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Veröffentlicht am 15.07.2025

Ein Erinnerungsbuch wie ein Sprung in die Pfütze – wild, ehrlich, großartig

Die Gedanken sind frei
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Dieses Buch hat mich erwischt – voll auf die Zwölf! Die Gedanken sind frei von Tomi Ungerer ist wie ein wilder Ritt auf einem alten Klappfahrrad durchs besetzte Elsass – mit Wind in den Haaren, Dreck am ...

Dieses Buch hat mich erwischt – voll auf die Zwölf! Die Gedanken sind frei von Tomi Ungerer ist wie ein wilder Ritt auf einem alten Klappfahrrad durchs besetzte Elsass – mit Wind in den Haaren, Dreck am Hosenbein und einem Lächeln, das irgendwo zwischen Kindheit und Kriegsrealität baumelt. Ich hab selten so gelacht und gleichzeitig so viel geschluckt. Ungerer, dieser Teufelskerl, schafft es, den Krieg mit einer kindlichen Frechheit zu erzählen, bei der man gar nicht weiß, ob man gerade über eine Anekdote lacht oder doch eine Träne wegblinzelt.

Da gibt’s Streiche, bei denen ich dachte: „Hätt’ ich auch gemacht – oder wenigstens versucht.“ Und dann haut er wieder eine Beobachtung raus, so glasklar und bitter, dass einem kurz der Baguette-Bissen im Hals stecken bleibt. Besonders genial finde ich die Art, wie er Sprache benutzt – als wär sie ein Gummiband, das er nach Belieben dehnt, schnipsen lässt oder einem frech an den Kopf knallt.

Alain Claude Sulzer hat das übrigens ganz großartig ins Deutsche gebracht – ich hab nie das Gefühl gehabt, etwas sei auf dem Übersetzungsweg verloren gegangen. Ganz im Gegenteil: Da steckt jede Menge Leben drin, jedes Wort schillert wie ein Kiesel im Fluss der Erinnerung.

Ein Buch, das nicht still und ehrfürchtig gelesen werden will, sondern laut – mit Grinsen, Kopfschütteln, Nicken und gelegentlichem „Ach du meine Güte!“ Ich hab’s verschlungen wie früher die Nutellaschnitten nach der Schule. Wer nur brave Memoiren mit sauber gefalteter Vergangenheit lesen will, ist hier falsch. Wer aber einen elektrisierenden Mix aus Schelmenstück, Zeitzeugnis und Sprachkunst erleben will – rein da!

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Veröffentlicht am 14.07.2025

Magie, Miez & Vater-Tochter-Chaos: Unser wildes Abenteuer mit Gwin

Gwin und das Herz des Drachen (Band 1)
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Ich sag’s, wie’s ist: Ich wurde von einem sprechenden Kater überrumpelt. Und das war erst der Anfang. Meine Tochter und ich haben Gwin und das Herz des Drachen zusammen gelesen – ein Buddyread, der mehr ...

Ich sag’s, wie’s ist: Ich wurde von einem sprechenden Kater überrumpelt. Und das war erst der Anfang. Meine Tochter und ich haben Gwin und das Herz des Drachen zusammen gelesen – ein Buddyread, der mehr Zauber hatte als der Wackelpudding meiner Oma an Weihnachten (und der war schon sehr... speziell).

Kaum war die erste Seite umgeblättert, saßen wir auf der Couch wie zwei Magier in Ausbildung, mit Chips in der einen und einem Zauberstab (okay, einer Fernbedienung) in der anderen Hand. Gwin, die Heldin mit mehr Neugier als eine Katze im Zauberlabor, hat uns sofort gepackt. Und dieser Kater – was für ein unverschämter Schnurrbartträger! Wir haben Tränen gelacht über seine Kommentare, besonders als meine Tochter meinte: „Papa, du bist auch so ein Grantel-Kater, wenn du Kaffee brauchst.“ Touché.

Der Zauberladen von Madame Manou war unser Liebling. So viele verrückte Details, dass wir beim Lesen ständig zurückgeblättert haben: „Hast du DAS gesehen?!“ – „Warte, lies nochmal, das mit der sprechenden Flamme!“ – „Und der singende Kessel! Papa, warum kann unser Wasserkocher das nicht?!“

Die Kapitel flogen dahin wie Drachen auf Koffein. Und je tiefer wir in das Geheimnis des Ladens eintauchten, desto mehr haben wir uns gegenseitig wilde Theorien zugeflüstert (meine waren natürlich alle falsch, laut meiner Tochter). Die Illustrationen waren ein Traum! Wir haben uns dabei ertappt, die Zeichnungen länger zu bestaunen als nötig – manchmal sogar länger als meine Tochter morgens ins Bad braucht.

