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Veröffentlicht am 03.10.2019

Wenn nichts bleibt, außer die Hoffnung

Eine Familie in Deutschland
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„Eine Familie in Deutschland – Am Ende die Hoffnung“ ist das Finale von Peter Pranges Zweiteiler rund um die Familie Ising im Zweiten Weltkrieg. Kenntnis des ersten Bandes, „Zeit zu hoffen, Zeit zu leben“, ...

„Eine Familie in Deutschland – Am Ende die Hoffnung“ ist das Finale von Peter Pranges Zweiteiler rund um die Familie Ising im Zweiten Weltkrieg. Kenntnis des ersten Bandes, „Zeit zu hoffen, Zeit zu leben“, ist zwingend nötig, denn der Autor knüpft nahtlos an die Geschehnisse in 1939 an und erzählt die Geschichte von hier aus bis zum Kriegsende und einem kurzen Epilog in 1955. Der Verlauf des Krieges und welche Auswirkungen er auf die einzelnen Protagonisten hat, steht hier im Mittelpunkt, doch die im ersten Teil begonnene Geschichte des Volkswagens verliert sich nicht.

Zwischen dem Buchdeckel und der allerersten Seite findet der Leser ein vertrautes Bild: die Familie am Kaffeetisch, sowie kleine Absätze mit dem jeweiligen Namen, dem Alter und einer Kurzbeschreibung der Person. Im Vergleich zum ersten Band wurde diese aktualisiert, was sehr hilfreich ist, um nach fast einem Jahr wieder in die Geschichte einzusteigen. Doch der Wiedereinstieg fiel allgemein nicht schwer, denn Prange lässt die wichtigsten Informationen zu jeder Person subtil in die ersten Kapitel einfließen. Dies wirkt sehr natürlich, sodass der Leser nicht das Gefühl hat, er lese nochmal eine Zusammenfassung. Ein umfangreicheres Personenregister befindet sich zur Hilfestellung erneut am Ende des Romans.

Der Roman ist, abgesehen von drei großen Abschnitten, in viele kleine Kapitel (im Durchschnitt zwei bis vier Seiten) aus wechselnden Perspektiven unterteilt. So weiß der Erzähler immer, was im Leben und in den Köpfen der einzelnen Personen, und später auch an den unterschiedlichen Schauplätzen, vor sich geht. Die kurzen Kapitel sind zudem praktisch, da der Leser immer mal zwischendurch etwas lesen kann. Die Überwindung, so ein dickes Buch in die Hand zu nehmen, ist dadurch sehr viel geringer, sodass man dann doch schnell vorankommt.

Meine positive Meinung zur Gestaltung der Charaktere bleibt auch in Band zwei erhalten. Die einzelnen Figuren sind so unterschiedlich, wie man sie auch in einer echten Familie vorfindet. Gerade mit Beginn des Krieges zeigt sich nochmal deutlich, für wen Moral und Anstand wie viel bedeuten und wer nur auf seinen persönlichen Vorteil hinarbeitet. Dadurch wird eine authentische Ausgangslage für den Roman geschaffen. Die Motive der Charaktere sind nachvollziehbar: sich anzupassen um zu überleben ist leicht, aber auch wichtig - sich aufzulehnen ist risikoreich und schwer. Prange gelingt es hervorragend, dieses Dilemma zu transportieren. Mich hat zudem auch häufig die Leitfrage des Autors beschäftigt „Wie hätte ich mich damals verhalten?“. So viel wir heute wissen und so nobel wir auch denken, wäre nicht jeder damals der Held gewesen, der uns vorschwebt.

Leider gibt es aber einen Charakter, der in der zweiten Hälfte des Buches für mich von jetzt auf gleich seine Nachvollziehbarkeit verliert. Vorher war dies einer der spannendsten Handlungsstränge, aber nach einer kurzen Sequenz kann ich Gedanken, Gefühle und Motive dieser Person leider bis zum Ende nicht mehr nachvollziehen. Wirklich schade!

Wenn auch immer mal wieder angeschnitten, tritt die Entwicklung des Volkswagens etwas weiter in den Hintergrund – verständlich und authentisch, wenn ein Krieg ausbricht. Darüber konnte ich also nicht mehr begeistert neues Wissen aufnehmen. Einige Dinge über den Zweiten Weltkrieg habe ich dennoch gelernt – ein schöner Nebeneffekt bei einem historischen Roman, den allerdings nicht jeder Autor erzielt.

