nicht richtig packen und ich hatte den Eindruck, dass die Handlung stellenweise nichtssagend vor sich hin plätschert. Einige lieben die Bücher aufgrund des Schreibstils des Autors, der mit Metaphern und philosophischen Floskeln um sich wirft. Für mich war das aber leider oftmals bloss nichtssagendes Geschwafel, das der Geschichte nicht wirklich Tiefe verleiht und mit dem ich dementsprechend wenig anfangen konnte.

Das zentrale Element des Buches ist definitiv das Erwachsenwerden von Aristoteles und vielen Fragen, die damit einhergehen. Damit lernt man ihn etwas besser kennen, wobei die restlichen Charaktere daneben blass bleiben.
Was mich bei der Charakterisierung von Aristoteles (und auch Dante) gestört hat, war der Umstand, dass die beiden und ihr Verhalten so beschrieben wird, dass ich den Eindruck hatte, beide wären erst 13 Jahre alt und nicht bereits Teenager, die bald ins junge Erwachsenenalter übertreten. Aristoteles wirkt unglaublich naiv und stellt Fragen, die ich als sehr kindlich empfunden habe und für mich einfach nicht authentisch für einen Teenager gewirkt haben. Die Geschichte hätte vermutlich besser funktioniert, wenn die beiden Hauptcharaktere jünger gewesen wären.

Fazit:
Alles in allem hatte diese Fortsetzung nichts, bei dem ich sagen könnte: Dieser zweite Band hat die Welt gebraucht - im Gegenteil. Es gibt inzwischen so viele queere YA Romane, dass dieses Buch hier leider kaum unter der Masse hervorsticht. Für mich ist es eine unnötige Fortsetzung, die man nicht gelesen haben muss, da der erste Band der Reihe in sich abgeschlossen ist. 2 enttäuschte Sterne gibt es von mir.

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Veröffentlicht am 02.07.2023

Grenzt schon an ein Plagiat der Hunger Games Trilogie...

Gameshow – Der Preis der Gier
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Fangen wir zunächst mit dem Positiven an und das ist das absolut atemberaubende Cover, das sofort meine Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat und ein wahrer Blickfang ist. Es sieht wahnsinnig hochwertig ...

Fangen wir zunächst mit dem Positiven an und das ist das absolut atemberaubende Cover, das sofort meine Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat und ein wahrer Blickfang ist. Es sieht wahnsinnig hochwertig aus und hat mich direkt neugierig auf den Inhalt des Buches gemacht.

Und mit dem Stichwort "Inhalt" wären wir auch schon bei den Kritikpunkten, denn der Inhalt konnte mich bedauerlicherweise überhaupt nicht überzeugen. Und das lag in erster Linie daran, dass ich beim Lesen richtiggehend schockiert war, wie dreist die Autorin hier eigentlich wohl die berühmteste Dystopie des letzten Jahrzehnts kopiert hat: Die Hunger Games.
Vielleicht wäre ich weniger überrascht gewesen, wenn ich mir die Inhaltsangabe vor dem Lesen angesehen hätte, aber der Einstieg in Gameshow ist bei mir wirklich sauer aufgestossen, weil ich den Eindruck hatte, ich wäre wieder in Panem gelandet. Und dabei will ich dem Buch nicht mal vorhalten, dass es Ähnlichkeiten mit der berühmten Bestseller-Trilogie gibt, denn es gab in den letzten Jahren einige Bücher aus dem Dystopie-Genre, die sich offensichtlich durch das berühmte Werk haben inspirieren lassen. Aber was hier teilweise 1:1 kopiert wurde, ist an Dreistigkeit wohl nicht zu überbieten: Angefangen bei dem Plot, der wirklich absolut gar keine Innovation aufweist, denn es geht darum, dass unsere jugendliche Protagonistin unfreiwillig als Teilnehmerinnen einer Gameshow teilnehmen muss, bei der es um Leben oder Tod geht. Na, klingelt da was? Dabei hat die Autorin zu allem Übel noch die gleichen Begriffe wie Suzanne Collins verwendet, wie etwa Gameshow vs. Hunger Games oder Die Protagonistin Cass vs. Ka(tni)ss, um nur zwei Beispiele zu nennen.
Die Games spielen natürlich in einer Arena, auf die sich die Spieler:innen vorbereiten können, sich Teams bilden und man mit Sympathiepunkte höhere Wetteinsätze gewinnen kann. Also exakt so, wie die Hunger Games ablaufen. Und natürlich gibt es auch Distrikte - äh Entschuldigung - ich meine natürlich gesellschaftliche Einteilungen nach Farben, denen die jeweiligen Bewohner New Londons angehören.
Ich kann mir beim besten Willen nicht erklären, wie so ein dreister Abklatsch es geschafft hat, einen Verlag zu finden? Das Buch kann eigentlich fast schon als Plagiat bezeichnet werden, was mich unfassbar enttäuscht - und, wie man der Rezension anmerkt, auch wütend gemacht hat.