Was dieses Buch aber besonders gemacht hat: Es hat uns zusammengebracht. Nicht nur als Leser, sondern als Team. Als Vater-Tochter-Duo im Kampf gegen Alltagsgrau und Langeweile.

Am Ende waren wir ein bisschen traurig, dass es vorbei war. Aber hey – Band 2 wartet schon. Und wir auch. Mit Kater, Keks und Kuscheldecke.

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Veröffentlicht am 14.07.2025

Hinter der KI-Fassade: Wenn Menschen schuften, damit Maschinen denken können

Feeding the Machine. Hinter den Kulissen der KI-Imperien
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Ich dachte, ich lese mal eben ein bisschen was über KI – und plötzlich sitze ich mit offenem Mund da, als hätte mir HAL 9000 höchstpersönlich die Augen geöffnet. Feeding the Machine ist kein schnarchiger ...

Ich dachte, ich lese mal eben ein bisschen was über KI – und plötzlich sitze ich mit offenem Mund da, als hätte mir HAL 9000 höchstpersönlich die Augen geöffnet. Feeding the Machine ist kein schnarchiger Tech-Wälzer, sondern eher wie ein Wachrüttel-Buch mit dem Charme eines Investigativ-Krimis und der Schlagkraft eines linken Hakens ins ethische Gewissen. Muldoon, Graham und Cant zeigen einem ziemlich eindrucksvoll, dass hinter jeder smarten KI nicht Magie, sondern ziemlich viel menschliches Elend steckt.

Während ich also gemütlich meinen Kaffee schlürfe, sitzt irgendwo jemand und klickt sich für einen Hungerlohn durch Millionen Bilder, damit meine App versteht, was ein Hund ist. Und das ist kein hypothetisches Beispiel – die Autoren holen echte Menschen aus dem Schatten der Serverfarmen auf die Bühne, und das auf eine Art, bei der mir mehrmals das Lachen im Hals stecken blieb. Ich sag nur: Kapitalismus in Trainingsdatenform.

Die Geschichten sind so absurd und tragisch, dass ich zwischen Schock, Empörung und „Das kann doch nicht wahr sein?!“-Momenten permanent auf Achterbahnfahrt war. Das Buch ist wie ein Blick hinter den Vorhang des großen KI-Zirkus – und Spoiler: Der Zauberer ist ein schlecht bezahlter Clickworker in Kampala.

Was ich besonders gefeiert habe: Die Mischung aus trockener Analyse und süffisantem Sarkasmus. Da wird nichts beschönigt, aber auch nichts mit moralischem Zeigefinger totgeredet. Die Autoren wissen, was sie tun – und das merkt man auf jeder Seite. Sie zerlegen den Mythos KI mit der Präzision eines Algorithmus, aber mit der Wucht eines Vorschlaghammers.

Nach dem Lesen hab ich ehrlich gesagt kurz überlegt, ob ich meinen Laptop rituell verbrennen sollte. Hab’s dann doch gelassen – aber dafür mein Konsumverhalten überdacht.

Kurz: Wer glaubt, KI sei einfach nur cool und effizient, wird hier ordentlich geerdet. Wer schon skeptisch war, bekommt das passende Feuerwerk dazu. Und wer gar nichts über KI weiß – na, der sollte dieses Buch sowieso sofort lesen.

5 Sterne, weil es weh tut – aber auf die gute Art.

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Veröffentlicht am 13.07.2025

Ein bisschen Wahnsinn, viel Thomas Mann und jede Menge Stil

Ein tadelloses Glück
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Ich habe mir Ein tadelloses Glück geholt, weil ich dachte, das sei ein Liebesroman mit feiner Gesellschaft und bisschen Skandal. Und ja – das ist es. Aber eben auch ein klug gebautes Biopic mit literarischem ...

Ich habe mir Ein tadelloses Glück geholt, weil ich dachte, das sei ein Liebesroman mit feiner Gesellschaft und bisschen Skandal. Und ja – das ist es. Aber eben auch ein klug gebautes Biopic mit literarischem Tiefgang. Heinrich Breloer – sonst eher als Fernseh-Maestro meiner Sonntagabende bekannt – haut hier ein Buch raus, das irgendwo zwischen Historienroman, Reality-Drama und feinem Kammerspiel tanzt.

Thomas Mann als junger, verklemmter, hochbegabter Karrieretyp, der sich durch Münchens Salons stolpert, auf der Jagd nach Anerkennung, Ansehen – und Katia. Dabei liegt zwischen ihm und dem Familienglück so viel gesellschaftliches Parkett, dass einem fast schwindlig wird. Aber hey, das macht Spaß. Denn Breloer schreibt das alles mit so viel Wissen, Leidenschaft und einem leisen Augenzwinkern, dass man sich glatt wie ein Voyeur auf einer besonders guten Party fühlt. Mit Frack. Und innerem Drama.

Manchmal wirkt die Sprache dabei fast filmisch – kein Wunder, das ist halt Breloer. Ich habe das ein oder andere Mal geschmunzelt, gelegentlich laut "Aha!" gesagt, und bei gewissen Szenen mit Thomas' innerem Kampf fast die Luft angehalten.

Ein Stern Abzug? Ja, gibt’s. Weil manche Passagen doch sehr detailverliebt um historische Genauigkeit kreisen – da wurde selbst mir als Mann-Fan kurz mal schummrig. Aber hey: Wenn schon Bildungslektüre, dann bitte so. Elegant, bissig, und mit genug menschlicher Tiefe, um sogar einer Biografie-Roman-Muffel-Front Freude zu machen.

Fazit: Eine feine Mischung aus Feuilleton, Herz, Hirn – und einem Hauch Wahnsinn. Ich bin ziemlich glücklich damit. Tadellos? Fast.

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Veröffentlicht am 13.07.2025

Mein Rücken, Dima und ich – eine (fast) schmerzfreie Liebesgeschichte

SOS, ich habe Rücken
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Mein Rücken und ich – das ist eine toxische Beziehung. Mal meldet er sich beim Schuheanziehen, mal beim Niesen. Kurz: Ich hatte die Schnauze voll. Dann stolper ich über dieses Buch mit dem charmanten Titel ...

Mein Rücken und ich – das ist eine toxische Beziehung. Mal meldet er sich beim Schuheanziehen, mal beim Niesen. Kurz: Ich hatte die Schnauze voll. Dann stolper ich über dieses Buch mit dem charmanten Titel „SOS, ich habe Rücken“ – und denke: Ja, genau! SOS! HILFE! Und siehe da, Dima Kreis eilt herbei. Mit zwei Minuten am Tag. Zwei! Minuten! Da hab ich mehr Zeit gebraucht, um den Fernseher wieder aus dem Standby zu holen.

Was soll ich sagen? Das Konzept ist so simpel wie genial. Die Übungen sind kurz, knackig, und man hat nicht das Gefühl, gleich einen Yoga-Diplom machen zu müssen. Besonders gefallen hat mir, dass nicht nur der Rücken im Fokus steht, sondern auch der ganze Rest vom Körper mal Beachtung bekommt – hallo, Flanken! Wann habt ihr zuletzt was für eure Flanken getan? Eben.

Die Erklärungen sind verständlich, der Ton angenehm locker – keine Fachsimpelei, bei der man gleich einen Anatomie-Atlas nebenlegen muss. Und ja, ich hab tatsächlich ein paar Lieblingsübungen gefunden. Mein persönlicher Favorit heißt „Ahhh, endlich locker!“ – nicht offiziell so benannt, aber so fühlt es sich an.

Warum keine fünf Sterne? Naja, manchmal hätte ich mir noch ein bisschen mehr visuelle Schritt-für-Schritt-Begleitung gewünscht. Manche Übungen musste ich zweimal lesen, bevor ich wusste, wo oben und unten ist – und das lag nicht nur an meinem Rücken. Trotzdem: Ein echter Gamechanger für Rücken-Geplagte mit wenig Zeit und null Bock auf stundenlange Dehnsessions.

Unterm Strich: Ein Buch, das nicht nur verspricht, sondern wirklich entlastet – den Rücken und das schlechte Gewissen. Danke, Dima. Mein Rücken und ich reden wieder miteinander.

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