Profilbild von AerdnaLiest

AerdnaLiest

Lesejury-Mitglied
offline

AerdnaLiest ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit AerdnaLiest über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 28.02.2026

Idee mit Potenzial - konnte mich aber leider nicht abholen.

Mama will ihr Haus vererben
0

Die Idee zu Mama will ihr Haus vererben fand ich sehr gewitzt, tatsächlich mal einzigartig und damit per se interessant.

Die Autorin hat einen angenehmen Schreibstil, der anspricht und sich fließend lesen ...

Die Idee zu Mama will ihr Haus vererben fand ich sehr gewitzt, tatsächlich mal einzigartig und damit per se interessant.

Die Autorin hat einen angenehmen Schreibstil, der anspricht und sich fließend lesen lässt; besonders schön finde ich die hier und da eingestreute Bildsprache, die das eine oder andere liebevolle, witzige, lebendige Bild erzeugt und die Fantasie mitlesen lässt. So ist es beispielsweise nicht einfach ein Garten im Regen, sondern „das Grün im Garten“ wirkt durch den Regen wie „riesige Wasserpflanzen in einem Aquarium“. Ich mag so etwas - es bringt einen persönlichen, sympathischen und sehr menschlichen Touch ins Buch.

Die Charakteranzahl und -einführung finde ich gut gelungen und nachvollziehbar, allerdings weisen einige der Charaktere für mich große erzählerische Schwächen auf; wo einige Nebenfiguren eine überraschend starke, teilweise komplexe Wirkung mitbringen, konnte mich insbesondere die Hauptfigur, Katrin, nicht überzeugen.

Dieses Buch bringt viele Themen mit hohem Potenzial mit, greift sie aber bedauerlicherweise kaum tiefgehend auf. Gerade in Katrin, mit dem über sie vermittelten Frauenbild, lag eine Riesenchance für ein richtig großes Thema, die m.E. nicht ausgeschöpft wurde. Wir haben hier einen exzellenten Ansatzpunkt für die Auseinandersetzung mit Emotional und Mental Load, Daughtering, Mankeeping und People Pleasing, der verpufft. Das finde ich ausgesprochen schade und ich hatte mir im Voraus gerade in dieser Hinsicht eine Auflösung mit einem tollen Learning erhofft.

Die Thematik schreit ja förmlich nach einer Katrin, die erstarkt, die aus dem toxischen familiären Irrsinn aussteigt, sich selbst findet und neu in Beziehung setzt. Die vielleicht regelrecht als eine Art neuer „Leader“ die Familie aufräumt und Heilung anstößt - in sich selbst. Umfassend, dauerhaft, langfristig. Hier bin ich mir jedoch nicht sicher, ob Katrin wirklich tiefgreifend dazu gelernt, oder ihren destruktiven Kreislauf nur für kurze Zeit unterbrochen hat. Bis die nächste Krise kommt.

Hauptproblem für mich war eine Art Verschiebung in der Erzählung. Die Informationen zum Erleben, Denken, Fühlen der jeweiligen Charaktere, die ich gebraucht hätte, um ihre Beweggründe zu verstehen, wurden verspätet und oft nur andeutungsweise in die Handlung eingearbeitet. Durch die Teilnahme an der Leserunde habe ich erkannt, dass ich die Personen so oft ganz anders verstanden habe, als sie gemeint waren oder es sind eben auch viele Fragezeichen verblieben. Wo die Handlung sich an der einen Stelle zieht und auf der Stelle tritt, poltert sie an der anderen viel zu plötzlich, viel zu schnell Knall auf Fall los und spitzt sich auf fast schon absurde Weise zu, ohne aber eine wirkliche, friedliche Auflösung anzubieten.

Das manche Lösungen drastisch verbleiben, denke ich, ist einfach lebens-realistisch. Menschen sind manchmal extrem, manches zerbricht und kann oder will nicht gekittet werden und das ist OK. Es gibt nicht immer ein Happy End und nicht immer die optimale Wunsch-Lösung. Diese Erkenntnis können wir aus Mama will ihr Haus vererben auf jeden Fall ziehen; wer seinen Frieden damit macht, lebt zufriedener.

