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Veröffentlicht am 17.05.2021

Künstliche Liebesgeschichte und unbefriedigendes Ende

Deluxe Dreams
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„Deluxe Dreams“ von Karina Halle ist der Auftakt der Dumont Saga aus dem mtb Verlag. Die Dumonts sind die Besitzer eines teuren Modelabels in Frankreich. Doch der Erfolg führt zu Streitigkeiten und Geheimnissen ...

„Deluxe Dreams“ von Karina Halle ist der Auftakt der Dumont Saga aus dem mtb Verlag. Die Dumonts sind die Besitzer eines teuren Modelabels in Frankreich. Doch der Erfolg führt zu Streitigkeiten und Geheimnissen in der Familie. In diesen Strudel wird die Protagonistin Sadie Reynolds reingezogen, als Olivier Dumont sie vor einem Überfall rettet. Sie fühlen sich sofort voneinander angezogen, aber Sadie ahnt noch nichts von den Gefahren, die auf ihre Beziehung lauern.

Was mir wirklich gut gefallen hat, war der Handlungsstrang, der hier bereits angedeutet wird: Geheimnisse, Intrigen und Familienfehden. Vor allem in der zweiten Hälfte des Buchs läuft dies zu einem spannenden Höhepunkt auf, der mich mitgerissen hat. Schlag auf Schlag hämmern die Ereignisse auf die Protagonisten ein und auch als Leser*in kommt man nicht mehr zu Ruhe, spekuliert mit und will die Auflösung wissen. Dies hat meine Bewertung am Ende noch etwas hochgezogen, denn vorher war ich einfach nur enttäuscht und genervt.

Zum Zeitpunkt des ersten Treffens steht natürlich erstmal der Überfall im Mittelpunkt. Ein paar Stunden später hat sich alles beruhigt und dann folgen mehrere Kapitel in denen im wahrsten Sinne auf JEDER Seite thematisiert wird, wie gut die jeweils andere Person aussieht. Auch wenn dies wieder abflaut, bleibt die Beziehung zwischen Sadie und Olivier voller Oberflächlichkeiten. Was mögen sie aneinander, außer den Sex? Ich kann mich nicht erinnern, dass auch nur eine gute Charakter(!)-Eigenschaft des jeweils anderen erwähnt wird. Bis zum Ende konnte ich ihre Liebe nicht nachvollziehen. Das macht es auch sehr viel schwerer, zu glauben, dass sie nach 24 Stunden über den Gedanken verzweifeln, jemals wieder ohne den anderen sein zu können.

Gestört hat mich außerdem, wie ein persönlicher Konflikt von Sadie gelöst wurde. Genau im richtigen Moment schreibt ihr jemand genau die Worte, die sie dann hören muss. Zu zufällig, zu einfach – nicht überzeugend. Da hätte mir eine andere Lösung besser gefallen.

Gar nicht gelungen fand ich zudem das Ende. Olivier verhält sich hier so kurzsichtig und egoistisch und es kommt zu keinem würdigen Abschluss einer Geschichte, die über 300 Seiten lang aufgebaut wurde.

Zusammenfassend komme ich zu 3 von 5 Sternen. Die Liebesbeziehung war für mich nicht nachvollziehbar, sondern viel zu oberflächlich und künstlich. Auch den Aufbau der Geschichte und den Handlungsablauf finde ich nicht sehr gelungen: mittendrin eine unglaubhafte Konfliktlösung, um die Story zusammenzuhalten und ein enttäuschendes Ende. Lange Zeit war ich bei 2 von 5 Sternen, aber der spannende Erzählstrang in der zweiten Buchhälfte hat hier aber nochmal Boden wieder gut gemacht, sodass ich noch einen Stern drauflegen konnte. Auch wenn ich gerne wissen würde, ob noch ein richtiges Ende folgt (und wie dieses aussieht), denke ich nicht, dass ich diese Reihe weiterlesen werde.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 10.05.2021

Perfekte Mischung aus Historie und Liebesgeschichte

Die Rebellinnen von Oxford - Verwegen
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„Die Rebellinnen von Oxford“ ist eine Trilogie von Evie Dunmore, die im LYX-Verlag erscheint und die Geschichte dreier junger Frauen im England des 19. Jahrhunderts erzählt. „Rebellinnen“ sind sie, weil ...

