Cover-Bild Sommer bei Nacht
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16,99
inkl. MwSt
  • Verlag: E-Books im Verlag Kiepenheuer & Witsch
  • Genre: Krimis & Thriller / Krimis & Thriller
  • Ersterscheinung: 16.01.2020
  • ISBN: 9783462321456
Jan Costin Wagner

Sommer bei Nacht

Roman
PLATZ 1 DER KRIMIBESTENLISTE MÄRZ

Was geschieht, wenn das Unfassbare geschehen ist?
Ein Kind verschwindet. Dabei hat seine Mutter den Jungen nur für wenige Momente aus den Augen gelassen. Die Ermittlungen beginnen und schnell stößt die Polizei auf Verbindungen zu einem weiteren vermissten Jungen. Zum Auftakt seiner neuen Reihe erzählt Krimipreisträger Jan Costin Wagner eine spannungsgeladene Geschichte auf einmalig einfühlsame und literarisch meisterhafte Weise.
Die Ermittler Ben Neven und Christian Sandner machen sich auf die Suche nach dem fünfjährigen Jannis. Zeugen erinnern sich, dass ein Mann mit einem Teddybär auf dem Arm das Kind während des Flohmarkts in der Grundschule angesprochen hat. Schnell wird Ben und Christian klar, dass sich die schlimmsten Befürchtungen bewahrheiten. Und nicht nur das: es scheint einen direkten Zusammenhang mit der nie aufgeklärten Entführung eines weiteren Kindes in Österreich zu geben. Die beiden Polizisten stoßen auf finstere Abgründe.
Jan Costin Wagner verarbeitet gleich mehrere brisante gegenwärtige Themen und rührt dabei tief an in uns allen schlummernden Ängste. Doch das Wagnis gelingt – weil Wagner den Spagat zwischen Empathie und Zurückhaltung beherrscht und literarische Kriminalromane schreibt wie kaum jemand sonst.

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 02.03.2020

Perfekte Komposition

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Der fünfjährige Jannis verschwindet auf einem Schulflohmarkt. Aufnahmen beweisen, dass er von einem Mann mit großem Teddybären fortgebracht wurde. Fieberhaft sucht die Polizei, allen voran die Kommissare ...

Der fünfjährige Jannis verschwindet auf einem Schulflohmarkt. Aufnahmen beweisen, dass er von einem Mann mit großem Teddybären fortgebracht wurde. Fieberhaft sucht die Polizei, allen voran die Kommissare Ben Neven und Christian Sandner, nach dem Jungen. Im Laufe der Ermittlungen ergeben sich Parallelen zu einem früheren Fall. Die Zeit wird knapp, denn mit jeder Minute sinkt erfahrungsgemäß die Chance, den Jungen lebend wiederzufinden....

Jan Costin Wagner schreibt auf unverkennbare Weise: im Präsens mit klaren und einfachen Sätzen. Er nimmt jeweils die Perspektive einer Figur ein und schildert aus ihrer Sicht alles, was passiert und auch das, was der Person gerade durch den Kopf geht, ihre Gedanken und Emotionen. Durch die Zeitform der Gegenwart entsteht der Eindruck, alles finde genau jetzt statt. Dies wirkt so nüchtern und sachlich, als könnte man den Charakter ganz unvoreingenommen beim Denken beobachten. Dieser prägnante typische Stil macht Wagners Romane aus.

