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AdelheidSchlegel

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 01.10.2025

Ironie vom Feinsten

Prinzessin Alice
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... würde ich diesen Roman bezeichnen. Die Autorin hat Alice Mountbattens Biografie sehr gut recherchiert und einen Lebensabschnitt dieser skurrilen Persönlichkeit aus deren Blickwinkel erzählt. Prinzessin ...

... würde ich diesen Roman bezeichnen. Die Autorin hat Alice Mountbattens Biografie sehr gut recherchiert und einen Lebensabschnitt dieser skurrilen Persönlichkeit aus deren Blickwinkel erzählt. Prinzessin Alice war die Mutter von Phillipp, dem Prinzgemahl Elisabeths II.
Die Seitenhiebe auf die aristokratische Gesellschaft sind einfach köstlich! Sie hatte sich eingerichtet in ihrem Kokon, die politischen Verhältnisse interessierte sie nicht im Geringsten ganz im Gegensatz zu ihrer restlichen Familie. Selbst den Hass ihrer Töchter, der ihr entgegenschlug kommentierte sie sarkastisch. An einer Stelle sagt sie: „Man muss die eigenen Kinder nicht mögen, solange man sie nur liebt.“
Alice versteckte sich hinter ihrer Taubheit, obwohl sie mehrere Sprachen von den Lippen lesen konnte, behielt ihre Intelligenz für sich und machte sich diese zunutze. Ihre Zwiesprache mit Gott ist brillant! Selbst in der Psychiatrie, in die sie ihre Schwägerin einweisen ließ, fand sie ihren Weg, es gelang ihr sogar die Flucht. Als Nonne verkleidet wohnte sie in der Nähe ihrer Töchter, kommentierte in bissigen Bemerkungen deren Werdegang verheiratet mit hoch-rangigen Nazis.
Zurück in Athen bezog sie das verwaiste Schloss, ohne dass irgendjemand Notiz davon nahm. Den Zweiten Weltkrieg bezeichnete sie als Krieg der Battenbergs gegen die Mountbattens. Sie schrieb ihren Kindern, sie sollen sie doch in Griechenland besuchen.
„Sie antworteten nicht. Aber meine Töchter schickten ihre Landsleute.“

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Veröffentlicht am 15.09.2025

Toxische Beziehungen

No Way Home
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Von asc259

No Way Home bedeutet kein Weg zurück. Jedes Kapitel der Story ist aus dem Blickwinkel von einem der drei Protagonisten geschrieben.
Terry ist Assistenzarzt in einer Klinik in L.A. Als seine ...

Von asc259

No Way Home bedeutet kein Weg zurück. Jedes Kapitel der Story ist aus dem Blickwinkel von einem der drei Protagonisten geschrieben.
Terry ist Assistenzarzt in einer Klinik in L.A. Als seine Mutter stirbt, fährt er in die Kleinstadt mitten in Nevada, um den Hausstand aufzulösen. Ihm begegnet Bethany und nach einem One-Night-Stand, nistet sie sich gegen Terrys Willen in seinem Haus ein und schaltet und waltet dort nach Belieben.
Terrys Denkweise erscheint noch so halbwegs logisch. Er lebt in der Stadt und kann sich so gar nicht mit dem Leben in Nevada anfreunden. Außer Kneipen und einem künstlichen See hat dieses Nest nichts zu bieten.
Bethany ist dort aufgewachsen. Mit ihrem langjährigen Freund ist Schluss, da kommt ihr der Arzt aus L.A. mit Haus gerade gelegen. Sie ist ein naives Blondchen, das sich amüsieren will. Die beiden passen von Anfang an nicht zusammen.
Auch Jesse ist in diesem Nest aufgewachsen und er und Bethany waren drei Jahre lang ein Partypärchen. Er war es zwar, der Bethany verlassen hat, doch als Terry auftaucht, versucht er seine selbstverständlichen Besitzansprüche an Bethany durchzusetzen.
Der Roman ist ein emotionales Desaster. Jesse ist brutal, stalkt Bethany, drängt sich immer wieder in ihr Leben und es gelingt ihm vielleicht auch.
Der Schluss war dann noch einmal eine gute Überraschung.
Auch wenn der Roman amerikanisches Leben widerspiegelt, kann ich ihm nicht so viel abgewinnen, um die volle Punktzahl zu rechtfertigen.

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Veröffentlicht am 28.08.2025

Ich sehe was, was du nicht siehst...