„Die Rebellinnen von Oxford“ ist eine Trilogie von Evie Dunmore, die im LYX-Verlag erscheint und die Geschichte dreier junger Frauen im England des 19. Jahrhunderts erzählt. „Rebellinnen“ sind sie, weil sie sich gegen die festgefahrene Ordnung auflehnen und für die Rechte von Frauen kämpfen.
Im ersten Band, „Verwegen“, geht es um Annabelle Archer, die als eine der ersten Frauen in Oxford studieren darf. Leisten kann sie sich das nur durch ein Stipendium. Voraussetzung hierfür ist, dass sie die Frauenbewegung vor Ort unterstützt. Ihr erstes Ziel: das einflussreiche Mitglied des House of Lords, Sebastian Devereux, für ihre Sache zu gewinnen. Während er nach Außen unnahbar und distanziert erscheint, ist er fasziniert von Annabelle, ihrem Intellekt, ihrer Sturheit und wie sie sich von allen anderen Frauen unterscheidet. Doch abgesehen von dem enormen Standesunterschied, steht Sebastian für alles, was Annabelle und ihre Gefährtinnen niederreißen wollen.

Bereits in der Vorschau ist der Reihenauftakt sofort auf meine Wunschliste gewandert, da die Kombination aus Historischem und Liebesroman einfach perfekt in meinen Lesegeschmack passt. Dazu noch das Thema Frauenrechte und Emanzipation und ich blieb sofort daran hängen.

Auch das Cover hat mich direkt abgeholt, da ich zum einen den unmittelbaren Bezug zum Inhalt liebe, zum anderen auch begeistert bin, wie viel ein einzelnes Bild schon aussagen kann. Die Kleidung ist passend zur Epoche gewählt und lässt die Betrachter:innen sofort in dieses Jahrhundert eintauchen. Ein Buch auf dem Cover eines Romans ist für Bücherwürmer natürlich auch direkt ein Blickfang – egal wie klein oder altertümlich es aussieht. Dass die abgebildete Frau es hinter ihrem Rücken versteckt, macht neugierig: Was steht in dem Buch? Vor wem versteckt sie es? Was würde passieren, wenn man es bei ihr findet? Ein absolut gelungenes Cover.

Evie Dunmores Schreibstil hat mir ebenfalls gut gefallen. Ich konnte die Situationen direkt vor meinem Auge sehen. Auch die Personen, Annabelle und Sebastian, aber auch Annabelles Freundinnen oder ihr Professor sind alle so prägnant geschrieben, dass ich kein Problem damit hatte, sie direkt in meinem Kopf zu sehen und sogar zu hören. Zudem wird die Balance zwischen historischem Vokabular und Erklärungen gut gehalten: der Text ist verständlich und gleichzeitig authentisch.
Dass so ein großer Fokus auf die Politik und die Frauenrechte gelegt wird, hat mich begeistert. Natürlich nimmt die Liebesgeschichte ebenfalls viel Raum ein, denn es ist nun mal ein Liebesroman. Von Annabelles Studium erfährt man hingegen nicht allzu viel. Das habe ich jedoch auch nicht vermisst. Im Gegenteil: Ich finde die beiden genannten Themen absolut ausreichend und hätte mir nicht gewünscht, dass diese weniger intensiv behandelt werden, nur um mehr vom Studienalltag zu lesen.

Mein Herz schlägt für Annabelle! Sie ist nicht nur gebildet, uneitel und zielstrebig, sie ist auch clever, eine Strategin und vor allem unermüdlich. Ein großartiges Vorbild und genauso, wie ich mir eine Suffragistin (den Begriff habe ich hier neu gelernt) bzw. Suffragette vorgestellt habe.
Auch Sebastian hat mich im Sturm erobert. Dieses Kühle, Unnahbare – man weiß nicht, woran man bei ihm ist - finde ich verlockend. Er ist ebenfalls sehr klug, höflich und lässt sich nicht von Politik und Stand blenden. Kopf und Herz tragen einen schmerzhaften Kampf aus, den ich jedes Mal intensiv spüren konnte – obwohl ich mich sonst immer mehr in die Protagonistin als in den Protagonisten hineinversetzen kann.
Der Konflikt, der hier aufgebaut wird, ist großartig! Die Diskussionen und das Necken zwischen diesen beiden Charakteren sind absolut unterhaltsam und genauso leidenschaftlich. Ich habe jedes Gespräch und jeden Brief, den sie ausgetauscht haben, genossen.

