Der Tag, an dem Barbara starb
Ich habe mich sehr darauf gefreut, "Der Tag, an dem Barbara starb" zu lesen, weil ich mir einen gemütlichen Krimi im sogenannten Cosy Crime-Stil erhofft hatte – charmant, leicht und mit liebevoll gezeichneten ...
Ich habe mich sehr darauf gefreut, "Der Tag, an dem Barbara starb" zu lesen, weil ich mir einen gemütlichen Krimi im sogenannten Cosy Crime-Stil erhofft hatte – charmant, leicht und mit liebevoll gezeichneten Charakteren. Der Ausgangspunkt der Geschichte klang vielversprechend: Margaret, eine weit über achtzigjährige Dame mit einem wachen Geist, obwohl sie bereits erste Anzeichen einer Demenzerkrankung zeigt, wird in den Mordfall ihrer langjährigen Nachbarin und Freundin Barbara hineingezogen. Was zunächst nach einem simplen Nachbarschaftsdrama aussieht, entwickelt sich zu einer überraschend vielschichtigen Geschichte über Erinnerungen, Verlust und das Ringen um Klarheit inmitten schwindender Realität.
Als Margaret beginnt, auf eigene Faust nachzuforschen, stößt sie auf Ungereimtheiten – geheime Briefe, widersprüchliche Alibis und längst begrabene Feindschaften. Doch während sie tiefer in die Vergangenheit eintaucht, verschwimmen die Grenzen zwischen Wahrheit und Einbildung immer stärker. Ist der Nachbar wirklich verdächtig? Oder sind die Hinweise nur das Produkt ihrer zerbröckelnden Erinnerung?
Der Autor wählt eine ungewöhnliche Perspektive, indem er Leserinnen und Leser direkt in Barbaras Wahrnehmung eintauchen lässt. Dadurch entsteht einerseits eine intensive Nähe zur Hauptfigur, andererseits aber auch eine gewisse Verwirrung. Mehrmals fiel es mir schwer zu erkennen, was tatsächlich geschieht und was sich nur in Margarets Kopf abspielt. Einerseits erschwert das den Lesefluss, andererseits verdeutlicht gerade dieser Stil, wie sich die Welt für Menschen mit Demenz anfühlen muss – brüchig, unsicher und von Augenblick zu Augenblick neu zusammengesetzt.
Besonders gelungen fand ich die einfühlsame Darstellung des Krankheitsbildes. Der Autor schafft es, nicht nur Margarets inneren Kampf greifbar zu machen, sondern auch das Leid und die Hilflosigkeit ihrer Angehörigen mit einzubeziehen. Die Krimihandlung selbst tritt dadurch stellenweise etwas in den Hintergrund, was mir persönlich gefehlt hat – dennoch verleiht genau diese Schwerpunktverschiebung dem Buch emotionale Tiefe.
Insgesamt war "Der Tag, an dem Barbara starb" eine interessante Lektüre. Ich habe mich nicht gelangweilt und konnte das Buch mit einem Gefühl gedämpfter Nachdenklichkeit schließen. Auch wenn es mich nicht völlig überzeugen konnte, bleibt die Geschichte aufgrund ihrer sensiblen Thematik und der eindrucksvollen Hauptfigur im Gedächtnis.