Da darf man auch der Autorin ihren eigenen Weg und Plan akzeptierend zuschreiben. Doch was genau der ist, welche Aussage das Ziel ist, ist auch mir nicht klar geworden.

Und dennoch fehlt mir mehr Tiefe, mehr Verbindung. Was passiert zum Beispiel mit einer Pia, der man die Hand reicht? Oder mit Geschwistern, die sich ehrlich, offen mit integrer Authentizität aussprechen und klar in den Raum stellen „ja, hier läuft was schief, hier findet Missbrauch statt und wir machen das nicht mehr mit, Mama“?

Nachdem ich die Buchbeschreibung nochmal gelesen habe, muss ich aber auch resümieren, dass das Buch in keinster Weise wie von mir und scheinbar auch anderen Rezensenten erwartet angekündigt wird. Für einen reinen Unterhaltungsroman allerdings ist mir die Katrin zu schwer. Vielleicht liegt hier der Hase im Pfeffer.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 28.02.2026

Berührend, wärmend, stärkend und Mut machend.

Dein Glück kommt von Herzen
0

Dein Glück kommt von Herzen durfte ich als Freiexemplar lesen und habe mich sehr gefreut: mitten in einem Migräneschub kam dieses niedliche kleine Päckchen bei mir reingesegelt und mit der Vorfreude auf's ...

Dein Glück kommt von Herzen durfte ich als Freiexemplar lesen und habe mich sehr gefreut: mitten in einem Migräneschub kam dieses niedliche kleine Päckchen bei mir reingesegelt und mit der Vorfreude auf's Lesen war die erzwungene Wartezeit gleich viel leichter :)

Schon da zeigt sich, welche Kraft Bücher und kleine Dinge haben! Was denn auch das Buch uns auf sehr zartfühlige Weise mit gibt.

Das Büchlein ist noch hübscher, als ich es auf den Bildern online erkennen konnte. Der matte, leicht griffige, Karton mit den pastellig-aquarelligen Zeichnungen und die fein ziselierten Goldprägungen - eine Gestaltung mit viel Liebe, die man spürt.

Besonders schön finde ich auch die Zeichnung in der vorderen Umschlagklappe (die sich spitze als Lesezeichen eignet, ich lieb's!) - ein Plätzchen vor der Balkontür im Grünen, Holzboden, weiche Kissen; eine schöne Einladung, sich zum Lesen einen Herzens-Platz zu suchen. Ein geschickter kleiner Kniff ist das weiß gelassene Notizbuch mit Stift in dem Motiv - meine Fantasie hat die sofort mit den Farben und Mustern meines Lieblings-Schreibwerkzeugs ausgefüllt; raffiniert gemacht! Man kommt direkt in die Freude, in die Fantasie, die Aktivität.

Ich empfinde „Dein Glück kommt von Herzen“ als warmherzig geschrieben; eine freundliche, liebevolle Herangehensweise an tiefe Themen. Und so hat dieses scheinbar kleine Büchlein es denn auch in sich. Ich musste es erst einmal wieder weg legen, weil es mich unerwartet tief getroffen hat und ich das in dem Moment, als es mich gefunden hat, noch nicht tragen konnte. Umso dankbarer war ich daher für den Hinweis auf Hilde's und Mina's Erkenntnisse in der Geschichte, dass auch wir Natur sind und die Natur ihre Zyklen hat, wir also nicht dauerhaft das gleiche Tempo an den Tag legen können, ohne unsere Grenzen zu überschreiten, dass wir Pausen brauchen und uns Zeit nehmen müssen, unseren eigenen Rhythmus finden; was ich dann auch erst einmal, trotz der im Hinterkopf stehenden „Rezensionspflicht“ getan habe, damit es mir weiter gut gehen kann.

Schon auf der Hälfte des Buches hatte ich dann auch bereits ein halbes Notizbuch mit eigenen Impulsen und Ent-wicklungen gefüllt. Dieses Buch ist eine Einladung: sich mit sich selbst und der eigenen Geschichte auseinanderzusetzen und in Frieden zu bringen. Es ist ein Werkzeug, das viel Tiefe mitbringt, wenn man sich darauf einlassen mag.

