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Veröffentlicht am 19.07.2020

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Man kann mich sehr einfach sehr glücklich machen, indem man mir eine Geschichte gibt, die irgendwas mit einem Gebäude zu tun hat, das alt und verlassen ist, Geheimnisse oder Schrecken birgt. Dabei ist ...

Man kann mich sehr einfach sehr glücklich machen, indem man mir eine Geschichte gibt, die irgendwas mit einem Gebäude zu tun hat, das alt und verlassen ist, Geheimnisse oder Schrecken birgt. Dabei ist es mir ganz egal, ob das Genre Fantasy, Horror oder Thriller ist, denn ich könnte stundenlang mit den Protas auf Erkundungstour gehen.

Da Offline in einem alten, nur zum Teil renovierten und abgelegenen Hotel spielt, musste ich es natürlich lesen.

Eine kleine Gruppe möchte die Digital Detox Erfahrung machen und ein paar Tage lang ohne Handy und Internet auskommen. Das alles in den Bergen, keine weitere Menschenseele weit und breit. Naja, bis auf zwei Hausmeister, die sich in dieser Zeit um das Hotel kümmern.

Mit dabei ist Jenny, Chefin eines kleinen Teams, das geschlossen an dieser Aktion teilnimmt. Sie begleiten wir über den Großteil des Buches, dabei bleibt sie überraschend blass. Der Rest der Truppe besteht aus ein paar Klischees, wie den markigen Sprücheklopfer, den dicken (und nicht so gut riechenden) Nerd, das ätzende reiche Ehepaar, die eher Schüchterne usw. Das finde ich an sich nicht so schlimm, das kennt man von Thrillern dieser Art. Ein bisschen schade fand ich aber, dass alle gleich klingen. Klar gibt es den ein oder die andere, die mal ein Schimpfwort raushauen, aber ich meine einen echten Dialekt oder eine bestimmte Art Slang, die den Hintergrund des Charakters besser rauskommen lässt. So sprechen einfach alle im selben gestelzten Hochdeutsch, was die Gespräche manchmal etwas unnatürlich oder hölzern wirken lässt.

So viel Hotelerkundung gab es dann leider auch nicht. Nachdem die erste Person verschwunden ist, ziehen alle los und suchen, das gleiche bei der zweiten Person - und das waren auch die spannensten Momente. Eine Szene ist sogar richtig schön unheimlich, wie ich es mag.

Ansonsten gibt es sehr lange "wer könnte es gewesen sein" Gespräche, die wieder und wieder in "beschuldigst du etwa mich?" Geschreie enden. Das meiste davon im selben Raum, was nach einiger Zeit etwas ermüdend ist, weil diese geniale Kulisse doch eigentlich so viel hergibt.

Der Twist am Ende war für mich keiner, weil ich es relativ schnell raushatte, aber natürlich liest man trotzdem gespannt weiter, in der Hoffnung, sich vielleicht doch zu täuschen. So ganz glücklich bin ich mit der Auflösung nicht, aber es wäre leider ein dicker Spoiler, wenn ich da näher auf das eingehe, was sich so unangenehm unnötig durch das Buch zieht. Thriller halt, schwer zu rezensieren ohne zu viel zu verraten. ;)

Am Ende kommt es wohl drauf an, was man erwartet. Ich wollte einen schönen und einfachen Thriller in simpler Sprache, den ich mal eben so nebenbei weglesen kann und über den ich danach nicht mehr groß nachdenken muss und den habe ich auch bekommen. Dafür drei Sterne, für meine Kritikpunkte ziehe ich zwei ab.

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Veröffentlicht am 07.06.2020

Verity

Verity
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2,5 Sterne, aufgerundet.


Ich habe vor vielen Jahren das letzte mal ein Colleen Hoover Buch gelesen und war nicht allzu begeistert. Für mich ist ihr Zeug eher unangenehm bis creepy, was dem Genre, in ...

2,5 Sterne, aufgerundet.


Ich habe vor vielen Jahren das letzte mal ein Colleen Hoover Buch gelesen und war nicht allzu begeistert. Für mich ist ihr Zeug eher unangenehm bis creepy, was dem Genre, in dem sie hauptsächlich schreibt (Romance), nicht grade zuträglich ist. Allerdings sind viele Menschen, die Hoover sonst auch eher kritisch gegenüber stehen, der Meinung, dass genau das zu ihren "Thrillern" passt. (Ich schreibe Thriller in Anführungszeichen, denn so richtig einer ist es irgendwie auch nicht)

Und so habe ich beschlossen, es doch nochmal mit ihr zu probieren.

