Macht neugierig auf mehr
Ich war sehr auf "Bitterzart" gespannt. Die Idee einer Welt, in der Schokolade und andere Genussmittel verboten sein könnten, klang für mich faszinierend und ich war gespannt, wie die Autorin dies umsetzen ...
Ich war sehr auf "Bitterzart" gespannt. Die Idee einer Welt, in der Schokolade und andere Genussmittel verboten sein könnten, klang für mich faszinierend und ich war gespannt, wie die Autorin dies umsetzen würde. Letztlich fand ich zwar, dass das World Building noch etwas mehr hätte vertieft werden können, aber die Informationen, die dem Leser durch die Ich-Erzählerin übermittelt wurden, waren auf jeden Fall interessant und sie haben neugierig auf die nächsten Bände gemacht, in denen man hoffentlich mehr über die Hintergründe erfahren wird. Unter den gegebenen Umständen war es für mich nachvollziehbar, dass Anya nicht ausführlicher auf alles eingegangen ist, aber ich hoffe, dass sie in der Fortsetzung stärker persönlich involviert sein wird.
Die Charaktere selbst waren gut ausgearbeitet und es war leicht, sich in sie hineinzuversetzen. Durch die Erzählperspektive ist man natürlich davon beeinflusst, wie die Protagonistin die Figuren sieht, aber die Konstellationen sind sehr komplex und es ist leicht zu sehen, dass Anya - obwohl sie ihre Familie liebt und beschützen möchte - ihre Angehörigen teilweise zu sehr einschränkt und Entscheidungen trifft, die vielleicht nicht für alle ideal sind. Das hat mir gut gefallen, da es mir gerade aufgrund ihres Alters und ihrer bisherigen Erfahrungen realistisch vorkam.
Der Protagonistin wird im Lauf der Handlung einiges zugemutet und teilweise war es für mich nicht leicht weiterzulesen, da die Erlebnisse der Charaktere aufwühlend sein konnten und es ein paar ernste Situationen gab, bei denen ich mich gefragt habe, wie sie da wieder herauskommen sollten. Tatsächlich mochte ich aber, dass das Buch Anya und ihr Umfeld mit solchen Krisen konfrontiert hat; da nicht alles glatt lief und bestimmtes Verhalten ernsthafte Konsequenzen hatte, wurde die Geschichte packender und es war einfacher, darauf zu hoffen, dass für die Figuren alles gut ausgehen wird. Gerade das Ende des Buches eröffnet viel Potential, auch wenn ich natürlich nicht wollte, dass es so kommt.
Obwohl die Charaktere interessant und gut ausgearbeitet waren, muss ich leider sagen, dass es mir schwer gefallen ist, mit ihnen mitzufühlen. Ihr Schicksal hat mich emotional nur selten berührt, was vielleicht auch am Schreibstil lag, den ich eher distanziert und zwischendurch trocken fand. Dennoch bin ich gespannt darauf, was im nächsten Band passieren wird und "Bitterzart" konnte mich auf jeden Fall fesseln. Deshalb würde ich das Buch mit 4 Sternen bewerten.