Cover-Bild Die Sehnsucht des Vorlesers
14,90
inkl. MwSt
  • Verlag: dtv Verlagsgesellschaft
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: zeitgenössisch
  • Genre: Romane & Erzählungen / Sonstige Romane & Erzählungen
  • Seitenzahl: 224
  • Ersterscheinung: 22.09.2015
  • ISBN: 9783423260787
Jean-Paul Didierlaurent

Die Sehnsucht des Vorlesers

Roman
Sonja Finck (Übersetzer)

Hommage an die Magie des Vorlesens

Guylain Vignolles liebt Bücher und hasst seinen Job in einer Papierverwertungsfabrik. Darum liest er jeden Morgen auf dem Weg zur Arbeit im Regionalzug um 6 Uhr 27 laut ein paar Seiten vor, die er am Tag zuvor der Schreddermaschine entrissen hat: sein ganz persönlicher Akt der Rebellion gegen die Vernichtung von Literatur.

Eines Tages entdeckt er im Zug einen USB-Stick, auf dem das Tagebuch einer jungen Frau gespeichert ist. Tief bewegt liest er nun ihre Geschichten vor – und der Zauber springt auch auf die Mitreisenden über. Viel wichtiger aber noch: Die Geschichten verändern Guylains Leben von Grund auf. Er muss diese Frau finden!

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Lesejury-Facts

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 19.09.2016

Wenn Vorlesen zur Berufung wird

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Guylain Vignolles arbeitet in einer Papierverwertungsfabrik. Allerdings leidet er jeden Morgen und Tag, wenn er zur Arbeit mit dem 6.27-Uhr-Zug fährt. Er kann nicht mit ansehen, wie die vielen hunderte ...

Guylain Vignolles arbeitet in einer Papierverwertungsfabrik. Allerdings leidet er jeden Morgen und Tag, wenn er zur Arbeit mit dem 6.27-Uhr-Zug fährt. Er kann nicht mit ansehen, wie die vielen hunderte und tausende Bücher in dem großen Zerstörer-Behälter geschreddert und zu einem Papier-Wasser-Brei gerührt werden. Manchmal gelingt es ihm heimlich, die eine oder andere Buchseite zu retten. Zwar sind die Seiten nicht vollständig und zusammenhangslos – meistens zumindest – trotzdem rettet Guylain diese Buchseitenfetzen, um sie jeden Morgen und Abend im Zug den Mitreisenden und Pendlern aus den Seiten vorzulesen. Zwei ältere Damen aus einem Seniorenheim haben eine Idee, um den Vorlese-Spaß auszuweiten. Guylains Vorgesetzter kennt seine Leidenschaft und zieht ihn damit auf. Der Wachmann Yvon Grimbault interessiert sich ebenso für die Literatur und teilt Guylains Leidenschaft. Eines Tages findet Guylain einen USB-Stick auf, dem zweiundsiebzig Dateien gespeichert sind. Es stellt sich heraus, dass es ein Tagebuch einer Frau namens Julia ist. Guylain ist fasziniert und begibt sich auf die Suche.
Dem französischen Autor Jean-Paul Didierlaurent gelang mit seinem Roman eine feinfühlige Geschichte eines jungen Mannes, der darüber leidet, wenn Büchern zerstört werden, und die Geschichten keine Beachtung bekommen. Guylain wirkt einsam, obwohl seine Mutter noch lebt, die er ab und an sieht. Allerdings lebt er alleine, und aufgrund dessen, dass seine Arbeit ihm keinen Spaß macht, verstärkt sich die Einsamkeit. Freude hat Guylain anhand der vorgelesenen Fragmente der Buchgeschichten. So kommt seine Figur wieder in die Waage, und er entwickelt sich zu einer liebenswürdigen Person. Sympathisch sind seine Kollegen Guiseppe und Yvon, weil er sich mit ihnen gut versteht und seine Leidenschaft nachvollziehen. Sein Vorgesetzter Brunner dagegen ist ein Wüstling und Verächter. Jean-Paul Didierlaurent kann gut Figuren böse und gut darstellen. Sein Augenmerk liegt auf den Figuren, und das Geschehen um die Figuren ergänzen die Ereignisse und geben den Figuren Gewicht.
Dieser Roman regt regelrecht dazu an, einen Film darüber zu drehen. Denn nach französischer Film-Manier könnte man sich einen unterhaltsamen und emotionalen Film darunter vorstellen. Französische Filmmacher können noch am besten Emotionen und Ernsthaftigkeit menschlich und kulturelle am besten vermitteln meiner Meinung nach. Leider ist die Geschichte relativ kurz, aber ich habe diese Geschichte genossen. Ebenso ist das Buch sehr schön gestaltet anhand des Buchcovers, Buchtitels und den Unterschied zwischen erzählter Geschichte über Guylain und den von Guylain gefundenen Buchseiten.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Sehnsucht

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Wir alle kennen dieses Gefühl - die Sehnsucht nach etwas, Jemandem ... Einsamkeit ... seinen Platz im Leben suchen ... und vielleicht finden.