Thematisch geht es um Ranja, eine Mutter, die, um weiter funktionieren zu können, sich gegen ihren Schmerz so hart gemacht hat, dass sie ihre Weichheit und Beweglichkeit verloren hat, einen großen Teil des Kontaktes zu sich selbst; und darüber auch ein halbes Leben lang ihre Tochter verpasst. Auch Schwester und Mutter.

Und Mina, eine Tochter, die, reflexhaft eine liebevolle Geste des Trostes gegenüber ihrer Mutter ausführend, dabei sofort aufschreckt und feststellt, dass sie schneller gehandelt hat, als sie darüber nachdenken konnte und erst hineinfühlen muss, dass sich das heute gut anfühlt. Früher aber nicht.

Sowie um Rike, Schwester und Tante, die auf ihre Weise eben so viel verloren hat, wie Ranja und Mina; die gemeinsam Abschied von ihrer Mutter und Großmutter Aruna nehmen und dabei das Ungesagte ihrer Familiengeschichte auflösen, während sie mannigfaltige emotionale Hürden und ein großes Geheimnis überwinden, um wieder zueinander zu finden. Es geht um Herkunft, Verbindung und gesunde Beziehungsführung, aber auch um Selbstfürsorge und Selbst-Entwicklung. Um Verantwortlichkeiten. Um Verbundenheit mit den eigenen Ahnen, der Natur, dem eigenen Körper und der Seele. Und es geht um das Brechen transgenerationaler Kreisläufe und Ent-Elterung.

Besonders wertvoll finde ich die Übung der Dankbarkeitspraxis, sich die „sicheren Häfen“ aufzuschreiben, die man auf seinem Weg schon anzusteuern geschafft hat. Das ist eine sehr effektive, wenig aufwendige Übung mit großer Wirkung, die einem schnell einen Fokuswechsel verschafft und entlastet.

Kathrin Sohst schreibt sehr warmherzig, zartfühlig und vor allem mit einer pointierten Beobachtungsgabe.

Mir hat sehr gut gefallen, dass im Text kontinuierlich der Fokus auf das gelenkt wird, was die Charaktere spüren. Das ist eine sehr einfache, aber effektive Technik, um sich immer wieder bewusst im Hier und Jetzt zu verankern und sein Körpergespür zu vertiefen. Besonders die beschriebene Verbindung zur Natur tut dabei spürbar gut.

Die „Innerlichkeit“ des Psychologischen Schreibens macht sehr gut Minas sukzessive Entwicklung sichtbar und motiviert dazu, mit zu gehen, selbst einmal eine Innenschau vorzunehmen, die Perspektive zu wechseln.

Als wichtigstes Tool, man kann es nicht oft genug sagen, empfinde ich die Erzählweise der Autorin, die stets das Sich-Raum-Geben in den Vordergrund stellt.
Das ist unheimlich wichtig und tragend.
Nur wenn dieser sichere Boden bereitet ist, Stabilisierungstechniken verinnerlicht sind, können wir diese tiefen Themen angehen und ziehen uns dabei nicht den Boden unter den Füßen weg.

Dein Glück kommt von Herzen ist dabei m.E. ein sehr guter Begleiter.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 28.02.2026

Wunderschöne Literatur.

Sommer auf Perigo Island
0

Sommer auf Perigo Island hat mich tief berührt.

Perry Chafe schenkt uns hier eine vielschichtige Erzählung mit Charakteren, die mit Komplexität und ihrem Facettenreichtum beeindrucken.
Im wahrsten Sinne ...

Sommer auf Perigo Island hat mich tief berührt.

Perry Chafe schenkt uns hier eine vielschichtige Erzählung mit Charakteren, die mit Komplexität und ihrem Facettenreichtum beeindrucken.
Im wahrsten Sinne des Wortes: sie hinterlassen Eindrücke, hallen nach.

Bennie, Pierce und Thomas, drei Jungs im beginnenden Teenager-Alter, die jeder auf seine Weise den Herausforderungen des Dazwischen begegnen; der Gratwanderung zwischen Vernunft und Emotion, zwischen Erwachsenwerden und Kindsein, und dabei begleitet werden von Emily, Bennies Cousine aus New York.

