Cover-Bild Tschudi
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24,00
inkl. MwSt
  • Verlag: Rowohlt
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: allgemein und literarisch
  • Genre: Romane & Erzählungen / Sonstige Romane & Erzählungen
  • Seitenzahl: 320
  • Ersterscheinung: 10.03.2020
  • ISBN: 9783498001377
Mariam Kühsel-Hussaini

Tschudi

1896. Berlin. Die Nationalgalerie Deutschlands erwirbt und zeigt als erstes Museum der Welt die Pariser Moderne: Manet, Monet, Renoir, Rodin. Ein Mann unternimmt das Wagnis, Hugo von Tschudi.
Gegen den deutschen Kaiser, gegen die konservativen Fraktionen in der Gesellschaft, gegen alles, was ihn aufhalten will. Ein Augenblick nur, doch die ganze Welt liegt vor einem ausgebreitet und Berlin wird die Welt. Vom Stadtschloss aus blickt Wilhelm II. voll Hass auf diesen neuen Direktor der Nationalgalerie, auf die bunten Flecken der neuen Bilder der Impressionisten und auf die Franzosen, Hass, der noch wachsen wird, befeuert vom Lieblingsmaler des Kaisers, Anton von Werner.
Um die Ecke am Pariser Platz wohnt Max Liebermann, der zu Tschudi hält. Der große Künstler Berlins, Menzel, schattiert sein eigenes Universum scheinbar jenseits der Kunstfronten und ist doch ihr heimliches Geheimnis.
Großindustrielle, Geldgeber, Politiker, Schnürsenkelverkäufer - Tschudi immer inmitten, Tschudi, der sehr groß gewachsene Mann mit der Wolfskrankheit, die sich immer weiter in sein Gesicht beißt, läuft unaufhaltbar und unübersehbar durch die Straßen, die Salons und das Geflüster einer erwachenden Stadt und seine dunklen Augen brennen aus der für ihn angefertigten Gesichtsmaske hervor, die fortan gestreichelt wird von einer spanischen Adligen.
Eine wahre Geschichte, jeden Traum wert, jede Farbe und jedes Licht . . .

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Lesejury-Facts

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 10.07.2020

Phantastisch!

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Mariam Kühlse-Hussaini und Tschudi waren für mich eine absolute Entdeckung und Lesegenuss pur.

Tschudi basiert auf der realen Figur des Hugo von Tschudi, welcher um die Jahrhundertwende (1896 - 1909) ...

Mariam Kühlse-Hussaini und Tschudi waren für mich eine absolute Entdeckung und Lesegenuss pur.

Tschudi basiert auf der realen Figur des Hugo von Tschudi, welcher um die Jahrhundertwende (1896 - 1909) die Nationalgalerie leitet. Es ist eine Zeit des Umbruchs, die Moderne klopft mit den Impressionisten an die Tür und Tschudi kennt und schätzt sie alle, nicht so wie Kaiser Wilhelm. Er holt die Impressionisten mit einer Ausstellung nach Berlin und löst damit einen Skandal aus.

Tschudi lädt ein auf eine Reise in die Kunst und der Künstler und ihren Weg in die Moderne. Sie lädt aber auch ein, mit dem sensiblen und durch einen Lupus schwer gezeichneten Hugo von Tschudi Bekannschaft zu schließen. Und noch eine Einladung gibt es mit diesem Buch, die Einladung die eigene Haltung gegenüber neuem und noch unbekanntem zu reflektieren und zu hinterfragen.

Also Zeit nehmen und auf eine Zeitreise begeben!

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Veröffentlicht am 16.04.2020

Wunderbar!

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Eine sehr interessante und gut recherchierte Geschichte, die sich sprachlich auf aller höchstem Niveau befindet. Ein wunderbares Buch!

Eine sehr interessante und gut recherchierte Geschichte, die sich sprachlich auf aller höchstem Niveau befindet. Ein wunderbares Buch!

Veröffentlicht am 09.03.2020

Der Mann mit der Maske

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Berlin 1896: Hugo von Tschudi, der neue Direktor der Nationalgalerie, eröffnet eine Sonderausstellung und bringt den Impressionismus nach Berlin. Er hat mit der Unterstützung von Max Liebermann in Paris ...

Berlin 1896: Hugo von Tschudi, der neue Direktor der Nationalgalerie, eröffnet eine Sonderausstellung und bringt den Impressionismus nach Berlin. Er hat mit der Unterstützung von Max Liebermann in Paris in die Zukunft investiert und Gemälde und Plastiken von Degas, Rodin, Manet, Cezanne, Monet u.v.a. gekauft. Die Ausstellung ist ein Erfolg, sie spaltet die künstlerisch „Blinden“ von den „Sehenden“, wie Tschudi sich ausdrückt. Man liebt oder hasst sie und damit gleichsam auch ihn, aber auf jeden Fall ist er in aller Munde. „Sie sind die Art Mann, die seine Feinde gar nicht mehr berühren muss, um sie zu töten.“ (S. 19)
Doch man starrt nicht nur die Bilder an, sondern auch ihn, den Direktor, weil sein Gesicht von der Wolfskrankheit (Lupus) gezeichnet ist. E trägt oft Halbmasken, um wenigstens die schlimmsten Wunden zu verstecken.