Während ich in Band eins noch das Gefühl hatte, dass den Protagonisten gar nichts Schlimmes passieren kann und die Spannung darunter litt, hat Peter Prange in der Fortsetzung eine andere Seite aufgezogen. Diese münden in teilweise ungeahnte Wendungen. Der Leser leidet mit seinen Charakteren, ist geschockt über deren Erlebnisse, verabscheut die damaligen Ereignisse und schluckt schwer, wenn er bekannte Schlagwörter wie „Stalingrad“ liest. Jede noch so kleine positive Begebenheit ist ein Lichtblick, sowohl für die Personen im Buch, als auch für die davor. Um jeden der bekannten Charaktere hofft und bangt man. Das zeigt auch eine wertvolle Wahrheit des Krieges auf: Niemand wird verschont. Man muss nicht an vorderster Front gewesen sein, um darunter zu leiden. Der Krieg verändert alle Menschen – für immer.

Für dieses Auf und Ab der Gefühle und die hervorragende, authentische Erzählung vergebe ich daher 4 von 5 Sternen.

Veröffentlicht am 27.09.2019

Yoga, Streiten und ganz viel Versöhnen

Lotus House - Sinnliches Verlangen
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Mit „Sinnliches Verlangen“ präsentiert Audrey Carlan den dritten Teil ihrer sieben Bände umfassenden Lotus House – Reihe. Protagonisten in dieser Etappe sind Mila Mercado und Atlas Powers, welche der Leser ...

Mit „Sinnliches Verlangen“ präsentiert Audrey Carlan den dritten Teil ihrer sieben Bände umfassenden Lotus House – Reihe. Protagonisten in dieser Etappe sind Mila Mercado und Atlas Powers, welche der Leser am Ende vom zweiten Band („Sanfte Hingabe“) bereits ganz kurz kennenlernt.
Beide sind Yogalehrer im Lotus House, aber vor allem mit Leib und Seele Künstler – sie als Malerin, er als Musiker. Was sie allerdings genauso gerne tun, ist, sich von ihrer ersten Begegnung an zu provozieren und zu streiten. Die körperliche Anziehung lodert hell zwischen ihnen, doch Mila sieht in ihrem Leben keinen Platz für eine feste Beziehung. Atlas allerdings legt sich heftig ins Zeug, um sie vom Gegenteil zu überzeugen.

Die einzelnen Kapitel sind im Wechsel aus der Perspektive von Mila und Atlas geschrieben. Dies macht es dem Leser leicht, sich in beide gut hineinzuversetzen, weil er immer weiß, was die Person denkt und fühlt. Außerdem offenbart es den vielseitigen Schreibstil der Autorin, denn Atlas und Milas Gedanken unterscheiden sich natürlich auch vor allem in ihrer Wortwahl. Audrey Carlan hat beiden auf diese Weise ein signifikantes Profil verliehen. Die Sexszenen enthalten explizite Sprache.

Mehrere Kapitel sind zu jeweils einem Abschnitt zusammengefasst, der mit einer kleinen, gezeichneten Blume sowie einer wissenswerten Information über Chakra oder eine Yoga Position (ein „Asana“) beginnt. Das ist für den Leser nicht nur interessant und hilfreich, nein, es hat auch inhaltlich immer etwas mit den Kapiteln des entsprechenden Abschnitts zu tun. Der Leser merkt, dass Audrey Carlan sich hier viele Gedanken gemacht hat, statt willkürliche, schöne Sinnsprüche einzufügen. Dadurch hat sie bereits in Band eins mein Interesse an Yoga (wieder-)erweckt.

Mila und Atlas sind beide sympathische Charaktere. Sie haben in der Vergangenheit schlimme Schicksalsschläge erlitten, lassen sich aber nicht unterkriegen. Wie ausdauernd beide ihre großen Träume verfolgen, war sehr inspirierend zu lesen. Hohen Unterhaltungswert hatten auch immer die Spötteleien und kleinen Streitereien, welche leider im Verlauf der Geschichte weniger wurden.

Was mir an diesem Band wieder besser gefallen hat, im Vergleich zum unmittelbaren Vorgänger, sind die unverfälschten Gefühle. Es geht nicht dauernd hin und her, sondern Mila und Atlas prallen wie zwei Stürme aufeinander und ziehen danach in dieselbe Richtung. Sie passen so gut zusammen und dass sie die Kunst als eine Leidenschaft teilen, sie jedoch auf unterschiedliche Art ausüben, empfand ich beim Lesen als sehr harmonisch und gelungen. Auch als Leser, der der Kunst nicht derart zugewandt ist, genoss ich es davon zu lesen, wie viel den beiden das Ausleben ihrer Kreativität bedeutet.

