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Veröffentlicht am 02.09.2025

Wenn Geschichte unter die Haut geht

Die verlorenen Kinder vom Fjord
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Mitten hinein in die dramatische Kulisse des Zweiten Weltkriegs katapultiert einen Helen Parusel mit einer Wucht, dass man beim Lesen fast das Knirschen des Schnees unter den Stiefeln hört und den salzigen ...

Mitten hinein in die dramatische Kulisse des Zweiten Weltkriegs katapultiert einen Helen Parusel mit einer Wucht, dass man beim Lesen fast das Knirschen des Schnees unter den Stiefeln hört und den salzigen Fjordwind im Gesicht spürt. Die Geschichte von Laila, die eigentlich nur eins will – ihr Leben selbst bestimmen und für ihr Kind kämpfen – entwickelt sich so packend, dass das Buch kaum aus der Hand gelegt werden kann. Und nein, das ist keine leere Floskel.

Normalerweise halte ich mich bei historischen Romanen gern mal auf Abstand, weil die Gefahr besteht, dass sie sich in endlosen Beschreibungen verlieren. Hier ist das anders. Jede Szene hat Gewicht, nichts ist überflüssig. Die Balance zwischen großen historischen Ereignissen und der ganz persönlichen Tragödie von Laila ist perfekt getroffen. Besonders beeindruckend: diese unaufdringliche, aber klare Sprache, die einem den Schrecken des Krieges genauso spüren lässt wie die Wärme der Liebe, die Laila für ihr Kind empfindet.

Und dann Josef – ein deutscher Soldat, der so gar nicht in die Schublade passt, in die man ihn stecken will. Parusel traut sich, Grautöne zuzulassen, ohne die historischen Tatsachen weichzuspülen. Das macht die Figuren glaubwürdig und sorgt dafür, dass man ihnen emotional komplett verfällt.

Was mich echt erwischt hat: die Intensität, mit der der Roman die Perspektive der Frauen im besetzten Norwegen beleuchtet. Keine Heldinnen mit wehenden Fahnen, sondern echte, verletzliche, starke Menschen, die alles riskieren. Laila ist keine Figur, die man nach dem Zuschlagen des Buches einfach vergisst. Sie bleibt hängen, so wie der Fjord, der Wind und die eisige Kälte, die fast körperlich spürbar wird.

Kurz gesagt: Ein Roman, der Herz, Geschichte und Spannung so kunstvoll verknüpft, dass man am Ende das Gefühl hat, selbst ein Stück durch den Schnee marschiert zu sein. Ganz großes Kopfkino.

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Veröffentlicht am 01.09.2025

Zwischen Dunkelheit und Moral – meine Gedanken zu Nachteule

Nachteule
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Ein Buch, das mich gleichzeitig begeistert, irritiert und ein klein wenig ratlos zurückgelassen hat – und genau das macht es so spannend. Nachteule ist kein klassischer Thriller, kein lupenreines Jugendbuch, ...

Ein Buch, das mich gleichzeitig begeistert, irritiert und ein klein wenig ratlos zurückgelassen hat – und genau das macht es so spannend. Nachteule ist kein klassischer Thriller, kein lupenreines Jugendbuch, aber auch kein gemütlicher Familienroman. Ingrid Noll mixt hier ein Cocktailglas voller dunkler Spannung, Teenagerdrama und moralischer Grauzonen. Serviert wird das Ganze mit ihrer typischen Leichtigkeit, die dafür sorgt, dass man zwischen all den düsteren Momenten doch immer wieder schmunzeln muss.

Luisa, die Heldin, ist 15, adoptiert und hat diese ziemlich abgefahrene Fähigkeit: Sie kann im Dunkeln sehen. Klingt erstmal wie Superheldenstoff, ist aber cleverer eingebaut – nicht als Marvel-Glitzer-Skill, sondern als stille Gabe, die ihr Leben im wahrsten Sinne des Wortes in andere Bahnen lenkt. Als sie den obdachlosen Tim trifft, entwickelt sich eine seltsame Mischung aus Zuneigung, Fürsorge und Mitwisserschaft. Ich schwankte beim Lesen ständig zwischen "Wie süß!" und "Mädel, renn so schnell du kannst!"