In Verity geht es um Lowen, eine drittklassige Schriftstellerin, die (wie alle Hoover-Charaktere) einige Schicksalsschläge und jede Menge Drama mit sich herumschleppt. Sie wird unmittelbare und mit Blut besudelte Zeugin eines schlimmen Verkehrsunfalls und trifft in dieser hanebüchenen und merkwürdigen Situation auf einer öffentlichen Toilette Jeremy - der sich dann wenig später rein zufällig als ihr neuer Auftraggeber herausstellt. Lowen soll die super erfolgreiche Buchreihe seiner Ehefrau fortführen. Die liegt in einer Art Wachkoma, denn ihre beiden Zwillingsmädchen sind kurz hintereinander ums Leben gekommen und sie ist aus Verzweiflung gegen einen Baum gefahren.

Lowen soll einige Zeit auf dem Anwesen der beiden verbringen und sich in Veritys Unterlagen einarbeiten. Dabei findet sie ein geheimnisvolles, autobiografisches Manuskript, das Schockierendes offenbart...

Irgendwie hätte das alles Stoff für eine richtig gruselige Geschichte und krasse Wendungen gegeben, aber leider verliert sich Hoover dann doch wieder in die Romanze, denn natürlich verliebt sich Lowen in Jeremy (von Anfang an... Insta-Attraction ahoi). Und ich muss ganz ehrlich gestehen, dass sowas überhaupt nicht mein Ding ist. Da liegt die Ehefrau oben im Wachkoma und Lowen denkt die ganze Zeit nur an Sex mit Jeremy! Und das ist das nächste Ding: es geht fast nur um Sex. Lowen offenbart uns, wie es mit ihren früheren Partnern so war und verliert sich wenig später in Fantasien über den verheirateten Mann, der seine beiden Mädchen verloren hat. Auch Verity ergießt sich in ihrem Manuskript in endlosen Sexszenen. Und natürlich kommt es irgendwann wie es kommen muss (das ist echt kein Spoiler, es ist von Anfang an klar) und Lowen und Jeremy vögeln ausgiebig. Denn der tolle und ach so aufopfernde Ehemann hat leider nie so eine richtige Seelenverwandtschaft zu seiner Frau gespürt, auch wenn er sie geliebt hat. Aber bei Lowen (die sich selbst optisch übrigens als übermüdet und abgewrackt beschreibt) war's sofort um ihn geschehen! Bereits am ersten Tag als er sie mit blutverschmierter Bluse auf dem Klo gesehen hat!

Und immerhin, Hoover gibt sich richtig Mühe, Verity so schlimm wie möglich darzustellen, um das alles zu rechtfertigen, sogar zu romantisieren und Lowen daneben besser aussehen zu lassen (auch wenn das Ende einen eventuellen, winzigen Dreh bringt, darüber schreibe ich aber natürlich nichts weiter).

Und Jeremy, oh Gott... wir erleben diesen Typen nur durch die Linse zweier völlig vernebelter Frauen, aber es scheint, als wäre er der perfekte Ehemann, Vater und Liebhaber. Und er hat den Magic Dick™. Mit dem kann er mit minimalstem Aufwand (und natürliche ohne böse Vorlieben oder Fetische, denn sowas ist in Hoovers Welt verpönt) die Frauen um den Verstand bringen. Oh, und zum Thema Verhütung (keine Kondome da und Lowen nimmt keine Pille) sagt er, er passt schon auf... was ein Traummann, oder?

Vom Sex abgesehen habe ich nicht verstanden, was diese Frauen überhaupt mit ihm wollten. Da war keine Chemie, weder bei Verity noch bei Lowen. Ich hätte mir so sehr ein bisschen "show, don't tell" gewünscht. Was haben sie gemeinsam, warum verbringen sie gern Zeit miteinander? Wie sind diese Verliebtheitsgefühle gewachsen? Der einzige Moment, den Lowen und Jeremy teilen, ist das Klischee unterm Sternenhimmel, während die beiden ihr schweres Los und ihre ganzen Schicksalsschläge darlegen. Sorry, aber das reicht mir nicht. Ausschließlich darüber schafft man keine glaubwürdige und ehrliche Verbindung, zumindest für mich nicht.