Natürlich gab es auch ein paar Probleme für ihr Glück (davon ein Versuch der Autorin eher halbherzig), aber das gehört meistens in einen Liebesroman, um die Handlung nicht komplett friedlich zu gestalten. Ein bisschen mehr Spannung und weniger Vorhersehbarkeit hätte mir hier gut gefallen – ein klassisches Problem des Genres.

Insgesamt hat mir Band drei wieder besser gefallen als Band zwei. Die Geschichte wirkt runder, leidenschaftlicher und hat gleichzeitig noch eine ruhigere, künstlerische Seite. Aufgrund der Vorhersehbarkeit leider ein Punkt Abzug, sodass ich zu 4 von 5 Sternen komme.

Veröffentlicht am 13.09.2019

Spannender Auftakt der neuen Trilogie. Erotik, Gefahr und Kunst – eine interessante Mischung.

Sinful Prince
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Mit „Sinful Prince“ beginnt Meghan March ihre neue „Sinful Royalty“-Trilogie – ein Spinn-Off ihrer in diesem Jahr abgeschlossenen „Sinful“ Empire-Reihe. Protagonistin ist Temperance Ransom, Keira Kilgores ...

Mit „Sinful Prince“ beginnt Meghan March ihre neue „Sinful Royalty“-Trilogie – ein Spinn-Off ihrer in diesem Jahr abgeschlossenen „Sinful“ Empire-Reihe. Protagonistin ist Temperance Ransom, Keira Kilgores Assistentin, die beide bereits aus dem ursprünglichen Dreiteiler bekannt sind. Ich kann aber bereits vorwegnehmen: Vorkenntnisse sind nicht zwingend erforderlich. Es treten zwar bekannte Personen am Rande wieder auf und es wird sehr entfernt auf vergangene Ereignisse Bezug genommen, aber der Leser oder die Leserin kann der Geschichte inhaltlich auch dann problemlos folgen, wenn dies das erste Buch der Autorin für ihn oder sie ist.

Temperance arbeitet hart und ist stolz auf das, was sie erreicht hat. Als sie allerdings ungeplant eine wilde Nacht mit einem Fremden verbringt, erwacht ihre wilde Seite. Sie kann danach kaum noch an etwas Anderes denken, als an das nächste Treffen mit ihm und welche geheimen Sehnsüchte er ihr erfüllt. Auf der anderen Seite will sie ihren seriösen, schwer erarbeiteten Lebensstil, nicht aufs Spiel setzen. Und ganz ungefährlich scheint der Unbekannte auch nicht zu sein.

Was mir bei dem Cover auf den ersten Blick am besten gefällt, ist, dass es - entgegen dem Trend im Genre - nicht einen Mann mit nacktem Oberkörper oder im Anzug zeigt. Diese wirken alle generisch und austauschbar und ich finde es schön, dass LYX bei dieser Reihe zeigt, dass es auch anders geht. Der Tropfen, der ins Wasser fällt und es nach oben spritzen lässt, ist ein perfekt passendes Sinnbild für Temperance Erlebnis mit dem Fremden. Nach Außen hin ist sie eigentlich das sprichwörtliche „Stille Wasser“ und die Begegnung mit dem Unbekannten ist der Tropfen, der sie durcheinanderwirbelt und eine unterdrückte Seite in ihr aufweckt. Das passiert auf eine unkontrollierbare Weise, genau wie man nicht vorhersagen kann, wo das Wasser hin spritzt. Eine großartige Gestaltungsidee ist außerdem, dass das aufspritzende Wasser wie eine Krone aussieht. Dies spiegelt den Namen der Reihe und des Teils gut wider. Wie auch bei der „Sinful Empire“-Reihe bin ich wieder begeistert, wie viele Gedanken man sich hier über das Design gemacht hat.

Der Schreibstil von Meghan March gefällt mir gut. Alles, was sie beschrieb, konnte ich bis ins kleinste Detail vor meinen Augen sehen. Auch die explizite Sprache finde ich für die Geschichte absolut passend.

