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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 03.10.2025

Gesellschaftskritik ohne Richtung

Hustle
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Schon die ersten Seiten haben mich sofort in Leonies Situation hineingezogen: München als Stadt, in der das Gehalt nicht für die Miete reicht, wo Einsamkeit, Überforderung und ständige Geldsorgen den Alltag ...

Schon die ersten Seiten haben mich sofort in Leonies Situation hineingezogen: München als Stadt, in der das Gehalt nicht für die Miete reicht, wo Einsamkeit, Überforderung und ständige Geldsorgen den Alltag bestimmen. Diese Verzweiflung wird durch den kurzen, prägnanten Schreibstil sehr eindringlich transportiert. Die Sprache ist knapp, voller schwarzem Humor, manchmal fast schneidend. Ich habe beim Lesen mehrfach geschmunzelt, obwohl die Lage selbst oft trostlos ist.

Thematisch greift das Buch wahnsinnig aktuelle Fragen auf: Wohnungsnot, soziale Isolation, Kapitalismus und die Ausbrüche, die daraus folgen können. Gerade dieser Ansatz hat mich zu Beginn begeistert. Ich hatte das Gefühl, hier könnte eine radikale, schonungslose Gesellschaftskritik erzählt werden, die mich noch lange beschäftigen würde. Doch dieser Eindruck verläuft sich leider. Die großen Themen bleiben im Hintergrund, es gibt kaum Reflexionen oder tiefergehende Gedanken dazu, und so werden sie zwar angerissen, aber nicht zu Ende geführt.

Stattdessen verlagert sich die Handlung auf Leonies unkonventionelle Wege, sich über Wasser zu halten – von Racheaktionen für andere bis hin zu einem sozialen Aufstieg in eine Clique von Frauen, die eigentlich einer ganz anderen Schicht angehören. Dass sie am Ende keine Geldsorgen mehr hat und sich angekommen fühlt, wirkte auf mich zu plötzlich, fast wie ein Sprung. Ob das eine wirklich positive Entwicklung ist, bleibt für mich fraglich. Entgegen des groß beworbenen Zitats auf dem Cover hatte ich nicht das Gefühl, motiviert zu sein, selbst „Banden zu bilden“, sondern eher, dass die Geschichte offen und unfertig zurückbleibt.

Unterm Strich bleibt für mich ein Buch, das stark beginnt, mit einem tollen Schreibstil und einer sehr eindringlichen Protagonistin, dann aber zu sehr ins Offene läuft. Vieles, was am Anfang spannend und kritisch eingeführt wird, verpufft, ohne weitergedacht zu werden. Für mich macht es das Buch zwar lesenswert, aber am Ende nicht ganz so radikal, gesellschaftskritisch oder prägend, wie es hätte sein können.

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Veröffentlicht am 24.09.2025

Kleine Impulse

Slow Weekends
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Der Aufbau ist wirklich gelungen: sortiert nach Bergen, Gewässern, Städten, Land und sogar Zugreisen, mit Übersichtskarten am Kapitelanfang. Auch die großformatigen Fotos sind wunderschön und machen direkt ...

Der Aufbau ist wirklich gelungen: sortiert nach Bergen, Gewässern, Städten, Land und sogar Zugreisen, mit Übersichtskarten am Kapitelanfang. Auch die großformatigen Fotos sind wunderschön und machen direkt Lust, die Tasche zu packen.

Inhaltlich bleibt es allerdings eher bei einer knappen Inspiration. Pro Ziel gibt es meist nur ein paar Absätze, die zum Träumen anregen, aber wenig konkrete Tipps liefern. Vereinzelt werden Restaurants, Hotels oder Aktivitäten genannt, die meiste Zeit bleibt es bei einer kurzen Beschreibung der Region.

Für echte Reiseplanung ist das Buch zu oberflächlich, für Ideen und Stimmungsbilder aber schön gemacht. Ein netter Einstieg ins Thema „Slow Travel“, auch wenn der Preis von 25 € dafür etwas hoch angesetzt ist.

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Veröffentlicht am 22.09.2025

Wenig Gutes

Die 1-Minuten-Strategie gegen mentale Erschöpfung
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Tja, das Design war wirklich mal etwas Neues, der Inhalt dagegen leider nicht. Es geht wieder um die üblichen Verdächtigen: Selbstfürsorge, Achtsamkeit, Offline-Zeiten, Tagebuch schreiben, Bewegung, Stressabbau. ...

Tja, das Design war wirklich mal etwas Neues, der Inhalt dagegen leider nicht. Es geht wieder um die üblichen Verdächtigen: Selbstfürsorge, Achtsamkeit, Offline-Zeiten, Tagebuch schreiben, Bewegung, Stressabbau. Einzig das Kapitel zum Thema Bore-out fand ich interessant, weil es für mich neu war und endlich mal ein Aspekt angesprochen wurde, der sonst oft fehlt.

