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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 23.10.2022

Es hätte ein Highlight werden können!

Café Leben
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Henrietta Lockwood lernt in ihrem neuen Job im Hospiz die 66-jährige Annie kennen. Ihre Aufgabe ist es, die Lebensgeschichte der Patienten aufzuschreiben.
Annie hat Krebs im Endstadium und ihr bleibt ...

Henrietta Lockwood lernt in ihrem neuen Job im Hospiz die 66-jährige Annie kennen. Ihre Aufgabe ist es, die Lebensgeschichte der Patienten aufzuschreiben.
Annie hat Krebs im Endstadium und ihr bleibt nur noch wenig Zeit, anderen von ihrer Geschichte zu erzählen, damit sie nicht wie sie selbst, ihr ganzes Leben verschwenden.

Die 32-jährige Henrietta ist dabei nicht etwa die soziale und einfühlsame Persönlichkeit, die man sich zunächst vielleicht vorstellen mag.
So versucht sie zunächst Annies Geschichte anhand eines Fragebogens abzuarbeiten, was wiederum vor allem Annie missfällt, die eine genaue Vorstellung von dem hat, was sie der Nachwelt mitteilen möchte.
Auch das spurlose Verschwinden ihrer Schwester vor 46 Jahren kommt dabei zur Sprache, dass Henriettas Interesse weckt und sie beginnt auf eigene Faust zu recherchieren, was damals passiert ist.

Mit Henrietta und Annie treffen zwei vollkommen verschiedene Charaktere aufeinander, die doch viel gemein haben.
Die anfängliche Distanz die sich zu einer Verbundenheit wandelt, finde ich dabei nicht glaubwürdig ganz dargestellt.

Während mir das erste Drittel der Geschichte ausgesprochen gut gefallen hat, geht der Story ab etwa der Hälfte dann immer wieder mal die Puste aus und es wird leider ein wenig zäh. Zum Ende hin überschlagen sich wiederum die Ereignisse.

Obwohl es zahlreiche emotionsgeladene Passagen gibt, die das ein oder andere Taschentuch erfordern könnten, fand ich das Potential einiger Handlungselemente nicht voll ausgeschöpft.
Manche Kernaussagen gehen regelrecht verloren. So auch der eindringliche Wunsch Annies, dass Henrietta nicht den selben Fehler wie sie begehen möge. Henrietta ist jedoch in einer vollkommen anderen Lebenssituation.

Während ich anfangs noch überzeugt war, ein echtes Highlight in den Händen zu halten, hat mich der Gesamteindruck ein wenig enttäuscht!
Nichtsdestotrotz ist es allemal ein sehr lesenswertes Buch, wenn auch mit ein paar kleineren Schwächen.

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Veröffentlicht am 17.10.2022

Unvorhersehbar und hochspannend

Rachejagd - Gequält
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Unvermittelt erhält Journalistin Anna einen mit Blut befleckten Brief. Die Handschrift erinnert an Edward Harris, den Stalker, der sie und ihre Freundin Natalie drei Jahre zuvor entführt und ...

Unvermittelt erhält Journalistin Anna einen mit Blut befleckten Brief. Die Handschrift erinnert an Edward Harris, den Stalker, der sie und ihre Freundin Natalie drei Jahre zuvor entführt und schwer misshandelt hat.
Als Anna in einem günstigen Moment die Flucht gelingt, muss sie Natalie zurücklassen, die dies anschließend mit ihrem Leben bezahlt.
Nun scheint der Wahnsinnige zurück und auf der Jagd nach ihr zu sein.
Annas Jugendfreund, der FBI-Agent Nick Coleman nimmt in diesem Fall die Ermittlungen auf und auch Profilerin Lynette McKenzie und Arbeitskollege Zane Newton versuchen Anna zu helfen.
Doch Harris entpuppt sich als Bedrohung für ihr gesamtes Umfeld, keiner scheint mehr sicher, am wenigsten Anna selbst, denn trotz Polizeischutz kommt er ihr gefährlich nah.

Den Autoren Stevens & Suchanek ist mit dem ersten Band ein beeindruckender Auftakt zur geplanten Trilogie gelungen, die ich ganz bestimmt weiterverfolgen werde.