Was du siehst
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… und das ist eine unbeschwerte Kindheit und Jugend auf der östlichen Seite der Elbe im Grenzsperrgebiet. Hier wachsen Jule und Andi heran und spielen immer wieder dieses Spiel „Ich sehe was…“ Aus der ...

… und das ist eine unbeschwerte Kindheit und Jugend auf der östlichen Seite der Elbe im Grenzsperrgebiet. Hier wachsen Jule und Andi heran und spielen immer wieder dieses Spiel „Ich sehe was…“ Aus der Freundschaft wird Liebe, beide haben ihre Vorstellungen von ihrem Beruf, planen ein gemeinsames Leben. Der 9. November 1989 wird alles verändern. Jule macht sich auf den Weg, ihren Vater zu suchen, von dem angenommen wird, dass er sich in den Westen abgesetzt hat.
Es ist ein leichtes Buch, ohne viel Action und trotzdem war es spannend für mich. Jule, die vermeintlich ihrem Vater durch die Welt hinterherreist, während Andy als Förster bodenständig geblieben ist. Die Idee, jedem Kapitel eine Farbe zuzuordnen finde ich interessant.
Selbst in der DDR aufgewachsen finde ich vieles wieder was auch meine Kindheit und Jugend prägte. Alles in allem ein gelungenes Buch.

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Veröffentlicht am 20.08.2025

Achterbahnleben

Meine Mutter
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Der Roman, Bruchstücke zur Biografie der Mutter, beginnt mit der Beerdigung. Sie hatte Suizid begangen und die Autorin kann sich nicht erinnern, dass sie irgendetwas empfunden hat am Tag der Beisetzung. ...

Der Roman, Bruchstücke zur Biografie der Mutter, beginnt mit der Beerdigung. Sie hatte Suizid begangen und die Autorin kann sich nicht erinnern, dass sie irgendetwas empfunden hat am Tag der Beisetzung. 40 Jahre später befasst sie sich dann doch mit dem Leben ihrer Mutter und begibt sich mit Fotos, Tagebüchern ihrer Verwandten, Aufzeichnungen ihres Großvaters zum Ursprung, einem kleinen Ort in Schlesien am Fuße des Riesengebirges. Dort wurde Gila, die Mutter der Autorin geboren hatte unbeschwerte Jahre im Nest ihrer Familie, war die niedliche Prinzessin für ihren Vater, dem Besitzer eines Sanatoriums. Das Kriegsende ändert alles, die Familie wird vertrieben, fasst Fuß in Celle.
Gila heiratet, doch das Ehepaar ist nicht wirklich glücklich. Auf beiden Seiten gibt es Affären, Streit, Depressionen und Fasen der Überschwänglichkeit. Das ist dann die Zeit, die auf eigenen Erinnerungen der Autorin beruht.
Es ist eine gelungene Aufarbeitung von Liebe und Enttäuschung, bei der sich am Ende doch Trauer einstellen wird.

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Veröffentlicht am 08.08.2025

Deprimierend

Adlergestell
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Drei Schulanfängerinnen aus der Eigenheimgasse bei der Berliner Ausfallstraße Adlergestell sind auf sich allein gestellt und was sie so Tag für Tag anstellen, kann man schon nicht mehr nur als Blödsinn ...

Drei Schulanfängerinnen aus der Eigenheimgasse bei der Berliner Ausfallstraße Adlergestell sind auf sich allein gestellt und was sie so Tag für Tag anstellen, kann man schon nicht mehr nur als Blödsinn bezeichnen. Die Eltern, eine alleinerziehende Mutter, die den ganzen Tag unterwegs ist, ein arbeitsloser prügelnder Vater, der oft betrunken ist und eine depressive Mutter, die Männer empfängt, kümmern sich wenig um ihre Mädchen. Ich stelle mir an dieser Stelle die Frage, gab es denn keinen Schulhort, der wenigstens einen Teil der überflüssigen Freizeit der Kinder auffing? Alles ist düster, nichts Positives. Anfangs wollte ich diesem Roman nur 3 Sterne vergeben. Doch gegen Ende hin haben mich die Biografien der handelnden Randfiguren, Mütter, Schwiegermutter, Lehrerin, Tante doch mitgenommen, auch wenn diese ebenfalls deprimierend sind. Ein Roman, der die untersten Schichten der Gesellschaft beleuchtet.

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