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Veröffentlicht am 04.03.2026

Zeitreisen im Mystery-Hotel

Das White Octopus Hotel
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"Das White Octopus Hotel" zieht einen gleich zu Beginn in den Bann. Wir lernen Eve kennen. Sie ist eine zurückgezogene junge Frau, welche von einem Kindheitstrauma verfolgt wird. An ihrem Arbeitsplatz ...

"Das White Octopus Hotel" zieht einen gleich zu Beginn in den Bann. Wir lernen Eve kennen. Sie ist eine zurückgezogene junge Frau, welche von einem Kindheitstrauma verfolgt wird. An ihrem Arbeitsplatz hat sie eines Tages eine mysteriöse Begegnung. Ein älterer Mann besucht sie, der offenbar viel über sie weiß, obwohl sie der Meinung ist, dass sie ihn noch nie gesehen hat. Schließlich bittet er sie, in das Hotel zurückzukehren. In das "White Octopus Hotel". Aber dort war sie noch nie. Oder etwa doch...?


Der Schreibstil ist eher einfach, was keinesfalls negativ gemeint ist. Das Thema Zeitreisen und deren Folgen ist sowieso schon etwas komplex, daher bin ich froh, dass die Sprache nicht extra eloquent gewählt ist. In der Übersetzung haben sich ab und zu Flüchtigkeitsfehler eingeschlichen. So stand "die" statt "sie" oder "wie" statt "wir" (oder andersherum; genau weiß ich es nicht mehr) Bei einer Szene habe ich gestutzt. Einmal war von "Anzügen" und Krawatten die Rede, später von "Pyjamas". Ich weiß jedoch nicht, was im englischen Original steht.

Anhand des Klappentextes könnte man vermuten, dass es in der Geschichte "nur" um die Liebe geht, aber es geht auch viel um Trauer und Schuldgefühlen. Wie man überhaupt noch leben kann, wenn man schreckliche Dinge erlebt hat. Aber zum Glück geht es nicht nur um schwere Themen. Rätsel, Geheimnisse, mysteriöse Geschehnisse im Hotel spielen eine große Rolle. Magische Objekte, von denen man nicht weiß, wo sie zu finden sind oder ob sie überhaupt existieren. Dieses märchenhafte hat mir gut gefallen, da es einen guten Kontrast zu dunklen Szenen bildet. Miträtseln konnte man aber nur bedingt. Gruselige Momente kommen auch hier und da vor, sowie skurrile und bizarre Begebenheiten.

Die Zeitreisen an sich sind natürlich ein faszinierendes Thema. Wer möchte nicht gern in die Vergangenheit, um etwas zu ändern oder aufzuhalten. Wir alle haben vermutlich Dinge erlebt oder selber getan (oder eben nicht getan), die man mit dem heutigen Wissen anders angehen würde. Ein paar Szenen gibt es auch aus einer anderen Perspektive, dennoch sind diese nicht langweilig. Ganz im Gegenteil. Man erfährt dadurch andere Aspekte, die aus der Sicht der anderen Figur nicht vorkommen.

Eve ist felsenfest überzeugt, die Vergangenheit zu ändern. Aufgrund ihres Verlustes ist dies absolut nachvollziehbar. Wie sie aber sich selber bezeichnet, kann ich aber nur zu einem Teil nachvollziehen. Aber zum Glück habe ich aber auch nicht das gleiche wie sie erlebt. Zudem finde ich sie etwas naiv, dass sie glaubt, mithilfe eines Gegenstandes alles zum Besseren zu wenden. Aber da muss ich auch wieder sagen, dass ich nicht weiß, wie man nach einem Trauma reagiert und wie rational man ist. Zudem bin ich vielleicht auch zu sehr durch andere Zeitreisegeschichten beeinflusst.
Max hat ebenfalls schreckliche Dinge erlebt. Das historische Ereignis, in welchem er verwickelt ist, hat mich überrascht. Zunächst war ich etwas skeptisch, ob ein so furchtbares Ereignis wirklich so passend ist für ein Buch über ein mysteriöses Hotel. Aber nach Beenden des Buches finde ich es absolut in Ordnung. Bei Max wundere ich mich nur, warum er eine Person nicht erkennt, obwohl er sie eigentlich schon sehr gut kennt. Auch dass er nicht überzeugt ist, dass es magische Objekte oder Fähigkeiten gibt, obwohl er schon in der Hinsicht Erfahrungen gesammelt hat.


