Der kalte Fluss in meinen Adern
Es war wahrlich nicht Josies Idee, als sie ihrer kranken Freundin zuliebe in einen eisigen Fluss steigt. Es ist auch nur ein kurzer Besuch im kalten Wasser, doch die Erfahrung lässt sie nicht los. Und ...
Es war wahrlich nicht Josies Idee, als sie ihrer kranken Freundin zuliebe in einen eisigen Fluss steigt. Es ist auch nur ein kurzer Besuch im kalten Wasser, doch die Erfahrung lässt sie nicht los. Und während sich in diesem Jahr die Probleme, denen sie sich stellen muss, und die Menschen um sie herum verändern, bleibt der kalte Fluss in ihren Adern ihre einzige Konstante. Das Winterschwimmen wird gleichermaßen Sucht und Befreiung.
„Mir fehlte die Freiheit des Flusses, die sich auf natürliche Weise mit der Kälte verband und sie sinnvoll machte.“
Dieser Roman ist mir als das Buch übers Eisbaden angepriesen worden, dabei ist er doch ganz anders und zugleich sehr viel mehr. Denn tatsächlich ist das Winterschwimmen lange Zeit nur eine Randerscheinung, während sich Heldin Josie vor allem an ihrer Selbstwahrnehmung und ihren körperlichen Grenzen abarbeitet. Denn Josie hatte früher mit ihrer Ernährung zu kämpfen und hat dabei nicht nur Gewicht, sondern auch sich selbst verloren, und ist nun ständig auf der Suche, sich und ihren Körper zu fühlen. In diesem Zusammenhang ist auch Lee zu sehen, den sie kennenlernt, der aber ganz eigene Kämpfe mit seiner mentalen Gesundheit kämpft.
Das eisige Wasser ist daher für Josie so viel mehr als nur ein Element, sondern auch Strömung, körperliche Umhüllung und Widerstand. Und ja, auch Schmerz.
In diesem Sinne hat mich die Beschreibung aufs Glatteis geführt, denn wir bekommen keine Anleitung zum Winterschwimmen, sondern eine tiefgründige Geschichte über mentale und körperliche Gesundheit und vor allem über Menschen auf der Suche nach dieser.