240 Seiten voller Spannung und Familiendispute
In "Das Unwetter", einem fesselnden Roman von Brit Bildøen, treffen sich Dorte und ihre Geschwister, um die Goldenen Hochzeit ihrer Eltern in einem abgelegenen Berghotel zu feiern. Doch anstelle von feierlicher ...
In "Das Unwetter", einem fesselnden Roman von Brit Bildøen, treffen sich Dorte und ihre Geschwister, um die Goldenen Hochzeit ihrer Eltern in einem abgelegenen Berghotel zu feiern. Doch anstelle von feierlicher Harmonie plätschert Dauerregen gegen die Fenster, während das Hotel zur unerwarteten Falle wird. Ein Bergrutsch lässt nicht lange auf sich warten und verschluckt die einzige Bergstrasse, und damit auch die letzte Möglichkeit zur Flucht vor der drückenden familiären Vergangenheit.
Brit Bildøen zaubert mit geschickten, psychologischen Feinsinn ein spannungsgeladenes Setting, das an einen schleichenden Albtraum erinnert. Während Dorte den Charme des Hotelwirtes genießt, entfaltet sich das bewährte Drama zwischen den Geschwistern: alte Resentiments, unausgesprochene Vorwürfe und die allgegenwärtige Wut brodeln im Verborgenen. Die Situation eskaliert, als zwei zwielichtige Jäger das Hotel betreten und das diffizile Gleichgewicht kippen. Die Andeutung einer illegalen Wolfsjagd verstärkt die ohnehin angespannte Atmosphäre.
Doch wer hier auf große Action hofft, wird eines besseren belehrt. Die Story bleibt leider oft im Ruhezustand, obwohl der Nervenkitzel durchaus gegeben ist. Für Leser, die subtiler Spannung den Vorzug geben und kleine Rachepläne mitverfolgen wollen, bietet Brit Bildøen ein verstörendes Porträt einer Familie, die selbst in Zeiten der Krise nicht zusammenfindet. Ein unbequemes, atmosphärisches Werk über Verrat und Moral, das in seinen ruhigen Passagen dennoch viel Potenzial birgt.