Jede Liebesgeschichte braucht natürlich ihr eigenes kleines Drama. Was in diesem Buch aber sehr gelungen ist: Das Problem ist wasserdicht und greifbar und kein künstliches Drama, was man irgendwie auflösen kann, in dem man einfach miteinander spricht. Das hat die Autorin großartig ausgeführt. Mit dem Ende habe ich nicht gerechnet, schien doch die Auflösung von vorneherein auf der Hand zu liegen. Evie Dunmore hat es aber anders gemacht, ein hervorragendes Ende gefunden und mich damit auch noch überrascht. Was will man mehr?

Ich habe mich außerdem sehr über das Nachwort der Autorin zum historischen Hintergrund gefreut. Für mich ein must have, dass am Ende eines historischen Romans alles noch ein wenig in Kontext gesetzt wird.

Zusammenfassend komme ich zu 5 von 5 Sternen. Evie Dunmore hat für mich alles richtig gemacht. Ich bin rundum zufrieden, meine Erwartungen wurden weit übertroffen mit dieser perfekten Mischung aus Historie und Liebesroman. Band zwei („Unerschrocken“; ET 27.08.2021) und drei („Furchtlos“; ET 23.12.2021) werde ich mir sofort kaufen!

  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Gefühl
Veröffentlicht am 26.04.2021

Kindliche Beziehung und zu wenig Tiefe

Back To Us
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„Back to Us“ ist der neue stand-alone Roman von Morgane Moncomble, erschienen im LYX Verlag. Aaron und Fleur hatten als Kinder eine innige Beziehung bis ein furchtbares Ereignis ihrer beider Leben trennte. ...

„Back to Us“ ist der neue stand-alone Roman von Morgane Moncomble, erschienen im LYX Verlag. Aaron und Fleur hatten als Kinder eine innige Beziehung bis ein furchtbares Ereignis ihrer beider Leben trennte. Als sie sich sechzehn Jahre später zufällig wieder treffen, erkennt Fleur Aaron zwar sofort, doch er weiß nicht, wer vor ihm steht. Während Fleurs Gefühle unmittelbar neu aufflammen ist Aaron schroff und distanziert. In seinem Unterbewusstsein brodelt es jedoch bereits und er weiß nicht, warum.

Die Autorin beginnt das Buch mit der Anmerkung, sie liebe K-Dramen (koreanische Dramen) und wolle ihnen mit diesem Buch eine Ehre erweisen und sie parodieren. „Back to Us“ sei ein „im alltäglichen Leben angesiedeltes K-Drama“. Vor dem Lesen hatte ich zwar eine ungefähre Vorstellung, was K-Dramen sind, mich aber nie intensiver damit auseinandergesetzt, geschweige denn eins gesehen. Das war für mich jedoch kein Ausschlusskriterium – im Gegenteil: vielleicht würde mir dieses Buch, die Welt der K-Dramen öffnen („Spoiler“: Hat es nicht!): Daher ist es gut möglich, dass ich im Folgenden alles kritisiere, was typisch für K-Dramen ist, ohne es zu wissen. Dann wäre das Fazit, dass ich mit diesem Sub-Genre nichts anfangen kann. Momentan ist es aber nur eine Kritik an diesem konkreten Buch.

Es wird an allen Ecken Bezug zu K-Dramen genommen, sei es die Tatsache, dass die Protagonistin sie liebt oder gerade guckt, die Erwähnung eines bekannten Schauspielers, oder die Frage, was als nächstes passieren würde, wenn das Leben ein K-Drama wäre. Das geschieht nicht nur in einer Flut von Fällen, sondern wirkt auch so künstlich reingezwängt, dass es mich jedes Mal ein bisschen mehr genervt hat.

Was mir hingegen sehr gut gefallen hat, war vor allem das Setting: örtlich und thematisch. Die Geschichte spielt in Paris, was zwar keinen allzu großen Einfluss auf die Handlung hat, aber eine nette Abwechslung zu dem immensen Angebot an New Adult Geschichten mit US-Setting ist. Aaron und Fleur treffen sich bei ihrer Arbeit für einen Videospielentwickler wieder (diesen „Abisoft“ zu nennen, wenn in der Realität „Ubisoft“ DAS französische Videospiellabel ist, kommentiere ich nicht weiter). Ich freue mich jedes Mal, wenn Gaming einen kleinen oder größeren Platz in Romanen findet, da es keine Randerscheinung mehr ist.

Morgane Moncomble baut zum Ende des Romans eine Auflösung ein, die wirklich schockierend ist (Vorsicht, Triggerwarnung im Buch). Ich habe mit dieser Enthüllung nicht gerechnet, was bei mir immer für Pluspunkte sorgt. Allerdings hätte ich mir trotzdem gewünscht, dass dieses Thema nicht so schnell abgehandelt, sondern tiefer thematisiert wird, welche Auswirkungen es auf die beteiligten Personen hatte und hat.

