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Veröffentlicht am 24.01.2021

Hochaktueller Thriller mit spannenden Verwicklungen

CO2 - Welt ohne Morgen
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„C02 – Welt ohne Morgen“, geschrieben von Tom Roth (Pseudonym eines deutschen Schriftstellers, Journalisten und Dozenten), ist ein 2020 bei Bastei Lübbe erschienener Thriller rund um die Themen Klimaschutz, ...

„C02 – Welt ohne Morgen“, geschrieben von Tom Roth (Pseudonym eines deutschen Schriftstellers, Journalisten und Dozenten), ist ein 2020 bei Bastei Lübbe erschienener Thriller rund um die Themen Klimaschutz, Politik und Wirtschaft.
Bei einem Klima-Camp in Australien werden zwölf Kinder aus zwölf unterschiedlichen Nationen entführt. Die Entführer fordern von der Weltgemeinschaft harte Maßnahmen zum Schutz des Klimas, sonst töten sie jede Woche eines der Kinder.

„Wir sind nicht nur verantwortlich für das, was wir tun,
sondern auch für das, was wir nicht tun.“
~ Molière

Mit diesem besonders passenden Zitat beginnt das Buch. Es ist der Kernpunkt, den nicht nur die Entführer den Menschen anlasten, sondern auch die Botschaft, die der Autor seinen Leser*innen mitgibt.

Positiv ist mir direkt der Aufbau des Romans aufgefallen: Die Kapitel sind sehr kurz, sodass man problemlos auch mal zwischendurch ein paar Seiten lesen kann, ohne den Faden zu verlieren. Durch Kapitelüberschriften, die die Namen der bedrohten Kinder, sowie einen Countdown enthalten, ist es zudem leicht, der Zeitachse zu folgen und die Ereignisse in Bezug zueinander zu bringen. Weitere Überschriften klären stets über den Handlungsort und das Jahr auf, denn es gibt einen zweiten Erzählstrang, der die Entführung rückblickend aus dem Jahr 2040 beleuchtet. All dies hilft sehr gut dabei, sich zurecht zu finden, was durch viele auftretende Personen dringend nötig ist. In den ersten paar Kapiteln hat es mich überfordert, alle Charaktere und ihre Aufgaben auseinander zu halten, doch später hatte ich mich gut eingefunden.

Durch die vielen Charaktere und ständig wechselnden Perspektiven konnte ich allerdings zu keiner der Personen eine wirkliche Beziehung aufbauen. Ich war eher ein neutraler Beobachter. Manche Erzählperspektiven wollte ich schnell abschütteln, aber die meisten sind doch sehr spannend geschrieben und vor allem zum Ende hin konnte mich das Buch fesseln. Dabei ist die Geschichte leider auch an einigen Stellen sehr vorhersehbar und Wendungen, die sicher als große Überraschung geplant waren, konnten diesen Effekt leider nicht erzielen.

Zusammenfassend komme ich zu 4 von 5 Sternen. Nach leichten Startschwierigkeiten ob der vielen Personen und Orte war das Buch einfach spannend zu lesen, wenn auch in Teilen vorhersehbar. Der aktuelle Bezug ist wahnsinnig interessant. Auch wenn der Autor explizit erwähnt, dass es sich nicht um ein Sachbuch handelt, habe ich doch einiges gelernt, was mir beim Lesen immer gut gefällt. Ich bin sehr neugierig geworden, welche Person hinter dem Pseudonym „Tom Roth“ steht.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 15.01.2021

Kein überzeugender Start

Sweet like you
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„Sweet like you“ ist der erste Band von Robyn Neeleys Honey Springs-Dilogie erschienen bei endlichkyss. Schauplatz ist die gleichnamige Kleinstadt in Kalifornien, die sich mit Leib und Seele mit ihrer ...

„Sweet like you“ ist der erste Band von Robyn Neeleys Honey Springs-Dilogie erschienen bei endlichkyss. Schauplatz ist die gleichnamige Kleinstadt in Kalifornien, die sich mit Leib und Seele mit ihrer Honigfarm und Imkerei identifiziert. Genau diese Farm erbt die New Yorkerin Cassie Wilkerson von ihrer Tante zusammen mit der Aufgabe, drei Wochen deren Amt als Bürgermeisterin zu übernehmen. Cassie, die ein eigenes Leben und einen Job frei von Kleinstadt und Honig hat, ist alles andere als begeistert. Neben Angst vor Bienen hat sie auch keine Ahnung von der Imkerei. Dabei kann ihr jedoch Nick Porter helfen, Chef-Imker und vor 15 Jahren ihre erste Liebe.