Was mich fasziniert hat: Noll schafft es, diese jugendliche Naivität mit einer unheilvollen Atmosphäre zu verweben. Das Netz aus Lügen, in das Luisa immer tiefer hineinschlittert, wird spürbar enger – so eng, dass ich teilweise selbst die Luft angehalten habe. Gleichzeitig gibt es aber auch Szenen, in denen man denkt: Okay, das Ganze ist irgendwie absurd – aber so absurd, dass es wieder funktioniert.

Warum nur vier Sterne? Weil ich mir an manchen Stellen mehr Tiefe in der Beziehung zwischen Luisa und Tim gewünscht hätte. Da blieb mir manches zu oberflächlich, als würde ich durchs Schlüsselloch spitzen, ohne den ganzen Raum sehen zu dürfen. Aber unterm Strich ist Nachteule ein typischer Noll: ungewöhnlich, spannend, manchmal schräg, immer lesenswert.

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Veröffentlicht am 01.09.2025

KI, Rätsel, Lebensgefahr: Willkommen zurück in der Hölle

Erebos 3
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Wer glaubt, nach zwei Runden Erebos schon alles gesehen zu haben, der hat das Spiel noch nicht wirklich verstanden. Dieses Biest schläft nur, um dann mit doppelter Wucht zurückzukehren – und genau so knallt ...

Wer glaubt, nach zwei Runden Erebos schon alles gesehen zu haben, der hat das Spiel noch nicht wirklich verstanden. Dieses Biest schläft nur, um dann mit doppelter Wucht zurückzukehren – und genau so knallt Ursula Poznanski uns „Erebos 3“ vor den Latz. Spannung, Sog und Spieltrieb: alles auf Maximum. Da saß ich mit schwitzigen Händen am Buch, als wäre ich selbst der Dunkelelf Sarius, der jede falsche Entscheidung bitter bezahlt.

Der Clou: Man weiß nie, ob man gerade noch auf dem sicheren Sofa sitzt oder ob man gleich selbst in den Abgrund gezogen wird. Dieses perfide Wechselspiel zwischen Realität und Game hat mich komplett zerschossen. Poznanski spielt mit den Nerven, als wären wir alle nur Figuren auf ihrem Schachbrett – und genau das macht’s genial.

Humor? Kaum. Dafür Nervenkitzel, der den Puls hochschraubt wie ein Bosskampf kurz vorm Game Over. Nick Dunmore wirkt reifer, aber auch verletzlicher, was ihn noch glaubwürdiger macht. Und während man denkt, die Regeln des Spiels endlich zu checken, haut Erebos die nächste Wendung raus, die einem den Atem raubt.

Besonders gefeiert habe ich die Art, wie aktuelle Themen wie Künstliche Intelligenz und digitale Abhängigkeit in die Handlung eingewoben werden, ohne dass es belehrend wirkt. Hier wird nicht trocken erklärt, hier wird gezeigt, was passiert, wenn ein Spiel schlauer ist als seine Spieler. Gruselig realistisch.

Am Ende stand ich da, durchgenudelt wie nach einer 12-Stunden-Gaming-Session, völlig begeistert, aber auch mit dem Gefühl, dass man sich selbst mal wieder fragen sollte: „Wer spielt hier eigentlich wen?“ Fazit: Dieser dritte Teil ist kein unnötiges Add-On, sondern ein würdiger, cleverer und richtig packender Höhepunkt.

5 Sterne, keine Diskussion.

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Veröffentlicht am 31.08.2025

Schleim, Spaß und Staunen – ein Buch voller Überraschungen

WAS IST WAS Schleim. Eklig? Nein, genial!
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Schleim ist ja so eine Sache. Entweder man findet ihn faszinierend oder man zieht angewidert die Nase kraus. Bei mir war es eher Letzteres – bis dieses Buch ins Haus flatterte und meinen Neffen förmlich ...