Mein größter Kritikpunkt sind jedoch Aaron und Fleur und ihre Beziehung zueinander. Wären nicht ihre Jobs und die Tatsache, dass sie nicht mehr bei ihren Eltern wohnen, hätte es auch eine Geschichte von zwei 12- bis 14-Jährigen sein können. Was sie zueinander sagen und wie sie miteinander umgehen ist so weit entfernt von den Mitte 20, die sie alt sein sollen, dass es mir wirklich schwerfiel, mich auf die Geschichte einzulassen.

Zusammenfassend komme ich zu 3 von 5 Sternen. Die Geschichte hatte tolle Ziele, konnte diese aber nicht erreichen. Die Beziehung der Protagonisten wirkte kindlich und das Trauma wurde zu oberflächlich behandelt. Das Thema K-Drama wurde mir zu sehr ins Gesicht gedrückt, sodass ich erstmal einen Bogen darum machen werde.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 17.04.2021

Ein intensives Leseerlebnis

Between Your Words
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„Between your words“ von Emma Scott, erschienen im Lyx Verlag, trägt in der Originalsprache den Titel „A Five-Minute Life“ – und genau darum geht es: Seit einem Autounfall ist das Leben von Thea Hughes ...

„Between your words“ von Emma Scott, erschienen im Lyx Verlag, trägt in der Originalsprache den Titel „A Five-Minute Life“ – und genau darum geht es: Seit einem Autounfall ist das Leben von Thea Hughes in fünf Minuten dauernde Abschnitte unterteilt. Danach wird ihr Kurzzeitgedächtnis immer wieder gelöscht. Doch Wortketten in ihren Gemälden geben dem Pfleger Jim Whelan Anlass zu hoffen, während alle anderen Thea aufgegeben haben. Trotz der Probleme entwickelt sich eine Bindung zwischen den beiden. Eine neue, riskante Behandlungsmethode könnte ihnen die Chance auf eine Beziehung geben.

Der Roman ist zunächst überwiegend aus Jims Perspektive geschrieben. Hier wird schnell klar, wie furchtbar Theas Situation ist. Alle fünf Minuten lernt sie ihre Mitmenschen neu kennen und führt dieselben Dialoge. Doch erst aus Theas Perspektive wird den Leser:innen das ganze Ausmaß bewusst. Ihre Verwirrung bis hin zur Verzweiflung bei jedem neuen „Aufwachen“, gepaart mit dem unterschwelligen Wissen, dass etwas nicht stimmt, sind so packend und aufwühlend geschildert, dass es mich total mitgenommen hat. Emma Scott hat insgesamt meine Gefühle in alle Richtungen sehr hochkochen lassen. Das Leseerlebnis war so intensiv, nicht zuletzt auch durch die vielfältigen (Haupt-, sowie Neben-) Charaktere, die mich zum Teil total für sich einnehmen oder gegen sich aufbringen konnten. Alle Extreme sind vertreten, was das Lesen zu einer Achterbahn der Gefühle macht.

Während ich zuerst durch die Seiten geflogen bin, war am Ende leider etwas die Luft raus. Die Spannung war weg und die Beziehung zwischen Thea und Jim war zwar innig, aber nicht mehr so außergewöhnlich wie zu Beginn. Durch die letzten 40 Seiten musste ich mich durchkämpfen, insbesondere durch den absolut übertriebenen Epilog. Das Ende ist zu „Happy“, zu perfekt und viel zu unwahrscheinlich. Ich finde, das führt nicht nur alles, was vorher war, ad absurdum, es ist auch so weit entfernt vom echten Leben, dass es mich komplett aus der Emersion reißt. Wenn ich vorher noch dachte, dass Theas und Jims Geschichte so passieren könnte, kann ich zum Schluss nur noch mit den Augen rollen.

Dieser Part macht jedoch nur einen kleinen Teil des Buches aus, sodass mein Punktabzug vor allem auf Thea zurückzuführen ist. Nervig, kindisch, kurzsichtig und mit ihrem „Humor“ zum Teil sehr rücksichtslos in Bezug auf die Ängste anderer, habe ich mich mehr über sie geärgert, als dass ich sie verstehen konnte.