Guylain Vignolles ist schüchtern, doch besteigt er den 6-Uhr-27-Regionalzug ...

Wir alle kennen dieses Gefühl - die Sehnsucht nach etwas, Jemandem ... Einsamkeit ... seinen Platz im Leben suchen ... und vielleicht finden.

Guylain Vignolles ist schüchtern, doch besteigt er den 6-Uhr-27-Regionalzug zieht er alle Blicke auf sich & steht im Mittelpunkt - ganz bewusst und dennoch versteckt ... versteckt hinter seinen Findelkindern, den Buchseiten die er rettete & liest sie vor: Buchseiten die nicht immer einen Sinn ergeben, da es sich meist nur um ein zwei zusammengehörige handelt. Aber er zieht die Menschen in seinen Bann, so sehr das sein - sagen wir mal strukturierter - Alltag an einem Tag der Woche sich bald verändern wird. Was Guylain tut, was er anderen schenkt, dies muss der Leser schon selbst erfahren.

Ganz besonders ist seine Freundschaft zu seinen Freunden Giuseppe - dies ist eine ganz besondere Geschichte, schon für sich genommen, berührend & verzaubernd, Yvon Grimbert, ein Mann welcher fast nur in Reimen spricht & nicht zu vergessen sein genügsamster Zuhörer am Abend - sein Goldfisch Rouget de Lisle, ebenso verzaubernd welch ein Band sich entwickelt.

Und nicht zu vergessen Julie! Eine Frau die die Zahl 14.717 als einen Hungerhaken bezeichnet, der eine dickbäuchige Null oder eine füllige Acht fehlt. Eine Frau die die Lebensweisheiten ihrer Tante in einem Buch sammelt - "Tanten-Sprüche".
Eine Frau die ihren USB-Stick mit ihren Tagebucheinträgen verliert ... Guylain, der eben diesen findet ...

Eine wunderschön französisch poetische Geschichte, welche mich von Beginn an in ihren Bann genommen & verzaubert hat!!

Ein Ende, ein Brief, wenige Worte dich mich berührten ...

Natürlich werden einige Leser nun erstaunt den Kopf schütteln - ja natürlich gibt es auch Passagen, welche mich ein Stück aus der Geschichte herausholten - Julies Einträge, welche ab und wann an ... ich sage es ganz so wie es mir in den Sinn kam, an das Buch "Feuchtgebiete" erinnern lässt - aber auch diese gehören in die Geschichte, lassen ein Bild der Person entstehen und ich muss es ganz deutlich sagen (dies habe ich in anderen Rezensionen gelesen) - es geht nicht! um Toiletten, es geht um Julie & ihre Weltauffassung, ihre Wahrnehmung ... ja, manchmal sollte ein Leser sich auf eine Geschichte einlassen, ein wenig mehr als nur das gelesene Wort beurteilen ...

Ein Debüt, welches mich dazu bewegt ein weiteres Buch des Schriftstellers in meinen Regal einziehen zu lassen!

Veröffentlicht am 15.09.2016

Eine bezaubernde Lektüre

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Das Buch kaufte ich mir bereits im letzten Jahr weil mir das Cover so gut gefiel. Es wirkt so bescheiden einfach und doch schön. Aber ich kann es nicht fassen, das ich Monate verstreichen ließ, bevor ich ...

Das Buch kaufte ich mir bereits im letzten Jahr weil mir das Cover so gut gefiel. Es wirkt so bescheiden einfach und doch schön. Aber ich kann es nicht fassen, das ich Monate verstreichen ließ, bevor ich überhaupt zu lesen begann! Obwohl, die Geschichte ist nichts weltbewegendes, und doch war ich vom ersten Moment an verzaubert. Die Charaktere bodenständig, verschroben, skurril und liebenswert. So französisch, wie man es aus so manchen französischen Filmen kennt. Trotzdem ist der Ton der Erzählung ist einfach, ruhig und ohne Hektik. Alles zusammen macht diese Geschichte aus. Man lacht, man ist traurig und man hat etwas zum Nachdenken, ohne ein wirklich unfassbares Ereignis. Eine Geschichte die gut tut. Entschläunigt und zeigt, dass man auch aus einer scheinbar schlechten Situation etwas gutes machen kann.

Auch wenn das Büchlein gerade mal eine Schnapszahl an Seiten aufweisen konnte, lohnte es sich auch mal innezuhalten, das Gelesene Revue passieren zu lassen und seinen eigenen Gedanken nachzuhängen.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Wundervolle Flucht aus dem Alltag

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Ich habe bereits eines der "literarisch wertvollen" Bücher des dtv- Verlags gelesen und war dann etwas enttäuscht, weil es mir einfach zu viel des Guten war. Dieses Mal war ich vorbereitet und erwartete ...

