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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 05.09.2025

Viele aktuelle Themen

Heimat
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„Heimat“ hat mir insgesamt gut gefallen - in ihrem Buch porträtiert die Autorin unsere Gesellschaft und beleuchtet dabei eine Vielzahl von Aspekten.

Mit Jana treffen wir auf eine Frau und Mutter, die ...

„Heimat“ hat mir insgesamt gut gefallen - in ihrem Buch porträtiert die Autorin unsere Gesellschaft und beleuchtet dabei eine Vielzahl von Aspekten.

Mit Jana treffen wir auf eine Frau und Mutter, die versucht Arbeitsleben und Mutterschaft in Einklang zu bringen. Erst kürzlich ist sie mit ihrem Mann aufs Land gezogen und trifft dort auf die TradWife Influencerin und Vorzeige-Ehefrau und Mutter Caro, die sie schnell in ihren Bann zieht.

In vielen der Gedanken zur Kindererziehung und zur Zerrissenheit zwischen den Erwartungen von Familie, Arbeit und Gesellschaft kann man sich durchaus wiederfinden. Und dennoch wird auch deutlich, dass wir es hier viel mit Schein und weniger mit Sein zu tun haben. Gezeigt wird eine schleichende Radikalisierung hin zu bedenklich rechtem Gedankengut - erschütternd und doch auch besorgniserregend real und aktuell. Leider sind mir die Charaktere alle etwas zu distanziert gewesen, ich habe keinen guten Zugang gefunden.

Die Hörbuchsprecherin hat mir persönlich sehr gut gefallen. Sie hat eine sehr angenehme Stimme und hat das Abdriften der Protagonistin und deren Innenwelt gut transportiert. Die Distanz lag meiner Meinung nach eher im Text begründet.

Ich finde es gut und wichtig, sich mit den hier skizzierten, gesellschaftlichen Entwicklungen kritisch auseinander zu setzen und empfinde das Buch als eine gute Möglichkeit das zu tun, insofern man sich mit der Beobachterrolle wohlfühlt.

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Veröffentlicht am 04.09.2025

Zwischen Genialität und Absurdität

Dr. No
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Verrückt - anders kann ich dieses Leseerlebnis nicht beschreiben. Auf der einen Seite ist es ein unfassbar intelligentes Buch, voller Wort-(Witz) und sprachlicher Spielereien rund um die Mathematik im ...

Verrückt - anders kann ich dieses Leseerlebnis nicht beschreiben. Auf der einen Seite ist es ein unfassbar intelligentes Buch, voller Wort-(Witz) und sprachlicher Spielereien rund um die Mathematik im Allgemeinen und das Nichts im Speziellen. Auf der anderen Seite ist die Handlung überschaubar und die Situationen teils einfach nur absurd.

So ist schon aufmerksames Lesen erforderlich - die ein oder andere Passage musste ich tatsächlich auch zweimal lesen. Insbesondere Kapitel eins ist schon sehr wirr und verlangt einem einiges ab. Es wird besser danach, aber der Stil wird schon deutlich und Auslassungen rund um das Nichts ziehen sich durch das ganze Buch.

Es gibt Passagen, die haben mich zum Lachen gebracht, es gibt welche, die habe ich glaube ich nicht verstanden. Gesellschaftskritik dringt auf jeden Fall durch, aber ob ich die Intention des Autors komplett durchblickt habe kann ich nicht sagen.

Für mich war es ein überraschendes, einzigartiges Leseerlebnis. Ich bereue es nicht, fand es aber auch anstrengend genug, dass ich sowas jetzt nicht nochmal brauche. Zumindest nicht direkt.

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Veröffentlicht am 28.08.2025

Mutige Geschichte

WARDA
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Warda ist meiner Meinung nach ein sehr mutiges Buch, das ein brisantes Szenario durchspielt und dabei große Fragen aufwirft. Leider bin ich der Meinung, dass erzählerisch/schriftstellerisch noch Luft nach ...

Warda ist meiner Meinung nach ein sehr mutiges Buch, das ein brisantes Szenario durchspielt und dabei große Fragen aufwirft. Leider bin ich der Meinung, dass erzählerisch/schriftstellerisch noch Luft nach oben ist.

Ist Liebe stärker als Hass? Diese Frage behandelt die Autorin in ihrer dramatischen Liebesgeschichte, die einige aktuelle Themen rund um Fremdenhass und Vergeltung aufgreift.

Leider erklärt und kommentiert mir der allwissende Erzähler zu viel, was eigentlich auch durch die Handlung der Personen und das Setting klar wurde. Dadurch wirkt es manchmal etwas plump. Auch die Entwicklung der Liebesgeschichte konnte mich emotional nicht so richtig erreichen und einiges - insbesondere in Bezug auf die Recherche, die Warda durchführt - ging mir zu schnell und zu einfach von statten.

Gestalterisch hat mich das Cover tatsächlich angesprochen - es ist irgendwie anders und sprang mich an. Typografisch konnte mich die Gestaltung der Kapitelüberschriften aber nicht überzeugen - aber das ist wohl Geschmacksache.

Es ist ein Roman, der definitiv Potential hat und zum nachdenken anregt, der textlich aber noch besser umgesetzt werden könnte.