Ich habe das Buch auch bloss zu Ende gelesen, weil ich es auf Spotify als Hörbuch gefunden und es so nebenbei hören konnte. Und ich wollte meine Meinung nicht vorschnell bilden und bis zum Ende durchhalten, um meiner Bewertung mehr Gewicht geben zu können.
Bedauerlicherweise hat sich mein Standpunkt mit fortlaufender Geschichte jedoch nicht verbessert, sondern durch die Häufung an Kritikpunkten eher noch verschlechtert.
Abgesehen von der geklauten Idee, konnte nämlich auch das Worldbuilding überhaupt nicht überzeugen. Im Gegensatz zu Panem, habe ich bis zum Schluss nicht begriffen, wie diese Welt in New London genau funktioniert, und die Autorin macht sich auch keine Mühe, irgendwelche Erklärungen zu liefern. Ausserdem hatte ich zu keinem Zeitpunkt den Eindruck, dass wir uns im Jahr 2126 befinden, denn die Techniken aus dem Buch haben eher wie aus der aktuellen Gegenwart gewirkt.
Auch die Charaktere konnten mich überhaupt nicht überzeugen, neben unserer langweiligen Protagonistin Katniss - äh sorry - ich meine Cass, die eigentlich gar keinen aktiven Part in der Handlung übernimmt, sondern von allen Nebencharakteren durch die Handlung geführt und in die richtige Richtung gewiesen werden muss, blieben die ganzen Nebencharaktere absolut blass und gesichtslos. Selbst Cass' Insta Love Interest Jax scheint keinerlei Persönlichkeit zu besitzen, ausser, dass er halt ein Love Interest ist. Charaktertiefe, Stärken, Schwächen oder irgendwelche Eigenheiten, die den Personen Wiedererkennungswert geben, sucht man hier vergeblich.
Der Schreibstil ist sehr simpel gehalten und leider bleibt die Story absolut spannungsarm. Im Mittelteil befindet sich unsere Protagonistin Cass sehr lange Zeit im Camp der No Clans und während dieser Zeit passiert eigentlich rein gar nichts, bis dann endlich das langersehnte (Hunger) Game losgeht, das jedoch wenig überraschend hinter den Erwartungen zurückbleibt, und weder Action, noch Spannung bereithält.
Man kann also abschliessend festhalten, dass mich der Inhalt auf ganzer Linie enttäuscht hat.

Fazit:
Alles in allem ist dieses Buch wohl mein Flop des Jahres und ich kann nur jedem empfehlen, statt dieses Buches die Hunger Games Trilogie zu lesen - nicht nur, dass der Plot der gleiche ist, er ist noch dazu viel besser ausgearbeitet und übertrifft Game Show in allen Aspekten. Von mir gibt es deshalb nur einen enttäuschten Stern.

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