„Tschudi“ ist das Portrait eines Mannes, der für die Kunst und gegen seine Krankheit kämpft. Er ringt stets um Anerkennung – die der Bilder und ihrer Schöpfer – und darum, selbst erkannt und (an)gesehen zu werden, dass man ihm ins Gesicht schaut ohne abgestoßen zu sein.
Immer wieder erklärt er dem Kaiser, Kritikern und interessierten Besuchern, dass die modernen Gemälde nicht mehr die Gegenwart projizieren. Im Vordergrund stehen nicht der Inhalt, sondern die Farben und das Licht, welche darauf eingefangen werden. Aber Berlin scheint noch nicht bereit zu sein für die Moderne. Seine Gegner sammeln sich. Auch Wilhelm der II. ist entsetzt – warum werden im Deutschen Nationalmuseum keine deutschen, sondern Bilder jüdische Ausländer gezeigt?! Nationalistische, rassistische und antisemitische Parolen werden laut. Die Emotionen kochen hoch.

Doch nicht nur seine Gegner, auch seine Krankheit behindert ihn. Nicht alle können sich verstellen, er sieht ihnen den Ekel und die Angst an – das kränkt und ärgert ihn. Denn Lupus ist nicht ansteckend (im Gegensatz zur Syphilis, die in Berlin grassiert), aber er ist schmerzhaft und wird ihn irgendwann umbringen. „Ich bin kein Mensch, der krank ist – ich bin ein Kranker, der ein Mensch ist.“ (S. 73)
Die Auswirkungen des Lupus werden sehr detailliert beschrieben und haben selbst mich, die ich diese Krankheit leider nur zu gut kenne, immer wieder erschreckt. Ich kann also sowohl Tschudi als auch seine Gegenüber sehr gut verstehen und mich in sie einfühlen.

Mariam Kühsel-Hussaini schreibt sehr literarisch, manchmal etwas sperrig. Ich musste viel nachschlagen, weil es nur kurz angedeutet oder erwähnt wird. Sie beschreibt Treffen mit Freunden, anderen Kunstinteressenten, Berühmtheiten, Gedankenfetzen und Episoden. Dadurch erinnerte mich die Handlung oft an Tagebucheinträge. Trotzdem ist das Buch sehr spannend (und leider auch sehr schnell ausgelesen). Man bekommt einen guten Einblick in die damalige Kunst Welt, wie sie funktioniert, wer dazugehört – eine umfangreiche Milieustudie.

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Veröffentlicht am 04.08.2025

Der Einzug der Impressionisten in Berlin

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In ihrem Roman versammelt Miriam Kühsel-Hussaini allerlei Künstler und Kunsthintergrundwissen um den Direktor der Deutschen Nationalgalerie Berlin in den Jahren um 1900. Die Erzählung setzt kurz nach dem ...

In ihrem Roman versammelt Miriam Kühsel-Hussaini allerlei Künstler und Kunsthintergrundwissen um den Direktor der Deutschen Nationalgalerie Berlin in den Jahren um 1900. Die Erzählung setzt kurz nach dem Amtsantritt des schweizerischen Adligen in Berlin ein und endet mit dessen Tod. So erfährt die Leserin viel über die Kontroversen in Deutschland um die Jahrhundertwende bezogen auf die damals sehr modernen aber auch ungewohnten impressionistischen Bilder der - vor allem - Franzosen. Bilder von Franzosen in der Deutschen Nationalgalerie passten nicht jedem und so ist dieser Konflikt über das gesamte Buch hinweg Thema.

Leider bleibt der Charakter des Hugo von Tschudi, Namensgeber des Romans, sehr blass im vergleich zu den farbenfrohen Beschreibungen der Kunst und Zeit vor dem Ersten Weltkrieg. Dieser von Tschudi scheint sich im gesamten Buch ausschließlich durch die Adjektive wolfskrank (bezogen auf die Lupus-Erkrankung des Museumsdirektors), körperlich groß gewachsen und schwarzäugig auszuzeichnen. Diese Beschreibungen tauchen bis zum Schluss immer und immer wieder auf. Eine psychologische Tiefe entwickelt die Figur leider gar nicht. Zu viel beschäftigt sich die Autorin mit den Zeitgenossen von Tschudis. In einem Regenguss an name dropping wird hier so ziemlich jeder aktive Künstler in Deutschland und Frankreich der Zeit genannt und bekommt mitunter ein eigenes Kapitel. Besonders Kaiser Wilhelm II., welcher im ständigen-widerständigen Dialog mit von Tschudi gestanden haben muss (andere Staatsgeschäfte scheinen, wenn man das Buch liest, nebensächlich gewesen zu sein), wird sehr stark in seinen seelischen Widersprüchen und scheinbar auch Verletzlichkeit, für die er ebenso kritisiert wurde, gezeichnet. Warum von Tschudi im Buch diese Ehre nicht zu Teil wurde, bleibt offen. So ist das Buch zwar ein durchaus interessantes, wenngleich aber ein wenig mitreißendes. Sprachlich will die Autorin vor allem im ersten Teil des Buches sehr viel, vielleicht sogar zu viel. Teilweise auch prätentiös.

Nachdem ich ein komplettes Buch über diesen Menschen gelesen habe, möchte ich nun einmal wirklich etwas zu von Tschudi erfahren und muss mich wohl erst einmal auf die bekannte Seite zurückziehen, die mit Wiki anfängt. Schade, denn eigentlich erhoffe ich mir durch ein Buch auch einen Wissenszuwachs sowohl bezogen auf das soziale Umfeld und die Zeit der Person aber auch bezogen auf die Persönlichkeit. Dies fehlt hier fast vollständig. Merke: Tschudi = wolskrank + groß + schwarzäugig.

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