Trotz beworbener 194 Seiten war ich ungefähr einer Stunde durch. Für 17 € ist das, ehrlich gesagt, eine Zumutung.

Die Tipps selbst sind ebenfalls wenig innovativ und oft nicht so „sofort und überall“ umsetzbar, wie versprochen. Statt wirklich kurze, alltagstaugliche Übungen zu finden, gab es die immer gleichen Ratschläge: Benachrichtigungen ausschalten, Energieräuber aufschreiben, Pausen planen, Gefühle aufschreiben, „Nein“ sagen… alles schon zig Mal gelesen. Ich hätte mir ein paar kurzweilige Übungen gewünscht. Etwas schnelles zum Vagusnerv stimulieren, Atemtechniken, Summen, Klopftechniken, Dehnübungen...

Richtig negativ aufgestoßen ist mir dann aber der „Tipp“, kaltes Wasser zu trinken, um den Energieverbrauch des Körpers zu erhöhen. Statt Pasta soll man Zoodles verwenden, um den Wasserhaushalt auffüllen. Das klingt nach #skinnytok und hat in einem Buch über mentale Gesundheit für mich absolut nichts verloren.

Schade, das Thema hätte Potenzial gehabt, aber so bleibt es für mich enttäuschend oberflächlich.

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Veröffentlicht am 22.09.2025

unteres YA

Soulmates and Other Ways to Die
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Trotz des wunderschönen Covers und der eigentlich ganz witzigen Prämisse konnte mich das Buch überhaupt nicht abholen. Vielleicht bin ich dafür schlicht und einfach zu alt. Ich würde es eher jungen Teens ...

Trotz des wunderschönen Covers und der eigentlich ganz witzigen Prämisse konnte mich das Buch überhaupt nicht abholen. Vielleicht bin ich dafür schlicht und einfach zu alt. Ich würde es eher jungen Teens empfehlen als jungen Erwachsenen.

Der Schreibstil ist sehr jugendlich, und das merkt man besonders in den Dialogen: viel Banter, aber eher auf Grundschulniveau. Tiefe sucht man vergeblich, und vieles klang für mich einfach zu gewollt.

Die Handlung ist ziemlich an den Haaren herbeigezogen. Ich hab weder geglaubt, dass Zoe und Milo wirklich „Feinde“ sind, noch konnte ich ihren Gedanken und Entscheidungen viel abgewinnen. Alles passiert einfach irgendwie – logisch ist das aber selten.

Die Romanze war für mich auch eher lasch. Wenn schon vorbestimmt, dann müsste wenigstens der „Enemies“-Teil zünden oder die Chemie stimmen. War aber beides nicht der Fall. Statt echter Verbindung gibt es körperliche Anziehung – das reicht mir persönlich nicht, um mitzufiebern.

Insgesamt: Idee nett, Umsetzung leider nicht meins. Wer was Lockeres für zwischendurch sucht und unter 16 ist, könnte damit vielleicht mehr anfangen.

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Veröffentlicht am 09.09.2025

Wahr?

Protokoll eines Verschwindens
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Das Cover hat mir sofort gefallen und auch das True-Crime-Thema hat mich direkt angesprochen. Als langjährige Hörerin von True-Crime-Podcasts war meine Neugier sofort geweckt.

Man merkt dem Buch an, dass ...

Das Cover hat mir sofort gefallen und auch das True-Crime-Thema hat mich direkt angesprochen. Als langjährige Hörerin von True-Crime-Podcasts war meine Neugier sofort geweckt.

Man merkt dem Buch an, dass der Autor sehr gründlich recherchiert hat – Interviews, Quellen, dazu eigene Ausschmückungen. Das funktioniert insgesamt gut, auch wenn ich mich beim Lesen immer wieder gefragt habe, wie wohl die Betroffenen über diese Mischung aus Fakt und Fiktion denken. Der Reiz von True Crime liegt ja oft darin, möglichst nah an realen Ereignissen zu sein. Hier bewegt sich die Erzählung irgendwo dazwischen: teils Akte, teils zusammengereimte Geschichte. Dadurch entsteht zwar ein spannender Roman, aber eben nicht der ganz klassische True-Crime-Effekt.

Die verschiedene POVs, Einschübe aus Sicht des Autors und Auszüge gehören im Genre zwar dazu, haben mich hier aber manchmal aus dem Lesefluss gebracht.

Trotzdem: Insgesamt ein spannendes Buch, das man gut lesen kann. Gerade, wenn man Lust auf True Crime mit literarischer Note hat, ist es definitiv einen Blick wert.

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