Das Setting hat mir sehr gut gefallen. Seit Redwood und Lake Starlight liebe ich verträumte Kleinstädte in Büchern, in denen man sich kennt und hilft. Auch das Honig-Thema finde ich interessant und unverbraucht. Die Innenbroschur weist hier sogar zwei Rezepte auf: Erdnussbutter-Honig-Cookies (sehr lecker!) und Lippenpeeling mit Honig (habe ich noch nicht ausprobiert). Ich bin begeistert von diesen kleinen Besonderheiten, mit denen der endlichkyss Verlag seit einiger Zeit seine Bücher ausstattet.

Zunächst fiel es mir etwas schwer in die Geschichte reinzukommen. Sie ist hauptsächlich aus Cassies Perspektive geschrieben. Die wenigen Kapitel aus Nicks Sicht, sind nicht gekennzeichnet, sodass ich im schlimmsten Fall eine Seite dreimal lesen musste, um zu wissen, aus wessen Sicht hier erzählt wird. Mit zunehmender Seitenzahl hat dieses Problem jedoch abgenommen.

Was mir aber sehr viel schwerer gefallen ist, war, mit Honey Springs Bewohnern warm zu werden. In der ersten Hälfte war ich entsetzt, wie sie Cassie behandeln und was sie von ihr erwarten. Auf der einen Seite war es erfrischend, dass der Neuankömmling nicht direkt von allen geliebt wird. Auf der anderen Seite haben mich aber die Gemeinheiten und die ungerechtfertigte Erwartungshaltung, die sie gegenüber Cassie an den Tag legen, schockiert und dem Bild der süßen Kleinstadt-Idylle einen heftigen Schlag verpasst. Ich war wirklich wütend.
Im weiteren Verlauf hat sich dies glücklicherweise gelegt. Endlich hat man gesehen, wofür das Kleinstadtleben steht: alle haben an einem Strang gezogen, gemeinsam Ideen (weiter-)entwickelt und die Stadt noch lebens- und liebenswerter gemacht.

In diesem Gemisch von Kleinkrieg und Versöhnung ist die Liebesgeschichte leider etwas zu kurz gekommen. Cassie und Nick nähern sich zwar stetig an, doch die Gefühle, die sie für einander empfinden, waren für mich nicht greifbar. Die Schmetterlinge im Bauch, die Sehnsucht und zuletzt die sexuelle Intimität hat sich steif und mechanisch angefühlt und ist bei mir nicht angekommen. Die berühmte „Große Geste“ am Ende hat mich nicht überzeugt.
Zudem hakt die Geschichte leider an einigen Ecken. Manche Ereignisse sind sehr übertrieben, einige Auflösungen holprig und fadenscheinig, sowie die Entwicklungen einiger Charaktere nicht nachvollziehbar.

Zusammenfassend komme ich gerade noch zu 3 von 5 Sternen. Die Idee, Farm und Amt zu vererben war erfrischend neu und das Honig-Thema für mich unverbraucht. Mir gefiel es, dass Cassies Start nicht zu leicht war, aber das Verhalten ihrer Mitmenschen war dann doch einfach zu grausam. Da jedoch vor allem das Ende der Geschichte hakt, möchte ich definitiv noch Band zwei („Sweet at heart“; ET 23.03.2021) lesen: Selbe Stadt, neue Geschichte. Hier sollte das beste aus beidem vereint werden können.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 05.01.2021

Achtung - Fernwehwarnung

Wild like a River
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„Wild like a river“ ist der erste Band von Kira Mohns Kanada-Dilogie. Haven lebt seit Jahren mit ihrem Vater im Jasper National Park in Kanada. Sie hat zu wenigen Menschen Kontakt, zu Gleichaltrigen gar ...

„Wild like a river“ ist der erste Band von Kira Mohns Kanada-Dilogie. Haven lebt seit Jahren mit ihrem Vater im Jasper National Park in Kanada. Sie hat zu wenigen Menschen Kontakt, zu Gleichaltrigen gar nicht, und meidet die Touristen. Als einer davon sich jedoch beim Wandern verletzt, will dessen Freund Jackson ihre Route alleine fortsetzen. Haven wird zu seiner Führerin und genießt es, ihre liebsten Orte und Eindrücke mit ihm zu teilen. Doch diese Zeit hat von Anfang an ein Ablaufdatum: Jackson muss in sein Leben in der Stadt zurückkehren.