Das Buch ist vollständig aus der Perspektive von Temperance geschrieben. Der Leser oder die Leserin kennt sie ja bereits aus Meghan Marchs vorangegangener Reihe. Hier fand ich sie immer sehr sympathisch und habe mich jetzt gefreut, sie etwas besser kennenzulernen. Dass sie diese wilden Fantasien in sich trägt, hätte ich überhaupt nicht erwartet! Ihren Charakter finde ich in dem neuen Buch nachvollziehbar und authentisch gestaltet, vor allem durch den inneren Kampf, der Lust nachzugeben gegen das Festhalten am Bekannten und Sicheren. Das alles lässt Temperance sehr menschlich wirken und ich konnte sehr gut mit ihr mitfühlen.

In ihrer neuen Reihe hat Meghan March auch etwas Neues gewagt. Neben der bekannten prickelnden Erotik und der gefährlichen Spannung, lässt sie ein interessantes Thema einfließen: Kunst und Selbstverwirklichung. Das hat dem Buch eine neue, viel tiefere und glaubhaftere Ebene hinzugefügt, die manchen Erotikromanen fehlt.

Leider waren viele andere Darstellungen im Buch absolut nicht glaubhaft und haben sich künstlich angefühlt. Temperance scheint gar kein Problem damit zu haben, ihre intimen Erlebnisse jedem anzuvertrauen, egal wie kurz sie die Person erst kennt. Von einem aufdringlichen Charakter – welcher allerdings eine tolle Prise Humor mit in die Geschichte bringt – lässt sie sich bis auf innerste ausfragen und auch mehreren Frauen, die sie erst kurz kennt, vertraut sie sofort alles an. Dies wirkte beim Lesen nicht realistisch auf mich.

Ein bisschen gestört hat mich außerdem noch die immense Geheimniskrämerei, die Meghan March auch diesmal wieder betreibt. Nirgendwo erfährt man etwas Konkretes, unendlich viele Fragen sammeln sich im Kopf und man beginnt auch in unwichtige Sachen viel zu viel hineinzuinterpretieren. Die Autorin lässt ihre Charaktere alle sehr vage und verhüllt sprechen und auch denken. Wenn man am Ende dann mal auf das Buch zurückschaut, muss man ehrlicherweise feststellen, dass man keine wirkliche Geschichte geliefert bekommen hat. Da ich aber wieder auf so eine unerwartete Auflösung wie in der „Sinful Empire“-Trilogie hoffe, kann ich meinen Unmut darüber gerade noch unterdrücken. Nach wie vor bleibt aber auch der fade Beigeschmack, ob nicht alle drei Bände in ein Buch gepasst hätten.

Temperance ist ein authentischer Charakter und sicher für viele Leser und Leserinnen absolut nachvollziehbar. Durch den zusätzlichen, neuen Aspekt hat Meghan March sich als Autorin verbessert, was ich definitiv positiv bewerte. Zu Lasten meiner Bepunktung gehen jedoch einige künstliche, unrealistische Szenen. Da ich meinen Ärger über die ganzen eingestreuten Nebelkerzen (oder auch nicht?) aber noch zurückhalten kann, komme ich insgesamt zu 4 von 5 Sternen.

Veröffentlicht am 13.09.2019

Chaos statt interessantem Thema

Mittwoch also
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Protagonistin in „Mittwoch also“ von Lotta Elstad ist Hedda, 33, frisch verlassen, frisch gekündigt und ungewollt schwanger nach einem One-Night-Stand. Doch eine schnelle Abtreibung ist im norwegischen ...

Protagonistin in „Mittwoch also“ von Lotta Elstad ist Hedda, 33, frisch verlassen, frisch gekündigt und ungewollt schwanger nach einem One-Night-Stand. Doch eine schnelle Abtreibung ist im norwegischen Gesundheitssystem nicht vorgesehen und die 3-tägige Bedenkzeit nimmt unerwartete Gestalten an.

Schon bei der Inhaltsangabe für die Rezension habe ich mich schwergetan, denn noch nie habe ich so einen irreführenden Klappentext gelesen. Wer einen interessanten, inneren Konflikt über Abtreibung erwartet ist hier... komplett falsch. Ich hatte mir erhofft, dass Hedda das Für und Wider abwägt, mal mehr zur einen, mal mehr zur anderen Seite tendiert und all die Argumente durchgeht, die jeder Frau, ob (ungewollt) schwanger oder nicht durch den Kopf gehen könnten.

Es ging eigentlich sehr gut los. Der Leser ist schnell in der Geschichte, denn in der ersten Szene sitzt Hedda schon beim Arzt. Aus ihrer Perspektive nimmt der Leser an ihren ironisch-witzigen Gedanken teil und freut sich noch, wie offen sie sich damit auseinandersetzt. Vor allem die Absurdität einer pauschalen Regel von drei Tagen Bedenkzeit und wie eine Frau in ihrer Entscheidungsfreiheit beschränkt wird, hebt die Autorin schnell hervor. Soweit so gut, so hatte ich mir das ungefähr vorgestellt.