Auch die Handlung ist durch diesen unnachahmlichen Schreibstil geprägt. Sie ist im Grunde ganz schnell erzählt. Es geht um den Fall des verschwundenen Jungen. Der Autor befasst sich mit den am Fall beteiligten Personen, den Ermittlern, den Eltern des Jungen, dem Täter, dem Opfer und anderen Betroffenen und beschreibt in einzelnen Kapiteln deren momentane Situation: das, was sie auf unterschiedlichen Ebenen gerade erleben. Dabei geht es nicht darum zu rätseln, wer der Täter ist. Das wird schon ziemlich am Anfang aufgelöst. Es wird vielmehr aufgezeigt, was der Entführungsfall mit den einzelnen Charakteren anstellt und was sie in der Folge tun und denken. Die Handlung findet teils auch in den Köpfen der Figuren statt. Der Krimi ist nicht spannend im klassischen Sinn. Die Spannung liegt sicher eher darin, immer mehr über die Figuren zu erfahren. Alle haben ihr Päckchen zu tragen, wecken auf unterschiedliche Art das Interesse des Lesers: Was bewegt sie? Welche Abgründe verbergen sich hinter ihrer Fassade? Die sind mitunter erschreckend tief.....

Jan Costin Wagner ist auch hier wieder ein einzigartiger besonderer Roman gelungen: düster, melancholisch und intensiv. Beeindruckend! So klar und doch kaum zu fassen. Ich kann nicht genau ausdrücken, worin die besondere Faszination dieses Romans besteht, aber vielleicht ist es ja gerade das, was das Buch ausmacht. Also lieber nicht mehr analysieren, einfach lesen, genießen und über die perfekte Komposition staunen.
Für mich große Literatur!

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Veröffentlicht am 16.02.2020

Teddybär

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Ein Mann geht, mit einem Kind, mit einem Teddybär. Kurz vor den Sommerferien waren sie zum Schulflohmarkt. Der Junge hat noch sein Spielzeug abgegeben, Mutter und Schwester redeten nur kurz mit einer Lehrerin. ...

Ein Mann geht, mit einem Kind, mit einem Teddybär. Kurz vor den Sommerferien waren sie zum Schulflohmarkt. Der Junge hat noch sein Spielzeug abgegeben, Mutter und Schwester redeten nur kurz mit einer Lehrerin. Und der Junge war verschwunden. Die Polizisten Christian Sandner und Ben Neven werden mit den Ermittlungen betraut. Niemand hat etwas bemerkt. Das Kind ist wie in Luft aufgelöst. Lediglich eine Überwachungskamera hat einen Mann mit einem Kind aufgenommen. Nur wenig ist auf dem Bild zu erkennen. Weitere Befragen sind zunächst ohne Erfolg. Die Ermittler entschließen sich, an die Öffentlichkeit zu gehen.

Aus den jeweiligen Blickwinkeln der handelnden Personen beschreibt dieser Roman die Suche nach einem kleinen Jungen. Dabei werden einfühlsame Einblicke in deren Innenleben gegeben. Die Familie des Jungen ist wie gelähmt. Haben Mutter und Schwester nicht genug aufgepasst? Der Vater hat es leicht, könnte man meinen. Er war beruflich unterwegs. Hat er es wirklich so leicht? Er hätte ja da sein können, so kurz vor den Ferien zu einer Schulveranstaltung. Und die Ermittler, natürlich sind sie fieberhaft bei der Sache. Aber manchmal sind sie auch abgelenkt. Niemand kann immer zu hundert Prozent konzentriert sein. Sandner wird an seine Jugend erinnert und Neven ist mit seiner Familie verwachsen. Doch nicht immer ist er ganz bei ihr.

Mit diesem Roman hat der Autor seinen Schauplatz von Finnland nach Wiesbaden gewechselt. Da ist man als Leser schon überrascht und muss sich erstmal zurechtfinden. Doch Jan Costin Wagner kann einfach schreiben. Mit manchmal nur wenigen Worten schafft er es, den Leser in die Welt der Polizisten, der Eltern und einiger anderer zu versetzen. Auch wenn nicht alles eingehend begründet wird, erfasst man doch die herrschende Stimmung. Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf den Ermittlern und den Angehörigen. Denjenigen, die selbst kleinste Hinweise deuten müssen. Diejenigen, die am meisten leiden. Der Roman wirkt dabei weniger wie ein Krimi, sondern eher wie ein Stimmungsbild darüber, welche Auswirkung auf Gedanken und Gefühle sowohl der Angehörigen als auch der Ermittler das Verschwinden eines Kindes hat. Dieser etwas andere Ansatz gibt dem Buch eine besondere Note.