Den Charakter, den Kira Mohn mit Haven geschaffen hat, ist absolut außergewöhnlich. Ein Mädchen, so frei von Hintergedanken, Ränken, Intrigen und Spielchen, so erfrischend aufrichtig und von Grund auf ehrlich. Zuweilen ist sie für manch einen bestimmt zu unbedarft und naiv, doch ich empfand ihren Charakter als herausstechend, neuartig, interessant anders. Davon abgesehen stelle ich es mir schwierig vor, sich beim Schreiben in sie hineinzuversetzen, sind wir doch alle zu einem so großen Anteil von unserer sozialen Umgebung beeinflusst und haben Erfahrungen mit Mitmenschen gesammelt, die man nicht mehr rückgängig machen kann (und zum hoffentlich größten Teil auch nicht möchte). Die Autorin hat Haven und ihre neuen Erfahrungen absolut überzeugend entwickelt. Ob es heute noch Geschichten, wie die von Haven gibt? Ich weiß es nicht. Aber wenn es so ist, stelle ich mir ihre Gefühle genauso vor, wie Kira Mohn sie hier beschreibt.

Auch Jackson, wenn doch um einiges reicher an Erfahrungen, erlebt mit Haven alles auf eine völlig neue, einmalige Weise. Dabei macht er eine enorme Entwicklung durch, die mir gut gefallen hat. Er findet zu sich selbst und der Frage, auf welche Weise er sein Leben gestalten möchte.

Vom Schreibstil war ich sofort beeindruckt. Mit ihrem Roman hat Kira Mohn mich an den Händen gepackt und mit beiden Füßen mitten hinein in die wunderschöne Natur Kanadas gestellt. Die Beschreibungen waren unglaublich intensiv und ich konnte jeden Ort, jedes Tier vor mir sehen, jeden Windhauch und das Wasser spüren. Selten hat ein Buch bei mir solches Fernweh ausgelöst und dabei stand Kanada in nächster Zeit nicht auf meiner Liste der Reiseziele. Auch die Autorin konnte leider keine Vorort-Recherche machen. Nicht auszudenken, wie das ihre Beschreibungen noch weiter intensiviert hätte – vermutlich würde ich dann jetzt nur noch zwischen Bildbänden und Postern Kanadas wohnen.

Das Einzige, was ich ein wenig kritisiere, ist der Verlauf der Handlung. „Wild like a river“ war es nicht wirklich, eher ein ruhiger Bach. Eventuell liegt das daran, dass es nicht ein großes Hindernis zu überwinden gab, sondern mehrere kleine Schauplätze. Diese boten alle absolut nachvollziehbare Probleme, die zum Teil auch zusammenhängen, aber ein großer Paukenschlag hat mir irgendwie gefehlt. Man hat nicht das Gefühl, dass sich Ereignisse zuspitzen um in einem großen Finale zu enden, die Spannungskurve war eher flach.

Dennoch habe ich lange überlegt, trotzdem volle 5 Sterne zu geben. Ich weiß nicht, ob ich das neue Jahr zu streng starte, aber ich sehe hier einfach noch Verbesserungspotenzial. Daher komme ich zusammenfassend zu 4 von 5 Sternen, für wunderbare Charaktere, ein traumhaft schönes Setting und die Hoffnung auf das letzte Tüpfelchen auf dem i für Band zwei („Free like the wind“, ET 26.01.2021).

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 05.01.2021

Ein solider Auftakt mit großartigen Charakteren

Fall of Legend
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„Fall of Legend“ ist der Auftakt von Meghan Marchs neuer Trilogie im Lyx-Verlag. Nachdem ich alle drei vorangegangenen Trilogien verschlungen habe, war mir klar, dass ich diese auch lesen muss. Es gibt ...

„Fall of Legend“ ist der Auftakt von Meghan Marchs neuer Trilogie im Lyx-Verlag. Nachdem ich alle drei vorangegangenen Trilogien verschlungen habe, war mir klar, dass ich diese auch lesen muss. Es gibt eine Stelle im Buch, an denen sich zwei ihrer Buchwelten berühren. Das sind noch nicht mal Charaktere, die erneut auftauchen, sondern nur ein kleiner Hinweis, dass die Geschichten im selben Universum spielen. Das finde ich viel schöner, als wenn man plötzlich Charaktere aus anderen Reihen einbindet.

Protagonisten hier sind Gabriel Legend, abgebrannter New Yorker Clubbesitzer, und Scarlett Priest, Geschäftsfrau, Influencerin und Erbin eines Imperiums. Nur sie kann seinen Club noch vor der Schließung bewahren und so gehen die beiden einen rein geschäftlichen Deal ein. Mehr will Legend um jeden Preis vermeiden, da beide aus so unterschiedlichen Welten kommen. Dann kommt es zum alles verändernden Kuss.