Nun stehen hier ja trotz aller Kritik drei Sterne und das hat auch seinen Grund. Das Buch ist gut geschrieben und hat eine gewisse Sogwirkung. Die unangenehme Stimmung im Haus lief auch auf mich über und hat mir sehr gefallen. Das stückweise eingebaute Manuskript schafft einen guten Spannungsbogen. Die Auflösung lässt mich aber etwas zwiegespalten zurück.

Am Ende ist es ein Buch über mindestens eine völlig kaputte Frau im Gone Girl Stil (wer das ist, muss man wohl selbst entscheiden... ich weiß, wer mir lieber ist) und einen ('tschuldigung) Vollhonk. Der einzige, den ich wirklich ein bisschen mochte, war der kleine Crew, der jüngste Sohn von Verity und Jeremy. Aber auch diese Antipathie was die Protas angeht muss man erstmal entstehen lassen können und schlimmer wär's gewesen, wenn ich gar nichts gefühlt hätte.

(Bitte dran denken: das ist mein ganz persönlicher und rein subjektiver Leseeindruck)

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Veröffentlicht am 26.05.2020

Fake Facts

Fake Facts
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"Fake Facts" ist thematisch höchst aktuell. Bevor ich meinen Facebook-Account im März löschte, sind mir immer wieder merkwürdige Beiträge von Bekannten und sogar Verwandten augefallen, die mir ein mulmiges ...

"Fake Facts" ist thematisch höchst aktuell. Bevor ich meinen Facebook-Account im März löschte, sind mir immer wieder merkwürdige Beiträge von Bekannten und sogar Verwandten augefallen, die mir ein mulmiges Gefühl bereitet haben.

Verschwörungstheorien scheinen in der Mitte der Gesellschaft angekommen zu sein. Und sie ebnen häufig den Weg zur politischen und privaten Radikalisierung.

Das Thema treibt mich um, interessiert mich und macht mir Angst. Schon alleine deshalb war ich sehr gespannt auf dieses Buch. Wer hier jedoch ein bloßes Eindreschen auf "Aluhutträger" erwartet, sollte weiter suchen. Gleich zu Beginn wird klargestellt, dass eine Debatte von oben herab nichts bringt und dass wir alle eine mehr oder weniger ausgeprägte Verschwörungsmentalität haben. Das muss nichts Schlechtes sein, denn natürlich hat es in der Geschichte der Menschheit immer mal wieder tatsächliche Verschwörungen gegeben, die aufgedeckt wurden. Und blindes, kritikloses Vertrauen in alles und jeden funktioniert eben auch nicht. So gibt es gleich zur Einstimmung erstmal einen kleinen Test, mit dem man seinen eigenen "Verschwörungswert" herausfinden kann.

Richtig los geht es dann mit nach Kapiteln aufgeteilten Bereichen, bei denen es besonders häufig zu Verschwörungserzählungen kommt. So geht es um den Tod bekannter Persönlichkeiten, Terroranschläge, Krankheiten, das Gesundheitswesen, Antisemitismus, die flache Erde etc. Dabei gibt es Erklärungen: woran wird geglaubt, wo kommt das her und wer ist da überdurchschnittlich häufig anfällig?

Viele dieser Erzählungen kenne ich als Person, die täglich das Internet nutzt natürlich. Trotzdem war auch einiges dabei, was mich ein wenig überrascht hat. Dass es doch so viel zu Prinzessin Diana gibt, war mir gar nicht so bewusst.

Die größte Überraschung war für mich aber, wie sehr Esoterik und rechte Ideologie zusammenhängen. Ich glaube, grade als Frau wird man ja früher oder später mit diesem Kram konfrontiert. Als Jugendliche hatte ich ein Pendel, das als Extra in einer Mädchenzeitschrift daherkam. Damals war ich großer "Charmed"-Fan und es gab unfassbar viele "Hexenbücher", die von ProSieben zur Serie vermarktet wurden und die ich geschenkt bekam. Mein 15-jähriges Ich hat das alles ziemlich ernst genommen. Zum Glück bin ich dem entwachsen und Kartenlegen ist für mich heute nur noch ein lustiger Partygag. Trotzdem hätte ich bis vor einiger Zeit noch naiv gesagt, dass diese Szene recht friedlich, offen und freundlich ist. Ohne Zweifel kann sie das in Teilen auch sein, dennoch scheint dort sehr viel Potenzial für Menschenfeindlichkeit zu stecken. Die Autorinnen berichten von ihrem Besuch auf einer Esoterik-Messe und ich war wirklich baff über die homophoben, sexistischen, rassistischen und einfach nur menschenfeindlichen Weltbilder, die es dort gibt. Dazu wird der Ursprung esoterischer Glaubensrichtungen etwas aufgedröselt und die Verbindung zur rechten Szene erläutert, was ich zwar interessant, aber auch super erschreckend fand. Und natürlich sollte man nie vergessen, dass es bei all dem eben auch einfach ums Geld geht. Die bieten dort ihre Heilsteine, Energiewasser, Heilung durch Handauflegen und was nichts alles ja nicht aus reiner Nächstenliebe, sondern verkaufen ihr Zeug zu teilweise horrenden Preisen. Mit Angst lässt sich halt gut Kassen machen

Zu Linken und Verschwörungserzählungen gibt es natürlich auch ein Kapitel, wobei das Problem dort aber wesentlich kleiner zu sein scheint.

Weiter hinten bekommen wir dann ein paar Tipps, wie damit umzugehen ist, wenn jemand aus dem eigenen Umfeld abdriftet. Leider ist es sehr anstrengend und oft auch fruchtlos, da zu diskutieren. Die Autorinnen plädieren für Geduld und machen deutlich, dass das Runterrattern von Fakten wohl eher nichts bringt. Sie sehen das Gegenhalten aber als Zivilcourage und ja, ich stimme zum Teil auch zu. Grade bei jeglicher Form der Menschenfeindlichkeit sollte man nicht still sein. Allerdings fehlte mir hier die Möglichkeit, es auch einfach gut sein zu lassen und notfalls den Kontakt abzubrechen. Denn es kostet wahnsinnig viel Zeit, Kraft und Energie mit diesen Menschen zu diskutieren und sie dabei wie rohe Eier oder scheue Rehe zu behandeln. All das kann auch zur Folge haben, dass man selbst angegriffen und beleidigt wird - auch von Familienmitgliedern. Die Option, sich da rausziehen zu können, sollte man dann schon haben.

Glücklicherweise machen die Autorinnen im nächsten Abschnitt nochmal deutlich, dass Menschen, die an Verschwörungserzählungen glauben, eben nicht nur bloße Opfer sind und dass ihre Haltung super gefährlich werden kann.

Alles in allem ein sehr interessantes Buch, das nochmal einige Denkanstöße mitgibt und sehr angenehm flüssig zu lesen ist. Mir hat es richtig gut gefallen.

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Veröffentlicht am 03.05.2020

How Not to Diet

How Not to Diet
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Ich interessiere mich ja sehr für Ernährung, vor allem deshalb, weil ich chronisch krank bin und gemerkt habe, dass es mir besser geht, wenn ich nicht nur Müll in mich hinein stopfe.

Leider bin ich mit ...

Ich interessiere mich ja sehr für Ernährung, vor allem deshalb, weil ich chronisch krank bin und gemerkt habe, dass es mir besser geht, wenn ich nicht nur Müll in mich hinein stopfe.

Leider bin ich mit den meisten Ratgebern nicht zufrieden, denn oft steht nur eine Ernährungsform im Vordergrund, die angepriesen und als einzig wahre Lösung verkauft wird. Deren Jünger:innen springen dann auf alle, die eine andere Meinung vertreten.

Mein letzter Ausflug ging in Richtung intuitives Essen, was ich weiterhin nicht schlecht finde. Das dazugehörige Buch hat mich aber leider überhaupt nicht überzeugt. Vor allem der offensichtliche Versuch, ordentlich Geld mit Programmen und Produkten zu scheffeln, hat mich abgeschreckt. Umso schöner, dass Greger das Geld, das er mit seinen Büchern einnimmt, komplett spendet!

"How Not to Diet" ist ein ganz schön dicker Wälzer geworden. Der Autor liefert wahnsinnig viele Infos, rattert eine Studie nach der anderen runter, wirft mit Fachbegriffen um sich und geht verschiedene Diätformen und deren Nutzen durch.

Anfangs geht es viel um den Schrott, den wir so essen. Dabei wird sich hauptsächlich auf die erschreckende Ernährungssituation in den USA bezogen, aber auch bei uns gibt es Nachholbedarf, was Zucker-, Salz- und Fettmengen angeht.

Interessant finde ich, dass Greger sehr scharf gegen die Lebensmittelindustrie schießt, die ja darauf angewiesen ist, dass Menschen immer mehr essen, damit sich die Gewinne stetig steigern. Er bezeichnet Übergewicht als normale Reaktion des Körpers auf eine unnormale Welt. Denn früher war noch nicht abzusehen, dass man einen fertigen Kuchenriegel ohne großen Aufwand einfach so jederzeit kaufen kann - und der Körper sucht nun mal automatisch nach kalorienreichen Lebensmitteln. Der Autor nimmt die Schuld und den Druck vom Einzelnen und sieht unter anderem auch das System kritisch und die Regierung in der Pflicht.