Eigentlich wollte ich nur mal eben kurz in die Story reinschnuppern und zack, schon war ich mittendrin und habe eine Seite nach der anderen verschlungen.
Der Schreibstil ist einfach super und konnte mich von Beginn an mitreissen.
Die Handlung ist temporeich und hält für den Lesenden einiges parat, weshalb aufgrund der zahlreichen unglaublichen und dramatischen Wendungen, ein durchweg fesselnder Spannungsbogen vorhanden ist.
Den Autoren ist es absolut gelungen, einen aufregenden Thriller zu konstruieren, in dem nahezu jeder Charakter auf eine gewisse Art und Weise und sei es nur minimal, verdächtig erscheint. Überall lodert ein kleiner Funken Misstrauen.
Nicht ohne Grund, die Karten werden mehrfach komplett neu gemischt, das Feld der Verdächtigen scheint riesengroß und der Täter ist immer ein paar Schritte voraus.
Auch wenn mir das Katz-und Maus-Spiel zwischen allen Beteiligten manchmal leicht übertrieben wirkt, kommen die Gänsehaut-Momente nicht zu kurz.
Die Hauptprotagonisten Anna und Nick wirken auf mich hier etwas farblos, gedanklich war ich nämlich mehr mit der Tätersuche beschäftigt, als mit diesen beiden Charakteren mitzufiebern.
Ein wenig mehr Tiefgang bei der Vorstellung hätte sicher gut getan, aber vielleicht heben sich die Autoren dies noch für die übrigen Teile der Trilogie auf. Es bleibt definitiv spannend!

Ich vergebe in jedem Fall eine Leseempfehlung und freue mich als nächstes auf Band 2, der glücklicherweise bereits im Dezember erscheint.

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Veröffentlicht am 11.10.2022

Wunderbar hyggelig!

Zimtschneckentage
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„Zimtschneckentage“ ist eine butterweiche, schöne Geschichte rund um Kolumnistin Mia, die mich von Beginn an einnehmen konnte.
Die Seiten flogen nur so dahin, während sich die Hauptprotagonistin den zahlreichen ...

„Zimtschneckentage“ ist eine butterweiche, schöne Geschichte rund um Kolumnistin Mia, die mich von Beginn an einnehmen konnte.
Die Seiten flogen nur so dahin, während sich die Hauptprotagonistin den zahlreichen plötzlichen Entwicklungen und Verwicklungen in ihrem Leben stellen muss.
Die unerwartete Begegnung mit ihrem Ex-Freundes Jonas beispielsweise, aber auch ihre Freundinnen Henrieke und Valerie sorgen jedenfalls durchweg für reichlich Wirbel und Spannung über das ganze Buch hinweg.

Mir hat dabei nicht nur die Story sehr gut gefallen, auch die Charaktere fand ich authentisch, wobei Mia mit ihrer lieben Art, mir besonders sympathisch war, obwohl sie meiner Ansicht nach, an zwei Stellen fast etwas zu nachsichtig mit ihren Mitmenschen erschien.
Der Autorin gelingt mit diesem Roman genau das, womit sich die Hauptprotagonistin erfolgreich in ihrer Kolumne beschäftigt, nämlich das „Hygge“-Gefühl dem Leser näher zu bringen und echtes Fernweh nach Dänemark auszulösen.

Ein großes Highlight ist natürlich auch das Zimtschnecken-Rezept, welches im Buch enthalten ist und das ich im Vorfeld direkt ausprobiert habe - Ein Träumchen!!!

Für mich kam dieser zuckersüße Roman jedenfalls genau richtig, da es draußen kalt, regnerisch und ungemütlich wurde und er mich quasi zu einem wunderbar „hyggeligen“ Nachmittag in meinem gemütlichen Lesesessel einlud, zusammen mit ein paar leckeren Zimtschnecken.

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Veröffentlicht am 11.10.2022

Karin Slaughter in Hochform

Die Vergessene
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Andrea Oliver ist gerade zum US-Marshal ernannt worden und wird prompt ins beschauliche Longbill Beach versetzt. Dort soll sie eine Bundesrichterin beschützen, die Morddrohungen erhält. Bei der Richterin ...

Andrea Oliver ist gerade zum US-Marshal ernannt worden und wird prompt ins beschauliche Longbill Beach versetzt. Dort soll sie eine Bundesrichterin beschützen, die Morddrohungen erhält. Bei der Richterin handelt es sich um Esther Vaughn, die Mutter von Emily. 1982 ist das damals hochschwangere Mädchen, am Abend ihres Abschlussballs, einem brutalen Verbrechen zum Opfer gefallen. Der Täter konnte nicht ermittelt werden.
Vor Ort angekommen, stellt Andrea auch aus einem möglichen persönlichem Interesse heraus, Nachforschungen zu diesem Fall an, um dem Mörder von Emily auf die Spur zu kommen. Könnte ihr Vater womöglich in die Sache involviert sein?

Hier baut „Die Vergessene“ auf den Vorgänger „Ein Teil von mir“ auf, der sich mit der Vorgeschichte von Andrea Oliver beschäftigt. Es ist jedoch nicht zwingend notwendig, vorab Teil 1 gelesen zu haben, um der Story von Band 2 folgen zu können.
Das Buch teilt sich in zwei Handlungsstränge, die einerseits die Geschehnisse rund um den Mordfall von Emily aus den Jahren 1981/82 beleuchten und dabei schrittweise aufdecken und andererseits in die Gegenwart, wo Andrea und ihr Partner erneut Ermittlungen zu diesem Fall aufnehmen.
Gerade Hauptprotagonistin Andrea, mit der ich am Anfang noch leichte Schwierigkeiten habe, kann mich dann aber, anhand ihrer persönlichen Entwicklung im Verlauf der Geschichte, beeinflusst auch durch Deputy Bible, überzeugen.

Karin Slaughters große Gabe ist ganz klar ihr unverwechselbarer Schreibstil, ich liebe ihn!
Er vermag es jedes Mal, mich direkt zu Beginn einer Geschichte zu packen und lässt bis zur letzten Seite einfach nicht mehr los.
So hat sie auch hier wieder ein Universum voller mysteriöser, vielschichtiger und realistisch dargestellter Charaktere geschaffen und damit die zahlreichen Seiten voll mit Leben, Überraschungen und inhaltlicher Tiefe gefüllt, ohne das es überladen wirkt.
Diese Liebe zum Detail zeigt sich schon relativ am Anfang.
Es handelt sich um eine Szene, die die enge und herzerwärmende Bindung zwischen Emily und ihrer Oma beschreibt, die mittlerweile durch die Demenz sehr verwirrt ist, aber ab und zu auch noch klare Momente hat.
Emily drückt es in einem Gedankengang so aus:
„Demenz glich irgendwie einem Spaziergang im Familienschrank mit vielen Skeletten.“ (S.8)
In meinen Augen ein ausgesprochen phantasievoller und schöner Vergleich.

Die Autorin hat mich mit dieser Geschichte wieder einmal restlos begeistern können und erhält eine dicke Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 04.10.2022

Guter Auftakt

Ich will nur spielen
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Von Berlin aus zieht der verwitwete Kriminalkommissar Maik Michalski zusammen mit seiner kleinen Tochter Lilly in die Kleinstadt Werder. Mit der Idylle ist es jäh vorbei, als im Stadtpark eine Frauenleiche ...

Von Berlin aus zieht der verwitwete Kriminalkommissar Maik Michalski zusammen mit seiner kleinen Tochter Lilly in die Kleinstadt Werder. Mit der Idylle ist es jäh vorbei, als im Stadtpark eine Frauenleiche auftaucht, der auch noch beide Augäpfel fehlen.
Bald wird klar, dass es sich hierbei nicht um eine Einzeltat handelt und der Täter noch dazu, scheinbar absichtlich, Hinweise in Form von kleinen Gegenständen hinterlässt.
Ausgerechnet ein ehemaliger Kollege aus Berlin, mit dem schon die frühere Zusammenarbeit unerträglich war, wird Maik zur Unterstützung bei der Mordermittlung an die Seite gestellt.

Anfangs ging ich davon aus, hier erwartet mich ein brutaler Thriller mit zu Tode gequälten und misshandelten Opfern, die sich durch sämtliche Kapitel ziehen.

Doch statt vermeintlichen Blutdurst zu stillen, gibt die Story viel mehr Einblick in die Psyche des Täters, der in mehreren Etappen selber zu Wort kommt und prägende Ereignisse aus seiner Vergangenheit preisgibt.
Was die tatsächliche Message ist, die er mit Hinweisen zu übermitteln versucht, ist einerseits offensichtlich und gleichzeitig so subtil, dass man erst beim ganz genauen Hinsehen wahrnimmt.

Von Anfang bis Ende ein gelungener Thriller, der mir dank des angenehmem, flüssigen Schreibstils, vortrefflich dargestellten Charakteren und dem spannungsreichen Plot mit entsprechend gut platzierten Twists, durchweg wahrhaft Freude beim Lesen beschert hat.
Ein kleines Manko gab es für mich nur am Ende.
Der Epilog hätte, für meinen Geschmack und im Rückblick auf die Handlung, inhaltlich mehr Potential gehabt, als ihm eingeräumt wurde. Wohingegen die übrigen Kapitel durchweg sehr ausgewogen sind, keine störenden Längen enthalten und einen lockeren Lesefluss ermöglicht haben. An dieser Stelle hätte es vermutlich auch den Rahmen gesprengt, wäre in der Geschichte intensiver auf die Vergangenheit des Hauptprotagonisten Maik eingegangen worden. Dieser wird mehrfach von schlimmen Albträumen geplagt, die ein interessantes Licht auf seine Vorgeschichte werfen und Stoff für noch folgender Bücher bzw. eine Reihe bieten.
Es schreit quasi schon nach einer Fortsetzung, die ich auch in jedem Fall lesen wollen würde.

Für ein Highlight ist zwar noch ein bisschen Luft nach oben, nichtsdestotrotz wurde ich hier sehr gut und fachlich einwandfrei recherchiert unterhalten und vergebe daher auf jeden Fall eine Leseempfehlung!

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