Das Cover passt mal wieder absolut hervorragend zu dem Buch. Es geht um die düsteren Abgründe von Manhattan im Kontrast zu der High Society. Genau dieses Dunkle ist auf dem Cover dominant durch die tintenblaue, teilweise fast schwarze Farbe. Doch am Rand gibt es auch goldene Pinselstriche. Gold könnte hier sinnbildlich für den Luxus stehen, den man mit der High Society automatisch verbindet. Gerade im Kontrast zum dunklen Blau ist das Gold sehr hell: es macht auf sich aufmerksam, zieht den Fokus auf sich, obwohl es doch nur ein kleiner Teil des Covers ist.

Scarlett hat eine faszinierende Geschichte. Trotz des sprichwörtlichen Goldenen Löffels arbeitet sie hart und hat ihr eigenes Unternehmen aufgebaut. Zusätzlich steht sie permanent unter dem Druck der Öffentlichkeit. Jeder Schritt von ihr wird fotografiert und kommentiert. Das alles meistert sie sehr gut und das finde ich bewundernswert. Zwischendurch kommt aber auch gut zum Ausdruck, dass in „ihrer Welt“ nicht alles perfekt ist: sie kritisiert teilweise die Oberflächlichkeiten der Gesellschaft und ich denke, das Influencer-Thema ist sehr gut geeignet, um die Leser/innen zum Nachdenken anzuregen. Hier hätte ich mir noch öfter eine Botschaft zwischen den Zeilen gewünscht.

Legend hat einige Geheimnisse in seiner Vergangenheit. Sein Verhalten in der Gegenwart zeigt aber eine große Loyalität und Kampfgeist. Zum Teil handelt er auch instinktiv und versucht aus einer schlechten Ausgangslage das Beste zu machen: eine tolle Fähigkeit. Er wirkt stets so selbstbewusst und abgehärtet nach außen, lässt sich aber von Scarlett aus der Bahn werfen – das gefällt mir. Sie sind beide von Natur aus keine Verführer/innen und das ist sympathisch. Steht der Titel „Fall of Legend“ nun für den Club oder für den Mann dahinter? Eine clevere Titelwahl!
Legend macht sich selbst sehr viele und strenge Vorgaben und es ist schnell klar, dass sie zum Teil unvereinbar oder einzeln betrachtet auch schon unmöglich zu halten sind. Der Konflikt ist greifbar und als Leser/in wünscht man ihm, dass er sich mehr entspannen und das Leben mehr genießen kann. Man versteht aber auch sofort, warum das nicht möglich ist und seine starren Regeln notwendig. Legend ist ein sehr nachvollziehbarer Charakter, auch ohne, dass man jedes Detail über seine Vergangenheit weiß.

Es gibt in diesem Buch viele tolle Nebencharaktere. Sie sind alle sehr unterschiedlich, aber absolut Gold wert und wahre Freunde, auf die Scarlett sich verlassen kann. Mir gefällt der lockere Umgang und dass alle an einem Strang ziehen. Genauso versteht Meghan March es aber auch, Antagonisten zu erschaffen, die einfach nur gemein und widerlich sind. Es gibt aber auch intensive und bewegende Gespräche. Ein Dialog braucht nur wenige Worte, um die Emotionen einer Szene komplett zu verändern.

Meghan March schreibt wieder sehr mitreißend. Viele Szenen habe ich vor meinen Augen gesehen, als hätte mein Gehirn schon selbstständig einen Film daraus gemacht. In ihren vorangegangenen Trilogien habe ich bereits bewundert, wie sie ihren Stil variiert. Einmal gibt es mehr Erotik, einmal mehr Spannung, ein anderes Mal mehr Romantik. „Fall of Legend“ hat viele dieser Komponenten und zusätzlich zeigt die Autorin, dass sie sogar etwas Humor einfließen lassen kann. Sie ist so vielseitig, das ist beeindruckend.

Was mir jedoch ein wenig gefehlt hat, war die Spannung. Es ist von vorne rein klar, dass Legend eine dunkle Vergangenheit hat, viele Geheimnisse mit sich trägt und von einer steten Gefahr umgeben ist. Dies ist jedoch reines Wissen, was die Leser/innen haben, spüren kann man davon nicht viel. Ich sage damit nicht, dass jeder Liebes- oder Erotikroman spannende Szenen braucht, wenn allerdings mit diesen Grundannahmen gearbeitet wird, dann muss es für mich die Spannung auch spürbar in der Geschichte geben. Sonst bleibt es nur eine Randinformation.