Dass diese die erzählerische Perspektive einer Art „Stranger in a strange Land“ einnimmt, war für mich ein besonders spannender Aspekt des Romans.
Wo zunächst die drei Jahre ältere, schließlich verloren gehende, Anna in einem eigenen, abgegrenzten Handlungsstrang diese Funktion für Pierce, unseren Hauptprotagonisten, erfüllte, und ihm eine erste zarte Auseinandersetzung mit sich und seinem Empfinden in geschütztem Raum ermöglichte, erscheint nun Emily auf der Bildfläche, die einen spannenden Kontrast erschafft: plötzlich dehnt sich Pierce' eigene Erfahrung mit diesem Herantasten an eine neue Erfahrungswelt auf die Gruppe der Freunde aus, werden bisher geschlossene Beziehungsräume geöffnet und herausgefordert.

Was für ein spannendes Bild, dass ausgerechnet Emily Pierce hilft, Anna wiederzufinden. Sommer auf Perigo Island bringt durchweg eine symbolstarke Bildsprache mit, das gefällt mir sehr.

Es ist kein schnelles, atemloses Buch, sondern eine bewegende Geschichte, die sich in aller Ruhe entwickeln darf. Während sich interessante und vielseitige Beziehungen entfalten, entstehen unerwartete Allianzen und Verflechtungen, die einen nicht minder spannenden Kriminalfall einrahmen.

Der Plot ist fesselnd und hat viele kleinere und größere Twists, die nach und nach eine soghafte Wirkung aufbauen. Es werden viele wichtige und tiefgehende Themen angesprochen - psychosoziale, sozioökonomische, ökologische - ich denke, hier wird jeder fündig, der gerne bedeutungsvolle Literatur liest, die zum Nachdenken anregt, Learnings mit auf den Weg gibt und tiefe Emotionalität mitbringt. Für mich ist es ein Volltreffer!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 28.02.2026

Berührender Cozy Crime mit tollem Spannungsaufbau.

Hunter B. Holmes - Mord in der besten Gesellschaft
0

Wolf September liefert uns hier einen wunderbar wendigen und herzerwärmenden Feelgood Krimi mit exzellentem Plot, spannenden Twists und einer berührenden Love Story als Sahnehäubchen.

Ein bisschen Kitsch, ...

Wolf September liefert uns hier einen wunderbar wendigen und herzerwärmenden Feelgood Krimi mit exzellentem Plot, spannenden Twists und einer berührenden Love Story als Sahnehäubchen.

Ein bisschen Kitsch, ein bisschen Pomp, ganz viel Rätselraten und eine ordentliche Portion typisch englischer Adels-Snobismus, verpackt in viel Humor und starke Integrität: Die Charaktere sind intensiv gezeichnet mit einer sehr starken Leitfigur, die beeindruckt und Spaß macht. Es ist ein Buch, das sich selbst nicht über-ernst nimmt und dabei ganz entspannt abliefert.

Während sich spannende Beziehungen und Verwicklungen entfalten, menschliche Abgründe auftun, aber auch höchste Höhen, läuft man beständig auf dem Grat zwischen vermuten, ein klein wenig wissen und dem Überrascht-Werden. Das macht Spaß, bringt Spieltrieb und Freude rein und hält die Spannung. Wirklich schön, das macht das Buch so gut.

Man hält nach und nach alle Fäden in der Hand, die Hinweise sind geschickt gesetzt, und bekommt sie trotzdem nicht zusammengeflochten; sieht viele Bäume aber nicht den Wald. Mord in der besten Gesellschaft wird niemals langweilig.

Und schließlich ist es fast ein bisschen schade, dass es zu Ende ist.

Ein zartes Ende, mit dem man in Ruhe wieder ankommen und nach der Aufregung die Anspannung wieder gehen lassen kann. Schön eigentlich, noch einmal sanft an die Hand genommen zu werden und in den Ausklang zu gehen.

Überrascht und besonders bewegt hat mich die tiefe Menschlichkeit, die sich wie ein roter Faden durch das Buch zieht. In der härtesten Schale steckt die weichste Nuss; ein Mensch voll vielleicht tiefstem Schmerz und Empfindsamkeit. Selten gelingt es Autoren so, wie Wolf September, Menschen so zu nehmen wie sie sind; herausfordernde Seiten würdigend zu benennen, ohne die lichteren zu entwerten.