Auf den folgenden Seiten werden die zwei Männer vorgestellt, die Heddas Leben aktuell maßgeblich beeinflussen: ihre große Liebe Lukas, der sie kürzlich sitzengelassen hat, und Milo, der One-Night-Stand. Beide haben eins gemeinsam: sie hören sich sehr wahnsinnig gerne reden.
Lukas wirkt arrogant, pseudo-intellektuell und pseudo-philosophisch. Seitenweise (!) bekommt der Leser Lukas Monologe zu lesen die NICHTS, aber auch GAR NICHTS, mit den Themen Schwangerschaft, Abtreibung oder auch nur irgendeinem aktuellen, relevanten Thema (in Heddas Leben oder der Welt im Allgemeinen) zu tun haben. Wirklich zum Einschlafen. Ich verstehe absolut nicht, was die Autorin damit bezwecken wollte. Lukas ist von vorne bis hinten nur unsympathisch und Hedda hat langsam aber sicher meinen Ekel erregt, wie sie sich für ihn verbiegt, im nachläuft, wie ein Hund und abrufbereit ihr Handy nicht aus der Hand legt und auf Nachrichten von ihm lauert. Er macht von Anfang an klar, dass es mir ihr nichts Ernstes ist und nie sein wird, aber ihr Blick auf ihn ist so verklärt, dass sie es nicht versteht. Von ihrem anfänglich charmanten Humor ist nichts mehr übrig.
Milo kann man im besten Fall milde belächeln. Er redet den ganzen Tag zusammenhanglosen Unsinn und erweckt den Eindruck, den Bezug zur Realität vollständig verloren zu haben. Auch von ihm gibt es keinen Beitrag zu den oben genannten Themen.

Zum Ende des Buches kommt dann tatsächlich das Thema Schwangerschaft und Abtreibung nochmal vor. Von jetzt auf gleich trifft Hedda eine Entscheidung ohne, dass dem Leser klar wird, wie es dazu kam. Doch das wäre nun wirklich der entscheidende Faktor für mich in einer so angelegten Geschichte! Ich dachte kurzzeitig, hier fehlt ein Kapitel.

Leider kann ich ohne zu spoilern nicht weiter auf Heddas Entscheidung eingehen. Dabei läge hier noch ein riesiger Kritikpunkt begraben. Nicht daran, welche Entscheidung sie trifft, denn das ist jedem selbst überlassen und niemand darf die Entscheidung einer anderen Frau in so einer Situation beurteilen. Nein, die Art und Weise wie Hedda die Wahl trifft hat mir wirklich gar nicht gefallen. Das ist jetzt so sanftmütig formuliert, aber seht es mir bitte nach.

Beim Zuklappen des Buches hat der Leser das Gefühl, dass Hedda sich überhaupt nicht weiterentwickelt hat. In Tagen, Wochen, Monaten oder Jahren könnte ihr Leben eine Schleife drehen, sie stünde genauso da, wie zu Beginn des Buches und würde vermutlich alles genauso machen.

Zusammenfassend also ein Bündel unsympathischer Charaktere, eine ätzende Protagonistin, die sich kein Stück entwickelt und ein ursprünglich interessantes Thema, dass in lauter Chaos untergeht. Einfach nur schade! Warum es doch noch einen Stern gibt? Von schlechter Sprache und Logikfehlern kann keine Rede sein. In meiner Skala muss immer Platz nach unten bleiben. Trotz furchtbarem Durcheinander und uninteressanten Beiträgen bleibt der Leser dran, weil er ja doch wissen will, wie sich Hedda entscheidet. Vermutlich hatte Elstad eine zusammenhanglose Story und hat die Schwangerschaft einmal vorne und hinten drangeheftet, damit es sich mit einem Lockvogel-Klappentext verkaufen lässt. Ich bin nur enttäuscht!

Veröffentlicht am 10.08.2019

Charaktere schwächeln verglichen mit Teil eins

Iron Flowers 2 – Die Kriegerinnen
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„Iron Flowers – Die Kriegerinnen“ ist der zweite und finale Teil der dystopischen Iron Flowers – Reihe von Tracy Banghart (nach „Die Rebellinnen“). Nomi und Serina haben Furchtbares durchgestanden und ...

„Iron Flowers – Die Kriegerinnen“ ist der zweite und finale Teil der dystopischen Iron Flowers – Reihe von Tracy Banghart (nach „Die Rebellinnen“). Nomi und Serina haben Furchtbares durchgestanden und überlebt. Doch mit Asa als neuem Regenten geht es dem Königreich Viridia schlechter denn je. Eine letzte Schlacht ist zu schlagen – entweder für das eigene Leben oder für ein ganzes Land.

Die Kapitel werden immer abwechselnd aus der Sicht von Nomi und Serina im personalen Erzählstil geschildert. Zu Beginn ist dies für den Leser sehr interessant, um nochmal eine Rekapitulation der beiden Handlungsstränge vorzunehmen. Während die beiden allerdings beieinander sind, fand ich es häufig verwirrend zu erkennen, von dem ich gerade lese. Da die Kapitel zumeist nur wenige Seiten umfassen, fand der Wechsel der Perspektiven in sehr kurzen Abständen statt, was die Verwirrung nach verstärkt hat. Insgesamt ist es dennoch ein gutes Stilmittel, welches im weiteren Verlauf des Buches auch wieder sein volles Potenzial entfalten kann. Ihre Sorgen und Probleme, sowie ihre Motive werden eingehend beleuchtet, sodass man sich mit beiden verbunden fühlt.

Dies trifft auf die Nebencharaktere leider nach wie vor nicht zu. Serina und Nomi begannen jeweils ein völlig anderes Leben und trafen viele neue Menschen. Obwohl sie davon sprachen zu dieser oder jener Person eine Freundschaft aufzubauen, blieb dies sehr plastisch. Der Leser fühlte diese Freundschaften nicht und konnte somit auch seinerseits keine Verbindung zu diesen Personen aufnehmen. In Teil zwei hat Tracy Banghart, entgegen meiner großen Hoffnungen, in diesem Bereich nichts verbessert. Die Konsequenz ist, dass man die Nebencharaktere durch ihre Namen oder optische Auffälligkeiten unterscheidet, aber nicht durch die Gefühle, die man beim Lesen ihrer Namen empfindet.

In Band eins hat mir sehr gut gefallen, dass beide Protagonistinnen im Laufe des Romans eine beeindruckende Entwicklung durchmachten. Sie wuchsen über sich hinaus, ohne dass es übertrieben wirkte. Dies mitzuerleben war für den Leser sehr interessant. Allerdings scheint es jetzt so, dass die Entwicklung in „Die Rebellinnen“ vollkommen abgeschlossen wurde. Im zweiten Teil ist nichts mehr davon zu sehen. Stolz blicken sie auf das zurück, was sie erreicht haben und bewundern die jeweils andere für ihre Veränderungen, aber angesichts des bevorstehenden schwersten Teils ihres Kampfes gibt es keine Weiterentwicklung mehr. Das war sehr schade und wirkte beim Lesen so, als wäre das Feuer aus Teil eins erloschen.

Die Geschichten der Mädchen sind jede auf ihre unterschiedliche Art spannend. In der Mitte gab es wieder eine kleine Länge, in der keine der beiden Handlungen wirklich voranging. Dafür war das Finale wieder sehr fesselnd. Meine Erwartung eines unerwarteten Ereignisses oder einer Wendung blieb leider unerfüllt. Der Verlauf der Handlung ist daher sehr linear. Es wurde nicht mehr versucht, eine Überraschung einzubauen. Die Geschichte wurde etwas leidenschaftslos zu Ende erzählt.

Während ich bei Band eins noch gelobt habe, dass Liebesbeziehungen eher im Hintergrund stehen und der Fokus vermehrt auf den Zuständen der Gesellschaft liegt, kann ich das für den zweiten Teil leider nicht mehr bestätigen. Natürlich wird weiterhin geschildert, welche Gräuel in Viridia passieren, doch die romantischen Interessen der beiden Schwestern nehmen einen viel zu großen Teil der Geschichte ein. Es ähnelt nun doch wieder mehr der „Selection“-Reihe von Kiera Cass, was ich bei „Die Rebellinnen“ noch enthusiastisch abgeschmettert habe.

In Summe sind meine hohen Erwartungen an den finalen Band leider enttäuscht worden. Das Ende ist zwar spannend, vorher fehlen aber die Leidenschaft und das Feuer aus Band eins. Bei den Nebencharakteren gibt es keine Verbesserung und auch die starken Protagonistinnen Serina und Nomi schwächeln literarisch. Daher komme ich nur noch zu 3 von 5 Sternen. Schade!