Die Tipps zur gesunden Ernährung haben mir gefallen, auch wenn natürlich manches - wie z.B. viel Gemüse - klar sein sollte. Es werden aber auch Superfoods wie Chia- und Leinsamen unter die Lupe genommen.

Spannend ist sicher für viele auch, dass beim Essen nicht nur das Was, sondern auch das Wie und sogar das Wann zählen. Von Chronobiologie hatte ich tatsächlich noch nichts gehört!

Ernährung ist eben am Ende wahnsinnig kompliziert und wir lernen immer wieder Neues dazu.

"How Not to Diet" liefert den aktuellen wissenschaftlichen Stand und ist auf jeden Fall empfehlenswert.

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Veröffentlicht am 03.05.2020

Das wirkliche Leben

Das wirkliche Leben
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CN: häusliche Gewalt, psychische Gewalt, Tierquälerei (viel davon... damit hatte ich nicht gerechnet)


Dieses Buch hat mich komplett gefesselt und ich habe es fast in einem Rutsch durchgelesen. Und ich ...

CN: häusliche Gewalt, psychische Gewalt, Tierquälerei (viel davon... damit hatte ich nicht gerechnet)


Dieses Buch hat mich komplett gefesselt und ich habe es fast in einem Rutsch durchgelesen. Und ich bin ganz froh, dass es nicht allzu dick ist, denn die Geschichte hat mich doch ziemlich mitgenommen.

Die namenlose Ich-Erzählerin lebt mit ihren (ebenfalls namenlosen) Eltern und dem kleinen Bruder Gilles zusammen. Der Vater ist ein Tyrann, der die Mutter schlägt und immer wieder Wutanfälle bekommt. Alle im Haus haben Angst vor ihm und laufen wie auf Eierschalen, um ihn nicht zu reizen.

Als eines Tages die Sahnemaschine des Eisverkäufers explodiert und ihm vor den Augen der Kinder das halbe Gesicht wegsprengt, bemerkt die Protagonistin eine Veränderung in ihrem Bruder. Aus dem lieben Jungen mit dem hübschen Lachen wird ein zurückgezogener Tierquäler, der später auch anfängt, die große Leidenschaft des Vaters (die Jagd) zu teilen. Die Protagonistin kennt nur eine Lösung: sie muss in der Zeit zurückreisen, um diesen Tag ungeschehen zu machen. Voller Hoffnung stürzt sie sich in die Physik. Dabei vergehen die Jahre und die Lage zuhause spitzt sich zu...

Das Thema häusliche Gewalt - grade Gewalt gegen Frauen - ist eines, das mich sehr umtreibt. Ich habe mich in letzter Zeit viel damit beschäftigt und darüber gelesen, grade auch zur Psychologie dahinter. Darum hatte ich anfangs schon die Befürchtung, das Buch würde in die typischen Klischees abrutschen. Die Protagonistin verachtet ihre Mutter dafür, dass sie sich so behandeln "lässt" und nie den Mut hat, für sich einzustehen. Sie wird immer wieder als "Amöbe" und als "Nichts" bezeichnet. Als der Vater seine Tochter jedoch einmal geistesabwesend "mein Schatz" nennt, glüht sie vor Freude. Das war für mich echt kaum erträglich. Zum Glück löst sich das alles später dann jedoch ein wenig auf. Die Protagonistin kommt selbst in die Situation gelähmt vor Angst, "das Nichts" und "die Amöbe" zu sein und kann ihre Mutter etwas besser verstehen. Die beiden entwickeln sogar eine kleine Verbindung und die Mutter hat tatsächlich Interessen und Wissen. Ein "Nichts" ist sie also nicht!

Trotzdem hätte ich mir noch ein ganz kleines bisschen mehr Einordnung gewünscht. Gewaltbetroffene Frauen müssen sich immer wieder Fragen lassen, warum sie das denn mitmachen (oder so lange mitgemacht haben). Dabei wird ausgeblendet, dass da ja oft eine sehr lange Zeit der psychischen Manipulation vorausgegangen ist. Die Frauen sind oft isoliert und wissen nicht wohin. Viele sind auch finanziell abhängig. Oft glauben sie, selbst Schuld zu sein, es zu verdienen, schämen sich. Und was auch oft vergessen wird: die Zeit um die Trennung herum ist die mit Abstand Gefährlichste für diese Frauen!

