Cover-Bild Nachts ist unser Blut schwarz

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18,00
inkl. MwSt
  • Verlag: Aufbau Verlag
  • Genre: Romane & Erzählungen / Sonstige Romane & Erzählungen
  • Seitenzahl: 160
  • Ersterscheinung: 13.09.2019
  • ISBN: 9783351037918
David Diop

Nachts ist unser Blut schwarz

Roman
Andreas Jandl (Übersetzer)

"Wie ein Tornado nimmt uns dieser kraftvolle, hypnotische Text mit. Atemberaubend!" L'Humanité

Alfa Ndiaye kämpft im Ersten Weltkrieg an der Seite der Franzosen gegen die Deutschen - ein "Schokosoldat" wie die Kameraden ihn nennen. Als Alfas geliebter Kindheitsfreund in seinen Armen verblutet, wird er von Wut und Rache gepackt. Wie ein Wahnsinniger zieht er mit seiner Machete über das Schlachtfeld und kehrt jeden Abend mit einem Gewehr des Feindes samt abgetrennter Hand zurück. Erst bewundern ihn die anderen, dann fürchten sie den Wilden und wenden sich ab. David Diop hinterfragt die Menschlichkeit in unmenschlichen Zeiten und verlagert das Grauen des Krieges ins tiefste Innere. Die Stimme von Alfa Ndiaye betört und verstört. Ein archaischer Roman von unvergleichlicher literarischer Kraft.

"David Diop ruft uns mit archaischer Wucht die Vergessenen eines grausamen Krieges ins Gedächtnis. Ein großes Buch, das lange nachwirkt." Julia Schoch

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Lesejury-Facts

  • Dieses Buch befindet sich in 2 Regalen.
  • 1 Mitglied hat dieses Buch gelesen.

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 21.09.2019

Was der Krieg aus einem macht

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Kann man seinen besten Freund töten? Kann man es, wenn es der letzte Wunsch des Freundes ist ist? Alfa Ndiaye kann es nicht. Sie sind Soldaten im 1. Weltkrieg und kämpfen auf der Seite der Franzosen. Man ...

Kann man seinen besten Freund töten? Kann man es, wenn es der letzte Wunsch des Freundes ist ist? Alfa Ndiaye kann es nicht. Sie sind Soldaten im 1. Weltkrieg und kämpfen auf der Seite der Franzosen. Man setzt die schwarzen Soldaten dort ein, wo es am gefährlichsten ist. Als Mademba Diop ihn bittet, ihn von seinem Leiden zu erlösen, lehnt Alfa Ndiaye diesen Freundschaftsdienst ab. Doch als sein Freund in seinen Armen stirbt, kocht die Wut in ihm hoch und er sinnt auf Rache. Daher schleicht er sich in die Lager seiner Feinde und richtet Entsetzliches an. Er tötet andere, die sterben müssen, wie sein Freund starb. Die Kameraden um ihn herum bewundern und fürchten ihn deshalb.
Es ist ein kurzer und sehr intensiver Roman, aber er ist grausam und nicht leicht zu lesen. Der Autor fragt sich und den Leser, ob man in so schrecklichen Zeiten, wie die im Krieg an der Front, seine Menschlichkeit verliert. Wie wird man mit all dem Traumatische fertig?
Alfa Ndiaye trauert um seinen Freund, den er nicht erlösen konnte, und er will seinen ganz besonderen Ausgleich für dieses Versagen. So wird er zu einem Monster. Ein Soldat hat Befehle auszuführen; seine Gefühle, sein Denken, sein Menschsein hat er beiseite zu schieben. Er tötet auf Befehl. Wie kann man so etwas aushalten? Muss man nicht daran zugrunde gehen?
Es ist ein Buch, das erbarmungslos aufzeigt, was Krieg bedeutet. Es bestürzt, macht fassungslos und trotzdem kann man sich nicht entziehen.

Veröffentlicht am 13.09.2019

Wie der Krieg aus einem Menschen ein Monster machte

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Alfa Ndiaye ist ein schwarzer Soldat im 1. Weltkrieg. Im Kampf fällt sein bester Freund und Seelenbruder Mademba Diop. Mit seinem Tod starben auch ein Stück Seele und das Gewissen von Alfa. Als Diop im ...