Das Cover ist nicht ganz mein Fall. Nur durch Zufall habe ich zunächst den Klappentext und anschließend die Leseprobe gelesen, die mich überzeugt hat. Für diese Geschichte finde ich das Cover nicht ganz passend, da es meiner Meinung nach falsche Erwartungen weckt. Mich erinnert es eher an eine etwas seichte Liebesgeschichte. Die dunkleren Aspekte der Geschichte waren für mich daher etwas überraschend, da man beim Anblick des Buches dies vermutlich erstmal nicht erwartet.

Das Ende hat mir gut gefallen. Wobei man schon vielleicht ein bisschen überlegen muss, um die Zusammenhänge und Geschehnisse zu verstehen und für sich zu ordnen. Wie bei vielen Zeitreisegeschichten ist es schon etwas paradox, dass Sachen passieren, weil sie schon in der Zukunft (oder Vergangenheit? Es ist kompliziert!) passiert sind. Da stellt sich die Frage, wie viel Handlungsspielraum man hat, wenn man weiß, dass man etwas schon getan hat und ob man überhaupt etwas ändern kann. Damit kann ich mich aber arrangieren. Ob der Autorin gelungen ist, die Handlung fehlerfrei zu gestalten, kann ich nicht mit absoluter Sicherheit behaupten. Mir sind keine Schnitzer aufgefallen. Bei der komplexen Zeitreisehandlung kann es aber auch sein, dass es mir nicht aufgefallen ist. Ich habe es einfach akzeptiert, dass Dinge geschehen, weil sie schon geschehen sind. Es kann natürlich sein, dass andere Lesenden damit ein Problem haben.
Die wichtigsten Fragen werden beantwortet, manches bleibt aber unbeantwortet. Was mir besonders gut an dem Buch gefallen hat, ist, dass man nach Beenden des Buches gleich zurück blättern möchte, um bestimmte Szenen noch mal zu lesen. Dann bekommen diese eine ganze andere Bedeutung! Und das ist bei ganz vielen so. Ich liebe sowas!
Insgesamt hat mir dieses Buch, mit kleinen Abstrichen, sehr gefallen und ich werde in Zukunft schauen, was für andere Geschichte Alexandra Bell noch veröffentlicht.



Noch ein Hinweis: Enten sollte man nicht füttern, vor allem niemals mit Brot! Es quillt im Magen auf und kann daher tödlich sein. In der Natur finden die Tiere in der Regel schon genügend zu fressen. Im Buch gibt es eine Szene, in der Charaktere Enten mit Brot füttern, daher wollte ich noch mal darauf hinweisen, dass man das nicht tun sollte.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 03.11.2025

Das Leben nach dem Femizid

Da, wo ich dich sehen kann
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Nach der Ermordung von Emma durch ihren Ehemann, lebt deren Tochter Maja bei ihren Großeltern im hessischen Glauburg. Dort hat sie Schwierigkeiten, mit dem schrecklichen Verbrechen umzugehen. Auch Oma ...

Nach der Ermordung von Emma durch ihren Ehemann, lebt deren Tochter Maja bei ihren Großeltern im hessischen Glauburg. Dort hat sie Schwierigkeiten, mit dem schrecklichen Verbrechen umzugehen. Auch Oma Brigitte und Opa Per sowie Patentante Liv sind noch fassungslos und können kaum mit der Trauer umgehen. Doch gemeinsam müssen sie versuchen, einen Weg zurück ins Leben zu finden und nicht an dieser Tat zu zerbrechen.

Jasmin Schreiber gelingt es, ein sehr schwieriges Thema unterhaltsam, aber auch feinfühlig und sensibel zu erzählen. Ihr Schreibstil geht ins poetische und enthält sehr schöne Metapher über das Leben, den Tod und vielem Mehr.

Die Kapitel sind aus verschiedenen Perspektiven verfasst, sodass man einen guten Einblick in die Gefühlswelten der Charaktere erhält. Ihre Trauer und ihr Verlust ist spürbar, aber auch die Selbstvorwürfe die sich jeder macht. Niemand hat gewusst oder erkannt, dass Emma von ihrem Mann misshandelt wurde und diese war offensichtlich nicht in der Lage, eigenständig um Hilfe zu bitten.

Verschiedene Stilmittel werden im Roman eingesetzt. So tauchen ab und zu (aber nicht zu oft) Kinderzeichnungen, fiktive Zeitungsartikel oder auch Protokolle auf. Dadurch wirkt die Geschichte noch authentischer und nahbarer.