Die Mutter in der Geschichte hatte also auch ihre Gründe dafür, dieses Leben zu führen und ich hätte gerne mehr über sie erfahren, z.B. wie sie den Mann kennengelernt hat und wie es damals zur Hochzeit gekommen ist.

Die Ich-Erzählerin wird in den Lobgesängen für das Buch oft als stark beschrieben. Wahrscheinlich deshalb, weil sie sich "männlicher" Interessen bedient (Mathe, Physik) und immer wieder betont, dass sie nicht so werden will, wie ihre Mutter. Dabei fand ich sie grade in ihrer Schwäche großartig. Sie muss nämlich feststellen, dass auch sie sich nicht gegen den Vater wehren kann, weil der nun mal einfach körperlich viel stärker ist, als ein kleines Mädchen. Außerdem trägt sie eine ziemliche Arroganz in sich, weil sie klüger ist als andere - was wunderbar in das Gesamtbild dieses Charakters passt. Sie hat keine Freunde und wertet die anderen in der Schule immer wieder ab, um sich selbst aufzuwerten. Und irgendwie ist das auch typisch Teenie!

Hinten auf dem Buch steht etwas davon, dass sie sich "aus der weiblichen Opferrolle befreit". Da kann die Autorin wohl nichts für, aber das finde ich eine absolute Frechheit. Erstmal: weibliche Opferrolle? Was ist das? Und was ist eine männliche Opferrolle, wenn es die gibt? Außerdem spielt hier niemand eine Rolle! Die Frauen in diesem Buch sind wirklich Opfer und es wäre so schön, wenn dieser Begriff nicht so negativ besetzt wäre. Die Protagonistin sagt am Ende selbst, dass sie kein Opfer sein will, wie so viele Menschen, denen Gewalt angetan wurde. Aber warum eigentlich nicht? Wie konnte es so weit kommen, dass der Begriff als so schlimm empfunden und mit Passivität und Schwäche verbunden wird? Und: Wo kein Opfer ist, weil sich alle "befreien", gibt es dann überhaupt noch einen Täter? Das sind nur so meine Gedankengänge dazu, ich weiß es leider selbst nicht.

Übrigens, kleiner Spoiler: Ich fand nicht, dass sie sich am Ende selbst befreit hat. Aber wer weiß, wie andere das interpretieren.

Der Wissensdurst der Protagonistin hat mir gefallen. Ich mochte ihre Sitzungen beim alten Physiker. Ihre Motivation den kleinen Bruder zu retten, ist allerdings nichts Neues. In Büchern (und anderen Medien) werden Mädchen immer wieder zu Heldinnen, weil es um ihre Familie geht, selten um ihrer selbst willen. (Bekanntestes Beispiel Katniss, die sich freiwillig als Tribut meldet, um ihre Schwester zu beschützen.)

Die Geschichte der Frau des Physikers, hat mich zutiefst berührt. Auch hier spielt wieder geschlechtsspezifische Gewalt eine Rolle und ich musste richtig weinen. Das passiert mir so selten beim Lesen!

Eine Sache auf die ich hätte verzichten können, war die Sexszene. Die Protagonistin arbeitet als Babysitterin für ein junges Paar, die sie "die Feder" und "der Champion" nennt. Sie steht auf letzteren und dabei ist es ihr egal, ob sie erstere mag. Es kündigte sich schon eine Weile an, doch ich hatte trotzdem gehofft, dass die Autorin darauf verzichtet. Ein erwachsener Mann schläft also mit einem Teenie-Mädchen und mir persönlich dreht sich da komplett der Magen um. Das ist überhaupt nicht mein Ding, egal, ob es einvernehmlich war.

Der Schreibstil ist übrigens toll. Simpel, um die Kindlichkeit der Protagonistin zu unterstreichen und doch sehr fantasievoll. Das hat mir richtig gut gefallen. Hinzu kommt die bedrückende Stimmung, die Angst vor dem, was als nächstes passiert, weil man da schon so eine Ahnung hat... Man will das Buch weglegen und kann doch nicht aufhören zu lesen.

Insgesamt muss ich einfach sagen, dass mich die Geschichte total erreicht hat. Es ist aber verdammt harter Tobak und ich lag gestern noch lange wach und habe darüber nachgedacht. Und die besten Bücher sind doch die, die richtig nachhängen und auch nach der letzten Seite nicht loslassen wollen!

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