Eine bewegende Familiensaga im Tessin
Die Kastanienschwestern von Christine Jaeggi ist eine berührende Familiensaga aus dem Tessin. Es ist mein erster Roman der Autorin und ich bin richtig begeistert.
Cara kehrt nach vielen Jahren erstmals ...
Die Kastanienschwestern von Christine Jaeggi ist eine berührende Familiensaga aus dem Tessin. Es ist mein erster Roman der Autorin und ich bin richtig begeistert.
Cara kehrt nach vielen Jahren erstmals zur Familie ihres Expartners Casimiro zurück. Ihr Auftrag: die Chronik des familieneigenen Weinguts zu schreiben. Begleitet wird sie von ihrer Tochter, für die Cara und Casimiro das gemeinsame Sorgerecht haben. Doch mit der Rückkehr ins Tessin werden schmerzhafte Erinnerungen wach, insbesondere an den mysteriösen Tod von Caras Schwester. Dennoch beginnt sie mit ihren Recherchen und stößt dabei auf ein altes Rezeptbuch, das zahlreiche Fragen aufwirft und schließlich zu einem tragischen Familiengeheimnis führt.
Der Schreibstil ist wunderbar flüssig und atmosphärisch. Die Geschichte entfaltet sich über mehrere Erzählstränge und zwei Zeitebenen: In der Gegenwart begleiten wir Cara und erfahren viel über ihre Schwester Neve, in der Vergangenheit stehen die Schwestern Mella und Valentina im Mittelpunkt. Erzählt wird abwechselnd aus der Sicht von Cara und Mella.
Ein großes Thema sind die Partisanenkämpfe im 2. Weltkrieg in Norditalien sowie die beeindruckenden jahrhundertealten Kastanienbäume, die eine besondere Rolle spielen. In diesem Zusammenhang lernen wir die Kastanienschwestern kennen, mehr sei an dieser Stelle nicht verraten.
Die Handlung ist durchgehend spannend und mitreißend. Welche Verbindung besteht zwischen dem alten Rezeptbuch und der Familie Casoli? Und wer ist die geheimnisvolle Kastanienfrau? Die Autorin schildert mit viel Feingefühl die harten Lebensumstände im Tessin während des 2. Weltkrieges: der entbehrungsreiche Alltag, die Partisanenkämpfe, die brutale Gewalt der Faschisten. Es gab so viele tragische Schicksale.
Die Figuren sind durchweg authentisch und vielschichtig gezeichnet. Auch wenn ich mit Cara und Valentina nicht immer warm geworden bin, konnte ich ihre Handlungen und Sichtweisen gut nachvollziehen. Mella ist meine absolute Heldin der Geschichte, ich habe mit ihr richtig mitgelitten.
Fazit: Ein unglaublich fesselnder und berührender historischer Roman, den ich Seite um Seite verschlungen habe. Von mir gibt es eine große Leseempfehlung.