Sehr intensiver Roman
Jodie Picoult war jahrelang meine Lieblingsautorin, bis mich einige ihrer Bücher nicht mehr wirklich überzeugen konnten. Ihre letzten Romane habe ich dann nicht mehr gelesen, aber mit "Wildhonig" hat sie ...
Jodie Picoult war jahrelang meine Lieblingsautorin, bis mich einige ihrer Bücher nicht mehr wirklich überzeugen konnten. Ihre letzten Romane habe ich dann nicht mehr gelesen, aber mit "Wildhonig" hat sie eine Geschichte geschrieben, die mich wieder interessierte und welche im englischsprachigen Raum auch sehr gut bewertet wurde.
Außerdem ist mein Mann nun bald seit einem Jahr Imker und so hat mich auch das Thema Bienen interessiert, welches zu Beginn doch sehr ausufernd erklärt wird. Das könnte einige Leser etwas abschrecken.... Ich fand es hingegen bewundernswert, wie viel die Autorin hier recherchiert hat und sich mit der Imkerei auseinandergesetzt haben muss.
Olivia McAfee hat mit ihrem Sohn Asher ihren gewalttätigen Ex-Mann verlassen und kehrt in ihre Heimat in New Hampshire zurück. Dort kümmert sie sich schon seit dem Tod ihrer Eltern um deren Bienenstöcke. Die Imkerei war schon immer ein wichtiger Bestandteil ihres Lebens, den sie sich nun hauptberuflich widmet. Asher findet schnell Anschluss, ist beliebt und gehört zu den Besten im Eishockey-Team. Als er sich auch noch in Lily verliebt, ist die Welt in Ordnung. Doch dann findet Asher Lily tot in ihrem Zuhause und wird bald darauf des Mordes verdächtigt. Olivia ist von der Unschuld ihres Sohnes überzeugt, jedoch schlummern in Ash auch die Gene seines gewalttätigen Vaters.
Der Ort und seine Schulkameraden wenden sich von Asher ab, der Ex-Mann von Olivia taucht wieder auf und Asher wird verhaftet. Mutter und Sohn sind verzweifelt, denn Asher liebte seine Lily sehr. Doch kurz vor ihrem Tod hat sie ihm ein ganz besonderes Geheimnis anvertraut, welches ihm als mögliches Motiv angelastet wird...
Der Roman wird aus verschiedenen Sichtweisen und mit Rückblenden erzählt. Jodie Picoult und Jennifer Finney Bolan überraschen in "Wildhonig" mit einem Plott-Twist der mich kurz umgehauen hat. Dadurch war für mich aber auch die Aufteilung der Geschichte und ihre Themen logisch. Ich erkannte in den Gerichtsszenen die "alte" Jodie Picoult wieder, deren Art zu erzählen ich vor allem in "19 Minuten" und "Beim Leben meiner Schwester" geliebt habe. Die Gerichtsszenen nahmen viel Raum ein, waren aber spannend erzählt. Man lernt immer wieder Neues über das amerikanische Gerichtssystem...Gutes und Schlechtes.
Warum dann "nur" 3 1/2 Sterne?
Der Roman hat zu viele Längen! Vieles hätte gekürzt werden können und die Geschichte wäre trotzdem verständlich und genauso interessant gewesen.
Vor allem auf den ersten Seiten wurde sehr intensiv über die Imkerei gesprochen und sehr detaillierte Angaben gemacht. Mich hat es interessiert, weil ich erst vor kurzem durch meinen Mann mehr über Bienen weiß, aber ich denke, dass es für viele andere Leser zu langatmig war. Es waren einfach zu viele Informationen!
Auch in der Mitte gab es so einige Längen, die nicht notwendig gewesen wären, weil die Geschichte trotz allem sehr intensiv und komplex ist. Dabei haben die beiden Autorinnen sehr tiefgründige Themen gewählt, die nachhallen und extrem wichtig sind.
Mit "Wildhonig" konnte mich Jodie Picoult nicht ganz überzeugen und als Fan ihrer Bücher "zurückholen", aber sie ist wieder auf dem besten Weg....
Fazit:
Ein Roman mit sehr wichtigen Themen, der leider etwas zu viele Längen hat. Trotzdem blitzt hier die Jodie Picoult von früher wieder durch, die sich den gesellschaftskritischen und "unangenehmen" Themen widmet. Die Geschichte hallt nach und regt zum Nachdenken an.