Ich habe bereits eines der "literarisch wertvollen" Bücher des dtv- Verlags gelesen und war dann etwas enttäuscht, weil es mir einfach zu viel des Guten war. Dieses Mal war ich vorbereitet und erwartete lediglich eine schöne Geschichte, nicht aber ein literarisches Meisterwerk á la "Die Liebe zu so ziemlich allem".

Und das war gut so! Denn durch meine nicht ganz so hohen Erwartungen konnte mir dieses Buch ein paar schöne Lesestunden bescheren und mir einige Male ein Lächeln aufs Gesucht zaubern. Denn so skurril Charaktere und Setting sein mögen, so liebenswert ist Guylain mit seinen Marotten (und seinem Goldfisch!) doch. Gerade weil er etwas exzentrisch ist, schließt man ihn ins Herz und wünscht ihm, dass er seine Liebe finden wird. Und wenn es die Klofrau ist.

Besonders gut hat mir an diesem Buch gefallen, dass es dem Autor (warum haben alle in und um dieses Buch so komplizierte Namen?!) gelungen ist, die Liebe zum geschriebenen Wort, zu Büchern, aber auch zum Vorlesen zu vermitteln. Obwohl ohne Zusammenhang und auch nur ausschnittsweise, so konnten Guylains Texte die Magie der Worte verbreiten, ohne dabei zu dick aufzutragen. Und auch Guylains Freund, der Wärter, verstand es, die Lieb zu Büchern, oder eben zu klassischen Dramen, zu illustrieren. Mich hat so richtig die Lust gepackt, einen Shakespeare Klassiker zu schnappen :D

Auch wenn ein klares Ende mit Paukenschlag ausbleibt und das Buch allgemein leise und handlungsarm ist, verbreitet es doch Hoffnung und Lebensfreude!




Fazit:
Genau das, was ich mir erhofft habe - eine kurzweilige, aber wunderschöne Geschichte, mit der man aus dem grauen Alltag entfliehen kann.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Leider die Erwartung nicht erfüllt

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Der Titel des Buches sprach mich direkt an. Und dann las ich den Klappentext und wusste einfach, diesen Roman muss ich lesen. Ich lese selbst gerne mal spannende Stellen oder Kindern Bücher vor und musste ...

Der Titel des Buches sprach mich direkt an. Und dann las ich den Klappentext und wusste einfach, diesen Roman muss ich lesen. Ich lese selbst gerne mal spannende Stellen oder Kindern Bücher vor und musste daher mehr über Guylain erfahren.
Guylain ist zuerst ein schwieriger Charakter gewesen, still, zurückgezogen und in seinem Alter wirkt er schon etwas merkwürdig. Er hat diesen Job in dieser Papierverwertungsfabrik und man kann seinen Widerwillen nachvollziehen. Schön fand ich wie er sich für die Seiten, die er retten will einsetzt. Das Vorlesen wurde dem Leser sehr schön vermittelt und warum es Guylain so wichtig ist. Er erschien mir manches mal ein wenig steif und unnatürlich, aber große Emotionen sind bei ihm wohl nur der Schreddermaschine und den Büchern vorbehalten.
Wer nun aber die große Romanze erwartet, weil er die Frau finden will, ist hier jedoch an der falschen Stelle. Der Autor schrieb hier eher nach dem Motto: "Der Weg ist das Ziel.".
Die Charaktere und ihre Eigenheiten wurden dem Leser sehr gut vermittelt, manchmal fand ich sie aber auch zu eigenartig. Irgendwie scheint es in der Umgebung von Guylain kein einzigen "normalen" Menschen zu geben. Es passt in diese Geschichte, keine Frage, aber manchmal ist weniger eben auch mehr.
Der Schreibstil des Autors ist für mich schwer einzuordnen. Er ist weder geschwollen noch zu umgangssprachlich und passt auf seine Art und Weise zu dieser außergewöhnlichen Geschichte mit französischem Charme.
Dieses Büchlein umfasst 223 Seiten und diese halten für den Leser einige Überraschungen bereit. Die Schrift ist relativ groß gewählt und zentral gesetzt. Die Seiten fliegen also nur so vorbei. Besonders schön fand ich die unterschiedlich gewählten Seitenfarben und Seitenformatierungen für die unterschiedlichen Dokumente. Dokumente, die der Schreddermaschine entrissen wurden, sehen anders aus als die Tagebuchseiten.
Dieses Buch ist wirklich liebevoll durchdacht, geschrieben und gestaltet. Mich konnte die Story leider nicht so fesseln und überzeugen wie gedachht, denn viele Fragen blieben einfach für mich offen. Und vielleicht hatte ich auch einfach mehr erwartet.