Zusammenfassend komme ich zu 4 von 5 Sternen. Meghan March hat mit diesem Buch wieder einen soliden Auftakt einer Trilogie hingelegt. Ich bin von ihrem Schreibstil wieder verzaubert und liebe die Charaktere. Ich freue mich sehr auf die beiden folgenden Teile („House of Scarlett“, ET 29.01.2021; „Fall for Forever“, ET 26.02.2021) und bin mir sicher, dass es hier noch viele spannende Momente geben wird, die mich den Atem anhalten lassen.

  • Handlung
  • Charaktere
  • Erzählstil
  • Cover
  • Gefühl
Veröffentlicht am 27.12.2020

Die letzten Jahre von Richard I. lebendig erzählt

Der englische Löwe
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„Der englische Löwe“ ist der neuste Roman des Autors Mac P. Lorne, welcher sich durch „Der Herr der Bogenschützen“ und seine Robin-Hood-Reihe für mich zu einem Kennertipp für Fans Historischer Romane entwickelt ...

„Der englische Löwe“ ist der neuste Roman des Autors Mac P. Lorne, welcher sich durch „Der Herr der Bogenschützen“ und seine Robin-Hood-Reihe für mich zu einem Kennertipp für Fans Historischer Romane entwickelt hat. Dementsprechend gespannt war ich auf dieses neue Werk aus seiner Feder.

Mit dem Titel bezeichnet der Autor wohl den berühmtesten „Löwen“ der englischen Monarchie: Richard I., auch bekannt als „Löwenherz“. Doch nur wenige Schriftsteller befassen sich mit dessen Leben nach dem berühmten Kreuzzug und auch nach seiner fast genauso berühmten Gefangenschaft unter Kaiser Heinrich VI. Mac P. Lorne schließt diese Lücke und berichtet von den erstaunlichen Gefechten zur Rückeroberung der englischen Gebiete auf dem französischen Festland, sowie der privat und politisch angespannten Frage nach Richards Erben.

Die Ausstattung des Romans muss man einfach lieben und loben! Er hat ALLES! Stammtafel, Karte, Personenregister, Glossar, Zeittafel, Bibliografie und historische Anmerkungen – hier fehlt es an nichts. So kann man einen historischen Roman richtig genießen und ganz tief eintauchen. Da schlägt mein Herz höher.

Gelungen finde ich die Erzählperspektive. Man begleitet grundsätzlich eine Person, meistens Richard, aber es werden zwischendurch trotzdem einzelne Sätze aus den Köpfen anderer Charaktere eingebracht. Das war zuerst gewöhnungsbedürftig, dann aber sehr aufschlussreich. Wenn man einen Film guckt, verrät die Mimik und Gestik der Menschen häufig auch, was sie denken, und jetzt beim Lesen kriegen wir die gleichen, kurze Einblicke in ihre Gedanken durch eben diese Sätze.

Der Anfang war für mich etwas holprig und ich habe ein paar Seiten gebraucht, um in die Geschichte reinzukommen. Aber spätestens bei den Szenen rund um Märsche, Taktiken und Gefechte war ich richtig angekommen und habe mitgefiebert. Diese sind eindrucksvoll beschrieben, sodass es mich einfach mitgerissen hat - ein Auf und Ab der Gefühle. Mit Richard habe ich mich über seine Triumphe gefreut und seine Niederlagen geärgert. Es gab aber auch Abschnitte, die Richard als Familienmensch gezeigt haben. Vor allem hier hat man eine Seite an ihm gesehen, die in vielen anderen Romanen so nicht gezeigt wird. Dabei ist es mir jedoch auch wichtig, dass der Fokus nicht zu stark auf diesen privaten Verflechtungen, Gefühlen und Schicksalen liegt. Die Balance konnte Lorne hier sehr gut halten.


Zusammenfassend komme ich zu 4 von 5 Sternen. Ich finde es immer wieder schön, wenn ich bei historischen Romanen den Ereignissen entgegenfiebere, bange und es sich einfach spannend anfühlt, obwohl ich genau weiß, was passieren wird. Lorne ist es nicht nur gelungen, die in der historischen Unterhaltungsliteratur etwas vernachlässigten späten Jahre von Richard lebendig werden zu lassen, er zeigt auch ein gutes Gespür dafür, ihn in all seinen Facetten zu zeigen: zielstrebiger Anführer, rastloser Kämpfer, rücksichtsvoller Ehemann, besorgter König.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere