Cover-Bild Über alle Grenzen

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19,95
inkl. MwSt
  • Verlag: Audiobuch
  • Genre: Romane & Erzählungen / Sonstige Romane & Erzählungen
  • Ersterscheinung: 15.05.2019
  • ISBN: 9783958625105
Hera Lind

Über alle Grenzen

Beate Rysopp (Sprecher)

Voller Begeisterung zieht die bayrische Familie Alexander in den späten 1950er-Jahren vom Chiemsee nach Thü- ringen, wo der Vater Direktor im Erfurter Zoo wird. Ein Paradies für die Kinder Lotte, Bruno und deren Schwes- tern. Doch dann wird die Mauer gebaut, und es gibt kein Zurück. Obwohl der musikalisch hochtalentierte Bruno gerade frisch verheiratet und Vater geworden ist, flieht er Hals über Kopf in den Westen. Er ist frei, hinterlässt aber eine geschockte Familie, deren Leben nun vollends aus den Fugen gerät. Besonders als Bruno den Vater anfleht, seiner Frau und dem Baby zur Flucht zu verhelfen ...

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Lesejury-Facts

  • Dieses Buch befindet sich in 5 Regalen.
  • 4 Mitglieder haben dieses Buch gelesen.

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 07.07.2019

Eine deutsche Geschichte

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Eine bayrische Familie zieht in den 50er Jahren nach Thüringen und bleibt dort, auch als die Mauer geschlossen wird. Wie sie das Leben in der DDR erlebt, erzählt Hera Lind in „Über alle Grenzen“.
Der Roman ...

Eine bayrische Familie zieht in den 50er Jahren nach Thüringen und bleibt dort, auch als die Mauer geschlossen wird. Wie sie das Leben in der DDR erlebt, erzählt Hera Lind in „Über alle Grenzen“.
Der Roman hat zwei Zeitstränge: Die Vergangenheit wartet mit Stasi-Verfolgung, Gefängnis und Folter, Diskriminierung von Kindern und Flucht auf und ist damit der spannende Teil der Geschichte. In der heutigen Zeit erleben wir, wie die Familie die Vergangenheit verarbeitet und erneut zueinanderfindet.
In den verschiedenen Zeitebenen verstecken sich auch die Stärken und Schwächen der Erzählung: Während Szenen, wie die Schilderung eines Verhörs aus den Augen einer Betroffenen, nahegehen (insbesondere auch durch die sprecherische Darbietung), geht die Darstellung der Krankheiten und Behandlungen irgendwann nur noch auf die Nerven.
Obwohl die Handlung auf einer wahren Geschichte beruht, wurden einige historische Fakten (z.B. der Pioniergruß) falsch dargestellt, was mich andere unbekanntere Sachverhalte in Frage stellen ließ. Hinzu kam die Langatmigkeit, die mein Hörvergnügen trübte.

Veröffentlicht am 03.07.2019

The road to no return ...

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Warum dachte ich eigentlich all die Jahre immer Bücher von Hera Lind würden mir nicht gefallen? Mir war gar nicht bewusst, dass sie eine Autorin ist, die unter anderem auch wahre Geschichten aufgreift ...

Warum dachte ich eigentlich all die Jahre immer Bücher von Hera Lind würden mir nicht gefallen? Mir war gar nicht bewusst, dass sie eine Autorin ist, die unter anderem auch wahre Geschichten aufgreift und sie auf eindrucksvolle Weise ihrem Publikum näherbringt. Genau, wie ich es liebe.
So auch in diesem Buch, in dem sie die Geschichte der Familie Alexander erzählt, die – man mag es kaum glauben – damals vom Westen in den Osten Deutschlands zog. Doch wenn der Vater von etwas begeistert war, gab es für ihn kein Halten mehr. Hatte er nicht Jahre zuvor die ganze Familie beinahe nach Afrika umgezogen! Nun gab es für ihn diese einmalige Chance seinen Beruf zur Leidenschaft zu machen und nach Thüringen zu ziehen. Während es am Anfang für die Familie nicht immer leicht war, fing man doch bald an sich einzugewöhnen immer mit dem Hintergedanken „Wir können ja jederzeit zurück“. Doch dann kam alles anders und die Brücke zurück in den Westen wurde eingerissen …
Die Autorin vermittelte einem Wessi wie mir einen Eindruck in das Leben in der ehemaligen DDR, der mich erschüttert hat. Immer mal wieder hatte ich Geschichten über den Überwachungsstaat gehört, doch diese zog mir die Socken aus. Die Unverfrorenheit mit der man nicht nur aus dem Job entlassen werden konnte, ein Studium oder Zeugnis verweigert wurde, einem die Wohnung gekündigt wurde und man sogar ins Gefängnis kam, ist für mich unvorstellbar. Dieses Buch hat mir mal wieder die Augen geöffnet und eigentlich dürfte es doch niemanden geben, der nicht froh darüber ist, dass diese Zeiten – zumindest in unserem schönen Deutschland – vorbei sind.

Veröffentlicht am 18.06.2019

Von den Konsequenzen zu glauben zwischen beiden deutschen Staaten wandeln zu können

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Ich lese/höre sehr gern Bücher, welche die deutsch-deutsche Vergangenheit thematisieren. Wahrscheinlich finde ich es auch deshalb so interessant, da ich einen Teil dieser Geschichte selbst erlebt habe ...

Ich lese/höre sehr gern Bücher, welche die deutsch-deutsche Vergangenheit thematisieren. Wahrscheinlich finde ich es auch deshalb so interessant, da ich einen Teil dieser Geschichte selbst erlebt habe und mich bzw. Episoden in vielen Schilderungen erkenne.
Im Großen und Ganzen ist es mit „Über alle Grenzen“ gelungen, ein Bild über einen fluchtwilligen DDR-Bürger mit allen Konsequenzen zu zeichnen. Leider finde ich jedoch aus eigener Erfahrung einige Beschreibungen unstimmig/unrealistisch bzw. DDR-bezogene Angaben falsch. Oft sind es Kleinigkeiten, jedoch fallen sie durch eigene Kenntnisse dann besonders auf.
Auf zwei Zeitebenen werden zum Einem die bitteren Konsequenzen, die die (unüberlegte?) Flucht des Sohnes, Bruders und Ehemanns Bruno Alexander (genannt Burschi) für die in der DDR verbliebenen Familienangehörigen bedeutet, geschildert. Zum anderen hat Lotti ihren Bruder Bruno nach Jahren als gebrochenen, pflegebedürftigen Mann wiedergefunden, holt ihn (das enge Geschwisterband wird sehr deutlich) zu sich, um ihn zu pflegen und ihm einen angenehmen Lebensabend zu ermöglichen, aber wohl auch etwas mit der Hoffnung durch ihn Lücken in der Familiengeschichte schließen zu können.
Es ist sehr tragisch, aber auch vorhersehbar, was die Familie Alexander durch Bruno‘s Flucht erleiden muss.
Es kann keiner behaupten, das er nicht wusste, was Republikflucht für Folgen nach sich zieht. Bruno ist in meinen Augen sehr verantwortungslos - vergisst offensichtlich, dass er Frau und Kind hat, denkt nur an sich und blendet völlig aus, was mit seiner eigenen als auch der Herkunftsfamilie passieren wird. Nachdem sein Vater ihm dann bei der Flucht seiner Ehefrau und des Sohnes geholfen hat und infolge dessen inhaftiert wird, kehrt Bruno, nachdem er von dem bevorstehenden Tod seiner Mutter erfahren hat, jedoch wieder in die DDR zurück und wird dabei (natürlich) verhaftet. Eigentlich ein löblicher Zug, um seine sterbende Mutter (und sie ihn) ein letztes Mal zu sehen, aber auch hier hat er nicht zu Ende gedacht, ist er sich der Konsequenzen für seine Familie offensichtlich nicht bewusst oder will sie nicht wahrhaben. Was tut er nur Frau und Kind zum zweiten Mal an! Und dem Vater erst! Ich kann nicht verstehen, wie man zu der damaligen Zeit glauben konnte, einfach so zwischen den zwei deutschen Staaten hin und her wandeln zu können!
Somit kann ich die ablehnende Haltung der verbliebenen Alexander-Schwestern sehr gut nachvollziehen. Durch den egoistischen Alleingang Brunos mussten nicht nur der Vater und die Mutter leiden, sondern auch die Schwestern. Es mag sein, dass Lotti eine ganz besondere innige Bindung zu Bruno hat, allerdings ist ihre Sichtweise dadurch sehr eingeengt. Ihr gelingt es nicht sich auch nur ansatzweise in das Schicksal ihrer Schwestern einzufühlen.
Die Darstellung Lottis mit ihrem Engagement um Bruno wirkt leider überspitzt und ebenfalls unrealistisch. Ich hatte fast den Eindruck, als sei sie froh endlich eine (erfüllende) Aufgabe zu haben.
Was mich wiederum nicht gestört hat, sind die vielen vorgetragenen Protokolle der Verhöre von Lotti und Paul. Hier spürt man sehr deutlich, die Überzeugung beider von ihrer Meinung (trotz aller Repressalien) nicht abzurücken und vor allen sich nicht in Widersprüchen zu verstricken. Lotti’s Vorgesetzter hat dies in einem Protokoll sehr treffend zum Ausdruck gebracht: „dem vorangegangenen Protokoll ist nichts hinzuzufügen“.
Alles in allem eine lesenswerte Geschichte, wenn man von den überladenen Lotti/Burschi-Szenen in der Gegenwart absieht. Jedoch hat mich das Buch letztendlich leider nicht gänzlich überzeugt (was wohl auch einige andere Rezensenten ähnlich empfunden haben).

Veröffentlicht am 05.06.2019

Zerrissene Familie

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Das Hörbuch „Über alle Grenzen“ von Hera Lind erzählt die Geschichte der Familie Alexander nach wahren Begebenheiten. Die Handlung wird in zwei Erzählsträngen geschildert.

Die Vergangenheit beginnt Ende ...

Das Hörbuch „Über alle Grenzen“ von Hera Lind erzählt die Geschichte der Familie Alexander nach wahren Begebenheiten. Die Handlung wird in zwei Erzählsträngen geschildert.

Die Vergangenheit beginnt Ende der 1950er Jahre mit der Übersiedlung der Familie Alexander vom Chiemsee nach Erfurt. Hier hat Vater Alexander eine Stelle als Zoodirektor erhalten. Doch dann wird die Mauer gebaut. Sohn Bruno, frisch verheiratet und gerade Vater geworden, flüchtet in einer Kurzschlussreaktion in den Westen. Die ersten Repressalien gegen die Familie Alexander beginnen.

In der Gegenwart wird die Geschichte von Bruno aufgearbeitet, nach langer Suche hat seine Schwester Lotti ihn in einem Pflegeheim gefunden, wo er seit einem Schlaganfall lebt. Lotti holt ihn zu sich und pflegt ihn rührend.

Der Wechsel zwischen Gegenwart und Vergangenheit wird durch genannte Jahreszahlen sehr gut nachvollziehbar. In leicht verständlichen Worten führt uns Hera Lind in die Zeit vor dem Mauerfall zurück. Sie zeigt auf wie die Stasi gearbeitet hat, wenn Menschen sich weigerten in die Partei einzutreten und mit dem Regime unzufrieden waren. Gleichzeitig wird auch spürbar, welche Spuren dieses in der Familie hinterließ. Nach der Republikflucht von Bruno wird die Familie auseinandergerissen und die Geschwister finden sich erst Jahrzehnte wieder.

Die Hörbuchsprecherin Beate Rysopp hat mir ausgesprochen gut gefallen. Mir ihrer Stimme und der richtigen Intonation der Geschichte hat sie es geschafft, Emotionen freizusetzen und der Geschichte Leben einzuhauchen, so dass ich gern zu gehört habe, ohne in Gedanken abzuschweifen.

Mir hat diese deutsch-deutsche Geschichte gefallen, regt zum Nachdenken an und gerät leider viel zu schnell in Vergessenheit.

Veröffentlicht am 18.05.2019

Verdammt zu einem Leben in der DDR

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Jetzt ist es schon rund 30 Jahre her, dass die Mauer fiel. Wer allerdings dieses Hörbuch hört, wird meinen, die Geschehnisse hätten sich erst gestern zugetragen. Besonders an der DDR-Geschichte Interessierten, ...

Jetzt ist es schon rund 30 Jahre her, dass die Mauer fiel. Wer allerdings dieses Hörbuch hört, wird meinen, die Geschehnisse hätten sich erst gestern zugetragen. Besonders an der DDR-Geschichte Interessierten, die außerdem Familiengeschichten mögen, möchte ich das Hörbuch empfehlen.
Im Mittelpunkt steht die siebenköpfige Familie Alexander, die Ende der 1950er Jahre aus Bayern nach Erfurt zieht und nach dem bald folgenden Mauerbau so schnell nicht mehr aus der DDR gelangen soll. Schon bald geraten sie mit der allgegenwärtigen Obrigkeit in Konflikt und unter Beobachtung, weil der Vater seinem Chef einen Gefallen macht. Richtig kritisch wird es, als der einzige Sohn in den Westen flieht, später seine Frau und Kinder durch Fluchthilfe nachkommen lässt, was zur Inhaftierung des Vaters führt. Auf dem Weg zurück in die DDR, um seine sterbenskranke Mutter noch einmal zu sehen, wird auch er inhaftiert. Der Rest der Familie ist zunehmenden Repressalien ausgesetzt, so dass es nicht wundert, als die Tochter Lotti Mitte der 80er Jahre mit Mann und Kindern Ausreiseanträge stellt.

Chronologische Schilderungen aus dem Werdegang der Familie zwischen den späten 50er Jahren und Mitte der 80er Jahre wechseln sich ab mit Bruchstücken aus der Gegenwart (2010/11), als Lotti ihren todkranken Bruder Bruno erstmals wiedertrifft und ihn pflegt.

Was bin ich froh, nicht in der DDR aufgewachsen zu sein. Der eine Erzählstrang bringt uns so viele bedrückende Details nahe und lässt gut nachempfinden, warum die DDR-Bürger letztlich einen so großen Freiheitsdrang hatten. Irgendwie hat man das eine oder andere ja schon einmal gehört. Wenn alles aber so geballt erzählt wird, lässt es einen betroffen und mit mehr Verständnis für die Ostdeutschen zurück. Der zweite Erzählstrang prangert wohl die Pflegezustände in deutschen Altersheimen an. Hier habe ich mich etwas daran gestoßen, dass Lotti, die doch völlige Laiin in der Pflege ist, zu bestimmend und zu besserwisserisch auftritt und ihre völlige Aufopferung für den Bruder zu unrealistisch wirkt. Alles in allem waren es für mich aber 655 Minuten interessante Hörminuten, zumal Beate Rysopp gut gelesen hat.