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Veröffentlicht am 16.02.2020

Jan Costin Wagner - Sommer bei Nacht

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Kurz vor den Sommerferien besucht die Familie noch den Flohmarkt in der nahegelegenen Grundschule in Wiesbaden-Biebrich. Nur einen Moment ist die Mutter unaufmerksam und da ist der 5-jährige Jannis auch ...

Kurz vor den Sommerferien besucht die Familie noch den Flohmarkt in der nahegelegenen Grundschule in Wiesbaden-Biebrich. Nur einen Moment ist die Mutter unaufmerksam und da ist der 5-jährige Jannis auch schon verschwunden. Das einzige, was am Tatort übrigbleibt, ist ein Teddybär – der jedoch nicht Jannis gehört. Christian Sandner und Ben Neven übernehmen die Ermittlungen, die jedoch nur wenige Spuren zutage fördern. Es scheint jedoch einen ähnlichen Fall in Österreich gegeben zu haben und sie ziehen auch ihren ehemaligen Kollegen Landmann zurate, der den jungen Kommissaren üblicherweise gute Tipps geben kann. Doch der Junge bleibt verschwunden, denn der Täter und sein Mentor haben die Lage im Griff. Die Zeit rast und je mehr der Druck steigt, desto mehr müssen sich auch die Ermittler ihren eigenen Dämonen stellen.

Jan Costin Wagner ist schon seit Jahren eine feste Größe unter den deutschen Krimiautoren, mit seiner Kimmo Joentaa Reihe hat er seiner Wahlheimat Finnland ein literarisches Denkmal gesetzt, nun kehrt er nach Hessen zurück, wo er den schlimmsten Alptraum aller Eltern wahr werden lässt. Die einzelnen Kapitel begleiten die unterschiedlichen Figuren, wobei die Spannung nicht dadurch entsteht, dass man rätselt, wer der Mörder ist, dieser ist von Beginn an bekannt, die Frage ist viel eher, ob die Polizei ihn entlarven kann und wie Neven und Sandner bei diesem Fall mit ihren Emotionen fertig werden. Der eine von ihnen muss seine eigenen pädophilen Neigungen in den Griff bekommen, der andere hat den lange zurückliegenden Tod seiner damaligen Freundin immer noch nicht verarbeitet, der nun durch die Begegnung mit einer jungen Frau wieder voll in sein Bewusstsein gerät.

„Sommer bei Nacht“ ist kein klassischer Kriminalroman, es entsteht nicht die nervenaufreibende Spannung, auch ist man als Leser nicht in der Situation Spuren zu deuten und beim Lesen mit zu ermitteln. Der Roman ist viel eher psychologisch nah an den Figuren und zeigt, was ein solch extremer Fall mit ihnen macht: die Eltern des entführten Kindes, die Schwester des Jungen, die Ermittler, aber auch die Täter gewähren Einblick in ihr Innerstes, das den anderen Figuren verborgen bleibt. Sie alle kämpfen mit den Rollen, die sie für die Außenwelt spielen müssen und die oft weit von ihren Emotionen entfernt sind.

Thematisch ist der Roman – leider – hochaktuell, zeigt er doch Parallelen zu den Missbrauchsfällen von Lügde und Bergisch Gladbach, die viele Jahre unentdeckt blieben. Vor allem konnte mich die Darstellung des Haupttäters überzeugen, der dem Profil der Statistiken und nicht den oft weit verbreiteten Fehlannahmen entspricht. Er kann unbehelligt unter uns leben und wird dadurch besonders gefährlich. Ein großes Plus gibt es dafür, dass das Leid der Kinder völlig ausgespart wird, man kann es sich vorstellen und muss es nicht noch detailliert nachlesen.

Ein eher psychologisch interessanter, literarischer Krimi, der viel Raum für eigene Gedanken zwischen den Zeilen lässt.