Alfa Ndiaye ist ein schwarzer Soldat im 1. Weltkrieg. Im Kampf fällt sein bester Freund und Seelenbruder Mademba Diop. Mit seinem Tod starben auch ein Stück Seele und das Gewissen von Alfa. Als Diop im Sterben lag bat er seinen Freund um einen letzten Gefallen, er sollte ihm die Kehle durchschneiden um ihn zu erlösen. Aber Alfa verwehrte ihm dies, er ließ in weinend und zitternd sterben, weil er es nicht über sich brachte, seinen Freund zu töten.

Und so wird aus Alfa, geplagt von der Trauer über den Verlust seines besten Freundes, ein Monster. Er schleicht sich an die Lager der Feinde und nimmt sich einen von ihnen um sie auf bestialische Weise zu foltern. Und hier macht er wieder gut, was er bei seinem Freund versäumt hat. Um zu beweisen, dass noch ein letztes Stück Menschlichkeit in ihm steckt, erlöst er die Soldaten aus ihren Todesqualen indem er ihnen die Kehle durchschneidet.

Das Buch wird in der 1. Person aus Alfas Sicht erzählt, was einfach super passt. Denn man erfährt so viel besser, dass er nicht zu dem Monster, das er letztendlich wird, geboren wurde oder so erzogen wurde. Er ist ein einfacher und hilfsbereiter Bauernjunge. Aber der Krieg macht jemand anderen aus ihm. Menschen verändern sich in bestimmten Situationen und das wird hier auf grauenhafte und geniale Art dargestellt. In diesem Buch geht es nicht darum Spannung aufzubauen, sondern darum zu verstehen, was der Krieg aus Menschen macht. Sie folgen blind den Befehlen ihres Hauptmanns, sie werden zu Tieren. Grade schwarze Soldaten wie Diop einer ist werden manipuliert und laufen brüllend in den Tod oder töten selbst ohne Gewissen.

Dabei ist der Schreibstil absolut passend. Die Grausamkeiten werden detailliert und schonungslos erzählt, so dass die Taten eine gewaltige Auswirkung auf den Leser haben. Es ist schockierend und einfach nur heftig und realistisch ohne dass etwas beschönigt wird.

Letztendlich gab es nur eine Kleinigkeit, die mich gestört hat und die ich auch irgendwann als nervend empfand. Alfa verwendet sehr sehr oft zu Satzbeginn die Worte: "Bei der Wahrheit Gottes...", das war mir irgendwann einfach zu viel, es störte mich beim Lesen dann doch sehr.

Fazit

Ein Buch, das eine schockierende Wahrheit erzählt. Auf eine besondere Weise ist dieses Werk wirklich fesselnd und faszinierend zugleich. Es ist sehr gut geschrieben und bis auf wenige Ausnahmen einfach großartig. Das Ende ist dann noch mal sehr berührend und versöhnlich. Mich haben das Buch und die ganze Geschichte auf besondere Art einfach mitgerissen und ich empfehle es sehr gerne weiter.

Veröffentlicht am 13.09.2019

Im Krieg

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David Diops preisgekrönter Roman besitzt eine beeindruckende Sprache mit hoher Intensität, die auch aufgrund der gewählten Erzählform entsteht.
Der Autor thematisiert Ereignisse der französischen Armee ...

David Diops preisgekrönter Roman besitzt eine beeindruckende Sprache mit hoher Intensität, die auch aufgrund der gewählten Erzählform entsteht.
Der Autor thematisiert Ereignisse der französischen Armee aus dem ersten Weltkrieg, Frankreich setzt da Soldaten ein, die aus Senegal oder anderen kolonisierten Ländern stammen und die als Kanonenfutter verheizt wurde. Der Icherzähler ist so ein Soldat aus Senegal, der nicht mal französisch spricht und von den Kriegserlebnisse, in erster Linie durch den Tod seines Freundes und Waffenbruder, den er hautnah miterleben musste. Das treibt ihn selbst dazu, mit Grausamkeit gegen den Feind vorzugehen. Er verliert sich selbst und sogar nach dem Kriegseinsatz kann er nicht wieder zu sich finden.
Das Buch besitzt wegen der Umsetzung eine erschütternde Härte, die Sprache hat aber sogar etwas poetisches und zeigt, was Literatur vermag!