Idee mit Potenzial - konnte mich aber leider nicht abholen.
Mama will ihr Haus vererbenDie Idee zu Mama will ihr Haus vererben fand ich sehr gewitzt, tatsächlich mal einzigartig und damit per se interessant.
Die Autorin hat einen angenehmen Schreibstil, der anspricht und sich fließend lesen ...
Die Idee zu Mama will ihr Haus vererben fand ich sehr gewitzt, tatsächlich mal einzigartig und damit per se interessant.
Die Autorin hat einen angenehmen Schreibstil, der anspricht und sich fließend lesen lässt; besonders schön finde ich die hier und da eingestreute Bildsprache, die das eine oder andere liebevolle, witzige, lebendige Bild erzeugt und die Fantasie mitlesen lässt. So ist es beispielsweise nicht einfach ein Garten im Regen, sondern „das Grün im Garten“ wirkt durch den Regen wie „riesige Wasserpflanzen in einem Aquarium“. Ich mag so etwas - es bringt einen persönlichen, sympathischen und sehr menschlichen Touch ins Buch.
Die Charakteranzahl und -einführung finde ich gut gelungen und nachvollziehbar, allerdings weisen einige der Charaktere für mich große erzählerische Schwächen auf; wo einige Nebenfiguren eine überraschend starke, teilweise komplexe Wirkung mitbringen, konnte mich insbesondere die Hauptfigur, Katrin, nicht überzeugen.
Dieses Buch bringt viele Themen mit hohem Potenzial mit, greift sie aber bedauerlicherweise kaum tiefgehend auf. Gerade in Katrin, mit dem über sie vermittelten Frauenbild, lag eine Riesenchance für ein richtig großes Thema, die m.E. nicht ausgeschöpft wurde. Wir haben hier einen exzellenten Ansatzpunkt für die Auseinandersetzung mit Emotional und Mental Load, Daughtering, Mankeeping und People Pleasing, der verpufft. Das finde ich ausgesprochen schade und ich hatte mir im Voraus gerade in dieser Hinsicht eine Auflösung mit einem tollen Learning erhofft.
Die Thematik schreit ja förmlich nach einer Katrin, die erstarkt, die aus dem toxischen familiären Irrsinn aussteigt, sich selbst findet und neu in Beziehung setzt. Die vielleicht regelrecht als eine Art neuer „Leader“ die Familie aufräumt und Heilung anstößt - in sich selbst. Umfassend, dauerhaft, langfristig. Hier bin ich mir jedoch nicht sicher, ob Katrin wirklich tiefgreifend dazu gelernt, oder ihren destruktiven Kreislauf nur für kurze Zeit unterbrochen hat. Bis die nächste Krise kommt.
Hauptproblem für mich war eine Art Verschiebung in der Erzählung. Die Informationen zum Erleben, Denken, Fühlen der jeweiligen Charaktere, die ich gebraucht hätte, um ihre Beweggründe zu verstehen, wurden verspätet und oft nur andeutungsweise in die Handlung eingearbeitet. Durch die Teilnahme an der Leserunde habe ich erkannt, dass ich die Personen so oft ganz anders verstanden habe, als sie gemeint waren oder es sind eben auch viele Fragezeichen verblieben. Wo die Handlung sich an der einen Stelle zieht und auf der Stelle tritt, poltert sie an der anderen viel zu plötzlich, viel zu schnell Knall auf Fall los und spitzt sich auf fast schon absurde Weise zu, ohne aber eine wirkliche, friedliche Auflösung anzubieten.
Das manche Lösungen drastisch verbleiben, denke ich, ist einfach lebens-realistisch. Menschen sind manchmal extrem, manches zerbricht und kann oder will nicht gekittet werden und das ist OK. Es gibt nicht immer ein Happy End und nicht immer die optimale Wunsch-Lösung. Diese Erkenntnis können wir aus Mama will ihr Haus vererben auf jeden Fall ziehen; wer seinen Frieden damit macht, lebt zufriedener.
Da darf man auch der Autorin ihren eigenen Weg und Plan akzeptierend zuschreiben. Doch was genau der ist, welche Aussage das Ziel ist, ist auch mir nicht klar geworden.
Und dennoch fehlt mir mehr Tiefe, mehr Verbindung. Was passiert zum Beispiel mit einer Pia, der man die Hand reicht? Oder mit Geschwistern, die sich ehrlich, offen mit integrer Authentizität aussprechen und klar in den Raum stellen „ja, hier läuft was schief, hier findet Missbrauch statt und wir machen das nicht mehr mit, Mama“?
Nachdem ich die Buchbeschreibung nochmal gelesen habe, muss ich aber auch resümieren, dass das Buch in keinster Weise wie von mir und scheinbar auch anderen Rezensenten erwartet angekündigt wird. Für einen reinen Unterhaltungsroman allerdings ist mir die Katrin zu schwer. Vielleicht liegt hier der Hase im Pfeffer.