Cover-Bild Überreste
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25,00
inkl. MwSt
  • Verlag: Alfred Kröner Verlag
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: Familienleben
  • Genre: Romane & Erzählungen / Erzählende Literatur
  • Seitenzahl: 288
  • Ersterscheinung: 12.03.2025
  • ISBN: 9783520630032
Daryll Delgado

Überreste

Roman
Gabriele Haefs (Übersetzer)

Tacloban, Leyte, Philippinen. Der Super-Taifun Haiyan, der »perfekte Sturm«, hat die Insel heimgesucht. Ann kehrt nach 20 Jahren im Auftrag einer NGO in ihre Heimatstadt zurück – und wird überrollt von Kindheitserinnerungen, denen sie inmitten der Trümmer auf den Grund zu gehen versucht: einem großen, düsteren Familiengeheimnis, Gruselgeschichten von einer Bestie, die umgeht in Tacloban, Menschen, die plötzlich in ihr Leben traten und ebenso schnell wieder verschwanden. Gleichzeitig widmet sie sich der Aufgabe, in der völlig zerstörten Stadt nach jenen Fragmenten zu forschen, die vom Leben der Menschen übrigbleiben, wenn ihre Existenz fast vollständig vernichtet wird: ihren Erinnerungen.
Mitreißend, alltagsnah, ungewöhnlich authentisch: Es fühlt sich an wie mittendrin. Mittendrin in der Klima-Katastrophe, dort, wo sie schon längst da ist. Mittendrin in einer Kindheit in der Diktatur, zwischen Licht und Schatten, Wahrheit und Lüge, ganz oben und ganz unten, wo nicht einmal die eigenen Lieben sind, was sie scheinen. Mittendrin in der Realität der Überlebenden: Sieben in die Handlung eingewobene Original-Interviews gehen unter die Haut, indem sie erst richtig fassbar machen, was der Taifun für die Menschen bedeutet: den Schmerz und den Verlust, aber auch die Hoffnung auf ein – vielleicht besseres – Leben danach.

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Lesejury-Facts

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 07.06.2025

Ein Roman über Trümmer, Erinnerungen und das, was bleibt

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„Überreste” ist kein Buch, das man einfach liest – es ist ein Buch, das man durchlebt. Mit präziser, teils spröder Sprache schafft Delgado ein Erzählgewebe, das mehr Fragen aufwirft als beantwortet. Der ...

„Überreste” ist kein Buch, das man einfach liest – es ist ein Buch, das man durchlebt. Mit präziser, teils spröder Sprache schafft Delgado ein Erzählgewebe, das mehr Fragen aufwirft als beantwortet. Der Roman fordert Konzentration, Aufmerksamkeit und ein Gespür für Zwischentöne. Oft ist das, was zwischen den Zeilen passiert, eindringlicher als das Gesagte.

Die Stimmung ist dicht und manchmal schwer und immer von einem leisen Dröhnen aus Schmerz, Erinnerung und Schweigen durchzogen. Vieles bleibt fragmentarisch – wie die Welt, die er beschreibt. Und genau darin liegt seine Kraft. Es ist Literatur, die Unbehagen zulässt. Literatur, die nicht glättet, sondern aufreißt. Literatur, die nicht tröstet, sondern das Unaussprechliche aushält.

Stilistisch bewegt sich Delgado zwischen Reportage, Erinnerung und Fiktion. Er versetzt die Lesenden in einen Schwebezustand – irgendwo zwischen Traum, Trauma und Realität. Das Lesen ist wie ein vorsichtiges Tasten im Halbdunkel, begleitet von Gerüchen, Stimmen und Gesichtern, die kommen und gehen.

Es ist ein zutiefst politisches Buch, das nie laut wird. Ein psychologisches Kammerspiel inmitten gesellschaftlicher Katastrophen. Und es ist ein Buch über Sprache selbst: darüber, was sie sagen kann – und was nicht.

Ein leises, wütendes, poetisches Werk. Wer es gelesen hat, wird anders auf das Meer blicken. Und auf das, was wir „Vergangenheit“ nennen.

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Veröffentlicht am 05.06.2025

Naturkatastrophen und ihre Auswirkungen

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Daryll Delgado setzt sich in ihrem Roman ‘Überreste‘ mit der zerstörenden Kraft des 2013 über die philippinische Insel Leyte hinwegfegenden Taifuns Haiyan und den Auswirkungen auf die Überlebenden auseinander. ...

Daryll Delgado setzt sich in ihrem Roman ‘Überreste‘ mit der zerstörenden Kraft des 2013 über die philippinische Insel Leyte hinwegfegenden Taifuns Haiyan und den Auswirkungen auf die Überlebenden auseinander. Sie wählt einen sehr nüchternen eher schon sachlichen Ton für die erzählende Protagonistin Ann, die im Auftrag einer Agentur Vorberichte über die Lage vor Ort in Tacloban zusammenstellen soll. Hier findet Ann eine völlig verwüstete Landschaft vor, in der sie viele glückliche Jahre mit ihrer Familie und Freunden verlebt hat. Doch nichts ist geblieben von den schönen Kindheitserinnerungen, die sie immer wieder einholen. Denn nicht nur die Landschaft gleicht einer Trümmerwüste, auch ihre Gedanken um liebgewonnene Weggefährten lassen sie nicht zur Ruhe kommen. Verzweifelt sucht sie nach Antworten auf zermürbende Fragen, sucht nach Verhaltensmustern, um zu verstehen wie der Zerfall starker menschlicher Bande geschehen konnte.
Es ist eine erschütternde Geschichte, die über das unvorstellbare Leid der Menschen berichtet, die alles verloren haben, eine Geschichte, die immer wieder von Mitschriften über Zeitzeugen und von unglaublichen wahrgenommenen Geschehnissen begleitet wird. Die Darstellung springt zwischen den Zeitebenen, erfordert ein konzentriertes Lesen und das Nachdenken über die vielen ungesagten Worte zwischen den Zeilen.

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Veröffentlicht am 18.07.2025

nach der Katastrophe

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"Durch die glaslosen Fensterrahmen konnte ich das ruhige Meer sehen. War es wirklich immer schon so blau gewesen?"

Der Super-Taifun Haiyan traf 2013 als einer der schlimmsten Stürme, die je vorkamen, ...

"Durch die glaslosen Fensterrahmen konnte ich das ruhige Meer sehen. War es wirklich immer schon so blau gewesen?"

Der Super-Taifun Haiyan traf 2013 als einer der schlimmsten Stürme, die je vorkamen, auf die Philippinen. Die Zerstörung ist immens und die Folgen verheerend. Die Journalistin Ann, die in dem betroffenen Gebiet aufgewachsenen ist, reist kurz nach der Katastrophe für drei Tage in das zerstörte Gebiet. Sie soll für ihre Organisation Informationen sammeln, verfolgt aber auch private Ziele. In der Zerstörung ist das Fortkommen schwierig und der Leichengeruch ein ständiger Begleiter.

Ann ist sehr in ein eigenes Trauma verstrickt, das sich hier durch die äußeren Einflüsse Bahn bricht. Sie erinnert sich an Erlebnisse aus der Kindheit, die nicht chronologisch sind, führt Gespräche mit ihrer Schwester, teils auch fiktive. Das alles vermischt sich mit den tatsächlichen Erlebnissen und Recherchen vor Ort. Anfangs ist es nicht ganz leicht alles auseinanderzuhalten und richtig einzusortieren, aber mit der Zeit gelingt dies besser. Es werden viel ortstypische Waray-Ausdrücke in den Text eingeflochten, deren Übersetzung, Erklärung und Hintergründe finden sich im Anhang. Durch Anns Erinnerungen erfährt man viel über die Geschichte des Landes.

Ann versucht den Aufgaben, die sie sich vorgenommen hat gerecht zu werden, doch das ist nicht einfach. Der Text transportiert die Schrecken, das Entsetzen und Leiden nach der Katastrophe sehr gut. Besonders durch eingewobene Originalinterviews wird die entsetzliche Realität dieser Zeit spürbar. Diese gefielen mir am Besten.

Teils ist dieses Buch harter Tobak, nichts was man zur Unterhaltung liest. Es kommen wichtige Fragen auf, die nicht ohne weiteres beantwortet werden können. Teils erschüttert, aber auch aufrüttelnd.

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Veröffentlicht am 10.07.2025

Dokumentation

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Was dieses Buch für mich so besonders macht, ist die Art, wie Delgado Realität und Fiktion miteinander verwebt. Immer wieder durchbrechen Interviewpassagen mit Überlebenden der Katastrophe die Erzählung, ...

Was dieses Buch für mich so besonders macht, ist die Art, wie Delgado Realität und Fiktion miteinander verwebt. Immer wieder durchbrechen Interviewpassagen mit Überlebenden der Katastrophe die Erzählung, wodurch die Berichte wirken so authentisch und eindringlich, dass man kaum glaubt, hier in einem Roman zu lesen. Stattdessen habe ich das Gefühl einer Dokumentation beizuwohnen

Delgados Sprache beschreibt die Zerstörung und das Leid ohne Pathos. Gleichzeitig schafft sie es, die Stimmung Taclobans mit wenigen, präzisen Bildern einzufangen. Besonders beeindruckt hat mich, wie sehr der Roman dabei auch Themen berührt wie Schuld, Erinnerung, das Verdrängen der Vergangenheit und die Frage, ob man je wirklich zurückkehren kann.

„Überreste“ ist demnach kein Buch für nebenbei. Es verlangt Aufmerksamkeit und auch ein wenig Geduld, denn der fragmentarische Aufbau und die Verknüpfung der verschiedenen Erzählebenen fordern den Leser heraus.

Veröffentlicht am 17.06.2025

Keine leichte Kost

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Ann, die in Tacloban aufgewachsen ist, kehrt viele Jahre später, nach dem Super Taifun, der so großes Leid und Zerstörung angerichtet hat, zurück um für eine NGO einen Auftrag zu erfüllen. Parallel hat ...

Ann, die in Tacloban aufgewachsen ist, kehrt viele Jahre später, nach dem Super Taifun, der so großes Leid und Zerstörung angerichtet hat, zurück um für eine NGO einen Auftrag zu erfüllen. Parallel hat sie ihren eigenen Auftrag dabei und versucht die unzähligen losen Enden ihrer Geschichte und der ihrer Familie zusammen zu setzen. Der Roman berührt tief und zeigt das unermessliche Leid nach dem Taifun auf. Auch eindringlich geschildert durch Augenzeugenberichte. Der Lesefluss ist nicht ganz gegeben, da viele Begriffe in Landessprache eingearbeitet sind und diese erst am Ende erklärt werden. Zudem ist der zeitliche Wechsel der Geschehnisse nicht immer gut verständlich. Dennoch ein bewegendes Buch, das noch lange nachhallen wird.

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