Schleim ist ja so eine Sache. Entweder man findet ihn faszinierend oder man zieht angewidert die Nase kraus. Bei mir war es eher Letzteres – bis dieses Buch ins Haus flatterte und meinen Neffen förmlich magisch in den Bann zog. Er saß da, Augen groß wie Untertassen, und wollte Seite für Seite verschlingen. Und was soll ich sagen? Ich habe mitgelesen. Plötzlich wurde aus „igitt“ ein ziemlich überzeugendes „wow“!

Der Autor schafft es, ein Thema, das man sonst eher mit nassen Regenwürmern oder der glitschigen Seite von Steinen verbindet, so spannend und witzig rüberzubringen, dass man glatt selbst Lust bekommt, Schleim anzurühren. Wir haben tatsächlich ein kleines Experiment nachgemacht – das Wohnzimmer sah kurzzeitig aus wie eine Alien-Schleim-Werkstatt. Mein Neffe fand’s genial, ich fand’s anstrengend… aber insgeheim auch ziemlich cool.

Besonders gelungen finde ich, wie vielseitig Schleim in der Natur dargestellt wird: vom Überlebenstrick der Tiere bis hin zu möglichen Zukunftstechnologien. Der Mix aus verblüffenden Fakten, schrägen Details und richtig guten Illustrationen ist genau das, was Kinder ab 8 Jahren (und Erwachsene, die jung im Kopf geblieben sind) brauchen.

Ehrlich, ich hätte nie gedacht, dass ich mal mit Begeisterung über Schleim spreche. Aber dieses Buch hat meinen Horizont erweitert und meinen Neffen zum kleinen Wissenschaftler mutieren lassen. Und wer weiß – vielleicht klebt eines Tages ein Superkleber nach Schleim-Vorbild in unserer Werkzeugkiste. Bis dahin bleibt dieses Buch ein absoluter Volltreffer für neugierige Kids mit Spaß am Staunen.

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Veröffentlicht am 31.08.2025

Mit Kräutern top, mit dem Mond hab ich’s nicht so

Die Mond-Apotheke
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Ganz ehrlich, die Idee hat was: den Mond als Apothekermeister, der mit jedem Viertel neue Rezepte raushaut. Klingt erstmal nach einem geheimen Club, zu dem man unbedingt dazugehören möchte. Zwischen Badeölen, ...

Ganz ehrlich, die Idee hat was: den Mond als Apothekermeister, der mit jedem Viertel neue Rezepte raushaut. Klingt erstmal nach einem geheimen Club, zu dem man unbedingt dazugehören möchte. Zwischen Badeölen, Teemischungen und selbstgemachten Lotionen fühlt man sich fast wie der Gandalf des Badezimmers. Die Rezepte sind wirklich gelungen, leicht verständlich erklärt und machen auch optisch einiges her. Kräuter wie Rosmarin, Sonnenhut oder Goldnessel werden hier nicht einfach nur aufgezählt, sondern richtig schön in Szene gesetzt – fast so, als würden sie gleich vom Papier springen.

Und jetzt das große Aber: Der ganze spirituelle Überbau hat mich eher ratlos zurückgelassen. Es fühlt sich zu überladen an, Neumondritual hier, Tierkreiszeichen dort, Supermond-Beschwörungen und Energieharmonien – puh. Klar, wer auf Astrologie, Tarotkarten und esoterischen Zauber steht, der wird sich fühlen wie im siebten Mondhimmel. Ich hingegen hab mich dabei ertappt, wie ich nach zwei Seiten überfordert war. Da hilft auch die schön mystische Aufmachung nicht viel.

Unterm Strich: Als Rezeptbuch ist „Die Mond-Apotheke“ echt stark, gerade für Leute, die gerne mit Kräutern experimentieren und natürliche Mittelchen ausprobieren wollen. Der Rest fühlt sich für mich eher nach einer Mondlandung ins Reich der Feenstaub-Fraktion an. Nicht schlecht, aber eben nicht mein Ding. Drei Sterne, weil die Rezepte wirklich klasse sind – die spirituelle Aufmachung hingegen hat mir eher die Stirn runzeln lassen.

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