Zusammenfassend komme ich zu 4 von 5 Sternen. Es war einfach eine außergewöhnliche, berührende Geschichte, die die Leser:innen an ein neues Thema heranführt und nicht davor zurückscheucht, die Verzweiflung der Situation ganz klar zu machen. Ein intensives Leseerlebnis mit Verbesserungspotenzial am Ende und einer Protagonistin, die mir persönlich einfach nicht lag.

  • Cover
  • Erzählstil
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  • Charaktere
Veröffentlicht am 11.04.2021

Handlung und Ende jenseits der Klischees

Mit dir falle ich
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„Mit dir falle ich“ ist der Debütroman von Inka Lindberg, erschienen im Fischerverlag. Darin geht es um Robyn, Maschinenbaustudentin in Köln, die aufgrund eines finanziellen Engpasses ein Angebot für Nachhilfestunden ...

„Mit dir falle ich“ ist der Debütroman von Inka Lindberg, erschienen im Fischerverlag. Darin geht es um Robyn, Maschinenbaustudentin in Köln, die aufgrund eines finanziellen Engpasses ein Angebot für Nachhilfestunden aushängt. Darauf meldet sich Finn, reich, gutaussehend, Bad Boy und ganz offensichtlich nicht nur an Nachhilfe interessiert. Robyn will sich aber eigentlich auf keinen Fall von ihrem Studium ablenken lassen, für das sie schon sehr hart gearbeitet hat. Eigentlich…

Ich muss ganz ehrlich zugeben, dass ich vor diesem Buch noch nie etwas von „einfachinka“ gehört habe, obwohl sie auf Youtube und Instagram insgesamt ca. 245.000 Abonnent*innen hat. Mich hat ganz einfach die Vermarktung angesprochen: „modern“ und „authentisch“ solle der Roman sein, von einer Autorin, die „mentale Gesundheit, Dating und Feminismus“ zu ihren Themen gemacht hat. Das klang einfach großartig und fast schon ein bisschen revolutionär, sodass ich einfach reinlesen musste.

Um mit Inka Lindbergs Schreibstil zurecht zu kommen, habe ich ein paar Seiten gebraucht. Zunächst kamen mir einige Worte falsch vor, haben meinen Lesefluss ins Stocken gebracht und lokale Einflüsse sind mir aufgestoßen. Nach einigen Kapiteln hatte ich mich dann aber eingewöhnt und konnte mich voll auf die Geschichte konzentrieren.

Und die hat mich begeistert: Wie so häufig in Liebesromanen, denkt man nach dem ersten Zusammentreffen der Protagonisten (wenn nicht schon nach dem Lesen des Klappentexts) man wüsste ganz genau, wie sich die Geschichte entwickelt und vor allem endet. Falsch gedacht! Sowohl die Protagonisten, als auch die Handlung und das Ende des Buches waren jenseits von Klischees und lange Zeit unvorhersehbar. Das empfand ich richtig erfrischend, wie ein neuer Wind und in gewisser Weise befreiend nach vielen bekannten Plots.

Zusätzlich greift Inka Lindberg ein sehr wichtiges und leider in der Liebesliteratur unterrepräsentiertes Thema auf, auf dass ich hier leider durch die Spoilergefahr nicht genauer eingehen kann.

Womit ich leider nicht so gut zurechtgekommen bin, ist die Protagonistin Robyn, die voller Widersprüche steckt: Sie will selbst nicht für ihre Second-Hand-Klamotten gemobbt werden, verurteilt aber andere aufgrund ihrer Kleidung. Gleichzeitig bezeichnet sie sich selbst nicht als Hipster, aber „es machte eben doch einen riesigen Unterschied, ob man Vinyl oder digital hörte.“ Das Wort „Heuchlerin“ erscheint mir aufgrund der geringen Schwere und Relevanz für ihr Umfeld viel zu hart. Dennoch käme ich mit der gelebten Inkonsistenz nicht zurecht, wenn ich Robyn persönlich kennen würde, und auch beim Lesen konnte ich mich nicht mit ihr anfreunden.

Von Schreibstil und Protagonistin nicht überzeugt, aber trotzdem 4 von 5 Sterne vergeben? Ja, das geht. Ich bin begeistert, dass endlich mal ein Buch einen anderen Plot entwickelt. Endlich weiß ich nicht schon beim Kaufen, was passieren wird. „Mit dir falle ich“ ist ein Buch, was ich zum Erfrischen der Leseroutine auf jeden Fall empfehlen würde, selbst wenn es für meinen Geschmack noch Verbesserungspotenzial gibt.

  • Cover
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  • Handlung
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