Ein Roman über Trümmer, Erinnerungen und das, was bleibt
„Überreste” ist kein Buch, das man einfach liest – es ist ein Buch, das man durchlebt. Mit präziser, teils spröder Sprache schafft Delgado ein Erzählgewebe, das mehr Fragen aufwirft als beantwortet. Der ...
„Überreste” ist kein Buch, das man einfach liest – es ist ein Buch, das man durchlebt. Mit präziser, teils spröder Sprache schafft Delgado ein Erzählgewebe, das mehr Fragen aufwirft als beantwortet. Der Roman fordert Konzentration, Aufmerksamkeit und ein Gespür für Zwischentöne. Oft ist das, was zwischen den Zeilen passiert, eindringlicher als das Gesagte.
Die Stimmung ist dicht und manchmal schwer und immer von einem leisen Dröhnen aus Schmerz, Erinnerung und Schweigen durchzogen. Vieles bleibt fragmentarisch – wie die Welt, die er beschreibt. Und genau darin liegt seine Kraft. Es ist Literatur, die Unbehagen zulässt. Literatur, die nicht glättet, sondern aufreißt. Literatur, die nicht tröstet, sondern das Unaussprechliche aushält.
Stilistisch bewegt sich Delgado zwischen Reportage, Erinnerung und Fiktion. Er versetzt die Lesenden in einen Schwebezustand – irgendwo zwischen Traum, Trauma und Realität. Das Lesen ist wie ein vorsichtiges Tasten im Halbdunkel, begleitet von Gerüchen, Stimmen und Gesichtern, die kommen und gehen.
Es ist ein zutiefst politisches Buch, das nie laut wird. Ein psychologisches Kammerspiel inmitten gesellschaftlicher Katastrophen. Und es ist ein Buch über Sprache selbst: darüber, was sie sagen kann – und was nicht.
Ein leises, wütendes, poetisches Werk. Wer es gelesen hat, wird anders auf das Meer blicken. Und auf das, was wir „Vergangenheit“ nennen.