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Veröffentlicht am 20.08.2025

Porträt einer beeindruckenden Frau

In uns der Ozean
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Ich bin sehr froh, dieses Hörbuch gehört zu haben. Es geht um das Leben einer inspirierenden Persönlichkeit, die nicht nur als Mutter der modernen Umweltbewegung gilt sondern noch dazu täglich Stärke und ...

Ich bin sehr froh, dieses Hörbuch gehört zu haben. Es geht um das Leben einer inspirierenden Persönlichkeit, die nicht nur als Mutter der modernen Umweltbewegung gilt sondern noch dazu täglich Stärke und Durchsetzungsvermögen in einer von Männern dominierten Welt bewiesen hat.

Rachel Carson hat eine beeindruckende Biografie vorzuweisen und ein Leben voller persönlicher Tragik geführt. Ihre Liebe zur Biologie, zu allen Pflanzen und Tieren im Allgemeinen und zum Meer im Besonderen kommt in diesem Roman ganz toll zum Tragen. Ihre Begeisterung für die Natur wird sehr authentisch erzählt, ebenso wie ihr Kampf gegen den achtlosen Einsatz von Pestiziden wie DDT.

In ganz vielen Aspekten fand ich die Handlung erschreckend - nicht nur in Bezug auf den Umgang mit und die Auswirkungen von Pestiziden in den 1950er und 1960er Jahren, sondern auch in Bezug auf das Frauenbild. Nicht, dass mir das nicht bekannt gewesen wäre, aber der Autorin gelingt es wahnsinnig gut, die damalige gesellschaftliche Situation zum Leben zu erwecken. Ich konnte sehr gut mitfühlen, mich mitärgern und blicke nun einfach nur voller Hochachtung auf diese besondere Frau.

Elke Schützhold hat das Hörbuch ganz wunderbar ruhig und unaufgeregt aber lebendig eingelesen. Rachel Carson, ihre Verzweiflung, ihre Begeisterung, ihre Liebe, ihre kämpferische Natur kommen ganz toll zum Ausdruck.

Ein Hörbuch, das inhaltlich meiner Meinung nach nichts an Aktualität eingebüßt hat. Ich kann es nur wärmstens empfehlen.

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Veröffentlicht am 16.08.2025

Stilistisch nicht mein Fall

Onigiri
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Das Cover habe ich tatsächlich erst verstanden, nachdem ich „Onigiri“ gegoogelt habe. Diese japanische Speise hat für die Protagonistin des Buches eine sehr wichtige Bedeutung und steht für ihre Kindheitserinnerungen, ...

Das Cover habe ich tatsächlich erst verstanden, nachdem ich „Onigiri“ gegoogelt habe. Diese japanische Speise hat für die Protagonistin des Buches eine sehr wichtige Bedeutung und steht für ihre Kindheitserinnerungen, aber auch für Trost und Sicherheit. Somit finde ich das Cover wirklich sehr gelungen.

Das Buch hat mir stilistisch aber leider gar nicht gefallen. Das ist schade, denn die erzählte Familiengeschichte und die Auseinandersetzung mit Demenz hatten viel Potential und fand ich insgesamt auch sehr interessant.

Als roter Faden wird die Japanreise von Mutter und Tochter erzählt. Die letzte Reise der demenzkranken Keiko zu ihrer Familie. Diese Handlung ist umgeben von vielen kleinen Erinnerungs-Episoden. Kurze Abschnitte mit wechselnden Erinnerungen aus dem Alltag und dem Leben der Familie aus Sicht von Tochter und Protagonistin Aki. Anhand dieser wird das Leben der Familie dargestellt: Es geht um die junge Keiko und wie sie nach Deutschland kam, deren Ehe, die Kindheit, Jugend und das Erwachsenenleben von Aki. Es geht um die Großeltern, um Akteptanz, kulturelle Unterschiede, Heimatverlust… also ganz viele spannende Themen.

Leider sind diese Erinnerungsschnippsel sehr sprunghaft. Es wird zeitlich gesprungen, so dass ich manchmal nicht ganz zuordnen konnte, wo man gerade ist. Sie sind aber auch inhaltlich sprunghaft. Ein Satz kann einen Gedanken aufgreifen, der nächste schon wieder einen ganz anderen. Auch arbeitet die Autorin mit langen Sätzen, in denen Gedanken per Komma aneinander gehängt werden. Auch wörtliche Rede wird ohne Anführungszeichen in diese langen Satzkonstruktionen mit eingebaut. Man kann sich einlesen, mir fiel es mit der Zeit leichter, aber irgendwie kam keine richtige Verbindung zu den Charakteren auf und ich hatte den Eindruck, der Text leiert sich so runter.

Durch diese kurzen Einblicke in die Erinnerung - was thematisch ja eigentlich eine Idee ist, die sehr gut zur Demenz und dem Verlust der Erinnerung passt - wurden viele Aspekte beleuchtet aber nicht so richtig tiefgehend ausgearbeitet. So baut sich nach und nach zwar ein Bild der Familie auf, die Charaktere blieben mir aber zu distanziert und ich eher ferne Beobachterin. Nichtsdestotrotz haben mir die Schilderungen der Demenz und der Umgang der Tochter mit ihrer Mutter gefallen.

Gut finde ich auch, dass die Autorin mit japanischen Begriffen arbeitet und diese in einem Glossar erläutert werden. Für E-Book Leser wären Erläuterungen auf der Seite einfacher, aber es sind welche da.

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