Das Weltall ist ein Thema, was immer wieder auftaucht. Liv ist studierte Astrophysikerin und kann auch Maja für den Weltraum begeistern. Sprachlich durchzieht es ebenfalls das Buch, so wird die Trauer mit einem Schwarzen Loch verglichen, was ich sehr passend finde. Zudem ist jedem Charakter ein Sternbild zugewiesen, welches über dem jeweiligen Kapitel abgebildet ist. Majas Sternbild ist bspw. Perseus oder Livs Andromeda.



In "Da, wo ich dich sehen kann" steht das Opfer und deren Angehörige im Zentrum, der Täter nimmt keinen Raum ein. Viel zu oft geschieht es in der Realität, dass die "Täter
innen" in der Öffentlichkeit deutlich bekannter sind, als die Opfer. Jasmin Schreiber hat sich bewusst dazu entschieden, dass hier Emma und deren Familie sowie ihre beste Freundin im Fokus stehen. Das war eindeutig die richtige Entscheidung! Nicht grausame Details der Tat, sondern die Grausamkeit des Verlustes stehen hier im Mittelpunkt.

Mir hat "Da, wo ich ich sehen kann" sehr gut gefallen. Bevor man jedoch zum Buch greift, sollte einem klar sein, dass es ein sehr belastendes Thema sein kann, vor allem wenn man persönliche Erfahrungen damit hat. Es ist ein emotional aufwühlendes Werk, was aber trotzdem auch Hoffnungsschimmer hat. Es sollte von vielen Leute gelesen werden, da häusliche Gewalt leider ein weit verbreitetes Problem ist und mehr Aufmerksamkeit benötigt. Es tritt bei allen Gesellschaftsschichten auf und auch Menschen, die nach außen hin sympathisch sind und auf andere einfühlsam wirken, können innerhalb von einer Familie oder Partnerschaft gewalttätig und kontrollierend sein.
Jasmin Schreiber hat dies alles sehr gut ausgearbeitet und einen einfühlsamen Roman verfasst, der einen zum Nachdenken anregt.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Atmosphäre
Veröffentlicht am 15.08.2025

Eine Utopie oder doch eher eine Dystopie?

All Better Now
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Ein Virus, welches die Infizierten glücklich macht? Diese unglaubliche Prämisse liefert Neal Shustermans neustes Jugendbuch All Better Now.

Crown Royale, eine Weiterentwicklung von Corona, verbreitet ...

Ein Virus, welches die Infizierten glücklich macht? Diese unglaubliche Prämisse liefert Neal Shustermans neustes Jugendbuch All Better Now.

Crown Royale, eine Weiterentwicklung von Corona, verbreitet sich auf der ganzen Welt. Gerüchten zufolge sollen die infizierten Menschen grundlos glücklich sein und oft ihr bisheriges Leben auf den Kopf stellen. So sollen steinreiche Menschen ihr Vermögen verschenken, um in der Wildnis ein entbehrungsreiches Leben zu führen.

Mariel findet dieses Virus faszinierend. Ihr Leben ist kein leichtes. Sie und ihre Mutter sind obdachlos und somit liegt ihr Glück fern. Da ist es nur verständlich, dass sie sich vorstellt, sich mit diesem Virus anzustecken. Dadurch würde ihr Leben doch deutlich leichter und angenehmer... So ähnlich denkt auch Rón. Auch er hadert mit seinem Leben. Im Gegensatz zu Mariel ist er jedoch auf der vermeintlichen Sonnenseite des Lebens. Denn sein Vater gehört zu den reichsten Menschen dieses Planeten. Aber Rón hat oft depressive Phasen und wünscht sich beinahe, sich Crown Royale einzufangen. Schon bald kreuzen sich die Wege von Mariel und Rón.

Neal Shusterman schafft es, eine Welt zu zeigen, die immer mehr in zwei Lager gespalten wird. Zunächst kommt vielen der Gedanke, dass so ein Virus doch gut sein könnte. Es gibt so viel Ungerechtigkeiten auf der Welt, die durch Crown Royale beseitigt werden könnten. Doch immer mehr rückt das Bild des scheinbar perfekten Lebens durch eine Infizierung mit dem Virus ins Wanken. Die Gesellschaft spaltet sich immer mehr und auch wir Lesenden kommen ins grübeln. Ist eine Ansteckung nun erstrebenswert oder nicht? Dem Autor gelingt es, dass man sich diese Frage und viele weitere stellt. Moralische und ethische Themen, wie zum Beispiel ob man Fake News einsetzen sollte, um seine Ziele zu erreichen (meine Antwort: auf keinen Fall), kommen auf und man kann wunderbar darüber diskutieren.

Die Charaktere sind recht unterschiedlich. Mariel und Rón sowie die ehrgeizige und oft skrupellose Morgan wirken durch ihre Taten und Handlungen oftmals viel älter als sie laut Buch sein sollen. Shusterman schreckt nicht davor zurück, auch unsympathische Figuren zu schreiben, was mir grundsätzlich gut gefällt. Bei ein oder zweien hätte ich mir dennoch ein paar mehr Nuancen gewünscht, sodass sie nicht so einfach in das Gut/Böse-Schema passen. Da dies Shusterman beim Virus Crown Royale und dessen Folgen gelingt, zeigt, dass er durchaus in der Lage ist, Situationen und Handlungen differenzierter zu schreiben, was ich mir auch bei den Charakteren mehr gewünscht hätte.

Positiv erwähnen möchte ich zudem die queere Vielfalt der Charaktere in All Better Now. Diese Figuren sind zum Glück ein ganz normaler Teil der Geschichte, ohne dass ihre Queerness als etwas besonderes hervorgehoben wird. Sie sind somit ganz "normale"" Menschen wie alle anderen auch.

Das Buch ist an sich spannend, besonders zum Schluss hin. Doch fand ich einzelne Sachen nicht ganz wirklichkeitsnah und wünsche mir persönlich auch in einem Jugendbuch etwas mehr Realismus. Nichtsdestotrotz hat mir der Auftakt zu dieser neuen Dilogie insgesamt recht gut gefallen und kann sie jedem empfehlen, dem es nichts ausmacht, nach Corona ein Buch über ein weiteres (aber ganz anderes) Virus zu lesen.

Veröffentlicht am 28.07.2025

Die Kleinen ganz groß!

Im Schatten von Giganten
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Jasmin Schreiber stellt in diesem Sachbuch die Welt der kleinsten Lebewesen vor, die zumeist von uns Menschen übersehen werden. Dabei stellt sie die unterschiedlichsten Lebensräume, wie z.B. das Leben ...

Jasmin Schreiber stellt in diesem Sachbuch die Welt der kleinsten Lebewesen vor, die zumeist von uns Menschen übersehen werden. Dabei stellt sie die unterschiedlichsten Lebensräume, wie z.B. das Leben unter Steinen, im Moos und auf Blüten, vor. Selbst Mikrohabitate wie Pfützen und sogar Kadaver & Dung, welche nur für kurze Zeit existieren und an welche nur die wenigsten denken werden, bekommen ein eigenes Kapitel. Es wird von Käfern, Schnecken, Heuschrecken, Libellen und sogar von Einzellern und von vielen mehr berichtet und wie diese in ihrem jeweiligen Mikrohabitat leben.

Man merkt zu jeder Zeit, dass die Autorin voller Herzblut für die Natur und deren Lebewesen ist. Auch wenn sie über Flechten oder gar Bärtierchen schreibt, ist ihre Begeisterung (besonders) zu spüren. Das hat sich auch auf mich selbst übertragen. Durch ihre Beschreibungen und ihrer lockeren Sprache kann man ihre Faszination deutlich nachvollziehen.

Für Laien wie mich ist das Sachbuch verständlich, Fachbegriffe erklärt sie gut und ihre Entscheidung, die verschiedenen Mikrohabitate vorzustellen, war eine gute Idee. So kann man die großen und kleinen Zusammenhänge besser verstehen und erkennt, das jedes noch so kleines Lebewesen wichtig für das Ökosystem und letztlich auch für uns Menschen ist.

Die großartigen Fotos, welche die Autorin selber geschossen hat, dürfen aber auf keinen Fall unerwähnt bleiben! Die Aufnahmen sind in unglaublicher Schärfe, sodass ganz viele Details sichtbar sind und man sehr viel Zeit mit der Betrachtung dieser Fotos verbringen kann. Bei manchen bekomme ich wohlige Herbst-Vibes und einige von ihnen würde ich mir sogar an die Wand hängen!

Nach dem Lesen dieses Buches möchte ich auch am liebsten gleich (mit einer tollen Kamera) losziehen und die Natur für mich neu entdecken. "Im Schatten von Giganten" ist für alle, die sich schon für Kleinstlebewesen interessieren, aber auch besonders für die, die sich bisher nicht so für Insekten und Co. begeistern konnten

Veröffentlicht am 07.03.2025

Zauberhaftes Band zwischen Hase und Mensch

Hase und ich
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Mitten im Lockdown entdeckt Chloe Dalton ein kleines Hasenbaby mitten auf einem Feldweg. Es ist schutzlos und auch nach mehreren Stunden hat es sich nicht in Sicherheit gebracht. Nach langem Zögern beschließt ...

Mitten im Lockdown entdeckt Chloe Dalton ein kleines Hasenbaby mitten auf einem Feldweg. Es ist schutzlos und auch nach mehreren Stunden hat es sich nicht in Sicherheit gebracht. Nach langem Zögern beschließt sie, es aufzuziehen. Niemand glaubt, dass das kleine Häschen überleben wird und Informationen über Hasen sind rar gesät. Daraufhin stürzt die Autorin sich in zahlreiche Bücher und Studien und ihr gelingt das Unglaubliche. Nicht nur, dass das kleine Wesen überlebt. Es lebt in der Wildnis, aber kehrt immer wieder in das Haus zurück und kommt angelaufen, wenn es gerufen wird. Bei Chloe Dalton fühlt es sich sicher und zwischen ihnen entsteht ein einzigartiges Band.


Am Anfang hat Chloe Dalton noch keinerlei Erfahrung mit Hasen, geschweige denn mit der Natur im Allgemeinen. Vor der Pandemie verreiste sie wegen ihres Berufes ständig in weit entfernte Länder und nahm sich sogar für ihre Familie wenig Zeit. Doch als sie beginnt, sich um das kleine Hasenbaby zu kümmern und zu sorgen, verändert es auch sie schrittweise. Sie wird ruhiger, geduldiger und lernt mehr, die kleinen Dinge im Leben zu schätzen. Ihre Karriere ist ihr nicht mehr so wichtig, wie es einmal war. Sie informiert sich immer mehr über Hasen, aber auch Kräuter und Landwirtschaft. Diese Informationen teilt sie auch mit uns Lesenden, ohne das dies langweilen würde. Besonders haben mich die kurzen geschichtlichen und kulturwissenschaftlichen Einschübe interessiert, die aber nicht Überhand nehmen.

Das wichtigste in diesem Buch sind aber immer noch das Findelkind und weitere Vertreter dieser schönen Tiere. Dalton beschreibt sehr anschaulich das Äußere, wie auch die einzelnen Wesenszüge der Hasen. Man kann sich sehr gut den Garten und das Umland mit den Tieren vorstellen und viele würden bestimmt gerne nach dem Lesen der Geschichte dort ein paar Tage verbringen.
Der Schreibstil hat etwas poetisches an sich und passt hervorragend zu den Geschehnissen.
Überrascht hat mich, wie wenig über Hasen in der Gesell- und Wissenschaft wirklich bekannt ist. Sie leben in ganz Europa und darüber hinaus und dennoch gibt es zu ihnen nicht so viele Infos, wie man es erwarten würde, bzw. manche "Fakten" stellen sich als falsch raus.
Zum Ende gibt es eine Auflistung von Büchern und Studien. Dadurch kann man sich sicherlich noch weitere über bestimmte Themen informieren.

Besonders schön sind die Hasenzeichnungen zu Beginn jedes Kapitels sowie passende Zitate aus Büchern. Schon allein deswegen lohnt es sich immer wieder, das Buch in die Hand zu nehmen.
Eine Karte der Scheune, des Gartens sowie der Landschaft ringsum ist ebenfalls im Buch abgedruckt. Dies ist sehr hilfreich, dennoch war ich mir ab und zu im Unklaren, wo genau sich eine Szene abspielte, was vielleicht aber auch an mir liegen könnte.
Bei einem Kapitelnamen ist ein Fehler. Es müsste vier Monate und nicht Wochen heißen. Bei der Kapitelübersicht zu Beginn ist dies noch korrekt. Auch ein, zwei weitere kleine Fehler im Text (fehlendes "zu") sind mir aufgefallen, aber sicherlich wird dies bei der nächsten Auflage berichtigt.

Diese wahre Geschichte hat mich mit jedem weiteren Kapitel mehr in seinen Bann gezogen, wie auch die Faszination Daltons mit Hasen und der Natur sich immer mehr steigert und verfestigt. Man geht mit auf eine wunderbare Reise, die auch emotionale Aspekte beinhaltet. Zum Schluss wird deutlich, dass der Mensch wieder viel mehr Acht auf die Natur und deren Bewohner geben muss. Wir Menschen haben uns von von alldem abgekapselt und distanziert und haben uns dadurch von uns selbst entfernt. Dabei ist es möglich, dass Tiere und Menschen koexistieren, wenn man es nur will. Wir können so viel mehr über das Leben erfahren, wenn man im Einklang mit der Natur lebt.

Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung für dieses zauberhafte Buch und ich bin mir sicher, dass alle viel daraus mitnehmen können. Auch nach dem Beenden der Geschichte lässt sie mich immer noch nicht los und ich möchte erfahren, wie es den Hasen dort weiterhin ergeht.