Einen Stern Abzug gibt es lediglich als Ansporn für und Ausdruck meines Wunsches nach einem noch sorgsameren Korrektorat. Sprache ist Kultur ist Ausdruck ist Seele ist Sein kann Magie wirken - in diesem Sinne habe ich mich mit merklich vielen Tippfehlern und ausbaufähiger Nutzung von Synonymen und Personalpronomen schwer getan.

Dafür ist jedoch die Bildhaftigkeit der Sprache zeitweilig fast schon poetisch und nistet sich mit weitem, warmem Gefühl in Kopf und Herz ein. Und so ist Mord in bester Gesellschaft ein Wohlfühlbuch mit geistigem Anspruch, das sich angenehm hervorhebt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 26.02.2026

Witzig, inspirierend und berührend!

Die drei Leben der Cate Kay
0

Spoilern oder nicht spoilern, das ist hier die Frage...was verrät zu viel, was zu wenig...über die ich lange nachdenken musste, um zu dem Schluss zu kommen, dass der Klappentext genug über den Inhalt verrät.

Vorab: ...

Spoilern oder nicht spoilern, das ist hier die Frage...was verrät zu viel, was zu wenig...über die ich lange nachdenken musste, um zu dem Schluss zu kommen, dass der Klappentext genug über den Inhalt verrät.

Vorab: Ich liebe dieses Buch.

Es ist definitiv kein leicht-seichter Lesestoff, sondern bringt mit Leichtigkeit und viel Witz eine Tiefe mit, die berührt, ohne zu beschweren.

Ich habe selten Autoren gelesen, die diese Balance so pointiert zwischen den Zeilen umzusetzen vermögen, wie Kate Fagan, deren Beobachtungsgabe für die Zwischentöne menschlicher Begegnung ihresgleichen sucht.

Ich mag Bücher, wenn ich nicht ohne einen ganzen Stapel Textmarker griffbereit daneben liegend auskomme.
Mein Exemplar - das ich im Rahmen einer Verlosung auf Vorablesen.de gewonnen habe; lieben Dank an dieser Stelle, auch an den Insel Verlag :) - war nach dem Lesen bunt und mit (m)einer zweiten Geschichte an den Rändern beschrieben.

Wie ungewöhnlich für einen Roman, dass er so viele Impulse, so viele Feinheiten zwischen den Zeilen mitbringt; anrührend pointierte Beobachtungen dessen, was unausgesprochen zwischen Menschen geschieht, selbst dann, wenn sie unaufhörlich reden. Erkenntnisse ohne belehrend zu sein. Es wirkt nach, es klingt an, man wird traurig, man wird fröhlich - „release and let go“.

Wer sich ein bisschen mit Emotionen beschäftigt, wird den Flow Zustand, der nach einer Weile unweigerlich entsteht, verstehen und lieben.
Die Protagonisten sind unheimlich stark gezeichnet. Man fiebert mit, wie es für sie weitergeht und fühlt den Anklang im eigenen Leben.

Es ist ein Buch für denkende Menschen, für solche, die gerne reflektieren und den Umstand schätzen, dass kein Zustand, kein Gefühl ewig bleiben kann. Und das Wachsen nur durch Loslassen möglich wird.

Genau so aber auch für solche, die einfach gerne bunt, laut und voll fühlen, ohne sich den Kopf zu zerbrechen.

Es ist eine Reise der Selbstfindung, über das Werden und Vergehen und was schwer wirken könnte, wird hier mit ganz viel inspirierender Resilienz gelebt.
Ein Buch, das einen umarmt, einen sanft einlädt, genauer hinzufühlen und das Leben mit gestalterischer Freude zu nehmen - trotz oder gerade wegen der schweren Momente, die immer einen Ausgleich finden in den schönen: eine Einladung, die Glimmer im Alltäglichen nicht zu übersehen.

Ich hätte das Buch gekauft, wenn ich es nicht gewonnen hätte und habe schon den einen oder anderen lieben Menschen im Sinn, der sich darüber freuen könnte.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere